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7. Dezember 2016
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Auch die Börsen und die spekulativen Anlagen bei Instituten wie HRE sind im Kern Schneeballsysteme (Finanzkrise XLIV)

Veröffentlicht in: Banken, Börse, Spekulation, Finanzkrise

Am 4. September 2010 berichtete SpiegelOnline, in Benin seien Tausende Afrikaner auf ein Schneeballsystem herein gefallen. Im Text wird auf den Erfinder des Systems, den Italiener Ponzi aufmerksam gemacht und auf den neuerlichen Fall des Milliardenbetrügers Madoff in den USA. Das klingt ziemlich exotisch und weit weg von uns. Tatsächlich sind bei uns ähnliche Systeme mit sehr ähnlichen Methoden im Detail gelaufen und tatsächlich ähneln die Vorgänge an der Börse wie auch zumindest die Vorgänge um die HRE und die IKB dem Fall in Benin. Albrecht Müller.

Zunächst zu Ihrer Information noch ein paar Zeilen aus dem SpiegelOnline-Artikel:

In Benin hat ein Finanzjongleur mehr als 100.000 Landsleute um ihre Ersparnisse gebracht – mit demselben Trick, den auch Wall-Street-Betrüger Bernhard Madoff anwandte. Nun gerät der Staatspräsident in den Strudel der Affäre.
Berlin – Es ist immer wieder erstaunlich, wie leicht sich Menschen betrügen lassen, wenn ihnen nur Lügen aufgetischt werden, die sie gerne glauben wollen. So erging es Hollywood-Größen und vornehmen New Yorkern mit den Renditeversprechen des Milliardenbetrügers Bernhard Madoff – und so erging es vielen tausend Bürgern im westafrikanischen Kleinstaat Benin. Sie haben ihr Erspartes verloren und Geld, das sie sich eigens geliehen hatten, weil sie den Anlageberatern eines Unternehmens namens ICC Service glaubten. …

Die gleichen Methoden wurden schon mehrmals bei uns angewandt.

Der Einfachheit halber zitiere ich aus Beitrag Finanzkrise (Teil I) vom 7.1.2009
„Was Madoff veranstaltet hat, ist uns keineswegs fremd und dürfte auch den Verantwortlichen bei der Bankenaufsicht und der Politik nicht fremd gewesen sein. In Deutschland gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder ähnliche Fälle. Dazu gehört in Ansätzen schon Bernie Cornfields und seiner IOS erfolgreiche Einsammlung von Anlagegeldern für seine verschiedenen Fonds. Es ging in den 60gerJahren des letzten Jahrhunderts so lange gut, wie neue Anleger gefunden wurden, um immer wieder die gemachten Versprechungen einzulösen. In diesem Fall taucht auch schon die heute gängige Erscheinung auf: der Betreiber des Casinos lebte in Saus und Braus und zögerte nicht, seine exorbitanten Gewinne demonstrativ vorzuzeigen. Sein Demonstrationsmittel: französische Schlösser.

Ein weiteres Schneeballsystem von kleinerer Dimension, aber immerhin für viele Menschen auch ein Desaster, lief um die Jahrhundertwende in Rheinland-Pfalz und im Saarland ab. „Das Angebot klang verlockend. Renditen bis zu 50 Prozent versprach die CTS Commodity Trading Service GmbH aus Saarlouis Investoren, die bereit waren, dem Unternehmen für hoch riskante Warentermingeschäfte in den USA Kapital zu überweisen.“, berichtete die Welt am 13. November 2001. Der Schaden soll sich auf 300-400 Millionen Mark belaufen haben. Das System gründete auf dem cleveren Schachzug der Organisatoren, Polizisten und andere Beamte als frühe Gewinner satter Erträge und dann als Multiplikatoren einzusetzen. (Auch Madoff hat mit solchen Mittelsmännern gearbeitet) Diese beruflich als seriös ausgewiesenen Multiplikatoren hatten bei diesem System sozusagen zusätzlich die Rolle der Ratingagenturen übernommen. Sie waren zugleich Zeugen des Erfolgs, sie fuhren neue große Autos und bauten Häuser.
Unter den Anlegern waren solche, die viel Geld hatten, es waren aber viele darunter, die nicht über viel Einkommen und Vermögen verfügten und auch nicht zu den Bevorzugten der ungerechter gewordenen Einkommens- und Vermögensverteilung gehörten. Manche von ihnen haben sogar Kredite aufgenommen, um im System mitzuspielen. Alle hatten wohl vergessen, dass der Grundsatz, dass aus Nix Nix kommt, immer noch gilt. Auch sie pflegten den Irrglauben unserer Börsenberichterstatter, steigende Buchwerte seien echte Werte.“

Die Methoden sind schon sehr ähnlich:

  • Es werden angesehene Zeitgenossen, am besten mit Ämtern gesegnet, eingesetzt.
  • Der versprochene Gewinn wird zur Demonstration immer wieder vorgezeigt. Solange das Schneeballsystem funktioniert, geht das ja auch.

Was an spekulativ verlaufenden Börsen abläuft, funktioniert nach dem gleichen Prinzip

Die angesehenen Zeitgenossen heißen in diesem Fall ARD, ZDF und all die anderen Veranstalter von Börsensendungen mit ihren euphorischen Berichten, solange es aufwärts geht. Dann funktioniert das Schneeballsystem so lange, wie Nachschub an neuen oder neu einsteigenden Anlegern besorgt werden kann. Wenn dieser Nachschub ausbleibt, bricht das System zusammen. In der Abbildung 1 des zitierten NDS-Beitrags vom 7.1.2009 ist der Ablauf gleich zweimal schön zu sehen. Die Kurse (hier beispielhaft die DAX-Werte) haben sich zwischen 1995 und 2000 vervierfacht; dann sind sie abgestürzt, und dann das gleiche nochmals zwischen 2003 und 2007.

Abbildung 1:

Dax Oktober bis Heute

(Als zusammengefasste Maßzahl der Aktienkursentwicklung gibt es den DAX erst seit 1. Juli 1988: für die Zeit davor ist er rückberechnet worden.)

Das System ist kein Deut seriöser als das System von Benin oder Madoff oder im Fall CTS.

Auch die Sammlung von Kapital durch HRE, IKB, Lehmann Brothers, UBS und andere Banken funktioniert nach dem gleichen Prinzip

Es werden hohe Renditen geboten. Diese werden auch ausgezahlt und Kredite werden auch zurückgezahlt, so lange der Zufluss funktioniert. Wenn dieser abbricht, bricht das System zusammen.

Anders und schlimmer als in Benin oder in den Fällen Madoff, CTS oder Cornfield haben in diesen Fällen wir Steuerzahler den Schneeballspielern ihre Verluste bezahlt.
Das ist dadurch zustande gekommen, dass in diesen Fällen die Verbindung zur Politik so eng ist, dass die Politik uns in Haftung genommen hat. Unterstützt von der Propaganda, diese Institute seien systemrelevant.

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