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Leserbriefe zu „Auge um Auge, Zahn um Zahn,

Veröffentlicht in: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Friedenspolitik, Leserbriefe, Militäreinsätze/Kriege, Wertedebatte

diese primitive Ideologie beherrscht das Weltgeschehen. Muss das wirklich so sein?“
Es kamen eine größere Zahl von interessanten Leserbriefen. Diese geben wir Ihnen hier zur Kenntnis. In einigen Briefen tauchen die gleichen Argumente und Informationen auf. Das betrifft unter anderem meine Interpretation des Alten Testaments und der von dort übernommenen Aussage „Auge um Auge, …“. Im Kern meinen mehrere Leserbriefschreiber/innen, dass die Aussage des Alten Testaments nicht auf Gewalteskalation, sondern auf Besänftigung angelegt ist.
Für diese Korrektur zum Verständnis der zitierten Aussage kann ich nur Dankeschön sagen. Ich habe die Aussage falsch interpretiert, aber es ist klar, was gemeint war: wir leiden heute darunter, dass es zu wenige Verantwortliche in der Welt gibt, die sich der De-eskalation, der Entspannung, der Versöhnung verpflichtet fühlen.
Einige kritisieren meine Kritik an Israels Politik. Auch diese Kritik nehme ich selbstverständlich in diese Zusammenstellung auf.

Die Leserbriefe/Auswahl:

S.T.:

Sehr geehrter Herr Müller

Erinnern sie sich noch an diese unangenehmen Typen während ihrer Schulzeit, die sich zu Gruppen zusammengeschlossen, sich dann Opfer ausgesucht haben um es zu  tyrannisieren? Der strategische Vorteil eines derartigen aggressiven Verhaltes liegt in der Einschüchterung und Unterwerfung Anderer mit dem Ziel sie sich letztendlich zum eigenen Vorteil dienstbar zu machen. Nach diesem einfachen Prinzip funktioniert aus meiner Sicht die Welt heute noch. Niemand zahlt im Supermarkt aus reiner Menschenfreundlichkeit, er tut es weil es Regeln gibt, die es unter Strafe stellen wenn man nicht zahlt.

Die Richtige Frage die man sich also in der aktuellen Friedens Diskussion stellen muss, wie stoppt man tyrannische Charaktere, in deren Natur es liegt nur solange mit anderen zu kooperieren wie es zum eigenen Vorteil gereicht und die gerade deshalb geradezu prädestiniert sind in einflussreiche Machtpositionen vorzudringen?

Letztendlich sind es Regeln deren Befolgung auch für tyrannische Charaktere die bessere Alternative darstellen, die uns vor dem Recht des Stärkeren bewahren. Regeln muss man allerdings auch gegen solche machtbesessene Charaktere, für die Regeln nur ein Hindernis bei der Durchsetzung ihrer Eigeninteressen darstellen durchsetzen können!

Insofern ist die Grundidee über eine Art Weltpolizei ein global gültiges Regelwerk durchzusetzen also erst einmal keine grundlegend schlechte Idee. Je mehr Parteien man sich dazu mit an den Tisch holt umso mehr Parteien werden mit allen Mitteln versuchen dabei ihre eigene Machtposition zu bewahren, denn am Tisch sitzen dann egal von welcher Seite natürlich immer die gleichen Charaktere.  Wie also sieht die Alternative zu gewaltsamen Lösungen aus wenn diejenigen die die Macht haben nicht bereit sind im Interesse des Allgemeinwohls auf ihren Teil zu verzichten, einfach deshalb weil ein solches Verhalten nicht Teil ihrer Natur ist?

Die Friedensbewegung braucht eine schlüssige Antwort auf diese Frage wenn sie ernstgenommen werden will.

Viele Grüße S.T.

G.K.:

im o.g. Beitrag heißt es:

„Vorher ist versucht worden, Wunden zu heilen, sich zu verstehen. Soll das alles überholt sein? Sind solche produktiven Umwege nicht mehr möglich? Nein, aber die Gewalttäter und die Vertreter und Strategen der Gewalt haben Oberwasser.“

Muß es statt „Nein“ nicht „Doch“ heißen?

Eine zweite Anmerkung, Sie schreiben:

„Deutschlands wichtigster Beitrag zur neueren Weltgeschichte ist nicht ein gutes Fußballspiel, sondern die Initiative zur Politik der Entspannung zwischen Konfliktparteien.“

Das grenzt ja beinahe schon an defätistische Feindpropaganda  :-)

Ernsthaft: Ich mache mir große Sorgen, daß bei einem WM-Titel für Deutschland das bisschen Kritikfähigkeit in der hiesigen Bevölkerung in dem dann von den Medien geschürten nationalen Taumel auch noch unter die Räder kommt. Man stelle sich nur die Siegesfeier am Brandenburger Tor in Berlin vor: Das Dreigespann aus Leitmedien, Merkel und „Merkels Toy Boys“ („Jogis“ Multimillionärstruppe) wird diese Gelegenheit sicherlich nutzen, die Bevölkerung geschickt für die Interessen unserer Eliten einzunehmen. Meine Vermutung: Die Medienschaffenden unserer Leitmedien können es kaum erwarten, daß Merkel während dieser Siegesfeier von den Teilnehmern mit „Angie, Angie“-Sprechchören gehuldigt wird. Es ist davon auszugehen, daß unsere Medien die Erinnerung an den WM-Titel und die Siegesfeier in der Folgezeit im Dauermodus halten werden.

Nicht auszuschließen, daß geschickt agierende Meinungsbildungsstrategen die sprachliche Nähe von Fußball und Militär („Offensive“, „Sturm“, „Angriff“, „Verteidigung“ etc.) nutzen werden, die zunehmende Militarisierung der Außenpolitik innerhalb der Bevölkerung mehrheitsfähig zu machen. Ein Weiteres kommt hinzu: Es ist zu befürchten, daß dies alles bei den hiesigen Eliten die „wilhelminische Großspurigkeit“ (so Helmut Schmidt 2010) weiter anheizen wird.

Es scheint leider so zu sein, daß der „deutsche Michel“ für die Instrumentalisierung des Fußballs durch die Politik empfänglich ist. Oder, wie es in einer NDS-Leseranmerkung vor ca. 3 Wochen geheißen hatte: In keinem Land funktioniert „Brot und Spiele“ so gut wie in Deutschland.

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Während der Fußball-WM 2006 in Deutschland wurde in den Medien immer wieder behauptet, die damalige nationale Begeisterung hätte mit Nationalismus nichts zu tun, sondern sei vielmehr Zeichen einen weltoffenen und toleranten „Partyotismus“.

Die Universität Bielefeld (Lehrstuhl Prof. Wilhelm Heitmeyer) hatte seinerzeit in einer Studie die Auswirkung der Fußball-Weltmeisterschaft auf nationalistische und rassistische Stimmungen in Deutschland untersucht.

Über diese Studie berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ im Juni 2012 unter der Überschrift
„Studie zur Fußballweltmeisterschaft Fußballtaumel und Fremdenfeindlichkeit“
 
„Das Institut für Konflikt- und Gewaltforschung hat sich dem WM-Fußballtaumel befasst. Ergebnisse: Die Fremdenfeindlichkeit wächst. Die These vom „toleranten Patriotismus“ sei „gefährlicher Unsinn“. (…)

Zehn Millionen Zuschauer haben nun in der ARD Sönke Wortmanns Fußballfilm gesehen, der noch einmal die sommerliche Seligkeit auferstehen ließ. Doch Wilhelm Heitmeyer hat für die These, da habe das Land zu einem „toleranten Patriotismus“ gefunden, genau fünf Worte übrig: ,,gefährlicher Unsinn, ein Stück Volksverdummung“.

Der Leiter des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld stellte gestern in Berlin die neuen Ergebnisse einer Langzeituntersuchung zu „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ vor. Unter diesem etwas sperrigen Begriff sind Einstellungen wie Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamophobie zusammengefasst, aber auch die Abwertung von Homosexuellen, Behinderten oder Frauen. (…)

In dem diesjährigen fünften Band widmen sich gleich zwei Aufsätze dem Fußballtaumel und den Instrumentalisierungsversuchen der Politiker. Im ersten Beitrag weisen drei junge Wissenschaftler anhand der Langzeitdaten ziemlich überzeugend nach, dass Nationalstolz zu ,,Fremdgruppenabwertung“ führt. (Im Unterschied übrigens zu einem differenzierten, „patriotischen“ Stolz auf die deutsche Demokratie und den Sozialstaat, der niedrigere Fremdenfeindlichkeit zur Folge hat.)

Anhand einer zusätzlichen Umfrage im August zeigen sie, dass nach der Fußball-Weltmeisterschaft befragte Personen „nationalistischer eingestellt“ waren als früher Befragte. Und weiter: „Die Vermutung, dass es sich dabei um eine neue, offene und tolerantere Form der Identifikation mit dem eigenen Land handelt, lässt sich allerdings nicht bestätigen.“ Denn den Zusammenhang zwischen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit hatte der diesjährige „Party-Patriotismus“ nicht aufgebrochen.

Aber offenbar, schreibt Heitmeyer selbst , seien die „Schwarz-rot-geil-Stimmung“ oder Kampagnen wie „Du bist Deutschland“ der Versuch eines „surrogathaften Ankers auf schwankendem sozialen Boden“. Ein ethnisches Kollektiv soll künftig bieten, was die soziale Marktwirtschaft nicht mehr zu leisten vermag: „Über die Betonung der ‚Schicksalsgemeinschaft‘ mit raunendem Tiefgang sollen jene Angehörige der Mehrheitsgesellschaft emotional wieder integriert werden, die andererseits sozial desintegriert worden sind.“ Der soziale Boden der Republik schwankt. Einkommen und Vermögen – das ist bekannt – driften erheblich auseinander.“

Sicherlich gibt es zahlreiche Zeitgenossen, die sich über die Ergebnisse dieser Studie wundern. Mich wundert hingegen, daß man sich über diese Ergebnisse wundern kann.

F.-J.K.:

Lieber Herr Müller,

beim Lesen des letzten Absatzes Ihres Beitrages «Auge um Auge» habe ich mir die Augen gerieben: Israel macht, was es will, und wird von Deutschland darin bestärkt / unterstützt? Da haben Sie eine völlig andere Wahrnehmung der Situation als ich:

Nach der Entführung und Ermordung der israelischen Jugendlichen wurde Israel (!) vom gesamten politischen Spektrum zur Deeskalation aufgerufen – ähnlich wie Putin in der Ukraine.
Vorgestern Abend z. B. noch sprach Klaus Kleber im Propaganda-Heute-Journal von einem getöteten palästinensischen Teenager und drei getöteten israelischen «Religionsschülern». Sind das keine Jugendlichen? Ist die nächste Stufe «junge Hass-Prediger-Versteher»?

In Israel wurden die mutmaßlichen Mörder des palästinensischen Jugendlichen festgenommen, und es wird Ihnen der Prozess gemacht. Die Regierung hat Ihr Bedauern ausgedrückt. — Die Hamas erklärt im Gegenzug alle Israelis zu «targets»!

Israel informiert, wenn möglich, die Bewohner von Angriffszielen über den bevorstehenden Angriff und gibt ihnen Zeit, ein Gebäude zu verlassen – telefonisch oder durch Vorab-Warnschüsse ohne scharfe Munition — Hamas postiert dann statt dessen Opfer auf dem Dach des Hauses … die kommen ja alle gleich ins Paradies …

Die USA liebäugeln mit dem Iran, u. a. der Iran liefert die Raketen für Hamas …
Meiner Ansicht nach kann es mit Hamas keinen Frieden geben – weil das bedeuten würde, das Hamas sich auflösen müsste.

Israel fühlt sich von allen allein gelassen – und in einer solchen Situation kommt es auf alles an, auch auf die Zwischentöne und das Nicht- oder Mitgesagte, deshalb empfinde ich den letzten Absatz fast eine Zumutung und die Überschrift – ein Zitat aus dem Alten Testament (!) – eine Instinktlosigkeit, die ich von Ihnen und bei Ihrer politischen Erfahrung nicht erwartet hätte.

Ich glaube, dass Sie zusammen mit Egon Bahr, Todenhöfer, Wimmer (und z. T. sogar Gauweiler, hätte ich mir nicht träumen lassen) von der jüngeren kritischen Bevölkerung als wirkliche «elder statesmen» angesehen werden, die an Grundpositionen festhalten und Orientierung geben im allgegenwärtigen Propagandakrieg – und gerade, weil sie so viel wissen über Machtstrukturen und Meinungsmache, war ich ziemlich enttäuscht.

Vielleicht war der Artikel einfach zu generalistisch gedacht; ich hoffe, Sie nehmen mir diese Kritik nicht übel und bleiben weiter einer der Leuchttürme, auf die man sich in dieser Zeit noch verlassen kann.

Herzliche Grüße

S.F.:

Lieber Herr Müller,

in Ihrem Beitrag „Auge um Auge, Zahn um Zahn, diese primitive Ideologie beherrscht das Weltgeschehen. Muss das wirklich so sein?“ stellen Sie genau die Richtigen Fragen. Ich denke und hoffe, dass im Kreise der NDS Leser Ihnen hierfür Zustimmung zuteil wird.

Einen Einwand habe ich allerdings: In Ihrem letzten Satz schreiben Sie, auch „wir“ sein mitschuldig an der neuen Eskalation der Gewalt. Dieser Satz ärgert mich sehr. Gerade in einer Zeit in der in allen Medien der Party-Nationalismus gelebt wird muss, und das erwarte ich besonders von den NDS hier mit klarerer Sprache gearbeitet werden. Ich bin nicht schuld. Ich war aber auch nicht Papst, ich habe nicht gegen Brasilien gewonnen und ich bin nicht in Afghanistan oder Afrika oder sonst wo stationiert. Die Vereinfachung, die Deutschen, oder eigentlich einige Deutsche zu einem Wir aufzublasen ist in beiden Richtungen falsch. Wer ist schuld an der Eskalation? Die Bundesregierung? Ok. Die Rüstungskonzerne? Sicherlich. Die Medien? Einige bestimmt. Und auf jeden Fall noch viele andere. Aber nicht wir. Dieses Wir gibt es nicht.

Mit freundlichem Gruß

J.K.:

Lieber Albrecht Mueller! 

Die Nachdenkseiten lese und schaetze ich aus vielen Gruenden, unter anderem aber auch deshalb, weil Sie nicht vorschnell Irgendwelche Positionen beziehen und sich stets der Wahrheit verpflichtet fühlen.

Gestatten Sie mir dennoch eine kritische Anmerkung zu Ihrer Formulierung bezueglich der „alttestamentarischen Ideologie “ der israelischen Politik. Diese Formulierung beinhaltet eine Abwertung des sogenannten Alten Testamentes, ein Begriff uebrigens, den Christen gepraegt haben als Bezeichnung fuer das heilige Buch der Juden. Der Satz „Auge um Auge… “ wird immer wieder zitiert,  um die angebliche Haerte der juedischen Ueberlieferung zu belegen. Im Gegensatz dazu wird dann gerne auf die vergebende Haltung der Lehre Christi hingewiesen. Es ist naheliegend, dass Juden sich bei einer solchen Darlegung nicht so verstanden fuehlen. 
Es wird bei diesem Zitat aus der Bibel jedoch in der Regel ausser Acht gelassen, dass es die Intention dieses Gebotes gerade ist,  den Missbrauch von Rache und Vergeltung als Rechtfertigung fuer neues Unrecht und Mord zu ächten. Nicht: raeche dich, sondern: wenn dein Nachbar dir ein Auge nimmt, dann darfst du ihn nicht toeten, sondern ihm auch nur ein Auge nehmen. Die „Vergeltung “ darf nicht darueber hinaus gehen. Es ist ein Kennzeichen gerade der Moerder und Gewalttaeter, dass sie das Gebot von Auge umAuge eben nicht beherzigen, sondern 10 oder 100 mal haerter zurueck zahlen,so wie das z.b.die deutsche Wehrmacht im Krieg gegen die Sowjetunion praktiziert hat, wenn Partisanen deutsche Soldaten getoetet hatten. Und auch Israel muss man entgegenhalten, dass bei den israelischen Vergeltungsaktionen unverhaeltnismaessig viele Opfer zu beklagen sind. Wenn die Machthaber der Welt doch wenigstens das „Auge um Auge “ beachten wuerden…! 

Ich hoffe, lieber Herr Mueller ich konnte Ihnen mit diesem kritischen Hinweis eine konstruktive Anregung geben.

Herzliche Gruesse 

M.G.:

Hallo Herr Müller,

wie immer haben Sie mit Ihrem Beitrag auch wieder philosophische Fragen gestellt.
Das gefällt mir.

Dazu empfehle ich Ihnen diesen Link.

Ja, man ist am Verzweifeln, wenn man sich umschaut und niemand verstehen will, dass Gewalt nur Gegengewalt erzeugen kann.

Noch furchtbarer ist es, wenn ein angeblich religiöser Mensch wie ein Herr Gauck dieses Prinzip nicht verstehen will oder kann und stattdessen die Pflugscharen wieder zu Schwerter machen will. (…)

E.F.:

Sehr geehrter Herr Müller,

in Ihrer heutigen Beurteilung der Konflikte im Nahen Osten, insbesondere der neuen Eskalation in Palästina, stimme ich Ihnen als langjähriger nds-Leser zu. Nur eine Sache möchte ich korrigieren: Dieses alttestamentarische Auge-um-Auge und Zahn-um- Zahn wird leider immer, auch bei Ihnen, als besonders grausames, gnadenloses Verhalten von Feinden gesehen. Dabei ist es gerade umgekehrt, es ist ursprünglich, und eigentlich auch heute noch, ein klassisches Deeskalationsprinzip. Denn es bedeutet, wenn mir jemand einen Zahn ausschlägt, dass ich auch nur einen Zahn ausschlagen darf, aber nicht mehr. Oder anders ausgedrückt, für ein verursachtes Übel muß Schadenersazt geleistet, aber nur äquivalent zum Übel. Wer also einen Esel seines Nachbarn tötete, mußte für diesen Esel Schadenersatz leisten, aber durfte nicht dessen Haus oder Zelt zerstören oder gar einen Skaven von ihm aus Rache umbringen. So gesehen sorgte dieses Prinzip für gerechte Schadens- oder Konfliktlösung. Heute ist es leider so, gerade in Palästina, dass man für drei getötete israelische Schüler einen Großangriff auf Gaza durchführt. Schadensbegrenzung? Es eine krasse Verletzung des Auge-um-Auge-Prinzips. Das wissen auch alle Leute, die Theologie studiert haben, und Pinkas Lapide, der große Rabbi, hat es in einem seiner Bücher dargelegt und erklärt.
 
Ich verstehe nicht, warum dieses Auge-um-Auge immer verdreht zitiert wird. Das ist letzten Endes auch eine Meinungsmanipulation, die auf Nichtwissen oder Nichtwissenwollen beruht. An Ihre Adresse gerichtet soll das selbstverständlich kein Vorwurf sein, sondern nur ein Hinweis. Ich bin jeden Tag dankbar für die riesige Arbeit, die Sie und Ihre werten Kollegen leisten.
Freundliche Grüße
 
S.M.:

Lieber Herr Müller,

auch wenn ich nicht immer Ihrer Meinung bin, lese ich doch Ihre Beiträge mit großem Interesse. Auch stimme ich Ihrem Beitrag vom 9.7.2014 weitgehend zu.

Allerdings möchte ich auf einen Fehler hinweisen, der leider viel zu oft vorkommt. Und zwar das Zitieren des alttestamentarischen Mottos „Auge um Auge, Zahn um Zahn“.

Leider wird dieser Spruch meistens aus dem Kontext gerissen und dann entgegen seiner Intention wiedergegeben (sowohl von Befürwortern des Gewalt-Gegengewaltschemas, als auch von Gegnern).

Liest man nämlich in der Bibel (ausgehend vom hebräischen Urtext ist die Übersetzung fast immer gleich), steht dort:

„Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Beule um Beule, Wunde um Wunde.“ Exodus 21,23-25 (Übersetzung nach Luther, revidierte Fassung von 1984).
 
Die Rede steht im Kontext von Gesetzen über Vergehen von Menschen gegen Leib und Leben. Es ist also ein alter Gesetzestext (der übrigens auf dem Codex Hammurabi, dem ersten verschriftlichten Gesetz der Welt basiert).

Als solcher Gesetzestext durchbricht er eigentlich das Schema von Gewalt und Gegengewalt. Vorher galt (allgemein gesprochen): Wenn Du mir ein Auge ausschlägst, schlage ich dir ein Auge aus. Oder öfters: Ich bringe dich um.

Durch dieses Gesetz wird aber dem, dem Gewalt angetan wird, das Recht auf Gegengewalt genommen. Stattdessen wird dem ursprünglichen Gewalttäter eine Verpflichtung auferlegt. Und zwar eine, die nicht grenzenlos ist. Wenn ich als Gewalttäter jemanden ein Auge ausgeschlagen habe, darf der nicht mein Leben fordern. Aber ich bin verpflichtet, ihm das Auge zu erstatten.

Es heisst ja nicht „Du sollst NEHMEN Auge um Auge“, sondern „Du sollst GEBEN Auge um Auge“. Das unterbricht (im Ideal) den Kreislauf der Blutrache und regelt einen Ausgleich der auf gegenseitigem Einvernehmen und Angemessenheit basiert.

Übrigens wurde dieser Ausgleich auch damals oft materiell gefasst (etwa vergleichbar mit heutigen Schadenersatzzahlungen).

Wer aber das Auge um Auge so auslegt als hieße es „Was Du mir tust, das tue ich dir, und notfalls dreifach“ der pervertiert den ursprünglichen Sinn. Und der vergisst auch die alttestamentarische Tradition des bewussten Verzichts auf Rache. So zitiert der Judenchrist Paulus im Römerbrief: „Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.<< " (Röm 12,19, Paulus selbst zitiert nach Deuteronomium 32,35). Im Buch Leviticus 19,18 heisst es: "Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR." Es gibt noch einige weitere Stellen, die sehr klar die Rache Gott überlassen. Rache ist hierbei in dieser Zeit immer noch ein Begriff der für Gerechtigkeit steht. Denn wenn Gerechtigkeit nicht durch den Herrscher oder das Gesetz hergestellt wird, gilt das Gesetz der Rache. Dies wird aber von der Bibel vehement bestritten. Der Mensch hat kein Recht sich zu rächen. Er soll seinen Zorn und seine Wut und damit auch seine Rache besser Gott anbefehlen. Gott ist es, der rächen wird (spätestens am Ende aller Zeiten). Es gibt also auch alttestamentarisch keine Befürwortung von Gewalt und Gegengewalt. Im ganzen Verlauf des alten Testamentes wird von den biblischen Autoren diesem Schema immer wieder eine Absage erteilt. So zum Beispiel bei den Propheten Jesaja und Jeremia. Beide warnen Israel jeweils davor, auf das Unrecht und die Unterdrückung durch die Besatzungsmächte (erst Assyrien, dann Babylon) durch Gewalt zu reagieren. Beide werden ignoriert, und die Kriegsmaschinerie der jeweiligen Besatzungsmacht setzt sich in Gang. Mit sprichwörtlich verheerenden Folgen für die Besetzten. Insofern monopolisiert das Alte Testament das Recht zur Gewalt und veranschlagt es allein bei Gott, und erst durch Gottes Legitimation auch in herabgesetzter Form bei den Herrschern die innerhalb ihrer Herrschaft das Gesetz durchsetzen sollen. Selbstverständlich ist das Alte Testament aus einer anderen Zeit, und in vielen Punkten für uns heute nicht einfach nachvollziehbar. Aber es hat schon früh versucht das Schema von Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen. Es ist nur selten gelungen. Und die meisten Propheten die wir heute im Alten Testament lesen, galten zu ihrer Zeit als krasse Außenseiter. Erst nachträglich wurde ihnen Recht gegeben, und dann schnell ihre eigentliche Intention vergessen. Ich hoffe, damit nicht gelangweilt sondern zur Aufklärung beigetragen zu haben. Herzliche Grüße   M.P.:

Sehr geehrter Herr Müller,

hiermit würde ich gerne auf Ihren Beitrag “Auge um Auge, Zahn um Zahn, diese primitive Ideologie beherrscht das Weltgeschehen. Muss das wirklich so sein?” reagieren. Da ich mich als Theologie-Studentin sehr intensiv mit dem Alten Testament und den darin vertretenen Ethiken beschäftigt habe, habe ich mich an Ihrer Auslegung der Talions-Formel in Ihrem Artikel etwas gestoßen. Wenn man sich intensiver mit der Talions-Formel beschäftigt, dann erkennt man, dass es sich bei der Formel “Auge um Auge, Zahn um Zahn” nicht um einen Aufruf zu Gewalt und Gegengewalt handelt, die sich spiralförmig immer weiter fortsetzen, sondern im Gegenteil um eine Begrenzung der Gewalt! Vor der Einführung dieser Formel hat man Konflikte über mehrere Generationen ausgetragen, die Gewalt kannte damit kein Ende. Die Talionsformel ruft dazu auf, diese grenzenlose Gewalt einzudämmen, indem man eine “Schadensersatzleistung” erbringt. “Die Talionsformel dient als heilsame Begrenzung der zügellosen Rache” (Zitat Prof. Gertz; Altes Testament)

Diese Auslegung stammt nicht von mir, sondern aus der rabbinischen (also der im Judentum selbst vertretenen) Auslegungstradition. Nachzulesen ist die Auslegung der Talions-Formel als Schadensersatzleistung bei Josephus Ant IV 280, findet sich aber auch in anderer Literatur. Würden sich die Menschen wirklich an der im Alten Testament und den anderen außertestamentarischen jüdischen Schriftstücken orientieren, so kämen sie zu dem Schluss, dass man die Herbeiführung der Gerechtigkeit und den Akt der Rache Gott allein überlassen muss. (z.B. 2 Hen 50,4: Und, wenn ihr vermögt, hundertfach Vergeltung zu üben, so vergeltet nicht, weder dem Nahen noch dem Fernen. Denn der Herr ist es, der vergilt, er wird euch ein Rächer sein am Tag des großen Gerichtes, damit ihr nicht hier von Menschen gerächt werdet, sondern dort von dem Herrn.) Gerade zum Konflikt zwischen Israel und Palästina finde ich ein Gebot im 3. Buch Mose (Levitikus) sehr einprägsam. Wenn man sich an dieses Gebot halten würde, so würde eine friedliche Koexistenz möglich sein: Lev 19,33ff: “Und wenn ein Fremder bei dir – in eurem Land – als Fremder wohnt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Wie ein Einheimischer unter euch soll euch der Fremde sein, der bei euch als Fremder wohnt. Du sollst ihn lieben wie dich selbst. Denn Fremde seid ihr im Land Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott”.

Ich wehre mich hiermit gegen die falsche – aber in unserer Gesellschaft leider sehr verbreitete – Auffassung, das Alte Testament kenne nur Gewalt, Gegengewalt, Zorn und Rache! Im Gegenteil spricht das Alte Testament vor allem um den Bund und die Treue Gottes zu den Menschen. Die Liebe, die sich auch auf die zwischenmenschlichen Beziehungen (über die ethnischen Grenzen hinweg) erstreckt, lässt sich im Alten Testament immer wieder finden.

Die Rache hingegen wird in sehr vielen Texten (vor allem auch den Psalmen) Gott überlassen. der Mensch soll nicht aktiv eingreifen.

Trotzdem streite ich natürlich nicht ab, dass man im Alten Testament auch viel Gewalt und kriegerische Auseinandersetzungen finden kann. Es gibt jedoch nicht DIE alttestamentliche Ideologie, die zu ständiger Gewalt und Gegengewalt aufruft! Dieses Vorurteil gegenüber dem Alten Testament und damit auch gegenüber denen, die sich in ihrem Glauben und ihrer Religion auf das Alte Testament berufen, möchte ich auf diesem Wege gerne aus der Welt schaffen.

Wir können uns also – auch und gerade mit dem Alten Testament gemeinsam – auf den Weg zu einer friedlichen Konfliktlösung begeben.

K.Sch.:

Lieber Herr Müller,

bis auf den letzten Satz, den ausgeschlossen, kann ich Ihrem Artikel voll zustimmen.

Ich fühle mich nicht schuldig, wenn  Israel meint, andere Nachbarländer in Krieg und Asche zu bomben.

Für diese Politik bin ich nicht zur Verantwortung zu ziehen. Schieben Sie es DEN Parteien in die Schuhe, die nie mit “Wandel durch Annährung” einverstanden waren und immer darauf warteten, endlich wieder bomben und schießen zu können. Das sind beide C-Parteien, mit einigen Ausnahmen ihrer Mitglieder, und inzwischen wie wir sehen, auch zu große Teile der Sozialdemokraten, die endlich die Mitte wollen und natürlich die Grünen.

Höre ich Göring-Eckardt und viele andere, allein bei den Zwischenrufen, wenn Wagenknecht im BT spricht, dann weiß ich, dass diese kleine, friedliebende Zeit, eine Sternstundenzeit für uns war, aus der wir bis heute lernen könnten, wenn nicht diese – scheinbar doch von Krieg, Eltern, Groß und Urgroßeltern beeinflussten Menschen wären, die denken, dass mit noch mehr Bomben und noch mehr Militär Frieden machbar wäre.
 
Das ist der gleiche Irrsinn wie in der Ökonomie. Noch mehr sparen, damit endlich alles wachsen kann. Das ist so krank, als würde man einem Menschen sagen, der krank ist, er solle weniger essen. Und wenn er nicht gesund wird, soll er noch weniger essen und noch weniger, damit er endlich gesund wird. Am Ende ist er tot, verhungert – und selbst dann wird die Ursache verleugnet, dass immer mehr vom Schlechten nichts Gutes bringen kann.

Das ist so was an krank, wie ein Hahn, der den ganzen Tag auf dem Mist sitzt und kräht, dass er auch Eier legen kann.

Aus spiritueller Sicht wurde mir von meinem Meditationslehrer erklärt, dass wir jetzt in einer Zeit leben, in der sich die Spreu vom Weizen trennt. Das bedeutet, alles, was bisher verheimlicht werden konnte, kommt immer schneller an die Öffentlichkeit, so dass wir sehen und merken, mit wem wir es zu tun haben, wenn die Masken fallen. Und wir selbst auch gefragt sind und sehen müssen, auf welcher Seite wir stehen.

Insofern sind die NDS mehr gefragt denn je, denn Sie und einige Wenige bieten noch ein Forum, in dem sich Menschen sammeln können – auch im geistigen Sinn gemeint – sich innerlich sammeln – um die Kraft durch die Zuwendung zu bekommen, in der eigenen, friedlich orientierten Meinung, standhaft bleiben zu können.

Unter Zuwendung meine ich, dass es gut tut, zu sehen, dass andere ähnlich denken und handeln und man nicht allein ist.
 
In diesem Sinne auch Ihnen viel Kraft und Freude trotzdem zu sagen und weiter zu machen.

F.N.:

Betrifft:

9. Juli 2014 um 16:04 Uhr
Auge um Auge, Zahn um Zahn, diese primitive Ideologie beherrscht das Weltgeschehen. Muss das wirklich so sein?
Verantwortlich: Albrecht Müller

Sehr geehrter Herr Müller,

auch wenn ich Ihrem Anliegen zustimme ‒ die Sprache dieses Artikels gerade von Ihnen hat mich unangenehm überrascht, da ich Sie als wachsamen Beobachter von Manipulation und Verdrehung schätze.

Ich meine diese beiden Stellen:

„Auge um Auge, Zahn um Zahn, diese primitive Ideologie“
„alttestamentarische Ideologie von Gewalt und Gegengewalt“

Was die meist nur als Bruchstück zitierte Bibelstelle (2. Mose 21,23-25) angeht: Sie ist keine Anweisung zur Gewalt, sondern im Gegenteil zur Eindämmung der Gewalt und zur Abkehr vom Primitivismus.

Hier die Aussage im Zusammenhang.

Der Theologe Erich Zenger: „Wenn israelische Politiker und Militärs auf terroristische Bomben und Selbstmordattentäter mit Gegenschlägen reagieren, heißt es bei uns in vielen Kommentaren, das entspreche dem typisch ‚alttestamentarischen Racheprinzip‘ nach der Formel ‚Auge um Auge‘ (‚alttestamentarisch‘ statt ‚alttestamentlich‘ ist übrigens Nazisprache). Und wenn nach dem 11. September dieses Jahres bei der Diskussion über den notwendigen Kampf gegen den islamistischen Terrorismus zu Recht das Prinzip Vernunft gegen die Irrationalität der Rache eingefordert wird, bemühen viele gerne das Alte Testament als Kontrast- und Schreckensfolie.“ (Zitiert nach: ‚-arisch‘ oder: Sprache als Indiz. Zur Renaissance eines Adjektivs, von Andreas Mertin, http://www.theomag.de/33/am145.htm Dort genaueres zur Wortherkunft. Die Nazis griffen auf Vorbilder zurück.)

Wie eine prä-alttestamentliche Praxis aussieht, die das Prinzip der Angemessenheit nicht kennt, das illustrieren Beispiele genug: So die Strafaktionen des NS-Regimes für das Attentat auf Reinhard Heydrich und Wilhelm Keitels Befehl vom 16. September 1941, für jeden getöteten Deutschen bis zu 100 Geiseln und für jeden Verwundeten 50 Geiseln zu erschießen. Oder der Spruch des Lamech aus 1. Mose 4,23-24: „Und Lamech sprach zu seinen Weibern Ada und Zilla: Ihr Weiber Lamechs, hört meine Rede und merkt, was ich sage: Ich habe einen Mann erschlagen für meine Wunde und einen Jüngling für meine Beule; Kain soll siebenmal gerächt werden, aber Lamech siebenundsiebzigmal.“

Wenn Sie mögen, finden Sie unter den Links unten Ausführliches zum Thema.

Ich möchte Ihnen bei diesem Anlaß ausdrücklich für Ihre Arbeit danken und wünsche Ihnen und Ihrem Team alles Gute!

Mit freundlichen Grüßen

F. N.

Zum Gebrauch von „alttestamentarisch“ als antijüdisches Stereotyp

Ausführlich zur Wortgeschichte von „alttestamentarisch“:

Über das Satzfragment „Auge um Auge“, seine Bedeutung in der jüdischen Rechtslehre und seine Verwendung als antijüdisches Stereotyp:

http://de.wikipedia.org/wiki/Auge_f%C3%BCr_Auge
http://www.juedisches-recht.de/hom_tribune.php
http://www.usahm.de/Artikel/Auge/Auge.htm
http://www.imdialog.org/md2007/02/04.html

J.R.:

Recht so, Herr Müller!

Ich habe mir kurz vorgestellt, in einer hoffentlich nicht allzu fernen Zukunft sei es der Menschheit gelungen, wenigstens in den schlimmsten Kriegsherden nachhaltig Frieden einzuleiten.

Wie werden die Mächtigen, wie wir alle, das dann wohl gemacht haben?

Diese Worte aus Ihrem Beitrag sind mir dazu aufgefallen:

Gewaltverzicht, sich verständigen, sich in den anderen hineinversetzen, sich vertragen – das waren die Elemente sehr produktiver politischer Strategien.

Vorher ist versucht worden, Wunden zu heilen, sich zu verstehen.

Sehen Sie?

Dass die Menschheit das jetzt noch nicht kann – genau da liegt das Problem.

Wenn Herr Netanjahu aus tiefster Überzeugung die moralische Überlegenheit israelischer Menschen verkünden kann, und alle verklärt dazu nicken.

Wenn die Religionsfanatiker in seiner Regierung immer wieder behaupten, dieses Land habe Gott ihnen gegeben.

Wenn der Große Bruder in Washington ungeniert von „der Achse des Bösen“ sprechen kann, und auch der von „Gods own country“ schwafelt.

Wenn der Reichtum jenes Landes auf Völkermord an den Indianern und menschenverachtender Ausbeutung „farbiger“ Mitbürger beruht.

Wunden kann nur heilen, wer mitleidet und anerkennt, dass er selbst das Leid des Anderen (mit) verursacht hat.
Wer um Vergebung bittet und selbst verzeihen kann.

Doch wer sich selbst für besser hält, wird verdrängen statt verstehen.
Sich jedes „Recht“ herausnehmen.
Wird dem Anderen alle Schuld zuweisen, ihn bestrafen bis zur Vernichtung.
Wird jede Gegenwehr mit neuer, noch stärkerer Gewalt beantworten.

Die Großen dieser Welt können auch in Demut in die Knie gehen.
Sie mahnen „Compassion“ an, doch verordnen können sie sie nicht.

Wir selbst – wir alle und jede(r) für sich – können Frieden schaffen, indem wir unsere Mitmenschen als gleichwertig anerkennen.
Als genau so stark, genau so schwach, genau so fehlerhaft, genau so fähig wie wir selbst.
Und genau so liebenswert.

„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“

Mit freundlichen Grüßen

J.R.

C.W.:

Lieber Herr Müller,

Nachdem Sie dank so vieler Kritiker nun aufgeklärt sind, wie es sich mit dem „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ nun theologisch richtig verhält, auch wenn es dem allgemeinen Sprachgebrauch so überhaupt nicht entspricht, will ich mich auch zu Wort melden.

Es scheint, als ob die Menschen das Thema, über das Sie in Ihrem Beitrag geschrieben hatten, weitgehend sprachlos hinterlässt.
Wie sonst ließe es sich erklären, dass die (veröffentlichten) Reaktionen sich in erster Linie mit der theoretisch-theologischen Verbesserwisserung des angeführten Bibelspruchs beschäftigen, zu der realen, von Ihnen thematisierten und beklagten Gewalteskalation aber meist höchstens im Nebensatz Stellung nehmen.
Nehmen wir zu ihren (der Kritiker) Gunsten einfach an, dass sie die eigene Verunsicherung und Sprachlosigkeit angesichts der Kriegstreibereien so sehr irritiert, dass die Möglichkeit zur Belehrung über die ursprüngliche Bedeutung eines sprachlich längst umgewidmeten Bibelwortes einen freudig willkommenen Anlass zur Ableitung der Unbehaglichkeit bietet.

D.B.:

Sehr geehrter Herr Müller,

es spricht für Sie, dass Sie jederzeit bereit sind, die Position anderer zu respektieren und eigene Auffassungen in Frage zustellen.

Hinsichtlich der Wertung des von Ihnen zitierten und kritisierten alttestamentarischen Grundsatzes „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ aber haben Sie nach meiner Auffassung die Argumentation eines Großteils der Briefschreiber zu schnell übernommen.

Dieser Grundsatz mag zum Zeitpunkt seiner Niederschrift vor 5.000 Jahren ein Fortschritt zur damaligen Rechtslage gewesen sein.

In der heutigen Zeit aber erscheint diese Forderung eine primitive und blinde Form der Rechtsanwendung, die aus meiner Sicht für ein gedeihliches Zusammenleben zwischen verschiedenen Völkern absolut ungeeignet ist.

Und das ist das, was ich bei den Ihr Zitat kritisierenden Briefschreibern vermisse, nämlich dass sie bei all deren geschichtsträchtiger Auslegung, sich anschließend von diesem Jahrtausende alten, überholten Rechtsgrundsatz zumindest im Zusammenhang mit dem Völkerrecht distanzieren, Dauerbombardierungen palästinensischer Wohngebiete verurteilen und sich zudem für einen „gerechten“ Ausgleich mit den palästinensischen Nachbarn einsetzen.

Im Übrigen möchte ich Ihnen für Ihr unermüdliches Bemühen um die Aufrechterhaltung bzw. Wiedererlangung des Friedens danken.

Ihre Stimme im Kreis der nach mehr militärischer „Verantwortung“ lechzenden Politschwätzer und Mediengauckler war nie wichtiger.

Herzliche Grüße
D. B.

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