Kochs miese Bilanz bei der Bekämpfung der Ursachen für Jugendkriminalität

Ein Artikel von:

Der hessische Ministerpräsident macht „brutalstmöglichen“ Wahlkampf, indem er ausländerfeindliche Instinkte und indem er Rachegefühle und Sicherheitsängste der Menschen mobilisiert. Nahezu alle, die sich ernsthaft Sorge machen um die weltweit zunehmende Jugendkriminalität machen, sehen eine wichtige Ursache in der um sich greifenden Armut und Perspektivlosigkeit gerade auch junger Leute. Doch gerade bei der Bekämpfung der Ursache für das Abdriften in Jugendkriminalität versagt die hessische Regierung gegenüber allen anderen westdeutschen Ländern am meisten [PDF – 184 KB]. Wolfgang Lieb

Nach Angaben des „Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ)“ waren im August 2007 in Westdeutschland 8,8 Prozent der knapp 7,6 Millionen 15- bis unter 25-Jährigen auf Arbeitslosengeld II angewiesen, d.h. sie waren arm und arbeitslos. Unter den deutschen Jugendlichen in Westdeutschland sind 7,8 Prozent Alg II-Empfänger, unter den nichtdeutschen 15,9 Prozent.
Das heißt: Der Anteil der 15- bis unter 25-Jährigen, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind, ist unter den ausländischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen mehr als doppelt so hoch. In Hessen und Baden-Württemberg beträgt dieser Unterschied sogar etwa 140 Prozent, dort liegt der Ausländeranteil an den erwerbsfähigen Hilfebedürftigen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren mit 28,6 Prozent, also weit über dem Durchschnitt. Hessen ist darüber hinaus im Gegensatz zu allen anderen westdeutschen Ländern das einzige Land in dem die Zahl der jungen Arbeitslosengeld II-Empfänger/innen im Vergleich zum Vorjahr angestiegen ist.

Statt also vor der eigenen Tür zu kehren und die Ursachen für Jugendkriminalität auch und gerade unter ausländischen Jugendlichen zu bekämpfen, lenkt Koch vom eigenen politischen Versagen ab, und lenkt dumpfe Aggressionen auf junge Ausländer.

Die NachDenkSeiten sind für eine kritische Meinungsbildung wichtig, das sagen uns sehr, sehr viele - aber sie kosten auch Geld und deshalb bitten wir Sie, liebe LeserInnen, um Ihre Unterstützung.
Herzlichen Dank!