Leserbriefe zu „Fall Nawalny: „Putins Gift, Putins Anschlag““

Ein Artikel von:

In diesem Beitrag hat sich Tobias Riegel mit der Berichterstattung über den mutmaßlichen Giftanschlag auf Alexej Nawalny befasst. Viele Medien beschuldigen Russland und insbesondere Präsident Putin – ohne Beweise vorzulegen. Wichtige Rechtsprinzipien werden missachtet und z.B. die Unschuldsvermutung quasi beiseite geschoben. Tobias Riegel meint, diese Meinungsmache und „abwegigen Spekulationen“ sind „teils gefährlich und kriegstreiberisch“.
Die Leserschaft der NachDenkSeiten verfolgt die Ereignisse ebenfalls. Zahlreiche Leserinnen und Leser haben reagiert und uns ihre Eindrücke mitgeteilt. Wir bedanken uns sehr für die Leserbriefe. Hier nun eine Auswahl der eingereichten Antworten. Zusammengestellt von Christian Reimann.


1. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel,

Sie haben in Ihrem guten Artikel auch die in solchen Fällen immer nötige Frage “Cui bono?” gestellt, aber nur festgestellt, dass es ganz offensichtlich Rußland, dem Kreml, Putin bestimmt nicht nutzt. Wem aber nutzt es dann? Nun, wenn man die hetzerischen manipulativen Reaktionen des Meanstreams liest, dann ist die Antwort ganz klar: Den VSA, denn der “Fall Nawalny” soll ganz offensichtlich als Hebel dienen, um das Projekt Nordstream 2 endgültig zu kippen. Die Bundeskanzlerin hat – natürlich nicht wörtlich, aber mit deutlichem Geschwurbel – bereits in diese Richtung gedeutet. Offenbar kommt ihr diese Gelegenheit als Vorwand ganz recht, um endlich umzufallen und den VSA ihren dringenden Wunsch (besser gesagt, ihre unverschämte Forderung) zu erfüllen und die verhasste Pipeline, die der Wall Street Milliardenverluste bescheren würde, zu beerdigen. Die Zeche werden wir zahlen, nicht nur mit Geld für teures Fracking-Gas nebst Baukosten für europäische Terminals, sondern auch mit einer weiteren Verstärkung der Abhängigkeit von den VSA, die bestimmt nicht zögern werden, dieses Druckmittel bei passender Gelegenheit einzusetzen.

Frdl. Gruß
Heinz Kreuzhuber


2. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel,

einen Beitrag für besonders schlechten Journalismus lieferte auch Herr Heinemann im Deutschlandfunk heute morgen:

deutschlandfunk.de/nawalny-vergiftung-trittin-perverse-revitalisierung.694.de.html?dram:article_id=483489

“Heinemann: Herr Trittin, Vergiften und Töten gehört zur russischen Politik. Dafür stehen unter anderem die Namen von Tochter und Vater Skripal, Alexander Litwinenko, Boris Nemzow, Anna Politowskaja oder Selemkin Changoschwili, ein Tschetschene – Sie haben den Fall eben angesprochen – mit georgischem Pass, der im August 2019 im kleinen Tiergarten ermordet wurde. Das sind viele Fälle, wahrscheinlich müssten wir noch viele andere nennen. Wie sowjetisch ist Wladimir Putins Herrschaft?”

Herr Heinemann impliziert hier, dass hinter den genannten Verbrechen die russiche Regierung steht.

Aber wurde das in all diesen Fällen auch tatsächlich in einem Gerichtsverfahren nachgewiesen? Muss nicht vor einer rechtskräftigen Verurteilung stets wenigstens ein “mutmaßlich” vor jeder Anschuldigung stehen?. Haben wir uns in unserem Rechtsstaat diesbezüglich nicht auf klare Sprachregelungen geeinigt, die jeder Journalist kennen sollte? Oder gilt die Unschuldsvermutung doch nicht mehr für alle?
 
Mit freundlichen Grüßen
Christian Schäfer


3. Leserbrief

Bei politisch motivierten Anschlägen oder Morden ist es extrem schwierig die Wahrheit zu ergründen, weil häufig die Geheimdienste ihre Finger im Spiel haben. Die Frage “wem nützt es” liefert zumeist nur Motive, deren Plausibilität man bewerten kann. Im Fall der Vergiftung Nawalnys stellt sich die Frage, welchen Vorteil die beschuldigte russische Regierung haben könnte, wenn sie Nawalny umbringen lässt? Da wird angeführt, dass Putin seinen innenpolitischen Gegnern klarmachen wolle: “Seht so kann es euch ergehen”. Bei dieser Interpretation bleibt aber die Frage offen, ob die internationalen Probleme, die Russland sich damit einhandelt, nicht viel gewichtiger sind, als das beseitigte Problem. Wie in dem Artikel festgestellt wird, hätte man auch mit anderen Giften morden können, als ausgerechnet mit Nowischok, ein Gift, dass in der UDSSR entwickelt wurde und dessen Formel mittlerweile allen Geheimdiensten bekannt ist.

Daher ist auch die Möglichkeit nicht auszuschließen, dass internationale Geheimdienste, allen voran die USA diese Tat verübt haben könnten.

Bekanntlich wollen die USA die Gaspipeline unter allen Umständen vermeiden. Die USA hat auch aus verschiedenen anderen Gründen ein Interesse daran, einen Keil zwischen Europa und Russland zu treiben (Nato-Osterweiterung, etc).

Egal, wer auch immer die Strippen gezogen hat, musste die internationale Aufregung im Zusammenhang mit dem angeblich verwendeten Gift hohe Wellen schlagen.

Und schon melden sich grüne Politiker, die die Einstellung des Pipeline-Projekts fordern.

Auch wenn zum Schluss nichts bewiesen werden kann, etwas bleibt immer hängen.

Die jetzt einsetzende politische Debatte dürfte sich durch kollektiven Tunnelblick und Dummheit auszeichnen.

Mfg Dr. Horst Käsmacher


4. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel,

mal so ganz naiv gefragt: „Was wäre, wenn man mal so über den „großen Teich schaut? Nur so eine hypothetische Frage, die sich mir aufdrängt.

Gas aus Russland, Trump, der selbsternannte „Dealmaker“ – nix mit „Amerika First“, die Milliarden gehen an Putin!

Wollte, könnte, würde, hätte es da nicht Gedankenspielchen geben können, die, na ja, verführerisch wären?

Mittel und Wege, die gibt es genügend – ein Problem weniger und die Milliarden könnten sprudeln, wenn nordstrem 2 gestoppt wird; nur so gesponnen, oder doch nicht?

Und: „Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt bleibt dumm!

Mit freundlichen Grüßen
M.R.


5. Leserbrief

War der Kalte Krieg je zu Ende?

Tobias Riegel analysiert treffend die Mobilmachung gegen Russland in Medien und Politik anlässlich des Falles Navalny (Beiträge vom 2.9. und 3.9.2020). Im Folgenden soll die psychologische Spur des Kalten Krieges verfolgt werden.

Steffen Seibert, BPK 24.8.2020:

“….daß jemand Herrn Navalny ernsthaft vergiftet hat, wofür es leider in der jüngeren russischen Geschichte den einen oder anderen Beispielfall gibt, deswegen nimmt die Welt, denke ich, diesen Verdacht sehr ernst. ”

Der deutsche Pressesprecher und seine Glaubensgenossen in Politik und Medien offenbaren sich als versehrte Kinder des Kalten Krieges. Die Vorstellungswelt dieser Generation wurde von Kindheit an gelenkt und getränkt mit dem Hassbild vom Sowjetblock einerseits und dem idealisierten Selbstbild des Atlantikblocks andererseits. Ihre emotionalen Saiten sind, wenn es um Russland geht, verstimmt und ihre Wahrnehmung ist einseitig verzerrt. Bei den ideologisch Kriegsversehrten hat der Kalte Krieg nie aufgehört, nur Russland ist an die Stelle der Sowjetunion getreten. Daher wäre es falsch von einem Neuen Kalten Krieg, oder einem Kalten Krieg 2.0, zu sprechen. Er wurde im Osten beendet, aber nie im Westen.

Der Kalte Krieg war, wenn man die geopolitischen Aspekte beiseite lässt, vor allem ein ideologisches Ringen, also ein Propagandakrieg. Jede Seite hatte ihre hochgradig phantasiegetränkte Erzählung von sich selbst und vom Gegner. Und beide Seiten beanspruchten universale Gültigkeit für ihre Modelle. Für den Sowjetblock war die Verheißung des Kommunismus die welterlösende Formel und der Atlantikblock die menschheitsbedrohende Gefahr. Für den Atlantikblock war der Sowjetblock die Weltbedrohung und das eigene, idealisierte Modell von freedom&democracy die erlösende Formel. Die Realitäten in beiden Blöcken waren weit davon entfernt den idealisierten Selbstbildern zu entsprechen. Diese Widersprüche wurden mit affektgeladenen Hassbildern gegenüber dem jeweils anderen Block überdeckt.

Emotionale Vorgänge laufen nicht über Hirnareale die nüchternes, abwägendes Kalkül generieren. Die lineare Skala der Gefühle bewegt sich zwischen den Extremen positiv und negativ. Die Konstellation des Kalten Krieges hatte, was den emotionalen Aspekt betrifft, auf jeder Seite einen Pluspol (das eigene Selbstbild) und einen Minuspol (das Hassbild des Gegners). Die Spannung ergab sich aus dem Kontrast zwischen Selbstbild und Feindbild. Je negativer der Feind definiert wurde, desto befriedigender war das eigene Selbstbild. Die Angst vor der Niedertracht des Feindes war der Nährboden der eigenen Glaubensgewissheit. Die sogenannte Rüstungsspirale band beide Gegner psychologisch in einem doppelten Teufelskreis aneinander: Ein “Verteidigungsschritt” der einen Seite wurde von der anderen Seite als Aggression gedeutet, die einen “Verteidigungsschritt” erforderte, der wiederum von der gegnerischen Seite als Aggression gedeutet wurde.

Als die Sowjetunion verstarb, aus welchen Gründen auch immer, löste das im Atlantikblock einen kolossalen Schub an siegestrunkener Glaubensgewissheit aus. Die Überlegenheit der Westlichen Wertegemeinschaft wurde zur unerschütterlichen Gewissheit und dieses Credo wurde mit missionarischem Eifer und nie dagewesener Vehemenz in den Rest der Welt getragen. Die Implosion der Sowjetunion brachte im Westen also keinen Zuwachs an realistischer Weltbetrachung, sondern löste im Gegenteil eine Zunahme der Fantasie-Anteile im politischen Denken aus. Autoren verkündeten das “Ende der Geschichte”, eine „Neue Weltordnung“ wurde auf die Tagesordnung gesetzt, “humanistische” Kriege wurden geführt und der Neoliberalismus wurde als Wirtschaftsmedizin propagiert. Nach diesem “Sieg” gab es für den Atlantikblock (Wir sind die Guten!) keinerlei Grund das bipolare Glaubenssystem des Kalten Krieges in Frage zu stellen.

Anders im Osten. Die um ihren Glauben Betrogenen verloren nach dem Kollaps des Systems auch ihren Glauben an das Feindbild (und stürmten zu Mac Donalds). Damit war der Kalte Krieg im Osten emotional und ideologisch beendet und die zugehörigen Glaubensinhalte waren erloschen. Zeitgleich wurde im Westen die Manier, das eigene Modell über alles andere zu stellen, zur dominanten Attitüde. Lapidar ausgedrückt: der Osten ging nach Hause, während der Westen, mehr denn je, ideologisch mobil machte. Er hatte nur das Handicap, dass seinem bipolaren Glaubenssystem der negative Pol abhanden gekommen war. (Man stelle sich vor, dem Spätmittelalter wäre der Teufel abhanden gekommen. Der Petersdom würde bis heute nicht stehen, denn die Ablassprediger hätten kein Drohpotential mehr gehabt.) Nach einer kurzen Irritationsphase, von etwa einem Dutzend Jahren, wurde wieder ein Gegner dingfest gemacht. Es waren die neuen, alten Russen. Dafür brauchte es keine großen ideologischen Umbauten, denn schon immer war das “Reich des Bösen” (Reagan) das Reich der Russen. Nun begann nicht der zweite Kalte Krieg, sondern die zweite Phase des fortwährenden Kalten Krieges. Es war daher ein epochales Missverständnis der russischen Führung, anzunehmen, der Kalte Krieg sei auch westlicherseits beendet worden.

Aus westlicher Sicht war Jelzin der Häuptling einer zukünftigen Kolonie mit der man Glasperlen gegen Felle tauschen wollte. Ein Amerikanischer Präsidentenberater mit polnischem Migrationshintergrund wollte Russland vierteilen, weil es als Ganzes zu groß sei. Scharen von westlichen Ausbildern fielen in Moskau ein, um den eingeborenen Analphabeten in Sachen Wirtschaft das Einmaleins des Neoliberalismus beizubringen. Diesen Zustand hat Putin beendet und allein dafür gebührte ihm der Nobelpreis für Würde und Anstand, wenn es einen solchen gäbe.

Als er antrat, hatte sich die Lage auf dem weltpolitischen Schachbrett für Russland radikal verschlechtert. Der Atlantikblock war der Sowjetunion, dem ehemaligen Kriegsalliierten, auf gleicher Augenhöhe begegnet, zwar mit Hass, aber mit Respekt. Kein US-Außenminister hätte es gewagt einen sowjetischen Führer mit Hitler zu vergleichen. Verglichen mit heute, war das Gesprächsklima in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geradezu freundschaftlich. Dem neuen Russland begegnete der Atlantikblock mitnichten auf Augenhöhe. In seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag (am 25.09.2001) warb Putin um Freundschaft und gleichberechtigte Partnerschaft. Es folgte höflicher Applaus, sonst nichts. Die Worte des Präsidenten einer “Regionalmacht” waren für das politische Establishment kein Anlass für Handlungsbedarf. Das ist nur erklärbar mit dem oben genannten Schub an Glaubensgewissheit, der die Fantasie-Anteile im politische Kalkül der “Westlichen Wertegemeinschaft” so weit erhöhte, dass die Realität aus den Augen verloren wurde.

Die Krim war nie ein ukrainisches Land und der ukrainische Bevölkerungsanteil war dort immer in der Minderheit. 1954 zwang Chruschtschow, ohne Rechtsgrundlage, die Halbinsel in die Ukraine. Als offenbar wurde, dass Russland seine Sicherheitsinteressen nicht nur beschwor, sondern auch durchzusetzen gewillt war, indem es die Wiedervereinigung mit der Krim in die Wege leitete, verhängte der Westen Sanktionen und versucht seither Russland auf der internationalen Bühne zu isolieren und in eine Außenseiterposition zu drängen. Stereotyp wird eine russische Gefahr beschworen, die an frühere Angstfantasien von einer “Roten Flut” anknüpft. Die fetten Jahre, in denen erst die sowjetische und dann die russische Führung einen Kardinalfehler nach dem anderen machte und ohne Not Optionen verschenkte, scheinen vorbei zu sein. Das löst im immer noch siegestrunkenen Westen Befremden aus. Auch das mag ein Grund sein, warum der Ton immer rauer wird.

Die Reaktivierung der affektgeladenen Hassbilder aus der ersten Phase des kalten Krieges könnte dazu dienen, dem Eingeständnis zu entgehen, dass die Ignoranz gegenüber russischen Sicherheitsinteressen ein historischer Fehler war. Aber möglicher Weise haben die Hassbilder eine sehr simple Ursache, die im inneren Zustand der EU verborgen liegt. Ein Virus hat gezeigt, dass die Grenzen der europäischen Länder noch viel dominanter sind als es dem schönen Schein einer Union entsprechen würde. Und auch an anderen Stellen (Migration, Rechtswesen, Medienkontrolle) schäumen in der unausgegorene Maische europäischer Länder zentrifugale Kräfte nach oben. Um den ideologischen Zusammenhalt zu retten, bedarf es eines kräftigen Feindbildes. So gesehen könnte man ironisch anmerken: gäbe es Putin nicht, die EU müsste ihn erfinden. Berlin, das zur Zeit den Ratsvorsitz innehat, will dringend benötigte Integrationskraft im Inneren mit Attacken gegen den äußeren Feind generieren.

Berndt Bleckmann


6. Leserbrief

Sehr geehrte Mitarbeiter der Redaktion,

während die deutschen Medien sich empören schreibt der Standard aus Österreich:

Die deutsche Bundesregierung sieht es als “zweifelsfrei” erwiesen an, dass Nawalny mit dem chemischen Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet wurde. Ein Speziallabor der Bundeswehr hatte dies festgestellt. Kanzlerin Angela Merkel sprach am Mittwoch von einem “versuchten Giftmord” an einem der führenden Oppositionellen Russlands: “Er sollte zum Schweigen gebracht werden.”

Die Anführungszeichen, zeigen, es gibt erheblich Zweifel.

Der Hinweis auf das Speziallabor der Bundeswehr erinnert mich an eigene Rechercherfahrungen auf kommunaler Ebene.

Ein Staatsanwalt wollte die Anzeige von Asbestkontamination nach der Sanierung von 6.000
qm Asbertdächer über Panzerhallen der Bundeswehr los werden. Er lud mich ein an der
Probenentnahme durch das Landeskriminalamt dabei zu sein. Nach ca. 10 Tagen rief er mich an und sagte, es wären keine Asbestfasern gefunden worden. In einem parallelen Zivielprozess legte der Bauherr das Gutachten des Landeskriminalamtes vor. Der Staatsanwalt hatte angeordnet die Proben mit einem Lichtmikroskop zu untersuchen. Auf diese Weise konnte er nichts finden, denn die Fasern sind nur unter einem Raster-Elektronen-Mikroskop sichtbar. Als ich den Staatsanwalt später auf den falschen Auftag ansprach, erklärte er, die Untersuchung mit einem Raster-Elektronen-Mikroskop sei zu teuer gewesen.

So arbeitet die deutsch Staatsanwaltschaft.
Eine privat finanziert Probe wurde vom Fresenius-Institut positiv untersucht.

Vielleicht dient die Nawalny-Geschichte vor allem der Verhinderung von Nord-Stream.
Die Art der detuschen Berichterstattung ist sehr auffällig, selbst die NZZ hält sich mehr
zurück.

Mit freundlichen Grüßen
Delf Schnappauf


7. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten,

heute habe ich einen sehr interessanten Beitrag auf moonofalabama gefunden, der mit der Frage überschrieben ist. “Ist Nawalny geskripalt worden?” Der Autor vermutet, die ganze Affäre sei eine Antwort auf die anscheinend scheiternde Farbrevolution in Weißrussland durch CIA, MI6 oder BND. Die größte Gefahr scheint mir darin zu bestehen, dass da jemand versucht, Deutschland in immer größere Abhangigkeit von den USA und in immer größere Feinschaft gegen Russland und China zu bringen. Nicht auszudenken, wenn das von Erfolg gekrönt würde.

Wir haben uns ja schon lange daran gewöhnt, dass der Wertewesten für seine Verurteilungen und Sanktionen schon lange keine Beweise mehr vorlegt. Man braucht sie nicht mehr, weil nach Ansicht der westlichen Machthaber ihre Anschuldigungen immer auch schon der Wahrheit entsprechen. Nun gibt es ja auch in unserem hoch überlegenen System ab und zu Fälle, die sehr verdächtig sind. Z.B. gibt es ja im Falle des NSU sehr enge Verbindungen zumindest mit V-Männern des Verfassungsschutzes. Die Aufklärung wurde von Staats wegen behindert, wichtige Akten wurden geschreddert. Wenn Russland darauf reagiert hätte wie der sich moralisch überlegen dünkende Westen, hätte es dann nicht ebenso Sanktionen verhängen uind Diplomaten ausweisen können.  Beispiele von Dingen, über die wir nie die Wahrheit erfahren werden, gibt es genug: Breidtscheid-Platz, Hanau, Ouri Jalloh usw.

Das Schlimme an unserem System ist die himmelschreiende Selbstgerechtigkeit, die nur wenige sehen oder gar angreifen. Der rassistische Hintergrund Nawalnys, der auch schon gern mal den rechten Arm hebt, kommt nicht zur Sprache. Das ist natürlich kein Grund, ihn anzugreifen. Aber es gibt auch keinen Grund, jemanden, der 2% der Stimmen erreicht, als ernsthaften und ernst genommenen Kritiker zu bezeichnen. Da bekommt die AfD mehr Stimmen.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Skoruppa


8. Leserbrief

Ein paar, gar nicht so weit hergeholte Gedanken zu Nawalnyi

  1. ich weiß gar nix, (und alle anderen auch nicht, aber ich traue jederzeit allen alles zu.) woher auch, vielleicht von AZ, SZ, Spiegel, Focus, FAZ, Welt, Bild usw usw oder etwa von der Bundesregierung?
  2. ich glaube zu wissen (vielleicht auch von dem, was ich aufgeschnappt habe) Nawalnyi liegt in B in der Charité im Koma

    Praktisch zusammen mit der Meldung des Giftmordanschlags kam Nordstream2 ins Spiel, wieso dieses?

    Trump und einige seiner Oligarchen ist gegen Nordstream2, die Merkel-Regierung bisher noch nicht (Nachtigall, ick hör dir trapsen), Die Demokraten (!) in USA übrigens auch

    Die Grünen sind auch gegen NS2 (bei Phoenix heute früh tritt – wiederholt – als erster ein Grüner auf und drischt auf Putin ein, übrigens auch weil angeblich russische Oligarchen hier in D. Immobiliengeschäfte machen, andere machen das anscheinend also nicht, was ist daran übrigens nicht in Ordnung?)

    Polen und die baltischen Staaten sind auch gegen NS2, da sind überall natürlich auch nur lupenreine Demokraten an der Macht, Oligarchen gibts nur in Rußland, natürlich nicht hierzulande, oder USA oder UK, oder F, oder oder.

  3. Ich höre

    Die Russen finden kein Gift im Koma-Patienten N

    Ausgerechnet diese Russen, denen interessierte Kreise unterstellen, das Gift appliziert zu haben, läßt diesen (übrigens nach Meinung von Leuten, die es wissen müßten, auch reichlich schillernden N) mit einem privaten (!) Jet nach sehr kurzem Zögern (Transportfähigkeit eines mit dem Tode ringenden Patienten dürfte wohl zweifelhaft sein, wie von den russischen Medizinern wohl glaubhaft argumentiert) ausgerechnet nach D ausfliegen

    Ausgerechnet die Charité (Super-Juwel der deutschen Medizin, ausgerüstet mit allem, was gut, neu, und teuer ist) findet kein Nowitschok, aber angeblich irgendwas

    Ausgerechnet die Bundeswehr findet Nowitschok, aber nur irgendeins, welches is es denn (bei Skripal, von dem man erst jetzt wieder was hört, war das wichtig), Nowitschok-“Gruppe“, was soll das bitte sein, gehts vielleicht ein bißchen genauer?

  4. Ich denke mir
    Ausgerechnet der ehemalige Ober-Geheimdienstler Putin ist nicht fähig, seine Gegner auf geheimdienstangemessene Weise zu erledigen, vielleicht wars doch jemand anderes. Wer das wohl gewesen sein könnte??? I soliti ignoti, würden die Italiener wohl sagen.

    Die Nowitschok-Gifte stehen sowohl der Bw, den Amis, den Briten und wahrscheinlich vielen anderen zur Verfügung (muß ja auch, wenn man seine eigenen Leute dagegen schützen will)

    Rußland ist das riesigste, praktisch menschenleere Land der Erde, vollgestopft mit Ressourcen, ein potentieller Riesenmarkt trotzdem und deswegen, die Nato steht (entgegen höchstheiligster Versprechen 1990 unter „Gentlemen“) ca. 120km vor Leningrad/St.Petersburg, die Ukraine wird mit Hilfe des „Westens“ von veritablen Nazis regiert, Belarus ist inzwischen auch „sturmreif“, sorry übernahmereif, geschossen, die Militärausgaben des Westens pro Jahr sind offiziell ca. 13 mal so hoch wie Rußlands, das Ziel der Waffenentwicklung ist auch, und besonders, dahin zu kommen, daß man alles, aber auch alles abschießen kann, was von der Gegenseite rübergeflogen kommen könnte. Wer dürfte wohl wem auf diesem Gebiet voraus sein, nur ne Frage.

  5. Ich schlußfolgere

    Welches Interesse sollte ausgerechnet Putin haben, ausgerechnet jetzt, ausgerechnet den vom Westen hochgejubelten N auf ausgerechnet derart dilettantische Weise aus dem Weg zu räumen

    Warum kam sofort (in Worten: sofort, unverzüglich) ausgerechnet das Argument NS2, wie aus der Pistole geschossen?

    Trump will seine Wiederwahl im November, er hat keinen Vorsprung mehr, Verhinderung der NS2 fordert er seit langem, 3 rep. Senatoren haben einen Drohbrief an die Stadtspitze von Saßnitz geschrieben wegen NS2

    Er muß endlich was vorweisen, was nicht BLM, Covid, o.ä heißt, sondern etwas wo sein Image wieder aufpoliert werden kann.

    Seeeehr gescheite Leute (z.B. Michael Hudson) in USA sehen Trump noch lange nicht auf dem Abstellgleis, sogar das demokratische (!) Establishment will keinen heute 77jährigen, als senil und semidement dargestellten Biden, lieber noch Trump, schon gar nicht Bernie Sanders, da würde ja der Sozialismus (sprich: eine ganz milde Form rechter deutscher Sozialdemokratie) drohen, das geht ja schon gleich garnicht.

  6. von unserem Leser H.H.


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