Leserbriefe zu “Auch wenn Deutschland bei der WM verloren hat – trotzdem haben wir gewonnen”

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Der Bundeskanzler ist in einem Post auf X von der WM-Niederlage der deutschen Fußballnationalmannschaft „begeistert“ und „stolz“. Das ist kein Einzelfall. Marcus Klöckner sieht in seinem Kommentar darin ein Muster von Schönreden, Leugnen und Ignorieren, das seit Jahren die Politik prägt: Erst werden von der Regierung Probleme verursacht, dann umgedeutet als Wohltat. Diese Ignoranz und Arroganz der Regierenden beschleunigt den Weg in den Abgrund auf allen Ebenen: wirtschafts-, sozial- und friedenspolitisch. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Herzlichen Dank für Ihre Zuschriften, zusammengestellt von Ala Goldbrunner.


1. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Klöckner,

eine kurze, aber sicherlich treffende politische Analyse der “Niederlage” gegen Paraguay.

Da ich das Spiel nicht gesehen habe, weil Fußball für mich persönlich schon immer langweilig war, erklärt es, dass es heute morgen in der Stadt so merkwürdig “still” war und man nur noch wenige Menschen in nationalen Trikots und Fähnchen am Auto sehen konnte. Ich habe aber auch keinerlei Probleme damit, wenn sich jemand sportlich betätigt und selbst gerne Fußball spielt oder es spannend findet, dabei zuzusehen, wenn sich 11 Spieler und 11 andere Spieler um einen Ball streiten, wobei sie einfache Regeln befolgen oder befolgen sollten, sonst sagt der Schiedsrichter: Foul, Elfmeter!

Ich habe ein Problem damit, wenn Fußball, die Fußball-WM und andere Sportveranstaltungen von der “Elite” politisch und medial instrumentalisiert werden.

Der legendäre Anton Trapa (Spitzname “Trapa Toni”) würde heute wahrscheinlich sagen: Was erlaube Paraguay? “Wir” sind doch die moralischen “Bessermenschen”, obwohl “wir” verloren haben, weil die nationalen deutschen Fußballvertreter den Ball nicht hart genug getreten haben und nicht schnell genug gerannt sind, das schlechtere Management und die suboptimale Taktik hatten und das gegen einen Gegner mit einem kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukt von lausigen 19.000 Dollar pro Einwohner (Schätzung des IWF für 2024).

Mit “wir” ist ganz Deutschland gemeint. Das ist nicht der verstaubte “Pluralis Majestatis” klerikaler Bischöfe und feudaler Kaiser aus längst vergangenen Zeiten, das ist der “Pluralis Nationalis” der Bild-Zeitung: “Wir sind Papst.”(Titelseite der Bild vom 20. April 2005)

“Wir” sind Deutschland und Deutschland ist eine Schicksalsgemeinschaft, von der arbeitslosen Bürgergeldempfängerin bis zum multimilliardenschweren “Superreichen”. Das “wir” löst zwar keine ökonomischen, sozialen und gesellschaftlichen Probleme in “unserem” Deutschland, aber es schweißt zusammen. Die medialen und politischen Helferinnen und Helfer der “Elite” lenken mit dem “wir” von diesen Problemen ab. Auch die Normalverdiener haben dann beim Mittagessen in der Kantine ein Gesprächsthema. Wen interessieren da noch die Probleme alleinerziehender Geringverdienerinnen, die in Berlin, München, Hamburg, Stuttgart oder wo auch immer eine bezahlbare Wohnung suchen, aber keine finden.

Das gilt auch für Slogans wie “Wir sind hier, wir sind queer.” Wieso wir? Jede Person kann nur für sich sprechen. Mir ist es egal, was für ein Geschlecht der/die/das Nachbar am Ende der Straße hat solange sie/er/es nicht versucht, damit andere Menschen zu manipulieren, weil es aus ihrer/seiner Sicht das höherwertigere Geschlecht ist oder sie/er/es damit von anderen Problemen ablenkt. Wenn regenbogenfarbene Woke den Debattenraum verengen, sich nur noch mit sich selbst beschäftigen und andere ausgrenzen, dann ist das nicht queer, dann ist das anti-queer und antiquiert.

1954 und neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beim Spiel in Bern (Schweiz) hieß es mal: “Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten.” (bei Verlängerung auch ein paar Minuten länger). Das ist heute 2026 nicht anders. 1954 bestand das “Leder” allerdings noch aus vernähten Echtlederstreifen. Heute ist das ein verklebtes HighTech-Produkt aus dem Chemielabor. Ob das den alleinerziehenden Geringverdienenden 2026 dabei hilft, in Deutschland eine bezahlbare Wohnung zu finden, daran kann man begründete Zweifel haben, aber das interessiert nur wenige Denker und Nachdenker im “Wir-sind-Deutschland”.

Der Trapa Toni sagt: Für heute ich habe fertig!

Mit hochsommerlichen Grüßen
Detlef Schmiedel


2. Leserbrief

Sehr geehrtes Team der NachDenkSeiten,

sehr geehrter Marcus Klöckner,

mal davon abgesehen, dass diese WM 2026 ohnehin bei ganz vielen keine große Begeisterung hervorruft, ist es doch mehr als müßig, sich darüber auszulassen, daß die Politiker allesamt in einem Paralleluniversum zu leben scheinen.

Es bringt auch m.E. recht wenig, mit welcher Regierungskoalition es eventuell besser werden könnte, so es unterm Strich keinen Unterschied macht, welche Parteien die Regierung stellen.

Der renommierte Verfassungsrechtler hat sich vor etlichen Jahren mal kritisch mit unserer Politikerkaste auseinandergesetzt und wie folgt ausgeführt :

Jeder Deutsche hat die Freiheit, Gesetzen zu gehorchen, denen er niemals zugestimmt hat; er darf die Erhabenheit des Grundgesetzes bewundern, dessen Geltung er nie legitimiert hat; er ist frei, Politikern zu huldigen, die kein Bürger je gewählt hat, und sie üppig zu versorgen – mit seinen Steuergeldern, über deren Verwendung er niemals befragt wurde. Insgesamt sind Staat und Politik in einem Zustand, von dem nur noch Berufsoptimisten oder Heuchler behaupten können, er sei aus dem Willen der Bürger hervorgegangen.“
— Hans Herbert von Arnim.

Hier in Europa hatten Belgien und Spanien zeitweise überhaupt keine Regierungen, und beide Länder haben’s überstanden.

Wer noch immer dem Glauben anhängt, sein Kreuzchen in der Wahlkabine würde etwas verändern, der möge selig sein.

Mit freundlichen Grüßen
Patrick Meiser


3. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Klöckner,

der Deutschlandfunk kann die Leistung der Nationalmannschaft ganz klar benennen, “…fehlte es an Bewegung, an Tempo und an den nötigen Einzelleistungen…”. Quelle: Deutschlandfunk

Trifft diese Erkenntnis nicht auch auf die Leistung der Regierungsmannschaft zu? Dass sich die Nationalmannschaft auf das Leistungsniveau der Regierungsmannschaft begeben hat ist sicherlich nur ein Zufall. Wenn F. Merz ( “Auch wenn es schmerzt: Was für ein Spiel” ) diese Niederlage als gute Leistung erkennt, dann erklärt sich doch auch seine politische Einzelleistung.

Es scheint, als würde F. Merz negative Ergebnisse bewundern. Wenn man sich seine Bewunderung negativer Ergebnisse seiner Politik zu eigen machen würde, dann sähen die Kommentare vielleicht so aus:

Auch wenn es schmerzt: Was für eine Blamage? (UN-Sicherheitsrat)

Auch wenn es schmerzt: Was für ein wirtschaftlicher Niedergang?

Auch wenn es schmerzt: Was für eine Energiepolitik?

Auch wenn es schmerzt: Was für eine Rentenreform?

Auch wenn es schmerzt: Was für eine Gesundheitsreform?

Auch wenn es schmerzt: Was für eine Bürgergeldreform?

Auch wenn es schmerzt: Was für eine Arbeitsmarktreform?

Auch wenn es schmerzt: Was für eine Klimapolitik?

Auch wenn es schmerzt: Was für ein Verfall? (Infrastruktur)

Auch wenn es schmerzt: Was für eine Armut?

Auch wenn es schmerzt: Was für eine Grundrechtseinschränkung?

Auch wenn es schmerzt: Was für eine Strafanzeige?

Auch wenn es schmerzt: Was für eine Hausdurchsuchung?

Auch wenn es schmerzt: Was für eine Wehrpflicht?

Auch wenn es schmerzt: Was für ein Krieg?

Auch wenn es schmerzt: Was für eine Korruption? (Ukraine)

Auch wenn es schmerzt: Was für eine EU-Sanktion gegen EU-Bürger?

Es grüßt Sie

RG


4. Leserbrief

Liebe NDS-Redaktion,

Gibt bestimmt noch’n Brennpunkt in der ARD.

Michael Wrazidlo


5. Leserbrief

Sehr geehrte NachDenkSeiten, lieber Herr Klöckner,

so isses! Keine weiteren Kommentare von meiner Seite notwendig.

Freundliche Grüße, und weiter so, Wolfgang Blendinger


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