Musik und Frieden – Linderung für Corona-Isolation und antirussische Konfrontation

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Eine Verständigung zwischen Deutschland und Russland ist gerade angesichts des 75. Jahrestags der Befreiung Europas von der Nazi-Herrschaft – vor allem durch die Sowjetunion – das Gebot der Stunde. Dieses Gebot wird aber von Medien und weiten Teilen der Politik missachtet – darum sind Initiativen umso wichtiger, die die Konfrontation durchbrechen. Eine solche Initiative ist die Zusammenarbeit von deutschen und russischen Jugendlichen an einer Musical-Aufführung. Das sympathische Projekt dient nicht nur der Völkerverständigung: Die Aktion lindert auch die Folgen der Isolation der Schüler während des Lockdowns. Von Tobias Riegel.

„Wenn Staaten sich entfremden, sollten Bürger sich näherkommen. Damit nicht wieder Entsetzliches passiert.“ Das sagen die Initiatoren des Kultur-Projekts „Musik für den Frieden“ mit deutschen und russischen Schülern auf ihrer Internetseite. Diesem Motto folgend, hat die Musical-Company des Lise-Meitner-Gymnasiums aus Grenzach-Wyhlen mit deutschen und russischen Jugendlichen ein Projekt begonnen, das Brücken zwischen Menschen bauen soll: Gemeinsam singen und tanzen – und dadurch zusammen das Ziel der Völkerverständigung verfolgen. Dieses wichtige Ziel wird vor allem von deutschen Journalisten und Politikern angegriffen, man muss es immer wieder verteidigen.

Beteiligt ist auf russischer Seite das Jugendtheater „Premier“ unter der Leitung von Andrey Korjakov aus der Stadt Twer. Die deutschen und die russischen Jugendlichen waren sich schnell einig: Die Theatergruppen besuchen sich gegenseitig und erarbeiten ein gemeinsames Konzertprogramm. Im September 2019 wurden die deutschen Jugendlichen erstmals in Russland bei den Partnerfamilien aufgenommen, Freundschaften entstanden. Zusammen hatten sie Aufführungen in Twer und Moskau, über die Presse und Fernsehen ausführlich berichteten. Dabei wurden sie auch vom russischen Außenminister Lavrov und der Deutschen Botschaft in Moskau unterstützt. Im Gegenzug wurde das Friedensprojekt auch in Deutschland präsentiert.

Für Verständigung – Gegen Isolation

Nun sind die Schulen wegen Corona seit Wochen geschlossen – in Deutschland, in Russland und in vielen anderen Ländern. Eigentlich wollten sich die Jugendlichen aus Wyhlen und ihre russischen Freunde aus Twer nun auf die Fortführung ihres Projektes vorbereiten. Wie im letzten Jahr sollten im Herbst gemeinsame Konzerte in Moskau und Berlin stattfinden. Wegen Corona ist aber offen, ob diese Konzerte stattfinden können.

Um die beengte Isolation der Jugendlichen zu lindern und das Ziel der deutsch-russischen Begegnungen dennoch fortzuführen, haben die Macher von „Musik und Frieden“ jetzt ein gemeinsames Online-Chorprojekt von russischen und deutschen Schülern organisiert . Sie singen gemeinsam „Heile die Welt“ nach Michael Jacksons Song „Heal the world“.  Ein Video davon findet sich auf Youtube. Anlässlich des 75. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs haben die Kulturkanäle der Deutschen Botschaft in Moskau und des Deutsch-Russischen Forums in Berlin nun auch das Video der Musical-Produktion deutsch-russischer Schüler vom vergangenen Herbst veröffentlicht.

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