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5. Dezember 2016
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Clements Entschuldigung – Schuld haben immer die anderen

Veröffentlicht in: einzelne Politiker, SPD, Strategien der Meinungsmache

Wenn er durch seine Äußerungen vor fast sechs Monaten möglicherweise die Gefühle der Parteifreunde in Hessen verletzt habe, bedauere er dies. „Es tut mir leid, wenn es zu solchen Emotionen gekommen ist“, sagte Clement. Dies sei nicht die Absicht seines umstrittenen Kommentars in der „Welt“ gewesen. Das sagte Wolfgang Clement laut ZDF heute auf einer Pressekonferenz in Bonn. Eine für Politiker ganz typische Selbst-ent-schuldigung, die Schuld von sich abweist und denjenigen zuweist, die angegriffen wurden und sich getroffen fühlen. Wolfgang Lieb

Untersucht man einmal Clements sog. Entschuldigung nach der Bedeutung von Worten und dem Sinn der von ihm gewählten Grammatik, dann sagt Clement auf gut deutsch Folgendes:

Ich bleibe dabei, dass ich die Gefühle der Parteifreunde in Hessen nicht verletzt habe. Nur für den für mich nicht nachvollziehbaren Fall, dass sich möglicherweise jemand verletzt fühlen könnte, dann bedaure ich dies. Aber eigentlich sind diejenigen, die sich möglicherweise verletzt fühlen, im Unrecht bzw. sie haben keinen Grund dazu. Ich bedaure nicht das von mir Gesagte, sondern diejenigen, die möglicherweise auf diesen abwegigen Gedanken gekommen sind sich verletzt zu fühlen.

Bei denjenigen, die möglicherweise das Gefühl hatten durch mich verletzt worden zu sein, ist es „zu solchen Emotionen gekommen“, d.h. sie – und nicht etwa ich – haben nicht sachlich sondern emotionsgeladen reagiert.

Ich stehe zu meinem umstrittenen Kommentar in der „Welt“. Wenn es dadurch zu Emotionen gekommen ist, dann kann man eigentlich nur diejenigen bedauern, die so emotional reagiert haben. Die Schuld liegt eindeutig bei denjenigen die solche Emotionen aufkommen ließen. Ich hatte nicht die Absicht, solche abwegigen Emotionen zu schüren.

Das ist eine unter Politikern, die in die Ecke gedrängt sind, typische Form der Entschuldigung:

Man entschuldigt sich nicht für das was einem vorgeworfen wird, sondern man sieht den Fehler bei demjenigen, der die Vorwürfe erhebt. Man bedauert nicht das, was man selbst Gesagt oder Getan hat, sondern bedauert die Fehlreaktion bei den anderen.

Die Parteifreunde in Hessen sind selbst schuld, dass bei ihnen Gefühle des Verletztseins aufgekommen sind. Ich bedaure, dass es zu diesen Emotionen gekommen ist. Dafür kann ich nichts und das war nicht meine Absicht, deshalb liegt die Schuld bei den anderen und nicht etwa bei mir.

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