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10. Dezember 2016
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MH 17 und die Frage, wie viel ein Menschenleben wert ist

Veröffentlicht in: Aktuelles, Außen- und Sicherheitspolitik, Terrorismus

Gestern wurde nahe der ostukrainischen Stadt Donezk eine Boeing 777 der Malaysia Airlines abgeschossen. 295 Menschen fanden den Tod. Noch ist es zu früh, um über Hintergründe zu spekulieren – dafür ist die Nachrichtenlage viel zu unübersichtlich. Es mehren sich jedoch Anhaltspunkte, nach denen die Katastrophe vermeidbar gewesen wäre. Offenbar hat MH 17 das Kriegsgebiet direkt überflogen, um Kosten zu sparen. Und Malaysia Airlines ist dabei weiß Gott kein Einzelfall. Wenige Minuten vor dem Abschuss von MH 17, überflog auch eine Lufthansamaschine auf der Route München-Dehli die Region. Von Jens Berger

Eine nicht eben unerhebliche Frage, die bislang kaum gestellt wurde, ist, warum Malaysia Airlines trotz eindeutiger Warnungen ein Kriegsgebiet überfliegt, von dem bekannt ist, dass in den letzten 48 Stunden eine hoch fliegende ukrainische Militärtransportmaschine mit SAM-Raketen abgeschossen wurde? Wie folgender Screenshot von Flightradar24 zeigt, war MH17 einer der ganz wenigen Flüge, die gestern den ostukrainischen Luftraum durchflogen.

MH 17

Viele Fluglinien meiden den ostukrainischen Luftraum aus Sicherheitsgründen – dazu gehören z.B. Air France und British Airways. Jeder Umweg kostet natürlich Zeit und vor allem Geld. Es ist also eine Abwägung, ob eine Fluglinie die Rendite über die Sicherheit und das Leben ihrer Passagiere und Mitarbeiter setzt. Dass es MH 17 getroffen hat, war wohl ein unglücklicher Zufall. Weniger als 10 Minuten vor dem Abschuss flog auch ein Airbus 330 der Lufthansa nur wenige Kilometer südlich von MH 17. Dass die Passagiere und Crewmitglieder von LH 762 heute noch leben, ist umgekehrt kaum mehr als ein glücklicher Zufall.

MH 17

MH 17

Heute erklärt die Lufthansa, „die Sicherheit der Passagiere [habe] oberste Priorität“, daher meide man nun den ostukrainischen Luftraum. Diese Aussage ist heuchlerisch und zynisch. Wenn die Sicherheit der Passagier tatsächlich auch nur irgendeine Priorität hätte, wäre LH 762 gestern nicht – nur um ein paar Hundert Euro zu sparen – direkt über das Kriegsgebiet geflogen, obwohl allgemein bekannt war, dass dort mit SAM-Raketen auch auf hoch fliegende Maschinen geschossen wird.

Vorsicht ist auch angebracht, wenn sich heute andere Airlines damit brüsten, den Luftraum schon länger aus Sicherheitsgründen zu umfliegen. Für Finnair wurde eine derartige Aussage bereits zum PR-Desaster und auch Singapur Airlines, die laut dpa den Luftraum schon „seit Wochen“ meiden, doch gestern befand sich auch ein Airbus 380 der Singapur Airlines (SQ 317 von London nach Singapur) in unmittelbarer Nähe der Absturzstelle. Was hat denn nun oberste Priorität? Die Sicherheit? Oder doch die Rendite?

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