Im Frühjahr Masken basteln, im Herbst Klimaanlagen für 200 Euro fürs Klassenzimmer

Ein Artikel von Frank Blenz | Verantwortlicher:

In der ZDF-Heute-Sendung vom 2. November präsentierte die Autorin Angela Eberhardt einen Bericht über die Bekämpfung der Infektionsgefahr Corona im Klassenzimmer, welcher den Zuschauer für eine an sich lobenswerte Aktivität der Minimierung von Viren in Schulräumen begeistern sollte: Im Kern ging es um das Basteln von Abluftanlagen. Der Haken des Berichts war? Richtig – das Basteln, und zwar von Schülern und Lehrern statt von Profis und das für wenig Geld, so wie im Frühjahr, als Masken nähen fast zum Volkssport wurde. Luftfilteranlagen für einen schmalen Taler, Masken fern vom FFP3-Standard, lautete die Botschaft. „Geht’s noch?“, fragt Frank Blenz.

Dass der zweiminütige Nachrichtenbeitrag von Eberhardt dafür warb (!), für unter 200 Euro mittels Projektwoche tätig zu werden, um die Corona-Viren-Aerosole aus dem Raum zu jagen, wurde bei der Ansicht schlicht zu einer zynischen Vorstellung. Der Heute-Beitrag ließ die ablehnende Haltung der Fach-Politiker von mehr als einem Dutzend Bundesländern in Sachen Schulanlagen für virenfreie Luft (Kosten etwa eine Milliarde Euro) außen vor und in einem Licht erscheinen, in welchem sich die Akteure schämen müssten.

„Solche Anlagen müssten auch gar nicht teuer sein“, fand schon in der Anmoderation Nachrichtensprecherin Brigitte Basgen, die von Luftfilteranlagen im Konjunktiv sprach, als wären diese eine Neuheit. Im Beitrag wurde dies tatsächlich als eine Neuheit verkauft, dass Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie mit Schülern eine besondere, einfache Anlage entwickelt hätten. Und schließlich sorge ein Ventilator gar für den notwendigen Sog. Na wunderbar!? Auch die Forscher zeigten sich begeistert. Okay. Ein weiteres Plus: Alle Materialien seien im Baumarkt erhältlich, hieß es. Kosten pro Klassenraum unter 200 Euro. Unter 200! Das ausgeplauderte Ziel der Entwickler lautete: Es solle ein Bausatzsystem generiert werden. „Auch Virologen sehen in dem kostengünstigen System eine echte Alternative“, sagte Autorin Angela Eberhardt. Und der Experte: „In vielen Situationen wird es nicht möglich sein, sich für drei-, vier-, fünftausend Euro Geräte in Innenräume zu stellen“, sagte Dr. Martin Stürmer. Um den „Nachrichtenbeitrag“ nach zwei Minuten rund zu machen, schloss die Autorin mit: „Eine einfache Lösung, die bundesweit Schule machen könnte.“
(zdf.de/nachrichten/heute-sendungen/videos/klassenzimmer-belueftungs-anlagen-100.html)

Man könnte fragen, wieso es diese Aufregung um diese 200-Euro-Bausatz-Virenabsauganlagen gibt. Antwort: Es geht um den Hintergrund, der zum Beispiel bei der ARD in der Sendung „Monitor“ so besprochen wurde und das Problem, ja den Skandal aufzeigte: „Im Kampf gegen die Ausbreitung von Corona-Viren in Klassenzimmern könnten mobile Luftfilteranlagen eine wichtige Rolle spielen. Doch vielen Landesregierungen sind sie offenbar zu teuer, wie Monitor-Recherchen zeigen, so Lisa Seemann und Shafagh Laghai, WDR. „Lüften, lüften, lüften“ – so lautet der Ratschlag des Umweltbundesamtes und der Politik an die Schulen, um das Ansteckungsrisiko mit Covid-19 zu verringern. Für Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, geht das jedoch an der Realität vieler Schulen vorbei. Er schätzt, dass in etwa 100.000 Klassenräumen nicht richtig gelüftet werden kann. Sie müssten dann diese Räume sperren. Das würde aber einen massiven Unterrichtsausfall und für einen Teil der Schüler einen sofortigen Wechsel in den Fernunterricht bedeuten. Oder, so Meidinger: „Wir brauchen zusätzliche Möglichkeiten, hier die Luft rein zu halten. Das sind eben dann Luftreinigungsfilter.“ Doch bei technischen Lösungen wie mobilen Luftfilteranlagen winkt die Mehrheit der Landesregierungen bisher ab. Aus einer aktuellen Umfrage des ARD-Magazins Monitor bei den Kultusministerien der Länder geht hervor, dass acht Bundesländer keine Anschaffung solcher Geräte planen …“
(tagesschau.de/investigativ/monitor/luftfilter-schulen-101.html)

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