Was möchte man mir – und den anderen Tagesschau-Sehern – hiermit vermitteln?

Albrecht Müller
Ein Artikel von:

Eine Analyse des NDS-Nutzers Felix E. zur Sendung. Danke vielmals. Albrecht Müller

Guido Westerwelle, über dessen bescheidene Englisch-Kenntnisse [1] und Sprechbereitschaft [2] man sich bei youtube schnell ein Bild machen kann, wird als multilingualer Politiker eingeführt, „um zu zeigen, dass er es kann“, so O-Ton Tagesschau vom 01.10.2009 [3]. Davon, er könne Französisch, habe ich bisher noch nie gehört; so ist es an seiner ehemaligen Schule [4] aber zumindest heute kein verpflichtendes Fach [5], von einer nachschulische Beschäftigung mit der Sprache spricht kein mir bekannter Lebenslauf.

Daraufhin dann die Ankündigung „und das komplette Programm der FDP ist verhandelbar – alles wird verhandelt“. Soweit noch nicht überraschend (Der kurz vorher auf tagesschau.de veröffentlichte Kommentar [6] inklusive Audiobeitrag [7] – lautete da noch deutlich kritischer und traute sich sogar anzudeuten, dass hier eventuell Wahlversprechen nicht eingehalten werden sollen). Anders dann die Meldung der gleichen Sendung, in der man nicht müde wird zu betonen, dass EU-Kommissare und Premierminister sich gegen Steuersenkungen in den EU-Mitgliedsstaaten aussprechen.

Mal davon abgesehen, dass so deutliche und ausführliche Beiträge zu dem Thema vorher leider vermisst wurden, und davon, dass auch ich Steuersenkungen derzeit absolut für den falschen Weg halte, so fällt es auch für sich betrachtet genug auf, dass hier anscheinend etwas vorbereitet wird.

Der u.a. von Olaf Scholz am Vortag verkündete [8] Anstieg der Arbeitslosigkeit Anfang 2010, der auf die neue Regierung zukäme, hilft dieser sicherlich zudem, kommende Schritte als notwendig zu begründen (und dann sogar, indem man sich auf die Opposition beruft – sofern die SPD vorhat, als solche aufzutreten und nicht einen de-facto kaum veränderten Kurs unter schwarz-gelb einfach mitzutragen [so wie die CDU dies mit der Agenda 2010 tat [9]]). Wie diese Schritte aussehen, bleibt abzuwarten; dass sie den angekündigten Arbeitslosen zugute kommen, möchte ich bezweifeln und würde eher noch auf die dann gerade entlassende Wirtschaft tippen.

Worauf ich jedoch am meisten gespannt bin, ist die Frage, wie die deutschen Medien auf eventuelle ‚Wortbrüche’ der kommenden Regierung reagieren werden. Eine Diskussion, die die Ypsilanti-Debatte – entsprechend von hessischer auf Bundesebene vergrößert – nachvollzieht, wäre mir sicherlich eine willkommene Abwechslung. Angesichts solcher quasi vorgreifend-apologetischer Sendungen wie eben dieser Nachrichten helfen mir aber, den Irrsinn einer solchen Hoffung einzusehen.

Es passiert nicht selten, dass mich einzelne Beiträge der Tagesschau aufhorchen lassen und mir zur Vorsicht raten; anders als viele Freunde von mir halte ich es trotzdem immer noch für sinnvoll, die Tagesschau zu gucken, und versuche, sie als unabhängiges Nachrichtenformat zu begreifen. Sendungen wie die vom 01.10.2009 aber helfen, an diesem Bild zu rütteln.


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