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Wichtige Leitmedien helfen der AfD. Sie präsentieren die AfD-Kandidaten und propagieren ihre Hauptthemen.

Veröffentlicht in: AfD, Audio-Podcast, Medienkritik, Strategien der Meinungsmache

Bei „Hart aber fair“ ging‘s am Montag um Sicherheit und Zuwanderung. Spiegel Online und Zeit Online stellten am Mittwoch und Donnerstag die Kandidaten vor, mit Foto und Einzelheiten. Bei anderen Parteien machen sie das nicht. Die Berufsangaben vermitteln ein durchaus seriöses Bild. Ein NachDenkSeiten-Leser machte auf dieses seltsame Gebaren von Spiegel Online und Zeit Online aufmerksam. Er machte sich Gedanken über die Hintergründe und Absichten dieser seltsamen Präsentation. Albrecht Müller.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Zunächst einmal Informationen und Links zu den drei Medienprodukten, alles wörtlich zitiert:

  1. Am Mittwoch bei SPON:

    AfD-Kandidaten – Alles, was rechts ist

    Mehr als 80 Rechtspopulisten könnten Umfragen zufolge im neuen Bundestag sitzen – überwiegend männlich, viele rechts außen. Wer genau sind die Männer und Frauen, die für die AfD ins Parlament streben?
    Von Severin Weiland

  2. Am Donnerstag bei ZEIT Online:

    AfD: Die Neuen am rechten Rand
    Bestätigen sich die Umfragen, sitzen bald rund 70 AfD-Abgeordnete im Bundestag. Wer sind sie und welchen Ton werden sie anschlagen? ZEIT ONLINE stellt die Kandidaten vor.

  3. Am Montag „Hart aber Fair“:

    Der Bürgercheck zur Wahl: Was muss sich ändern bei Sicherheit und  Zuwanderung?

    Die große Zahl von Flüchtlingen verändert unsere Gesellschaft und wühlt die Menschen auf. „hart aber fair“ konfrontiert Politiker mit Forderungen der Wähler. Was wird für die Integration der Zuwanderer getan, was für die Sicherheit der Bürger?

    Dazu eine erste Anmerkung: Vollkommen ohne Not hat Plasberg wieder direkt vor der Wahl die AfD-Themen in den Mittelpunkt gestellt (das hatte er vor der Landtagswahl in NRW auch schon gemacht) und seine Fragen waren wieder einmal Steilvorlagen für die AfD.

Die Vermutungen des NachDenkSeiten-Lesers, der uns auf die Produkte von Spiegel Online und Zeit Online aufmerksam gemacht hat, sind ziemlich schlüssig. Wir zitieren Sie deshalb unverändert:

„Wenn doch vor der AfD gewarnt werden soll in den sogenannten Leitmedien, und wenn doch eigentlich ihre Unwählbarkeit aufgezeigt werden soll, weshalb bekommt sie dann soviel Raum und weshalb werden sogar alle Kandidaten einzeln vorgestellt? Diese werden den Lesern auf dem Silberteller serviert. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Kandidaten der anderen Parteien in dieser Weise popularisiert wurden?!

Meine Vermutung lautet – so der NachDenkSeiten-Leser – , dass der AfD zu einem Wahlsieg (also einem Ergebnis, das die Erwartungen übertrifft) verholfen werden soll, damit danach die CDU/CSU sich ihrer Themen annehmen kann, die Themen und Forderungen also in der „moderaten Mitte“ aufgefangen werden können und somit ein Stück weit konsensfähig werden.“

Die Vermutung scheint berechtigt zu sein. Insgesamt kann auf diese Weise durch einen überraschend hohen Wahlsieg der AfD unsere Gesellschaft insgesamt nach rechts verschoben werden. In der CDU/CSU und der FDP und auch bei den Grünen und den Sozialdemokraten wird es viele geben, die mit Hinweis auf den Wahlerfolg der AfD eine Verschiebung des inhaltlichen Profils ihrer Parteien verlangen werden.

Falls Sie Zweifel an der auffälligen Sonderbehandlung haben, dann schauen Sie sich einfach mal den Zeit-Online-Artikel an.

Gehen Sie dort bis ans Ende des Textes, dann beginnt die lange Serie mit Köpfen und Texten zu den einzelnen Kandidaten. Sie werden dabei entdecken können, dass viele der Kandidaten zuvor in anderen Parteien gewesen sind, und zwar nicht nur bei der CDU und CSU sondern auch bei der FDP und der SPD und bei den Grünen.

Besonders beeindruckend werden bei den Leserinnen und Lesern dieses Zeit-Online-Artikels die Berufsangaben der Kandidaten sein. Ich nenne Ihnen einfach hintereinander mal einige Beispiele:

  • Rechtsanwalt
  • Elektriker, Rechtsanwalt
  • Facharzt für Rehabilitation und Hochschullehrer
  • Bau- und Wirtschaftsingenieur sowie Portfoliomanager
  • Früher Berufssoldat, heute Angestellter in einem Unternehmen für Baustellenabsicherung
  • Maler- und Lackiermeister
  • Steuerberater
  • Richter am Landesschiedsgericht
  • Regierungsschuldirektorin beim Pädagogischen Landesinstitut
  • Diplom Geologe
  • Mathematiker
  • Unternehmensberater
  • Lehrer
  • Versicherungsmanager
  • Bestatter
  • Psychologischer Berater, Coach und Trainer
  • Polizeiausbilder
  • Pilot
  • Elektrotechniker und Unternehmer
  • Polizist, Bürgermeister
  • Soldat
  • leitender Angestellter in einem DAX Konzern
  • Oberstaatsanwalt
  • Lehrer für Deutsch, Politik und Geschichte
  • Physiker
  • Früher Kampfpilot und Oberst der Reserve, heute Eurofighter Sales Director

Das reicht. Diese Liste und die sonstigen Informationen bei Zeit Online werden Leser und Leserinnen beeindrucken. Deshalb ist die Frage des NachDenkSeiten-Lesers, von dem der Hinweis auf die Veröffentlichungen von Spiegel Online und Zeit Online stammt, durchaus berechtigt. Die zitierten Medien wollen der AfD helfen. Anders kann man diese positive Sonderbehandlung ihrer Kandidatinnen und Kandidaten nicht verstehen. Es sei denn, die Redakteure dieser Medien oder jene, die ihnen den Auftrag für diese Stücke gegeben haben, sind einfältig.

Fazit:

  1. Unter dem Eindruck von aktuellen Medienbeiträgen wie den drei zuvor skizzierten steht zu erwarten und zu befürchten, dass die AfD ein gutes Stück über die 10 % Grenze hinaus erreicht und drittstärkste Kraft im Deutschen Bundestag wird.
  2. Damit wird die Ordinate in der politischen Landschaft nach rechts gerückt. Merkels verheerende Politik – siehe hier und hier – erscheint dann als mittig, ihre von der neoliberalen Ideologie geprägte Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik erscheint als gemäßigt. Fortschrittliche und linke Ideen erscheinen als unerheblicher Rand. Das wird eine bedrohliche Konstellation.
  3. Damit ist es höchste Zeit für diese am gesellschaftlichen und politischen Rand erscheinenden Kräfte, sich zu sammeln. Mit einer Betrachtung zu Corbyn als Beispiel werden die NachDenkSeiten zu Beginn nächster Woche ihre in diesem Sinne gedachte Arbeit fortsetzen.
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