Der Solarförderverein kritisiert manipulative Zeitungsumfragen über die Akzeptanz der Atomenergie

Ein Artikel von:

Dass mit Umfragen Stimmung und damit auch Politik gemacht wird, haben wir auf den NachDenkSeiten schon oft beschrieben. Eine solche Stimmungsmache in der aktuellen politischen Debatte um den Ausstieg aus dem Austieg aus der Atomenergie enthüllt der Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V..

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung WAZ, größte Zeitung des Ruhrgebiets, das ZDF und die Süddeutsche Zeitung veranstalten Umfragen zur Atomenergie. Dort kann man jeweils – auch mehrmals – die Frage beantworten, was man vom Atomausstieg hält.

Bei der WAZ und dem ZDF liegen derzeit die Atomkraftbefürworter in Front, bei der Süddeutschen sind es die Befürworter der erneuerbaren Energien.

Die drei Abstimmung sind NICHT repräsentative Umfragen, weil die Abstimmenden selber die Initiative ergreifen und ihren Bekanntenkreis mobilisieren können. Außerdem können sie ihre Stimme mehrmals abgeben.

(Bei der Umfrage in der Süddeutschen Zeitung wird durch einen weiter unten erläuterten Kunstgriff wenigstens verhindert, dass Automaten ständig die gleiche Stimme abgeben.)

Nun zu den REPRÄSENTATIVEN ABSTIMMUNGEN

Bei repräsentativenUmfragen erfolgt die Auswahl der Abstimmenden nach einem Zufalls-Auswahlverfahren, mit dem gewährleistet wird, dass ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung befragt wird:

Infratest dimap hat z.B. in der vergangenen Woche eine REPRÄSENTATIVE Umfrage zum Atomausstieg durchgeführt. Die Frage lautete: Welche Quellen sollte Deutschland stärker zur Energiegewinnung nutzen (Mehrfachnennungen möglich).

Das Ergebnis:

  • Erneuerbare Energien (z.B. Windkraft, Sonnenenergie) 81%
  • Atomkraft 25 %
  • Kohle 17 %
  • Alle drei, weiß nicht, keine Angabe 6 %

Dieses Ergebnis gibt mit recht hoher Genauigkeit die Meinung der Bevölkerung wieder. Die Abstimmung der Süddeutschen oder der WAZ oder des ZDF stellt dagegen eher ein Meinungsbild der jeweiligen Leserschaft oder der von ihr Beauftragten dar.

Bewertung

Es zeugt von wenig Seriosität, wenn eine Institution eine nicht repräsentative Abstimmung zu einem Thema durchführt, zu dem bereits ein repräsentatives Abstimmungsergebnis vorliegt.

Wir selber im SFV orientieren unsere Arbeit nicht an Umfrageergebnissen, auch nicht an repräsentativen, sondern an den ökologischen Notwendigkeiten.
Trotzdem sind Umfrageergebnisse nicht uninteressant. Sie haben etwa die gleiche Bedeutung wie die Teilnehmerzahlen bei Demonstrationen. Wenn ein positives Ergebnis herauskommt, beflügelt es diejenigen, die genauso denken.

(Wie verhindert man, dass Automaten abstimmen

Die Süddeutsche will verhindern, dass Leute einen Automaten einsetzen, der laufend Stimmen in ihrem Sinne abgibt. Dazu überzeugt sie sich durch einen einfachen Test davon, ob ein Mensch am Bildschirm sitzt. Sie gibt ihm eine Aufgabe, die eine Maschine nur schlecht lösen kann: Der Mensch muss nachweisen, dass er einige Buchstaben und Zahlen erkennen kann. Die Kombination der gewählten Zeichen ist jedesmal eine andere. Es handelt sich um Zufallszahlen, die graphisch so verfremdet dargestellt sind, dass sie von den üblichen Leseautomaten nicht gelesen werden können. Eine Mehrfachabstimmung nach einer gewissen Wartezeit wird durch dieses System allerdings auch nicht verhindert.)

Quelle:
Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)
Interessenvertretung d. dezentralen PV-Stromeinspeiser
Herzogstraße 6 * D-52070 Aachen * [email protected]
Tel. 0241-511616 * Fax 0241-535786 * www.sfv.de
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