Moderne Sklavenschiffe: US-amerikanische Firma plant Schiff außerhalb er Dreimeilenzone zu stationieren und mit Billigprogrammierern IT-Aufträge für Festlandsfirmen zu erledigen.

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Eine außergewöhnliche Geschäftsidee zeigt, welche Kreativität Unternehmen entfalten können, um Steuern und Arbeitsstandards des eigenen Landes zu umgehen.

Von Christine Wicht und Carsten Lenz.

Laut einem Bericht in Computerworld vom 5. Juli 2006 plant die US-amerikanische Firma Seacode Inc. ein Schiff außerhalb der Dreimeilenzone vor Kalifornien zu stationieren.

Die “Besatzung” soll sich aus Programmierern rekrutieren, die vorwiegend aus Indien und Osteuropa angeheuert werden. Ziel des Unternehmens ist, an Bord die IT-Aufträge auszuführen, welche Seacode Inc. von Firmen auf dem amerikanischen Festland erhält.

Das Schiff soll nicht unter US-amerikanischer, sondern unter der Flagge eines anderen Staates “fahren”. Im Gespräch sind die Bahamas oder Vanuatu. Der entscheidende Vorteil dieses Geschäftmodells aus Sicht seiner Erfinder: “An Bord gilt außerhalb der Dreimeilenzone das Recht des Flaggenstaates und zugleich ist eine Kundennähe noch gegeben”. Auf diese Weise können Programmierarbeiten zu Konditionen ausgeführt werden, die den Bedingungen von Steuerparadiesen entsprechen und arbeitsrechtlichen Auflagen oder gewerkschaftlichem Einfluss nicht unterliegen.

Als “Heuer” sind ca. 1.800 US-Dollar monatlich vorgesehen, das entspricht dem dreifachen Einstiegsgehalt des indischen IT-Marktes. Selbst amerikanische Programmierer zeigen sich interessiert, weil für sie die Aussicht auf Kost, Logie und eine Koje als Teil der Gesamtleistung des Unternehmens attraktiv erscheint. Bei Erfolg ist geplant, das Projekt auf mehrere Schiffe an verschiedenen Stellen auszuweiten. Mit diesem Modell des Outsourcing arbeitet das Unternehmen auf die Schaffung nicht kontrollierbarer rechtsfreier Räume hin. Moderne Sklavenwirtschaft eben.

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