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Wer sich bei der Privatvorsorge auf FINANZtest verlässt, spielt mit einem hohen Risiko.

Verantwortlich:

Es ist erstaunlich, wie offen und zugleich unredlich Einrichtungen, von denen wir das nicht erwartet hätten, Reklame für Privatvorsorge machen. So zum Beispiel die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender; insbesondere das ZDF (siehe Hinweise vom 15. 11., Nr. 4) Auch Volkshochschulen und selbst die Deutsche Rentenversicherung lassen sich einspannen. Und sogar FINANZtest, der Ableger der Stiftung Warentest. FINANZtest empfiehlt den Privatvorsorgern Riester-Fondssparpläne mit einer voraussichtlichen Rendite von 9% bis zum Jahr 2035. Nicht zu glauben. Unseriös. Lesen Sie selbst. Albrecht Müller.

Das folgende ist original aus Finanztest 11/2007 (online) übernommen.

Riester-Fondssparpläne: Aktien für eine gute Rente

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Quelle: finanztest 11/2007

Mit Riester-Fondssparplänen können sich Sparer die höchsten Renditen unter allen staatlich geförderten Riesterangeboten sichern. Durchschnittlich neun Prozent im Jahr bringen die besten Angebote der sieben untersuchten Fondsgesellschaften. Das ist viel. Zahlt heute eine 32-Jähriger monatlich 100 Euro über 35 Jahre in einen Fondssparplan ein, der mit neun Prozent pro Jahr verzinst wird, erhält er zu Rentenbeginn 271 306 Euro auf die Hand. Verluste muss kein Vorsorgesparer fürchten. Denn Riester-Verträge garantieren immer den Erhalt des eingezahlten Geldes.

FINANZtest hat erstmals eigene Bewertungszahlen für alle Fonds und Produktvarianten vergeben. Jeden Fonds, der hinter einem Sparplan steckt, haben die Tester einer ausführlichen Bewertung unterzogen. Informationen über alle Kosten und Gebühren sowie die günstigsten Vermittler sind inklusive.

Soweit das Zitat aus FINANZtest 11/2007 (online).

Auf dem Titelblatt der gedruckten Ausgabe heißt es:

Riester-Fonds im Test
Gefördert, sicher, 9 Prozent.

Hier werden Menschen, die sich unter dem Einfluss der allgegenwärtigen Propaganda der privaten Vorsorge zuwenden, Renten in Aussicht gestellt, die höchst unrealistisch sind:

Schon der erste Satz des zitierten Textes ist eigentlich unglaublich. Hier wird den Sparern suggeriert, sie könnten sich eine Rente „sichern“ – im konkreten Fall also dessen sicher sein, dass sie über einen Zeitraum von 35 Jahren mit 9% Rendite rechnen können.

Die Behauptung, die besten Angebote der sieben untersuchten Fondsgesellschaften würden durchschnittlich 9% Rendite im Jahr bringen, gründet auf der günstigen Erfahrung von fünf Jahren des jüngsten Aktienbooms. Gleich zu Beginn des zitierten Beitrags projiziert FINANZtest die 9% auf 35 Jahre!

Man kann doch allen Ernstes nicht annehmen, dass die Erfahrungen der Entwicklung der Aktienmärkte in den vergangenen fünf Jahren übertragbar sind auf die nächsten 35 Jahre.

Wie unrealistisch das ist, müsste jedem Beobachter der Börse doch klar sein. Man kann doch eine solche Prognose nicht machen, ohne den Zusammenbruch des letzten Booms im Jahre 2000 ff. zu beachten. Welche Rendite erwirtschaften die Riester-Produkte und speziell die Fonds, wenn der DAX in den nächsten fünf Jahren auf der Stelle tritt oder sogar einbricht? Siehe dazu auch den als Anhang beigefügten Beitrag der Neuen Züricher Zeitung: „Zunehmend problematische Anlagen der Banken.“

Eine grobe Irreführung ist auch die Formulierung „erhält er zu Rentenbeginn 271 306 Euro auf die Hand“. Ich möchte den Riester-Fondssparer sehen, dem seine Versicherung oder Bank bestätigt, dass er das Geld „auf die Hand“ bekommt.

Übrigens: Im Text von FINANZtest werden auch ein paar Relativierungen vorgenommen, auf die man sich berufen kann, wenn FINANZtest kritisiert wird, wie hier von uns.

Mein Fazit:

FINANZtest lässt sich in die Propaganda pro Privatvorsorge einspannen und tut das auch noch – wie im konkreten Fall – auf unverantwortliche Weise. Hier werden den potentiellen Privatvorsorgern Renditen vorgespiegelt, die höchst unrealistisch sind. Aber, das sei zu Gunsten von FINANZtest angefügt: Diese Einrichtung fällt nicht aus dem Rahmen der üblich gewordenen unseriösen Propaganda für Privatvorsorge. Wir können unseren Lesern nur empfehlen, ausgesprochen kritisch zu sein. Auch gegenüber traditionell glaubwürdigen Institutionen.

Anhang:

Zunehmend problematische Anlagen der Banken
Die Kreditkrise ist noch keineswegs ausgestanden. Der Abschreibungsbedarf bei den grossen Finanzinstituten dürfte noch erheblich sein. Die Bestände an problematischen, weil schwierig zu bewertenden Vermögenswerten, level 3 assets, haben allgemein stark zugenommen. Trotz der Publizitätspflicht herrscht kein Durchblick, was die Bewertungskriterien angeht.
Es handelt sich um Vermögenswerte mit dem grössten Risiko, für die es keine Marktpreise gibt und die entsprechend schwierig zu bewerten sind. Dazu zählen neben CDO (collaterialized debt obligations) unter anderem in der Regel auch Immobilien und Private-Equity-Beteiligungen.
Manche Banken und Investmenthäuser sahen sich gezwungen, Anlagewerte von der zweiten in die dritte Kategorie zu verschieben. Bei Merrill Lynch etwa haben die “level 3 assets” im dritten Quartal um 69% auf gut 27 Mrd. $ oder 70% des Eigenkapitals zugenommen. Bei Lehman Brothers stiegen sie um 58% auf 34,7 Mrd. $, was 160% des Eigenkapitals entsprach. Bei Goldman Sachs und Morgan Stanley nahmen sie um gut einen Drittel zu und machten 185% bzw. 255% des Eigenkapitals aus. Auch bei Citigroup übertrafen die «level 3 assets» Ende September mit 135 Mrd. $ (+41%) das Eigenkapital um 6%.
Quelle: NZZ

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