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Albrecht Müller Wolfgang Lieb
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Kriminelle Energie ganz oben (Finanzkrise XXXVIII)

Verantwortlich:

Am 17. August 2007 um 15:08 Uhr konnten Sie in den NachDenkSeiten lesen:
„Die Blase – das Werk von Kriminellen, kriminellen Vereinigungen und Hehlern“
Selbst unter unseren kritischen Lesern gab es damals Naserümpfen über den forschen Ton dieser Analyse der Vorgänge, die zur Krise der IKB (Industriekreditbank Düsseldorf) führten. Berechtigt war das Naserümpfen damals nicht und ist es heute nicht, wie jetzt auch die Klage der US-Börsenaufsicht SEC gegen Goldman Sachs zeigt. (Siehe unten Anlage 1 und den Hinweis Nr. 1 vom 19.4.) – Es geht hier nicht um den Verdacht des Betrugs gegen irgendein Wirtschaftsunternehmen. Wir sind als Steuerzahler und als Demokraten vom kriminellen Geschehen direkt betroffen. Albrecht Müller.

  1. Für die private Bank IKB haben wir als Steuerzahler über 8 Milliarden gezahlt. In den NDS werden Sie viele Beiträge zu diesem Vorgang und insbesondere zur beflissenen Art, mit der die Bundesregierung gezahlt hat, finden. Beim jetzt ruchbaren und von der SEC als kriminell betrachteten Akt soll die IKB mit 150 Millionen Verlust drinhängen. Dass die IKB diesen Verlust nicht ahnungslos eingegangen ist, ist in den NachDenkSeiten schon am 17.8.2007 vermerkt. Die IKB war der Hehler.
  2. Goldman Sachs hatte (und hat) einen überragenden Einfluss auf die US-Politik und auf die deutsche Politik. So hat z.B. Angela Merkel den Goldman Sachs Berater und ehemaligen ChefÖkonomen der EZB, Otmar Issing, zum Vorsitzenden der Kommission gemacht, die neue Regeln für die internationalen Finanzmärkte ausarbeiten sollte. Ein unglaublicher Vorgang und damit ist auch klar, dass nichts geschieht. Das Nichtstun ist offensichtlich das Ergebnis des Einflusses von Goldman Sachs und der Finanzwirtschaft insgesamt. Zu Issing und zum GS-Chef Dibelius siehe Anlage 2 und 3.
  3. Nach Beendigung dieses Beitrags erreichten mich zwei Mail von Hauke Fürstenwerth. Sie enthalten ein paar interessante Hinweise. Sie sind quasi unkommentiert als Anlage 4 angehängt.

Anlage 1:

Ermittlungen gegen Goldman Sachs
Wie der fabelhafte Fab die Wall Street narrte
Die Finanzszene steht unter Schock: Goldman Sachs soll Investoren um eine Milliarde Dollar betrogen haben. Jetzt ermittelt die Bösenaufsicht, die Klageschrift offenbart ein skrupelloses System des Abkassierens. Im Mittelpunkt: ein Jungstar der Bank und ein milliardenschwerer Hedgefonds-König.
Wer die nagelneue Weltzentrale von Goldman Sachs betritt, könnte meinen, dass es eine Finanzkrise nie gegeben hat. Der 230-Meter-Glasturm in Lower Manhattan ist ein Symbol der Macht und der Stärke – 2,1 Milliarden Dollar teuer, 44 Etagen hoch, allein 53 Aufzüge. Dieser Protzbau sagt: Wir sind wer.

Quelle : SpiegelOnline am 17. April 2010

Anlage 2:
Zum Goldman Sachs Berater Otmar Issing:

20. Oktober 2008 um 17:16 Uhr
Ein neuer „Bock als Gärtner“ – der GoldmanSachs-Berater Issing als Kommissionsvorsitzender. Mein Fazit: Dieser Bundesregierung ist nicht zu trauen.
Quelle: nachdenkseiten

Goldman Sachs
Otmar Issing wird Investmentbanker
Der ehemalige Chef-Volkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Deutschen Bundesbank, Otmar Issing, wird eine Position bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs übernehmen.
Quelle : FAZ am 15.10.2006

Höhere Löhne sind keine Lösung
Kommentar Die schwächeren Mitglieder der Eurozone brauchen Hilfe – Deutschland sollte deshalb die Binnennachfrage stärken und die Löhne erhöhen, verlangen unter anderem die Franzosen. Doch die Forderung ist ökonomisch unsinnig und politisch gefährlich. von Otmar Issing
Otmar Issing ist Präsident des Center for Financial Studies (CFS) an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, Berater der Investmentbank Goldman Sachs und ehemaliger Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank.
Quelle: FTD am 22.3.2010

Anlage 3:
Zur Goldman Sachs-Spitze in Deutschland und zur Macht von GS:

Finanzindustrie: Goldman Sachs
Gottes Werk und Dibelius’ Beitrag
Um das Image großer Banken ist es schlecht bestellt. Goldman-Sachs-Deutschland-Chef Dibelius legt nach – und provoziert Streit.
Eine Polemik von Hans von der Hagen.
Quelle: Süddeutsche Zeitung am 15.1.2010

Banken
Goldman heuert an: Mehr Macht durch Macht
Veröffentlicht am 03 März 2010  | Le Monde Paris
Quelle: Presseurop

Anlage 4:
Zwei Mails von heute von Hauke Fürstenwerth zum Thema:

Hallo zusammen,
Da auch die Nachdenkseiten die rührend naiven Berichte und Kommentare zur Klage der SEC gegen Goldman Sachs wiedergeben,

(Anmerkung AM zu dieser Einleitung: wir „geben wieder“, aber wir kommentieren in der Regel sehr kritisch, wie schon der Beitrag vom 17.8.2007 und unzählige darnach zeigen)

möchte ich Sie auf einige Umstände hinweisen, die in der verständlichen Entrüstung nicht berücksichtigt werden. Wie weit das Unverständnis der Vorgänge reicht wird deutlich an der Beschreibung in der FR zu den Geschäften der Deutschen Bank:

“Der deutsche Branchenprimus hatte sich genau wie Goldman Sachs auf Wett-Geschäfte mit dem Hedgefonds von John Paulson eingelassen. … Gleichzeitig verkaufte sie Ausfallversicherungen an Hedgefonds, die auf das Gegenteil – also das Platzen der Blase – setzten.”

Hier wird behauptet, die deutsche Bank hätte gegen Pauslon gewettet. Demnach müsste der Gewinn von Paulson der Verlust der Bank sein. Die FR geht sogar
noch weiter und unterstellt mit ihrem Text, dass die Deutsche Bank wissentlich die Verluste aus den windigen CDO Papieren übernimmt, damit die Hedgefonds ihren Reibach machen können, in dem sie den Hedgefonds eine Ausfallversicherung verkauft. – unsinniger geht’s nimmer!

Die Klageschrift der SEC gegen Goldman Sachs ist im internet verfügbar. Darin sind die Einzelheiten der Goldman Geschäfte ausgeführt. Danach hat Goldman aus von Paulson ausgewählten Hypothekenkrediten ein synthetisches CDO zusammengestellt und dieses an Investoren wie die IKB verkauft. Für diese Dienstleistung hat GS 15 Mio Dollar kassiert. Ein Synthetisches CDO ist ein Bündel von Wetten auf den Ausfall der zu Grunde liegenden Hypotheken. Der Verkäufer – Paulson – wettet auf den Ausfall. Hierfür ist er bereit, an den Käufer – seinem Wettgegner, IKB u. a. – eine jährliche Prämie zu zahlen. Der Wettgegner – IKB – geht davon aus, dass die Hypothekenkredite nicht faul werden und freut sich über die Zahlungen. Er gewährt also eine Ausfallversicherung für die Hypotheken. Wer sich auf synthetische CDO einlässt, kann wohl kaum behaupten, er hätte diese Zusammenhänge nicht gekannt. Deshalb wird die Klage der SEC wohl auch nicht zu einer Verurteilung führen. Das dürfte genauso ausgehen wie die vergeblichen Klagen vieler Gemeinden und Städte hier bei uns, die mit Zins swaps gegen die deutsche Bank gewettet und verloren haben. Diese Klagen sind bis auf wenige Ausnahmen erfolglos geblieben.

Erhellend sind die Ausführungen in der Klageschrift zu IKB auf S. 15 ff

“Historically, IKB specialized in lending to small and medium-sized companies. Beginning in and around 2002, IKB, for itself and as an advisor, was involved in the purchase of securitized assets referencing, or consisting of, consumer credit risk including RMBS CDOs backed by U.S. mid-and-subprime mortgages. IKBs former subsidiary, IKB Credit Asset Management GmbH, provided investment advisory services to various purchasing entities participating in a commercial paper conduit known as the Rhineland programme conduit.

The identity and experience of those involved in the selection of CDO portfolios was an important investment factor for IKB. In late 2006 IKB informed a GS&Co sales representative and Tourre that it was no longer comfortable investing in the liabilities of CDOs that did not utilize a collateral manager, meaning an independent third-party with knowledge of the U.S. housing market and expertise in analyzing RMBS.”

Danach hat die IKB von 2002 bis 2007 auf Basis eigener Expertise strukturierte Produkte gekauft – im Geschäftsbericht 2006 rühmt sich die IKB ihrer Expertise in diesen Geschäften! – hat dann aber wohl kalte Füße bekommen und wollte nur noch über Vermittler kaufen. Vermittler wie ACA waren nur als Makler tätig, ohne jegliche Haftung für das vermittelte Produkt. Die IKB hat sich ohne eigene Expertise auf Geschäfte eingelassen, die sie nicht verstanden hat.

In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen noch einmal die Lektüre des Buches

The Big Short: Inside the Doomsday Machine
von Michael Lewis

ans Herz legen. Darin werden die Geschäfte mit von Hypotheken abgeleiteten strukturierten Produkten gut nachvollziehbar beschrieben. Unter anderem wird detailliert beschrieben, wie der Investmanager Greg Lippmann von der Deutschen Bank CDS Papiere auf das Platzen der subprime abgeleiteten Finanzprodukte vermarktet hat, aufgebaut auf Analysen, die die Unsinnigkeit dieser Produkte nachweisen. Das alles hat mit Verschwörung nichts zu tun, denn zu einer Wette gehören immer zwei Partner: einer der auf steigende Preise der Finanzprodukte setzt und einer der dagegen hält, weil er auf sinkende Preise setzt. Einer gewinnt immer, der Buchmacher, hier die Deutsche Bank, die an Vermittlung der Wetten interessiert war.

Im Falle Goldman Sachs/IKB/Paulson hat Goldman eine Wette arrangiert zwischen Paulson und IKB und andere. Paulson hat in Summe 1 Mrd Dollar gewonnen, IKB u.a. haben in Summe 1 Mrd verloren, Goldman hat als Buchmacher für ein wenig Papierarbeit eines Mitarbeiters Tourre 15 Mio kassiert.

Kurzer Nachtrag in einer zweiten Mail:
In der FAZ ist ein Artikel, der die Geschäfte etwas treffender beschreibt

“Wo ist die Spekulationsblase, gegen die wir wetten können?”, fragte er damals seine Mitarbeiter. Die Antwort war der Häusermarkt. Paulson, der damals bis spät in die Nacht über Daten aus dem Hypothekenmarkt brütete, wettete schließlich auf fallende Preise von Hypothekenanleihen und kaufte sogenannte Credit Default Swaps, also Wertpapiere, mit denen sich Anleger gegen Kreditausfälle absichern können.

Die waren damals billig zu haben, weil kaum jemand mit Ausfällen rechnete. Paulson war sich dagegen sicher, dass die immer lockerer werdenden Standards bei der Vergabe von Hypotheken zu steigenden Kreditausfällen führen würden. “Die meisten Leute sagten uns, dass die Häuserpreise auf nationalem Niveau nie fielen und dass es noch nie einen Zahlungsverzug bei einer mit hoher Bonität versehenen Hypothekenanleihe gegeben habe”, beschrieb Paulson die damals gängige Überzeugung der amerikanischen Hypothekenexperten. Als sich Anfang 2006 der große Subprime-Hypothekenanbieter Ameriquest, dem aggressive Vertriebsmethoden vorgeworfen worden waren, aber auf einen außergerichtlichen Vergleich einigte, war Paulson überzeugt, dass solche Methoden weit verbreitet waren. Er folgerte daraus, dass Subprime-Hypotheken zunehmend an Leute vergeben wurden, die sich die Häuser eigentlich nicht leisten konnten. Er behielt recht. Die Häuserpreise fielen.”

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