Hinweise des Tages

Albrecht Müller
Ein Artikel von:

(RS/AM)
Heute unter anderem zu folgenden Themen:

  1. Das Monster in der Grube
  2. Haltet den Arbeitsmarkt flexibel!
  3. Das Leben ist Hartz
  4. Das Kurzarbeit-Komplott
  5. Frisches Blut
  6. Hans-Olaf Henkel: „Gier liegt im Wesen des Menschen“
  7. Jens Berger: Die Kapelle spielt wieder auf
  8. Interview mit Jürgen Trittin: Grüne bitten Reiche zur Kasse
  9. Dagmar Metzger im stern : Müntefering und Steinmeier sind Auslaufmodelle
  10. Abfuhr für Junge Union
  11. Medienmacht & Arbeitsweise der Bertelsmann-Stiftung
  12. Thema: Altersvorsorge – Riester-Rente hat den Zenit überschritten etc.
  13. Rohstoff Wasser – Blaues Gold
  14. Vorsicht, Journalisten

Vorbemerkung: Dieser Service der NachDenkSeiten soll Ihnen einen schnellen Überblick über interessante Artikel und Sendungen verschiedener Medien verschaffen.

Wir kommentieren, wenn wir das für nötig halten. Selbstverständlich bedeutet die Aufnahme in unsere Übersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese Übersicht für hilfreich halten, dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese Möglichkeit der schnellen Information hin.

  1. Das Monster in der Grube
    Man müsse Feuer mit Feuer bekämpfen, sagen die Krisenmanager der Politik. Warum versuchen wir es nicht einmal mit Wasser? Wer das Gemeinwesen stärken will, muss soziale Gerechtigkeit fordern. Ein Plädoyer des Schriftstellers Ingo Schulze.
    Quelle: FAZ (!)
  2. Haltet den Arbeitsmarkt flexibel!
    Die Konjunkturdaten weisen wieder leicht nach oben, doch dem Arbeitsmarkt steht das Schlimmste noch bevor. Die Politik muss deshalb alles tun, um den Jobmarkt flexibel zu gestalten – und das bedeutet ein klares Nein zu Mindestlöhnen, kommentieren die Ökonomen Christoph M. Schmidt und Jochen Kluve.
    Quelle: Spiegel-Online

    Anmerkung M.H.: diese „Empfehlung“ ist nur eingeschränkt zu empfehlen. Denn: 1. steht dieser Unfug auf Spiegel-Online und 2. ist der Artikel von Neoliberalen verfasst. Spätestens bei Lesen des Artikels kommt man zum Schluss: Deutsche Neoliberale haben nichts Neues zu melden. Im besagten Artikel kann man wieder die ganze verstaubte Litanei der Immergestrigen lesen. In Krisenzeiten sollen die Löhne niedrig gehalten werden, das Arbeitsrecht liberalisiert werden, Mindestlöhne zum Tabu erklärt werden, Niedriglohnsektor ausgebaut, Hartz IV verschärft…. bla, bla. Wirklich interessant sind aber die verdrehten Fakten. So wird argumentiert, dass Mindestlöhne vor allem die Exportindustrie belasten würden. Wo es doch gerade in der Branche gar keine Mindestlöhne gibt. Da wird als Musterknabe einer gelungen Arbeitsmarktpolitik die USA genannt. Dabei gibt es dort Mindestlöhne. Verschwiegen wird dann auch gern, dass in England in der Boom-Phase Mindestlöhne eingeführt wurden. Mit dem Ergebnis, dass der Boom nicht gebremst, sondern sogar gesteigert wurde. Offensichtlich geht es den Autoren des Artikels aber auch gar nicht um die Realität. Die gleichen Argumente konnte man von ihnen schon während des Booms hören. Nur sollten da Lohnverzicht, Arbeitsmarktliberalisierungen etc. dazu gut sein, das Wachstum nicht zu gefährden. Ja, wenn die Rezepte als empfohlen werden, unabhängig von der aktuellen Konjunkturlage, dann sollte man doch gleich mal die Frage stellen, um was es diesen neoliberalen Hasspredigern denn eigentlich geht? Eigentlich doch um eine Klassengesellschaft, in der es eine ausreichend große Reservearmee gibt, in der Gewerkschaft klein gehalten werden, Arbeitnehmer möglichst rechtlos dar stehen. Und in der Besserverdienende noch besser verdienen sollen. Warum sprechen diese Herren nicht mal klar und deutlich davon, welches Gesellschaftsbild und welches Ziel ihnen eigentlich vorschwebt, wenn man all diesen Rezepten Folge leisten würde. Mit Wirtschaftspolitik hat das ja offensichtlich nichts zu tun.

  3. Das Leben ist Hartz
    Eine Reformbilanz
    Arbeitslosengeld II heißt das, was die Menschen lapidar als Hartz IV bezeichnen, benannt nach dem Leiter der verantwortlichen Reformkomission Peter Hartz. Ein kleines Wort, das für die größte Sozialreform der Nachkriegsgeschichte steht. ZDF-Autorin Anette Hoth zieht Bilanz.
    Quelle: ZDF

    Dazu eine Mail von J.K.:

    Schnell ein paar Impressionen zu einer Sendung die gerade im ZDF lief. Sie haben ja bereits vermutet, dass vor der Wahl eine neue Hetzkampagne gegen Hartz IV Bezieher und Langzeitarbeitslose gestartet wird. Sie hatten recht. Wieder spielt das ZDF den Vorreiter mit einer “Dokumentation” über die Reformbilanz von Hartz IV. Hauptprotagonist war unter anderem ein Hartmut Schlüter, seit fünf Jahren Hartz IV Empfänger, “den Hartz IV aus dem paradiesischen Zustand des Nichtstuns” gerissen hat. Dieser wird als Verweigerer und Drückeberger denunziert, der sich etwa durch ärztliche Atteste vor 1-Euro Jobs drückt, zu spät zur Arbeit kommt usw.

    Zitat aus dem Begleittext:

    Für Hartmut Schlüter ist das “Gesetz über die Grundsicherung von Arbeitssuchenden” ein Spiel, Hartz IV macht ihm Spaß. Denn Hartmut Schlüter sucht keine Arbeit, er will in Ruhe arbeitslos sein dürfen. Elf Jahre hatte der damals 42-Jährige bereits von der Stütze gelebt, als Hartz IV kam. So sollte es bleiben. Doch die neuen Fallmanager des “Zentrums für Arbeit” ließen ihn nicht auf seiner faulen Haut liegen. Sie “aktivierten” ihn, zwangen ihn in einen Ein-Euro-Job. Doch Hartmut Schlüter lässt sich das nicht bieten. An dem Tag, an dem er ganz normal arbeiten ginge, um seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen – an diesem Tag hätte er das Spiel verloren. Für Kunden wie ihn haben sie im “Zentrum für Arbeit” eine eigene Kategorie geschaffen, Nr. 4, das ist die unterste: “IR”. Integrationsresistent. Bei Menschen, die nicht teilnehmen wollen an der Gesellschaft, stößt auch Hartz IV an seine Grenzen.

    Moniert wurde auch die hohe Anzahl an Klagen gegen Hartz IV Bescheide die darauf zurückgeführt wird, “…  klagen gegen Hartz IV kostet ja nichts, also lassen es alle Seiten darauf ankommen”. Sowie die üblichen Parolen neoliberaler Propaganda, eine Solidargemeinschaft kann nur funktionieren wenn sie nicht ausgenutzt wird, der Staat bietet nicht mehr das Rundumsorglospaket wie früher usw., usw.
    Als “Experte” kamen der als Direktor des arbeitgeberfinanzierten Instituts der deutschen Wirtschaft Köln wohl bekannte neoliberale Ultra Michael Hüther, sowie der nicht gerade als kritisch bekannte Soziologe Heinz Bude zu Wort, der unter anderem wie folgt zitiert wird: “… es muß ein einfaches Leben in unserer Gesellschaft geben indem die Leute auch mit weniger auskommen müssen” und “.. wir müssen in Zukunft über soziale Gerechtigkeit unter Bedingungen von Ungleichheit nachdenken” . Natürlich ist für Herren Hüther Herr Hartz IV ein voller Erfolg. Kein einziger Experte in der Sendung, der der Hartz IV Gesetzgebung kritisch gegenübersteht, wie etwa Herr Butterwegge.
    Weiter im Spiel zwei Teenager, die á la Jugend forscht getestet haben ob man von Hartz IV leben kann, natürlich kann man aber nur mit “knallharter Selbstbeschränkung”, und doch macht Hartz IV satt.
    Abschließend noch eine rührige, von sanften Gitarrenklängen untermalte Geschichte von Hartz IV Empfängern die Demenzkranke Menschen als Alltagsbegleiter betreuen. Nichts gegen diese hochachtbare Arbeit, aber alle arbeitslosen Menschen können wohl kaum in der Altenbetreuung unterkommen.
    Von einer kritischen Reflexion der Hartz IV Gesetzgebung und ihrer gesellschaftlichen und sozialen Folgen war nicht einmal ansatzweise etwas zu bemerken. Wieder einmal unglaublich was das ZDF hier abliefert.

  4. Das Kurzarbeit-Komplott
    Sie gilt als großer Erfolg im Kampf gegen die Wirtschaftskrise: Die Kurzarbeit. Nun steigt die Zahl der Betrugsfälle rasant an. Der Verdacht: Unternehmer zwingen ihre Mitarbeiter, trotz Antrag voll weiterzuarbeiten. Das Kurzarbeitergeld rettet nicht nur Menschen vor der Arbeitslosigkeit. Es weckt auch Begehrlichkeiten. Nach der Abwrackprämie rollt die nächste Abzockwelle an. Wie bei der Verschrottungsprämie soll die Hilfe “schnell und unbürokratisch” bei den Betrieben ankommen, wie Bundesarbeitsminister Olaf Scholz sagt. Das heißt: keine lange Prüfung, wenig Kontrollen. Betrug und Missbrauch werden so leicht. In diesem Jahr wurden bereits 1,5 Mrd. Euro an Kurzarbeitergeld ausgezahlt, allein im Juli wird es deutlich mehr sein als 2008 insgesamt.
    Auf die Gesamtheit der Unternehmen gesehen sind 98 Fälle von mutmaßlichem Missbrauch keine extrem hohe Zahl. Aber der Anstieg ist alarmierend. Binnen vier Wochen hat sich die Zahl der Ermittlungen verzehnfacht. Und das ist erst der Anfang, vermuten Staatsanwälte. Wenn erst mal die Entlassungswelle komme, würden viele Arbeitnehmer nachträglich ihren Chef anschwärzen, so die Erwartung. Möglichkeiten zum Betrug gibt es viele. “Die Kreativität der Arbeitgeber hat zugenommen, Fälle zu konstruieren, die an der Grenze des rechtlich Möglichen liegen”, sagt Werner Eichhorst vom Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Auch er hat von diversen Betrugsversuchen gehört. “Unternehmen beantragen Kurzarbeit, aber nötigen ihre Mitarbeiter, voll weiterzuarbeiten. Es wird mehr getrickst als früher.”
    Quelle: FTD

    Anmerkung: Hier eine eventuelle Quelle für Arbeitsplätze für Hartz-IV-Empfänger:

  5. Frisches Blut
    “Liebst du das Abenteuer? Bist du topfit?” – Mit diesen Fragen wirbt die Bundeswehr seit einiger Zeit auf einer Webseite (1) von Deutschlands größtem Jugendmagazin BRAVO für “tolle Tage im Ausbildungscamp der Einzelkämpfer” in der Luftlande- und Lufttransportschule der Bundeswehr im oberbayerischen Altenstadt. Nicht das erste Mal, dass sich die Bundeswehr ziviler Medien bedient um neuen Nachwuchs zu gewinnen.
    Quelle: Telepolis

    Anmerkung RS: Hier der Einstieg in die Berufsarmee. Wie lange wird es noch dauern, bis Hartz-IV-Empfänger ihre „Arbeitswilligkeit“ beweisen müssen, indem sie dazu gedrängt werden, „Arbeitsangebote“ beim Militär anzutreten?

  6. Hans-Olaf Henkel: „Gier liegt im Wesen des Menschen“
    Hohe Abfindungen und Millionen-Boni – die Empörung über die Manager wächst. Moral und Anstand scheinen nichts mehr zu gelten. Hans-Olaf Henkel nimmt im Interview Stellung.
    Henkel: Herr Wiedeking hat doch sogar einen rechtlichen Anspruch auf eine noch höhere Abfindung gehabt. Das sind vertraglich festgelegte Ansprüche, und die sind zu erfüllen. Wiedeking hat sogar die Hälfte für einen guten Zweck gestiftet. Was will man noch mehr?
    Quelle: Focus

    Anmerkung RS: Was will man noch mehr? Wie wäre es mit einer leistungsgerechten Bezahlung, also derjenige, der ein Unternehmen an den Rand des Ruins treibt, wird nicht durch eine üppige Abfindung auch noch dafür belohnt. Henkel fragt, nicht ganz zu Unrecht, warum man sich nicht über die Gehälter von Fußballspielern aufregt. Ein Grund dafür könnte sein, dass der Fußballspieler immerhin seine Belohnung aushandeln muss, wobei ein Konzernlenker seine Vergütung mehr oder weniger selbst bestimmen kann.
    Ergänzende Anmerkungen unseres Lesers G.K.: Der enorme Umfang des “Neusprech”-Arsenals der Neoliberalen (das gilt auch und besonders für den Unternehmer-Lobbyisten Hans-Olaf Henkel) ist erstaunlich. Hier 3 Beispiele:

    1. Der “Neid”-Vorwurf an die Adresse jener, die nicht bereit sind, die Gier- und Raffmentalität der selbsternannten “Leistungseliten” und die immer ungleichere Einkommens- und Vermögensverteilung als gottgegeben hinzunehmen, ist grotesk. Der mit Penetranz erhobene “Neid”-Vorwurf fällt auf die Neoliberalen zurück, denn diese scheinen den Gering- und Durchschnittsverdienern nicht einmal das Schwarze unter den Fingernägeln zu gönnen. Anders lassen sich beispielsweise die permanenten Angriffe der Neoliberalen auf den ohnehin bereits drastisch beschnittenen Wohlfahrtsstaat rational nicht erklären.
    2. Zum “Neusprech”-Vokabular der Neoliberalen gehört auch der Vorwurf der “Besitzstandswahrung”. Auch hier werden die realen Verhältnisse geradezu auf den Kopf gestellt: Jene mit großen und sehr großen Besitzständen erheben diesen Vorwurf gegen jene Bürgerinnen und Bürger, die selbst über nur geringes Vermögen verfügen oder gar verschuldet sind. Dies zeigt die aktuelle DIW-Studie zur Netto-Vermögensverteilung der Bundesbürger über 17 Jahren. In Prozent vom deutschen Netto-Gesamtvermögen enfallen
      • auf die obersten 20% der Bevölkerung in 2007 80,1% (2002: 77,8%)
      • auf die unteren 60% der Bevölkerung in 2007 2,8% (2002: 3,3%)
      • auf die unteren 10% der Bevölkerung in 2007 -1,6& (2002: -1,2%).

      Quelle: FR

      Die unteren 10 Prozent der Bevölkerung sind mithin sogar verschuldert. Die zudem wachsende Ungleichheit Vermögensverteilung zeigt: Der neoliberale Vorwurf der “Besitzstandswahrung” fällt auf diese selbst zurück. Schlimmer noch: Deren ständiges (und, wie internationale Studien zeigen, nicht gerechtfertigtes) Jammern über deren angeblich unerträglich hohe Steuerlast zeigt, daß diese ihre Besitzstände zu Lasten der Steuerzahler noch weiter ausbauen möchten.

    3. Hinter der Propagandafloskel von der “Eigenverantwortung” verbirgt sich in der Praxis die seit langen Jahren betriebene Agitation und das Zurückdrängen der eine Soziale Marktwirtschaft prägenden wohlfahrtsstattlichen Strukturen. Exemplarisch für die neoliberale Strategie des Tarnens und Täuschens ist die im Jahre 2000 gegründete “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM), deren ideologische Konzepte tatsächlich auf den Abbau wohlfahrtsstaatlicher Strukturen, auf den abgemagerten Staat und auf den weiteren Ausbau der neoliberalen Dreifaltigkeit (“Privatisierung”, “Deregulierung” und “Flexibilisierung”) abzielen.

    Fazit: Eine erfolgversprechende Strategie zur Zurückdrängung der neoliberalen Ideologie und deren Einflusses auf Politik und Medien erfordert ein Offenlegen jener Konzepte und jener Interessen, die sich hinter den Wort-Fassaden dieser Ideologie verbergen. Dies gehört zu den Voraussetzungen dafür, daß die anteilig zur Gesamtbevölkerung sich in der Minderheit befindenden Neoliberalen ihre Interessen in Zukunft nicht mehr so ungeniert gegen die Bevölkerungsmehrheit durchsetzen können.

    Zum Vergleich:

  7. Jens Berger: Die Kapelle spielt wieder auf
    Die Zeiten der neoliberalen Mietmäuler sind keineswegs vorbei: Arbeitgeber und so genannte Experten empfehlen Lohnkürzungen als Krisenmedizin.
    Ist diese Argumentation schon in normalen Zeiten volkswirtschaftlich unsinnig, so klingt sie in der Krise geradezu grotesk. In der Industrie herrscht vieler Ort Kurzarbeit vor – längere Arbeitszeiten sind sicher keine sinnvolle Antwort auf zu wenig Arbeit. Kurzarbeit bedeutet aber auch, dass letztendlich der Staat den Arbeitgebern einen Teil der Lohnkosten abnimmt. Die Arbeitnehmer müssen dadurch schon jetzt mit sinkenden Löhnen fertig werden. Wer soll nun aber die schönen Produkte deutscher Hersteller kaufen, wenn weltweit die Nachfrage zurückgeht? Es mag betriebswirtschaftlich ja erstrebenswert sein, in einem Land mit höchsten Produktivitätskennzahlen zu Kosten fertigen zu können, die ansonsten nur in Schwellenländern realisierbar wären. Volkswirtschaftlich ist dies jedoch kontraproduktiv. Die deutsche Volkswirtschaft besteht nicht nur aus Maschinenbauern. Handwerker, Einzelhändler, und Gastronomen setzen nicht nur wesentlich mehr um, als die Exportweltmeister der Industrie. Sie beschäftigen auch wesentlich mehr Menschen. Wenn deren potentielle Kunden aber immer weniger Geld in der Tasche haben, setzt sich letztlich nur eine Abwärtsspirale in Gang, die verheerende Folgen hat. Das Land krankt nicht an zu hohen Lohnkosten, es krankt an zu niedrigen Löhnen und einer falschen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Es krankt vor allem auch an den Einflüsterungen vermeintlich neutraler “Experten”, denen die Politik nur allzu gerne Glauben schenkt. Noch klingen die Stimmen derer, die dem gemeinen Volk wieder einmal empfehlen, den Gürtel doch enger zu schnallen, schrill. Nach der Bundestagswahl wird man sich wohl wieder an sie gewöhnen müssen.
    Quelle: Der Freitag
  8. Interview mit Jürgen Trittin: Grüne bitten Reiche zur Kasse
    Die Grünen wollen die staatlichen Kosten für die Finanzkrise auf die reichsten Deutschen umlegen. Jeder Vermögende könnte nach diesen Plänen mit mehreren Zehntausend Euro belastet werden.
    Quelle: FTD

    Kommentar: Wenn man das alles glauben könnte.

  9. Dagmar Metzger im stern: Müntefering und Steinmeier sind Auslaufmodelle
    Die frühere hessische SPD-Rebellin Dagmar Metzger glaubt nicht an einen Erfolg ihrer Partei bei der bevorstehenden Bundestagswahl. Walter Steinmeier und Parteichef Franz Müntefering hält sie für “politische Auslaufmodelle”. Beiden gelinge es nicht, ein einheitliches Bild der SPD abzugeben, die Partei habe die Mitte der Gesellschaft aus den Augen verloren, sagte Metzger. “Die SPD hat nicht mehr das Augenmaß, eine Balance zwischen dem Erwirtschaften und dem Verteilen herzustellen. Sie ist auf dem romantischen Sozialtrip.” Für die Zukunft rechnet Metzger mit rot-roten Bündnissen auch auf Bundesebene. Sie selbst, so Metzger im stern, würde in dem Fall überlegen, aus der Partei auszutreten.
    Quelle: Stern

    Anmerkung Orlando Pascheit: Bei solchen Parteifreunden braucht man keine Gegner mehr. Man fragt sich, auf welchem Trip Frau Metzger ist, um in den Versuchen der SPD am ihre alten Stammwähler zu appellieren einen romantische Sozialtrip auszumachen. Auf welchem Trip der Stern ist, indem er Frau Metzger ausgräbt, ist klar: Auf einer schwarz/gelben Schleimspur.

    Dazu passt:

  10. Abfuhr für Junge Union
    Bauchlandung für die thüringische Junge Union (JU): Dem CDU-Nachwuchs wurde am gestrigen Mittwoch vom Landgericht Berlin per einstweiliger Verfügung untersagt, in ihrer Kampagne »Stoppt Ramelow« unwahre Behauptungen über den Kandidaten der Linkspartei für das Amt des Ministerpräsidenten von Thüringen zu verbreiten. Sollte sich die JU über diesen Beschluß hinwegsetzen, droht ihr ein Ordnungsgeld bis zu 250000 Euro. Oder: Die Verantwortlichen müssen bis zu sechs Monate hinter Gitter. Die JU darf jetzt nicht mehr behaupten, daß Ramelow die Gymnasien abschaffen, die alten DDR-Bezirke wieder einführen wolle und die DDR nicht für einen Unrechtsstaat halte. Das Gericht folgte damit dem Argument Ramelows, daß verleumderische Darstellungen über Absichten eines politischen Mitbewerbers im Wahlkampf unzulässig seien.
    Quelle: JungeWelt

    Anmerkung RS: Na also!

  11. Medienmacht & Arbeitsweise der Bertelsmann-Stiftung
    Die Bertelsmann Stiftung gibt sich in der Öffentlichkeit selbstlos. Das muss sie auch, denn sie ist als gemeinnützig anerkannt. Durch diese Gemeinnützigkeit kann sie nämlich Steuern sparen. Doch Kritiker der Stiftung sagen, dass die Aktivitäten der Stiftung mitnichten selbstlos sind. Im Gegenteil. Die gemeinnützige Stiftung wecke nämlich einen öffentlichen Bedarf, den im Anschluss dann der Bertelsmannkonzern befriedige.” D.h. Die Stiftung nutzt bestehende Probleme oder schafft gar welche und bietet dann dazu eine Lösung an, mit der der BertelsmannKonzern dann Millionen verdient. Viele Kritiker sehen deshalb sogar unsere Demokratie gefährdet. Ein Interview mit Professor Dr. Rudolph Bauer aus Bremen.
    Quelle 1: Nokturnal Times (Einleitungstext)
    Quelle 2: Freie Radios (Audio-Podcast, mp3, ca. 16 MB, ca. 18 min)

    Anmerkung: Das findet sich zwar auch alles auf den NachDenkSeiten. Aber es ist ganz gut gemacht.

  12. Thema: Altersvorsorge
    • Riester-Rente hat den Zenit überschritten
      Die Riester-Rente ist auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Das Neugeschäft der Assekuranz und der Fondsindustrie mit der staatlich geförderten Rente ist im ersten Halbjahr eingebrochen. Vor allem fondsbasierte Produkte leiden, hier beträgt das Minus bis zu 50 Prozent. Unabhängige Experten wundert das nicht.
      Quelle: MM
    • Vorsorgestudie
      Vier von zehn Deutschen droht Altersarmut

      Eine neue Studie enthüllt eklatante Mängel bei der Altersversorgung: Demnach kann fast die Hälfte der Erwerbstätigen ihren Wohlstand im Ruhestand nicht erhalten – selbst Riestern schützt nicht vor relativer Armut. Vor allem für die 20- bis 35-Jährigen ist die Situation desolat.
      Hamburg/Frankfurt am Main – Die finanzielle Vorsorge für den Lebensabend wird für die Deutschen immer schwieriger. Das geht aus dem ersten Vorsorgeatlas für Deutschland hervor, den der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen vom Forschungszentrum für Generationenverträge der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg durchgeführt hat. Die Studie wurde im Auftrag der Investmentgesellschaft Union Investment erstellt.
      Quelle: Spiegel Online

      Kommentar AM: Mal wieder so ein tolles Stück. Eine Studie im Auftrag eines Interessenten an Privatvorsorge, von Raffelhüschen gemacht, von dem wir alle wissen, dass er nicht Forscher sondern Lobbyist ist. Siehe dazu viele Quellen in den NachDenkSeiten, z.B. AM im Morgenmagazin oder hier mit Auszügen aus dem Manuskript zum Film „Rentenangst“.

    • Die gesetzliche Rente reicht nicht
      Man müsse ihn wie einen Erdkunde-Atlas nutzen, sagt Professor Bernd Raffelhüschen. Doch der neue Atlas ist weniger für Schüler als für Finanzfachleute und Politiker interessant. Zum ersten Mal hat Raffelhüschen mit seinem Team an der Uni Freiburg einen Überblick zur Altersvorsorge der Deutschen entwickelt. Die generelle Erkenntnis überrascht zwar nicht: Die gesetzliche Vorsorge reicht bei den meisten Bundesbürgern nicht aus. Doch mit einer Zusatzversorgung sind mehr als die Hälfte der Deutschen gut abgesichert.
      Quelle: Tagesspiegel

      Anmerkung: Nach der Welt berichten nun auch die FR, die FAZ, die SZ  und der Tagesspiegel ohne den geringsten Ansatz einer Kommentierung oder gar der Kritik über diese “Untersuchung” von Bernd Raffelhüschen. Offensichtlich findet die Mehrzahl der Journalisten in der Zusammenarbeit eines bestens in der Versicherungswirtschaft geerdeten Professors und einem Unternehmen, das bestens von privaten Rentenversicherungen lebt, nichts zu Beanstandendes. Als Optimist könnte man einfach von Gedankenfaulheit ausgehen, als Realist könnte man von Opfern der u.a. von ihnen selbst betriebenen Kampagne gegen die umlagefinanzierte Rente ausgehen und als Pessimist muß man davon ausgehen, dass Kapitalistendiener selbstverständlich die kapitalgedeckte Rente propagieren. Was die Umfrage betrifft, geht es gar nicht so sehr um diese selbst, sondern um die Schlüsse, die daraus gezogen werden. Vor allem aber wird von der Union Investment und ihren Multiplikatoren in der Presse der Eindruck vermittelt, als ob das Absacken der umlagefinanzierten Rente auf das heutige und in der Zukunft noch weit beunruhigendere Niveau quasi ein natürlicher Prozeß gewesen sei und nicht politische Absicht. Die Konsequenz einer Unterversorgung kann nur die Umkehrung dieses Prozesses und die Stärkung der gesetzlichen Rente sein. Die NDS haben immer wieder von Meldungen aus aller Welt berichten müssen, wie sehr kapitalgedeckte Alterssicherungssysteme unter den beiden Finanzkrisen dieses Jahrzehnts gelitten haben – von Sicherheit keine Spur. Ansonsten bietet diese Umfrage reichlich Banales wie z.B. die Feststellung, dass Geringverdiener bei der Rente hinten liegen. Was sich mit einer auch von Union Investment initiierten Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa im März deckt: Der Anteil der Befragten, die über zu wenig verfügbares Geld für die staatliche unterstützte private Altersvorsorge klagen, sei im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozentpunkte auf 16 Prozent gestiegen. Davon wären wir wohl alle auch ausgegangen, bei der laufenden Zunahme von Niedriglöhnen und prekärer Beschäftigung.

  13. Rohstoff Wasser
    Blaues Gold
    Wasser könnte der wichtigste Rohstoff des 21. Jahrhunderts werden. Anleger können von gigantischen Investitionen profitieren.
    Berlin –  Anders als Öl, Holz, Weizen, Reis oder Baumwolle ist Wasser durch nichts zu ersetzen. Das blaue Gold ist ein ganz besonderer Rohstoff: Es ist im Prinzip in gleichbleibend großer Menge vorhanden, hat keinen Weltmarkt-Preis und wird nicht gehandelt. Dennoch könnte es sich zu einem der wichtigsten Rohstoffe des 21. Jahrhunderts entwickeln.
    Quelle: Tagesspiegel

    Kommentar S.K.: tagesspiegel.de macht direkt auf der Homepage mit einem Teaser auf einen Artikel aufmerksam, der letztendlich Anlegern dazu rät, ihr Geld in private, globale Wasserunternehmen wie Veolia zu stecken:
    Im Grunde wird z.B. dem Berliner Leser hier ohne kritischen Blick empfohlen, in ein Unternehmen zu investieren, das durch die Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe mitverantwortlich ist für die überdurchschnittlich hohen Wasserpreise in Berlin. Ganz zu schweigen von den Folgen, den der Handel mit Wasser für Menschen in ärmeren Ländern hat… Von kritischen Journalisten sollte eher die Einführung des Menschenrechts auf Zugang zu sauberem Wasser gefordert werden als hier (unbezahlte?) Werbung für skrupellose Privatunternehmen zu machen.

  14. Vorsicht, Journalisten
    Journalisten, die von der Leichtathletik-WM berichten wollen, müssen sich überprüfen lassen wie Schwerverbrecher. Die Sportredakteure der taz, Andreas Rüttenauer und Markus Völker, haben sich um eine Akkreditierung für die Leichtathletik-WM bemüht, sie haben jedoch die “Einverständniserklärung zur Zuverlässigkeitsprüfung” nicht unterschrieben beziehungsweise entscheidende Passagen gestrichen. Auf Zuverlässigkeit prüfen Polizei, Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst. Das ist unverhältnismäßig. Es fehlt eine Rechtsgrundlage, zudem werden Journalisten ohne Anhaltspunkte zu potenziellen Verdächtigen gestempelt. Das Organisationskomitee hat den taz-Redakteuren daraufhin keine Akkreditierung ausgestellt. Sie können nicht aus dem Olympiastadion von der WM berichten. De facto wurde ihnen ein Beschäftigungsverbot erteilt.
    Quelle: taz

    Anmerkung: Damit haben sich die Sportredakteure der taz, Andreas Rüttenauer und Markus Völker der taz, wie auch die taz selbst hoffentlich einen Eintrag bei Polizei, Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst verdient. Die Weigerung sich überprüfen zu lassen, ist hochgradig verdächtig, denn wer sich nicht überprüfen läßt, hat etwas zu verbergen, und wer etwas zu verbergen hat, hat bei Leichtathletikveranstaltungen nichts zu suchen. Stellt sich nur die Frage, ob wirklich alle Personen, die im Sicherheitsbereich(Stadion) aktiv sind, überprüft wurden, z.B. die Leichtathleten. Aber wahrscheinlich hat unser hocheffizienter Bundesnachrichtendienst schon längst Athleten wie Dayron Robles über ihren Mann in Havanna gecheckt und bestätigt, dass der Mann sauber ist.

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