Hinweise des Tages

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  1. Neues aus dem Casino
    • Rettung in letzter Sekunde
      Deutschland ist nur durch das Eingreifen des Staats einer möglichen schweren Krise des Bankensektors entgangen. Damit haben die Ausläufer des US-Immobilienbebens auch den hiesigen Markt erreicht.
      Quelle: SZ
    • Informationen über die IKB in der FTD
      Quelle: FTD

      Anmerkung eines unserer Leser:
      Schauen Sie mal, wer bei der IKB alles im Aufsichtrat und unter “Beraterkreis” firmiert. Neben “Allzweckwaffe” Tacke sitzen da Jürgen Thumann, Randolf Rodenstock, Michael Rogowski, Martin Kannegiesser und viele mehr.
      Bei der geballten Kompetenz ist der letzte Finanzbericht hochinteressant zu lesen. Offenbar ist der 0,04%-Fall eingetreten, der die Vorkämpfer für Eigenverantwortung informell nach dem Staat rufen ließen:
      “… Um dem Anspruch des Kapitalmarktes im Hinblick auf unser Rating gerecht zu werden, legen wir bei unseren Berechnungen ein Konfidenzniveau von 99,96 % zugrunde. Dies bedeutet, dass die von uns simulierten unerwarteten Risiken in nur 0,04 % aller Fälle über der von uns gesetzten Grenze liegen dürfen. …”
      Tatsächlich drängt sich eher der Eindruck auf, dass auch hier bunte Bilder und nichts- sagende Sprechblasen gerne geglaubt wurden, wo der ökonomische Sachverstand leider nicht ausreichte, das zu kontrollierende auch nur zu überblicken, geschweige denn zu durchschauen.
      Nur folgerichtig, dass der Aufsichtsrat absegnete, dass sich das Marktpreisrisiko seit dem Vorjahr offenbar auf 100 Mio. halbiert hat (Seite 75).
      Würde mich interessieren, ob die womöglich bereits das Fiasko andeutende Randnotiz
      “… Die Zunahme der Handelsaktiva um 1,5 Mrd. EUR auf 2,1 Mrd. EUR resultiert primär aus dem Aufbau von kurzfristigen Handelsbeständen mit dem Ziel, diese in Kürze auf eine Asset-Management-Gesellschaft zu übertragen. …” überhaupt jemand aus dem Aufsichtsrat zur Nachfrage veranlasst hat (Seite 65). Auf deutsch bedeutet das ja wohl, dass beim Spiel “den letzten beißen die Hunde” offenbar vor dem Bilanzstichtag kein letzter Hund mehr aufgetan werden konnte.
      So hieß es im letzten Geschäftbericht im Anhang nämlich bereits (Seite 145): “… Die in den Forderungen und Verbindlichkeiten eingebetteten Derivate (Embedded Derivatives) werden – sofern abspaltungspflichtig – getrennt bilanziert und zum Marktwert unter den Handelsaktiva oder -passiva in Ansatz gebracht (vgl. hierzu auch die Ausführungen unter Kapitel 6). …”

      Quelle: IKB [PDF – 3.3 MB]

  2. Interessante Websites über Privatisierung im Gesundheitswesen und in der Bildung
  3. Talentstadt Hamburg mit Talent zur Klüngelei
    Aufregung um das Projekt “Talentstadt Hamburg”, mit dem Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos) begabte junge Menschen in die Hansestadt locken will. Wie die Wissenschaftsbehörde jetzt bestätigte, ist Dräger selbst Vorsitzender der Lenkungsgruppe “Talentstadt”, die am 19. März beschloss, die Unternehmensberatung Roland Berger mit der Untersuchung und Erstellung des “Talentstadt”-Konzepts zu beauftragen. Das Unternehmen, bei dem Dräger von 1996 bis 1998 als Berater angestellt war, erhielt dafür 239 400 Euro aus Steuermitteln. Der Senat hatte in einer Antwort auf eine entsprechende Kleine Anfrage der GAL-Abgeordneten Heike Opitz Mitte Juli lediglich erklärt, Dräger habe “an der Sitzung der achtköpfigen Lenkungsgruppe, die einstimmig über die Auftragsvergabe entschieden hat, teilgenommen.”
    Quelle: Hamburger Abendblatt

    „Banal und irreführend“ nannte ein senatsinternes Gutachten das Berger-Konzept.
    Quelle: Hamburger Abendblatt

  4. Werner Rügemer: Londoner U-Bahn: Public Private Partnership wird zum Milliardengrab für Steuergelder
    Am 16. Juli hat das private Firmenkonsortium Metronet in London Antrag auf Insolvenz gestellt. Metronet hatte sich 2003 verpflichtet, den größeren Teil der maroden Londoner U-Bahn zu sanieren und 30 Jahre lang in Schuss zu halten. Jetzt muss aufgrund des Public-Private-Partnership-Vertrags der Staat die Folgen tragen. Schon drei Jahre nach dem Start erweist sich das Projekt als Milliardengrab für die Steuerzahler.
    Quelle: junge Welt

    Anmerkung: Weiteres Zitat aus dem Artikel: „Der deutsche Medienkonsument erfährt so gut wie nichts über die Desaster, die sich im Land seiner Erfindung um das neue Wundermittel PPP entwickeln. Die englischen Medien sind seit Jahren voll mit Katastrophenmeldungen. Die Korrespondenten von Handelsblatt, FAZ, Spiegel, ARD, ZDF, RTL bekommen das hautnah mit. So hat die Tageszeitung Guardian seit den ersten Verhandlungen über die Privatisierung der Londoner U-Bahn bis heute immer wieder ausführlich berichtet. Das größte PPP-Projekt Englands und die Folgen sind dort ein Dauerthema, auch im Fernsehen und in den Boulevardblättern …Doch in deutschen Medien taucht die Londoner U-Bahn vor allem auf, wenn es um tatsächliche oder vermeintliche terroristische Anschläge geht. Dass die Privatisierung nach dem PPP-Muster einen Daueranschlag auf die Sicherheit und die Geldbörsen von Millionen Fahrgästen darstellt – dazu herrscht verbissenes Schweigen.“

  5. Italien streitet um die Erhöhung des Renteneintrittsalters von 58 auf 61 Jahre
    Vier Minister gegen Erhöhung des Renteneintrittsalters. Mitte-links-Bündnis gefährdet?
    Quelle: junge Welt

    Kommentar: Tu felix italia

  6. In Afghanistan gibt es keine klaren Fronten und keine guten Kämpfe
    Das merken auch die deutschen Politiker, vor allem in der SPD. Sie wollen nicht, doch sie werden wohl mehr Soldaten schicken müssen.
    Die afghanische Bevölkerung unterscheidet nicht, wer diese Operationen durchführt, wie einige von unseren internationalen Kräften das tun. Tatsächlich allerdings lassen sich der Einsatz der Friedenstruppe Isaf, die sich nur selbst verteidigen darf, und der Kampftruppe OEF, die die Terroristen jagen soll, in der Praxis überhaupt nicht klar trennen.
    Quelle: Die Zeit
  7. Murdoch heizt Fusionsfieber an
    Medienmogul Rupert Murdoch hat sein Ziel erreicht. Er kann die Finanznachrichtenagentur Dow Jones (Wall Street Journal) seinem Konzern einverleiben. Kaufpreis: Fünf Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro). Sein Vorstoß ist das jüngste Beispiel für das grassierende Fusionsfieber in der Medienbranche. Seine Kritiker sehen die Pressefreiheit gefährdet.
    Quelle: RP Online

    Anmerkung: Schon einigen Tagen hat der Stuttgarter Verleger Dieter von Holtzbrinck, 66 Jahre, den Board des amerikanischen Medienunternehmens Dow Jones & Co verlassen. Er befürchtet, dass bei Dow Jones unter der Ägide des 73 Jahre alten australischen Medienzaren langfristig “die einzigartigen journalistischen Werte” des “Journal” leiden werden.

  8. Wer da klatscht
    Die Seehofer-Kolportage auf dem Boulevard der Medien ist der erste unverhüllte Bruch mit dem Pressekodex. Es ist kein ungeschriebenes Gesetz, sondern eine schriftlich fixierte berufsethische Selbstverpflichtung: Die Presse achtet das Privatleben und die Intimsphäre des Menschen. Die Grenze zum „öffentlichen Interesse“, die Ausnahmen erlaubt, verschiebt sich allerdings seit geraumer Zeit, aus schlechten und aus nachvollziehbaren Gründen.
    Die Menschheitsgeschichte kennt Legionen von Helden, Genies, Staatenlenkern, die in Liebesdingen große Feiglinge waren. Ist als Heuchler überführt, wer öffentlich seine Familie preist, aber eine Geliebte hat? Ein Heuchler ist gewiss der Journalist, der unfehlbare Politiker verlangt, während er selbst gerade die eigene Berufsethik verletzt.
    Quelle: Tagesspiegel
  9. Hochschulreform in Frankreich vor Verabschiedung
    Die französische Regierung will ein Gesetz zur Reform der Hochschulen verabschieden. Die Einrichtungen sollen mehr Autonomie erhalten und enger mit der Privatwirtschaft zusammenarbeiten. Besonders die kleinen Unis befürchten davon aber Nachteile.
    Quelle: DLF

    Anmerkung: Die europäische Gleichschaltung zur „unternehmerischen“ Hochschule geht weiter. Siehe dazu „Der Zug der Lemminge – Hochschulen unter dem Druck der Lissabon Strategie“

  10. Im Niemandsland
    Studie: Eltern mit Abitur oder Mittlerer Reife nutzen für ihre Kinder weitaus häufiger einen Kindergarten als Mütter und Väter mit Hauptschulabschluss. Zudem besuchen nur 79 Prozent der Kinder mit ausländischen Wurzeln einen Kindergarten, während 88 Prozent der übrigen Heranwachsenden dorthin gehen. Viele der Kinder mit Migrationshintergrund, die das Betreuungsangebot nicht nutzen, stammen demnach aus Familien mit geringem Einkommen und niedriger Bildung.
    Quelle: Berliner Zeitung

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