Kunst und Grübelanleitung: Protestonaut-Wandkalender mit Motiven zu gesellschaftspoltischen Themen

Jens Berger
Ein Artikel von:

„Der Protestonaut-Kalender will niemandem eine Meinung aufdrücken, sondern zum Nachdenken anregen”, sagt die Fotografin Sophia Hauk. In einem außergewöhnlichen Fotokalender schickt sie den Protestonauten erneut auf den Weg, um die Aufmerksamkeit auf wichtige gesellschaftspolitische Themen zu lenken. Kurze, neutral formulierte Texte ergänzen die Monatsmotive. „Der Kalender ist ein Impulsreferat in gedruckter Form, das zur Diskussion mit Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen einladen soll”, so Hauk. Von Maximilian V. Kainburg

Die Motive des diesjährigen Protestonaut-Wandkalenders

Das Kunstprojekt hat im vergangenen Jahr für viel Aufsehen gesorgt, war bei Ausstellungen in Berlin, Hamburg und Heidelberg zu sehen und bei mehreren Wettbewerben nominiert. Eine Tageszeitung schrieb: „Der weltbekannte Pirelli-Wandkalender bekommt Konkurrenz.” Und ein Nachrichtenmagazin fand: „Dieser Astronaut ist witziger als jede Demo.” Erst vor einigen Tagen schrieb das Hamburger Abendblatt: “Der Protestonaut ist gut aussehend und Grübelanleitung in einem.” Selbst aus dem Bundespräsidialamt erreichte die Kalendermacher ein motivierendes Schreiben.

Themen sind dieses Mal: Digitaler Wandel (Januar), Rente (Februar), Sucht (März), Flüchtende (April), Fachkräftesicherung (Mai), Steuerflucht (Juni), Trinkwasser (Juli), Überfischung (August), Gentrifizierung (September), Lohnunterschied (Oktober), Kultur (November) und Tierschutz (Dezember). Wie in der der Vorjahresausgabe werden die Motive von Sophia Hauk durch Texte, Fakten und Zahlen aus Studien, Fachliteratur und Medien ergänzt – erstmals auch in Englisch.

Auf allen Monatsmotiven taucht ein Astronaut auf, den die Kalendermacher Protestonaut (von lat.: protestari – öffentlich bezeugen und griech.: -nautĪs – Matrose) getauft haben. “Der Name ist ein Wortspiel. Wir wollen gar nicht gegen etwas protestieren, sondern zum Hinterfragen anregen”, so Hauk. Die Idee hinter dem Kalender erklärt sie so: „Im All haben Astronauten einen außergewöhnlichen Blick auf die Erde und schweben über Problemen des blauen Planeten.” In dem Kostüm könnte jeder stecken: die Verkäuferin, der Bankangestellte, die Lokalpolitikerin, der Student, die Managerin, der IT-Fachmann, die Leserbriefschreiberin, der Arbeitssuchende, die Lehrerin oder der Privatier.

Die Aufnahmen für den 2016er-Kalender sind in Berlin, Hamburg, Potsdam, Leipzig, Görlitz, Füssen, Mindelheim und im österreichischen Kaprun entstanden. Normalerweise arbeitet Hauk für bekannte Unternehmen und Agenturen. Sie hat sich auf Kinderfotografie spezialisiert und betreibt zusätzlich in Berlin eine Castingagentur für Kinder und Jugendliche. Auch viele Prominente, wie Helene Fischer, standen schon vor ihrer Kamera.

Über die Nachrichtenflut, die auf den Medienkonsumenten täglich einprasselt, sagt Hauk: “Manchmal ist es für die Meinungsbildung gut, kurz inne zu halten, sich zurückzulehnen und sich einen Überblick zu verschaffen.” Neben klassischen Medien wie Süddeutsche Zeitung, Spiegel und ARD gehören längst auch neue Medien wie die Nachdenkseiten zur Informations- und Inspirationsquelle der Fotografin: „An Nachdenkseiten schätze ich vor allem die Tiefe und Qualität der Berichterstattung.”

Rund ein halbes Jahr lang hat Hauk in Ihrer Freizeit an dem 18-seitigen Kalender im DIN-A3-Format gearbeitet, der jetzt für 15 Euro zuzüglich 4,60 Euro für Porto und Versandkosten erhältlich ist. Bei der Produktion haben sie ihr Ehemann, viele Freunde und Bekannte unterstützt. Auch die NachDenkSeiten unterstützen das Projekt und kooperieren mit den Protestonauten. Ab sofort liegt jedem versendeten Kalender ein Aufkleber der Nachdenkseiten bei.

Weitere Informationen zum Projekt und zur Fotografin:

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