www.NachDenkSeiten.de - die kritische Website

Albrecht Müller Wolfgang Lieb
Ein Aufruf der Herausgeber:
"DIE NACHDENKSEITEN BRAUCHEN IHRE UNTERSTÜTZUNG."
18. Dezember 2014
Sie sind hier: Hinweise des Tages
  • Beim Erscheinen eines neuen Artikels erhalten Sie eine Benachrichtigung per E-Mail.

Hinweise des Tages

Verantwortlich:

Heute unter anderem zu folgenden Themen: Guttenberg; Merkel macht Sozialdemokraten zum Sherpa; Japans Jugend ohne Jobs; Kaimane in Delaware; Neue Pläne aus Peking: China hat das Turbo-Wachstum satt; Hartz IV: Behinderte zahlen drauf; Wer hat Angst vor Methusalem?; Was heißt hier frei?; Kassen prognostizieren Beitragsschock; Niedrigzins: Assekuranz fürchtet um Lebensversicherung; Joschka Fischer: Dick im Geschäft; Opposition warnt vor “Florida-Wolf”; Nordafrika; Albtraum im Märchenland – Moderne Arbeitssklavinnen in Dubai; CSU: Viele krumme Dinger; Instantprominente allüberall (KR/JB)

Hier die Übersicht; Sie können mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert:

  1. Guttenberg
  2. Merkel macht Sozialdemokraten zum Sherpa
  3. Japans Jugend ohne Jobs
  4. Kaimane in Delaware
  5. Neue Pläne aus Peking: China hat das Turbo-Wachstum satt
  6. Hartz IV: Behinderte zahlen drauf
  7. Wer hat Angst vor Methusalem?
  8. Was heißt hier frei?
  9. Kassen prognostizieren Beitragsschock
  10. Niedrigzins: Assekuranz fürchtet um Lebensversicherung
  11. Joschka Fischer: Dick im Geschäft
  12. Opposition warnt vor “Florida-Wolf”
  13. Nordafrika
  14. Albtraum im Märchenland – Moderne Arbeitssklavinnen in Dubai
  15. CSU: Viele krumme Dinger
  16. Instantprominente allüberall

Vorbemerkung: Wir kommentieren, wenn wir das für nötig halten. Selbstverständlich bedeutet die Aufnahme in unsere Übersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese Übersicht für hilfreich halten, dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese Möglichkeit der schnellen Information hin.

  1. Guttenberg
    1. Professor Peter Häberle: Guttenbergs verzweifelter Doktorvater
      Er gilt als Adam Riese des internationalen Rechts: Mit Peter Häberle als Doktorvater hat Guttenberg die Reputation eines angesehenen Staatsrechtlers missbraucht. Guttenbergs Plagiat ist für den fast 77-Jährigen eine schwere Kränkung.
      Quelle: Süddeutsche Zeitung

      dazu: Ein bemerkenswert offener Kommentar von Häberles Nachfolger Oliver Lepsius.

    2. Causa Guttenberg: Druck der Akademiker wächst
      Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wird offenbar nur noch von einigen Umfragewerten im Amt gehalten. Immer mehr Vertreter der Wissenschaft machen deutlich, dass sie zu Guttenberg nicht länger tragbar für ein Ministeramt der Bundesregierung halten.
      Quelle: Wissen rockt
    3. Guttenberg und die Plagiatsaffäre: Die verachtete Wissenschaft
      Die Plagiatsdebatte um Verteidigungsminister Guttenberg zeigt, was Merkel & Co. sowie ein Großteil der Bevölkerung von der akademischen Welt halten. Wissenschaft ist für sie so unwichtig, dass man dort krumme Touren drehen kann, Forscher sind nur weltvergessene Eierköpfe. Das Ergebnis: Der Minister ist etwas angesengt, die Wissenschaft in Deutschland aber schwer beschädigt. Das liegt nicht nur daran, dass sich nun Hunderttausende Prüfer fragen müssen, welche Standards von Selbständigkeit und Originalität sie an die Arbeiten ihrer Kandidaten anzulegen haben. Es liegt noch weniger daran, dass die Kluft zwischen einem “summa cum laude” und einem aberkannten Doktorgrad ein erhebliches Maß an Willkür im Umgang mit Qualifikationsarbeiten auf Seiten der Universität offenbart.
      Das liegt vor allem daran, dass in dieser Affäre deutlich wurde, was das regierende Personal tatsächlich über die Universität denkt. Es gebe in Deutschland andere Probleme als Fußnoten, sagte Volker Bouffier, der hessische Ministerpräsident (als ob Plagiate gleich Fußnoten wären). Und die Bundeskanzlerin erklärte, sie haben einen Verteidigungsminister und keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter berufen (als ob ein Täuscher und Blender dasselbe wäre wie ein Assistent). Die beiden wissen sich einig mit einem Großteil der Bevölkerung, der Betrügereien im akademischen Betrieb offenbar für eine lässliche Sünde hält – im Unterschied zu Betrügereien im Sport, zum Doping, das in den Augen derselben Menschen unnachsichtig geahndet gehört. Die Voraussetzung für solche Lässigkeit ist die Überzeugung, dass die gesellschaftliche Sphäre, in der sich Guttenberg seine Verfehlungen hat zuschulden kommen lassen, insgesamt von untergeordneter Bedeutung ist. Und das heißt nicht nur, dass es in Deutschland Wichtigeres gibt als Wissenschaft. Sondern es heißt auch, dass Wissenschaft so unwichtig ist, dass man dort krumme Touren drehen kann, ohne in den Sphären, die wirklich wichtig sind, Konsequenzen befürchten zu müssen. Die Unaufrichtigkeit des Verteidigungsministers fällt nicht ins Gewicht, weil sie in eine Sphäre fällt, die als solche nicht ins Gewicht fällt.
      Quelle: Süddeutsche Zeitung
  2. Merkel macht Sozialdemokraten zum Sherpa
    Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen soll nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel neuer Verhandlungsführer von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Gruppe der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) werden. Der Sozialdemokrat solle diese “Sherpa” genannte Funktion mindestens bis Ende Juni ausüben, und die Chancen auf eine Verlängerung stünden nicht schlecht, hieß es in dem Vorabbericht weiter.
    Quelle: Süddeutsche Zeitung

    Anmerkung Jens Berger: Zum Hintergrund – Jörg Asmussen, Jens Weidmann und Axel Weber sind seit den 90ern befreundet – Weber war damals in Bonn der Professor von Asmussen und Weidmann. Die Karriere der drei Ökonomen nahm erst richtig Fahrt auf, als der damalige Finanzminister Hans Eichel Jörg Asmussen zu seinem Büroleiter machte. Asmussen sorgte dafür, dass Eichel seinen alten Professor in den Sachverständigenrat – die fünf Wirtschaftsweisen – berief, wo sich sein Weg abermals mit dem Jens Weidmanns kreuzte, der zu diesem Zeitpunkt Generalsekretär des Sachverständigenrates war.
    2002 empfahl Jörg Asmussen seinem Chef Finanzminister Eichel seinen ehemaligen Professor Weber dann für den Posten des Bundesbankpräsidenten. Eichel folgte diesem Rat. Nun war es Weber, der seinen ehemaligen Studenten den Weg ebnete – auf seine Empfehlung hin wurde Asmussen Staatssekretär im Finanzministerium, während er Weidmann als Abteilungsleiter in die Bundesbank holte. Angela Merkel ernannte Jens Weidmann nach ihrem Wahlsieg zu ihrem obersten Wirtschaftsberater und „Sherpa“ in der Position eines Abteilungsleiters im Kanzleramt – die Empfehlung kam vom Bundesbankpräsidenten Weber. Erst vor kurzen wurde Jens Weidmann – auf Empfehlung Webers – selbst designierter Bundesbankpräsident. Nun wird Asmussen zusätzlich der Nachfolger des „Sherpas“ Weidmann. Vom wem die Empfehlung für diese Personalie wohl gekommen ist? Weber? Weidmann? Die Seilschaft der drei neoliberalen Überzeugungstäter funktioniert offenbar immer noch bestens.

  3. Japans Jugend ohne Jobs
    Trotz des Aufschwungs fehlen in Japan massenweise Jobs für die junge Generation. Viele Betriebe rekrutieren ihren Nachwuchs im Ausland – oder beschäftigten billige Rentner.
    Quelle: Wirtschaftswoche
  4. Kaimane in Delaware
    Gewisse Karibikinseln sind der Inbegriff aller Steuerparadiese. Doch eine der besten Adressen für Briefkastenfirmen und kontrollscheue Hedgefonds ist eine Stadt im Nordosten der USA
    Quelle: Le Monde Diplomatique
  5. Neue Pläne aus Peking: China hat das Turbo-Wachstum satt
    Die Wirtschaft des Landes hat in den vergangenen Jahren rasant zugelegt. Doch nun gibt es Wichtigeres als Wachstum, meint Chinas Regierung. Sie will ihr Augenmerk stärker auf soziale Gerechtigkeit lenken – denn die Inflation spaltet die Gesellschaft.
    […]
    Im nächsten Fünf-Jahres-Plan werde die Bekämpfung der Korruption bei hohen Funktionären ein Hauptziel sein, so Wen Jiabao weiter. Zudem versprach er Veränderungen in der Wirtschaftspolitik. Der wachsende Unterschied zwischen Arm und Reich beschädige die soziale Gerechtigkeit und gefährde die Stabilität. Der exzessive Anstieg der Preise müsse gestoppt werden und die Preise für Wohneigentum müssten auf einen gesunden Niveau gehalten werden, meinte Wen Jiabao.
    Quelle: FTD

    Anmerkung J.A.: In China wird wenigstens verbal auf die soziale Gerechtigkeit Wert gelegt. Von dieser Politik ist Deutschlands immer wirtschaftsradikalerer Kurs Lichtjahre entfernt. In Deutschland würde man bei solchen Forderungen gleich “Kommunismus!” schreien.

  6. Hartz IV: Behinderte zahlen drauf
    Bundestag und Bundesrat reichen Hartz-Reformpaket durch. Einer der größten Skandale zeichnet sich erst jetzt ab: Behinderten werden die Leistungen um 20 Prozent gekürzt.
    Quelle: Der Freitag
  7. Wer hat Angst vor Methusalem?
    Warum man sich vor den Szenarien der Demografen nicht sorgen muss.
    “Parteienübergreifend ertönt der Ruf nach mehr Kindern. Dabei wird gerne unbeachtet gelassen, dass ein Rückgang der jüngeren Generationen die verteilungspolitische Herausforderung der längeren Lebenserwartung erheblich mindert. Aus der Wertschöpfung der jeweils erwerbstätigen Generation muss nicht nur der Aufwand für die nicht mehr erwerbstätigen Alten, sondern aber auch der für sämtliche Nichterwerbstätigen (Kinder, jüngere Erwerbsunfähige, Erwerbslose) aufgebracht werden.”
    Quelle: Bayerische Staatszeitung

    Anmerkung eines Lesers: Eine wie ich finde sehr pointierte Zusammenfassung über die Auswirkungen des sog. demografischen Wandels. Interessant hierbei der Kommentar des ehemaligen Mitarbeiters des Statistischen Bundesamtes und Statistik-Professors Gerd Bosbach, wonach die 50-Jahres-Prognosen des Statistischen Bundesamtes moderne Kaffeesatzleserei seien, welche hingegen von einigen Politikern und Medien als Naturgesetze dargestellt und als Angstkulisse aufgebaut werden. Ein lesenswerter Artikel von Herrn Bosbach zum demografischen Wandel ist ja bereits auf den NDS hinterlegt [PDF – 183 KB].

  8. Was heißt hier frei?
    Laut Statistik bieten Zeitarbeitsfirmen jede Menge Stellen an. Doch viele davon existieren gar nicht.
    Quelle: ZEIT
  9. Kassen prognostizieren Beitragsschock
    Das könnte teuer werden: Die Krankenkassen rechnen mit einem Kurswechsel der Union bei den laufenden Koalitionsverhandlungen über die geplante Reform der ärztlichen Versorgung. “Wir haben darauf vertraut, dass die Union ihre Ankündigung einhalten wird, die Beitragszahler nicht für zusätzliche Honorarerhöhungen bei Ärzten, Zahnärzten und Krankenhäusern zu belasten,” sagte der stellvertretende Vorstandschef des AOK-Bundesverbands Jürgen Graalmann dem Handelsblatt. Die Ärzte hätten bereits in den vergangenen drei Jahren rund zehn Milliarden Euro mehr erhalten. Inzwischen sehe es aber so aus, als sei die Union auf dem besten Wege, erneut vor der Ärztelobby einzuknicken. Auslöser des Alarmrufs der Ortskrankenkassen sind die überarbeiteten Pläne der Union für das Reformgesetz, mit dem Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) eine drohende ärztliche Unterversorgung in ländlichen Regionen verhindern will.
    Quelle: SPIEGEL Online
  10. Niedrigzins: Assekuranz fürchtet um Lebensversicherung
    Versicherer kämpfen mit Wachstumsproblemen im Kerngeschäft. Viele werden die kommenden rauen Zeiten nicht überstehen. Die Politik gibt sich uneinsichtig.
    Quelle: FTD

    Anmerkung des NDS-Lesers J.A.: Wie könnte sich denn die Politik “einsichtig” zeigen, um auf Kosten der Kunden ein so sinnloses Produkt zu retten? Noch mehr Förder-Milliarden, noch mehr Steuervorteile, noch weniger Rechte für Verbraucher?

  11. Joschka Fischer: Dick im Geschäft
    Der ehemalige Straßenkämpfer, grüne Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer hat sein früheres Leben abgestreift. Als Mehrheitsgesellschafter der Berliner Beratungsfirma JF&C steht er nun im Unternehmerlager und macht Millionen mit Siemens, RWE, BMW und Rewe. Dabei hilft ihm ein Netzwerk rund um den Globus. Fischer hat rigoros mit allem gebrochen, was nur im Entferntesten nach Ökopaxe und Basisdemokratie riecht. „Nein, nein, so was machen wir nicht“ – „das stellen Sie sich zu einfach vor“, wehrt er Vermutungen ab, er könnte mit Sympathisanten aus alter Zeit, etwa mit Nichtregierungsorganisationen wie WWF oder Greenpeace, zusammenarbeiten. Auch wenn die selbst bei Konzernlenkern langsam hoffähig werden, für Fischer sind das Krethi und Plethi von der Straßendemo, von denen er nichts mehr wissen will. Er will ja Geld verdienen, das ist legitim, will in den Top-Etagen nicht mehr als Realo, sondern als Respektsperson gelten. „Man darf in der Beratung nicht zu politisch werden“, doziert er. „Man muss entpolitisieren, sonst gibt es zu viel Widerstände für ein Unternehmen.“ Und dann kommt das volle Pfund zum Mitschreiben: „Meine Beratung hier ist die Fortsetzung der Außenpolitik mit anderen Mitteln.“
    Quelle: Wirtschaftswoche

    Anmerkung Orlando Pascheit: Bei allem äußerlichen Informationsgehalt läuft der Artikel auf eine Demontage der Person hinaus. Fischer wird, ohne dass diese Worte fallen, als raffgierig, eitel und selbstgefällig dargestellt.. Nun drängt es viele Expolitiker zu den Futtertrögen des Kapitals, deshalb wäre eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit diesem Thema durchaus angebracht. Was sind das für Menschen, deren Biographie mit einem Interesse für das Gemeinwohl beginnt und bei privaten Interessen endet? Auch möchte man einmal konkret erfahren, was für nutzbringende Ratschläge Fischer den Unternehmen bieten bzw. welche Türen er beispielsweise in der Politik öffnen kann. Wie ernst ist beispielsweise Fischers Aussage zu nehmen, dass Beratung die Fortsetzung der Außenpolitik mit anderen Mitteln sei, wenn er davor meint, man dürfe in der Beratung nicht zu politisch werden. Da hätte ein guter Interviewer nachgehakt. Vermutlich ist Fischer für die meisten Unternehmen nur schmückendes Beiwerk zu bestimmten Anlässen. Sein Einsatz z.B. für das Pipeline-Projekt Nabucco konnte doch angesichts der realen Schwierigkeiten von vornherein nur marginal sein, da dürfte der Einsatz von Lena für Opel mehr bringen.

  12. Opposition warnt vor “Florida-Wolf”
    “Fragwürdiger Umgang mit Steuergeldern”: FDP-Politiker Ingo Wolf soll Vizepräsident des Bundesrechnungshofs werden. Die Opposition hält ihn für denkbar ungeeignet.
    Die Opposition im Bundestag hat den Plan der schwarz-gelben Koalition massiv kritisiert, den FDP-Politiker Ingo Wolf zum neuen Vizepräsidenten des Bundesrechnungshofs zu ernennen. Führende Vertreter von SPD und Grünen sagten der Süddeutschen Zeitung, Wolf sei aufgrund seines “fragwürdigen Umgangs mit Steuergeldern” denkbar ungeeignet für das Amt des zweithöchsten Haushaltskontrolleurs in Deutschland. Auch in der Koalition selbst ist Wolfs Kandidatur nicht unumstritten.
    Quelle: Süddeutsche Zeitung

    Anmerkung unseres Lesers B.G.: Da hat unsere Regierung den Bock zum Gärtner gemacht! Herr Wolf hat in NRW Polizei teure und sinnlose Reiterstaffeln wieder eingeführt. Die alte SPD Regierung hatte diese zuvor aus Kostengründen abgeschafft. Die Pferde und die Ställe hat man natürlich aus Kostengründen von Privatleuten gepachtet.
    Bei dem von Herrn Wolf eigentlich zu kontrollierenden Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) gibt es einen riesigen Korruptionsskandal. Ausgangspunkt dieses Skandals sind die Kostensteigerung beim Bau des Landesarchivs in Duisburg. Der Baukosten sind von 40 Millionen auf über 140 Millionen gestiegen. Eine Prüfung der Kostensteigerung hat Herr Wolf nicht veranlasst. Die Ermittlungen stehen im BLB Skandal erst am Anfang. Herr Wolf wird der Staatsanwaltschaft als amtierender Vizepräsident des Bundesrechnungshofs wohl noch erklären müssen, warum ihm die massiven Kostensteigerungen nicht aufgefallen sind.
    Die FDP hat bewusst einen Parteifreund nominiert, von dem die Regierung sicher weiß: der kontrolliert nicht und der hat kein Problem mit Unsinnigen PR-Ausgaben.

  13. Nordafrika
    1. Völkerrechtler Merkel über Militäreinsatz: “Wir können in Libyen nicht eingreifen”
      Gaddafi gehört vor Gericht gestellt. Das ist aber nicht so einfach: Europa und die UNO können nur wenig tun, um den Sturz des Diktators zu beschleunigen, sagt der Völkerrechtler Merkel.
      Quelle: taz
    2. Nachdenken über militärische Optionen in Libyen
      Die Finanz-Sanktionen gegen die USA seien nur ein erster von weiteren Schritten gegen den libyschen Machthaber Ghadhafi, hiess es laut einem Zeitungsbericht aus Regierungskreisen. Demnach denken die USA auch über militärische Schritte nach, um einen Angriff auf Ghadhafis Gegner aus der Luft zu verhindern. Allerdings gebe es innerhalb der amerikanischen Regierung Zweifel, ob sich für solche Massnahmen ein breiter internationaler Rückhalt finden lasse, angesichts des erwarteten Widerstands etwa aus China, hiess es. Laut dem Zeitungsbericht hielt sich die Obama-Regierung aus Angst vor Geiselnahmen zunächst mit einschneidenden Schritten gegen das Regime in Tripolis zurück. Amerikanische Diplomaten in Libyen hätten vor «bestimmen Botschaften» aus Washington gewarnt, um Landsleute in den nordafrikanischen Krisenland nicht zu gefährden.
      Quelle: NZZ
    3. 18 Tage Träume und Albträume
      Mit ihrem so amüsanten wie bissigen Blog «Ich will heiraten» wurde Ghada Abdelaal weit über die Grenzen Ägyptens hinaus bekannt. Für die NZZ hielt sie Erinnerungen an die Tage fest, während deren sie um die Zukunft ihres Landes und das Leben ihrer Freunde bangte:
      “Am 25. Januar stand uns plötzlich klar vor Augen, was wir wollten, nachdem wir sechzig lange Jahre unsere Rolle und unseren Ort in der Geschichte gesucht hatten. Es war der Tag, an dem sich Ägypten erhob und an dem die ganze Welt auf uns schaute auf die Organisationsfähigkeit, den Mut, die Klugheit und den Witz unserer Demonstranten. Manchen Beobachtern mochte es Mühe bereiten, dieses Bild mit dem verzerrten Image der arabischen Jugend zur Deckung zu bringen, das einige Massenmedien pflegen. Man schaute uns zu, verblüfft und gespannt, als sässe man im Kino; man fieberte für den Sieg des Guten, hoffte auf den Untergang des Tyrannen, und eigentlich waren alle optimistisch und vertrauten darauf, dass die Sache ein gutes Ende nehmen würde ganz wie es das Filmpublikum eben erwartet.
      Aber was bei uns geschah, war real, und das ist eine ganz andere Sache. Es war ein Kampf zwischen dem einen, visionären Traum und einer ganzen Anzahl realer Albträume, die uns in Ägypten jeden Tag und jeden Augenblick einholen können. Ich habe achtzehn Tage lang in Angst und Sorge gelebt, ohne Hoffnung und immer in Erwartung des Schlimmsten so eben, wie es uns das Leben in unserer Weltgegend gelehrt hat: Im Wissen darum, dass die guten Zeiten stets nur kurz sind und dass das Böse letztlich siegt. Bei uns ist die Bahn immer frei für diejenigen, die ausziehen, um im Namen eines wahnwitzigen Machthabers Blut zu vergiessen; für die Exzesse eines Sicherheitsapparats, der Grünes und Dürres niederbrennt, nur um sich an der Feuersbrunst zu wärmen.”
      Quelle: NZZ
    4. Ägypten: Die Schlüsselpositionen bleiben unverändert
      In Ägypten hat die Militärführung das neue Kabinett vereidigt. In diesem finden sich elf neue Minister, darunter auch ehemalige Oppositionelle. Die drei Schlüsselpositionen bleiben jedoch unverändert. dürfte die Entscheidung, Ministerpräsident Ahmed Shafik, Aussenminister Ahmed Abul Gheit, sowie Justizminister Mamdu Marie in ihren Ämtern zu belassen, bei den Protagonisten der Massenproteste Kritik hervorrufen. Die drei Kabinettsmitglieder gelten als enge Vertraute des früheren Präsidenten Hosni Mubarak. Die Muslim-Brüderschaft, die grösste Oppositionsgruppe Ägyptens, monierte, die neue Regierung beweise, dass Mubaraks «Kumpanen» noch immer die Politik kontrollierten. «Das neue Kabinett ist eine Farce», sagte das hochrangige Parteimitglied Essam al-Erian. «Es tut so, als beziehe es wirklich die Opposition mit ein, aber in Wirklichkeit stellt diese Regierung Ägypten unter die Bevormundung des Westens.»
      Quelle: NZZ

      Anmerkung Orlando Pascheit: Die Schilderung Ghada Abdelaals machen deutlich, dass diese Revolte kein Selbstgänger war, sondern viel Mut erforderte. Dass die Muslimbruderschaft versucht antiwestliche Stimmungen zu instrumentalisieren bzw. zu erzeugen, verwundert wenig, dürfte sie doch mit mit den Vorstellungen von Freiheit und politischer Partizipation des Protestes vom Tahrir-Platz wenig anfangen können und sucht ihr Thema, womit sie bei der Mehrheit im Lande punkten kann. Der Westen wird wohl damit leben müssen, dass der Preis der Unterstützung Mubaraks eine stärkere Kritik am Westen sein wird. Wie weit der Protest vom Tahrir-Platz sich mit den Vorstellungen einer staatsrechtlichen Synthese von Demokratie und Islam anfreunden kann, wie sie nicht nur die Muslimbruderschaft, sondern auch der neue Vorsitzende der Verfassungskommission, Tariq al Bishri, fordert, bleibt abzuwarten. Im letzten Jahr sprach er sich zwar für eine demokratische ägyptische Rechtsprechung aus, betonte aber noch stärker den Bezug auf islamisches Rechtsdenken. Die Ägypter sollen bis Ende März über Verfassungsänderungen als nächsten Schritt hin zu einer neuen demokratischen Regierung abstimmen.

  14. Albtraum im Märchenland – Moderne Arbeitssklavinnen in Dubai
    Tausende junger Frauen, zumeist aus Afrika, gehen jedes Jahr in die reichen Golfstaaten, um dort als Hausangestellte zu arbeiten, denn in ihrer Heimat haben sie keine Perspektive. Doch was so hoffnungsvoll beginnt, endet meist als Albtraum. Die jungen Frauen sind die Sklavinnen des 21. Jahrhunderts. Versprochene Löhne werden nicht gezahlt. Wer versucht, sich gegen Repressalien und unwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen zu wehren, riskiert sogar sein Leben. Im Untergrund agierende Hilfsorganisationen versuchen, den Hausmädchen und Arbeitern zu helfen. Ein riskantes Unterfangen.
    Quelle 1: WDR Die Story
    Quelle 2: Stream
    Quelle 3: Podcast
  15. CSU: Viele krumme Dinger
    Die Guttenberg-Affäre ist gar keine Affäre, sondern ein Initiationsritual, das jeder CSU-Politiker absolvieren muss, um der Partei seine Befähigung für höchste Ämter zu beweisen. Du musst nach Möglichkeit Jurist sein, vor allem aber musst du ein paar krumme Dinger gedreht haben, sonst wirst du in der CSU nichts. Der parteiinterne Codename für dieses Ritual lautet „Ehre und Anstand“.
    Quelle: Tagesspiegel
  16. Instantprominente allüberall
    Gespräch mit Tom Schimmeck. Über Macht und Ohnmacht der Medien, Bespaßungsjournalismus und Nicht-Kritik.
    Quelle: Junge Welt
nach oben

Die NachDenkSeiten sind für eine kritische Meinungsbildung wichtig, das sagen uns sehr, sehr viele - aber sie kosten auch Geld und deshalb bitten wir Sie, liebe LeserInnen, um Ihre Unterstützung.
Herzlichen Dank!

Online spenden
Fördermitglied werden

Vorheriger Beitrag: Hinweise des Tages (2)

Nächster Beitrag: Hinweise des Tages