Leserbriefe zu „Angst vor dem 3. Weltkrieg. Dies mag albern klingen, aber …“

Ein Artikel von:

In diesem Beitrag bringt unser Leser Patrick Kersting seine Befürchtungen über einen 3. Weltkrieg zum Ausdruck und begründet sie insbesondere mit der „Entwicklung, vor allem bzgl. Russland“. In einer Vorbemerkung schreibt Albrecht Müller, dass eine Mehrheit der „Empfehlung, militärisch aufzurüsten“, folge. Spitzenpolitiker aus FDP, Grünen, SPD und Unionsparteien würden mit Unterstützung aus Brüssel eine Politik der Stärke und der Abschreckung betreiben. Gewaltverzicht sei „aus der Mode gekommen“. Danke für die zahlreichen E-Mails mit interessanten Eindrücken und Erkenntnissen. Es folgt eine Auswahl. Zusammengestellt von Christian Reimann.


1. Leserbrief

Lieber Herr Kersting,
 
Sie sind nicht allein. Auch mein Mann und ich fürchten uns vor dem was kommt. Aber wie wohl die meisten Menschen, versuchen wir zu verdrängen und das Beste aus dem zu machen, was wir haben.
 
Mein Mann und ich sind Querdenker, Verschwörungstheoretiker, Idioten oder wie man Menschen wie uns dieser Tage sonst noch bezeichnet.
 
Dennoch sehe ich die aktuellen Entwicklungen nicht nur negativ:
 
Seit Covid-19 leben wir bewusster. Während viele in unserem Umfeld mit Panik reagierten und verzweifelt auf die Impfung warteten, sagten wir uns, dass wir alle irgendwann unweigerlich sterben und das es gegen den Tod an sich keine Impfung gibt. Wir kamen auch zu dem Entschluss, dass wir das im Grunde gut finden, denn welchen Wert hätte das Leben noch, wenn es nie enden würde? Geben wir uns nicht gerade dann besondere Mühe unsere Lieben glücklich zu machen, wenn wir uns am Stärksten bewusst sind, dass wir sie jederzeit verlieren könnten?
 
Mein Rat an sie: Verzweifeln Sie weniger und machen Sie das Beste aus der Zeit, die Ihnen bleibt, was durchaus noch sehr viel sein kann. Verbringen Sie sie mit Ihren Lieben und hadern Sie nicht, mit Dingen, auf die Sie keinen Einfluss haben. Denn Letzteres bewirkt nur eines: Es raubt ihnen kostbare Zeit, die sie nie wieder zurückbekommen!
 
Herzliche Grüße,
Veronika Weinand


2. Leserbrief

Sehr geehrte Redaktion der Nachdenkseiten,
 
der Herr Kersting hat schon recht, die meisten Leute sind völlig blind für die aufziehenden kriegerischen Gefahren; man kann ihnen dahingehend aber kaum einen Vorwurf machen, da ihnen das notwendige Wissen zum Verständnis zwischenstaatlicher Konflikte gar nicht beigebracht wird und so der Glaube vorherrscht, daß sie quasi vom Himmel fallen, oder irgendein böser Mann dahintersteckt und nicht durchaus berechtigte und nachvollziehbare staatliche Interessen.
 
Überhaupt scheint sich kaum einer einen Begriff davon zu machen, was ein Staat eigentlich ist, wie er funktioniert, oder warum er wichtig und notwendig ist. Für viele ist der Staat gleichbedeutend mit der Regierung oder der Verwaltung, obwohl es doch völlig idiotisch ist, das einzelne Organ mit dem gesamten Körper gleichzusetzen. Es verwundert daher nicht, daß kaum mehr jemand auf die Idee käme, sich selbst mit dem Staat gleichzusetzen. 75 Jahre gepredigter Individualismus und Antinationalismus entfalten hier ihre fatale Wirkung – die Verweigerung sich als Teil einer Schicksalsgemeinschaft zu begreifen; zu erkennen, daß das Wohlergehen des Individuums in eklatanter Weise vom Wohlergehen des Staates abhängt; die Einsicht, daß ein funktionierender Staat der einzige Schutz des Schwachen vor der Willkür des Starken ist; und daraus den Schluß zu ziehen, daß der Staat für jeden von uns eine Instanz von höchster Wichtigkeit darstellt und daher eine Erkrankung einzelner Staatsorgane nicht hingenommen werden darf.
 
Politiker, die sich nicht mit dem deutschen Staat identifizieren können oder wollen, es gar als anstößig betrachten, wenn man es tut, und freimütig den Staat, und damit uns alle, die Teil dieses Staates sind, herabwürdigen und lieber Partikular- oder fremdländische Interessen bedienen, die das Staatsvolk betrügen und belügen und alle Nase lang das genaue Gegenteil dessen tun, was sie öffentlich proklamieren, oder was im besten Interesse des Staates wäre, gar willentlich und absichtlich das Fundament des Staates untergraben und mutwillig zerstören, sind wie ein Krebsgeschwür, das uns allen einen schleichenden Tod bringt.
 
Das Schlimmste an der Sache ist, die Menschen wählen diesen langsamen Tod aus freien Stücken, indem sie alle paar Jahre genau diejenigen in ihren Ämtern bestätigen, die sie die ganze Zeit über schamlos anlügen, verraten, ausnutzen und in aller Öffentlichkeit zugeben, daß sie auf den Staat und alles was ihn repräsentiert und symbolisiert, mit Verlaub, scheißen. Was man einem Arzt, Anwalt oder Verkäufer niemals durchgehen lassen würde, scheint bei Politikern aus unerfindlichen Gründen plötzlich kein Problem mehr darzustellen.
 
Warum sollten die Menschen also im zwischenstaatlichen Bereich erkennen, was ihnen schon auf nationaler Ebene entgeht? Leider hängt ein Großteil der Bevölkerung dem Irrglauben an, daß ein Krieg mit dem ersten Schuß oder einer Kriegserklärung beginnt. Dem ist aber mitnichten so, denn jeder Krieg bedarf einer langwierigen wirtschaftlichen, propagandistischen, geheimdienstlichen und diplomatischen Vorbereitung.
 
Um einige Beispiele zu nennen:
 
Der russisch-japanische Krieg begann nicht am 8. Februar 1904 mit dem Überfall der japanischen Flotte auf Port Arthur, sondern spätestens am 30. Januar 1902 mit dem Abschluß der anglo-japanischen Allianz, die Japan die Option dieses Krieges überhaupt erst eröffnet hat.
 
Der Erste Weltkrieg begann nicht am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Er begann nicht einmal am 28. Juni mit der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand, oder der Planung dieser Ermordung durch serbische Nationalisten und den serbischen Geheimdienst, sondern spätestens mit dem Vertrag von Sankt Petersburg am 31. August 1907 zwischen Großbritannien und Russland, da es dieser dem Zarenreich erlaubte, seine Expansionsbestrebungen auf Südosteuropa zu fokussieren und seine ganze Macht gegen Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich zu richten.
 
Der Zweite Weltkrieg begann nicht am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen. Auch nicht mit Hitlers Rede vor dem Generalstab am 5. November 1937 oder Roosevelts Quarantäne-Rede vom 5. Oktober 1937. Ja, er begann nicht einmal am 7. Juli 1937 mit dem Zwischenfall an der Marco-Polo Brücke, oder 1934, als die Amerikaner anfingen Luftwaffenstützpunkte in China zu bauen und den Japanern kaum verhohlen damit drohten, Tokio in Schutt und Asche zu bomben, sondern spätestens 1929 mit dem Einsetzen der Weltwirtschaftskrise und der darauffolgenden wirtschaftlichen Abschottung der Großmächte. Dies versetzte die übervölkerten Länder Japan und Deutschland, deren Existenz vom freien Zugang zu den Weltmärkten abhing, in eine massive ökonomische, wie gesellschaftliche Zwangslage und stellte sie vor die Wahl: gewaltsame Expansion und Markterschließung oder nationaler Zusammenbruch und Bürgerkrieg.
 
Der Krieg gegen Russland und China hat also längst begonnen – die zunehmend feindselige Propaganda, die Sanktionen und das verstärkte Bemühen einer wirtschaftlichen Entflechtung der beiden Blöcke belegen dies – und es würde mich doch sehr wundern, wenn der erfolgreiche Umsturz in der Ukraine und der versuchte in Weißrussland oder das kürzlich verkündete Militärbündnis zwischen den USA, Großbritannien und Australien, sowie die Versuche Indien und Japan darin einzubinden, nicht konkrete Schritte darstellten, welche die Option einer militärischen Konfrontation vorbereiten sollen.
 
Vom gegenwärtigen Standpunkt aus ist der Ausbruch eines Weltkrieges innerhalb der nächsten zehn bis zwanzig Jahre sicherlich wahrscheinlicher als dessen Vermeidung. Das einzige, das ihn meiner Meinung nach noch verhindern könnte, wäre der staatliche Zusammenbruch eines der beiden Hauptkontrahenten, sprich der USA oder Chinas. Allerdings ist ein solcher momentan nicht abzusehen; überdies könnte er womöglich gar selbst zum Kriegsauslöser werden, wie das Beispiel Japan 1937 zeigt, denn ein Staat, der ohnehin vor dem Kollaps steht, hat nichts mehr zu verlieren, insbesondere wenn die Aasgeier bereits Gewehr bei Fuß stehen, um sich über seinen Kadaver herzumachen.
 
Mit freundlichen Grüßen,
RF


3. Leserbrief

Sehr geehrtes NDS-Team,
 
zu dem o.g. Leserbrief ein Zitat aus einem Artikel im „Fassadenkratzer: „Die Möglichkeit der Machtausübung zieht die egoistischen Machtnaturen an, und so sorgt der „demokratische“ Einheitsstaat für die Auslese der Schlechtesten. Haben sie die Herrschaft über den Staatsapparat errungen, weitet sich ihr Ego ebenso besitzergreifend wie bei Ludwig XIV über den Staat aus. Der Staat gehört ihnen. Die Rekrutierungsorganisationen dieses Menschenschlages werden zu „staatstragenden Parteien“, die sich den Staat zur Beute machen“, Zitat Ende.

Haben diese „staatstragenden Parteien“ die Beute (den Staat) innerlich zerfressen und das abgenagte Staatsskelett wird offensichtlich, muss ein neuer (alter) Feind generiert werden, um a) frische Beute zu erhaschen und b) dem Volk das staatliche Leichentuch nicht präsentieren zu müssen: böte es doch Zeugnis über die egoistische Parteien-Machtgier. Also Ablenkung vom eigenen auf den nachbarlichen Kriegsschauplatz. Das war schon immer so. Ich gehöre der beginnenden Babyboomer-Generation der sechziger Jahre an und habe wie Herr Kersting Angst vor einem 3. Weltkrieg. Allerdings will ich mich dieser Angst nicht hingeben, sonst würde sie mein Denken und Handeln lähmen und versuche ihr daher mit „Logik“ beizukommen, indem ich mir bewußt mache, dass so ein Krieg auch die Mächtigen hinwegfegen wird, früher oder später bei den Möglichkeiten des heutigen Militärarsenals. Dass aus dem Kalten Krieg nach 1945 kein heißer Krieg bis dato wurde, ist nur dem atomaren Gleichgewicht der gegnerischen Waffen geschuldet. Das wissen auch „die da oben“ nur zu gut und deswegen wird lauthals mit dem Säbel gerasselt gen Osten, aber dabei bleibt es. Wer plant bewußt seinen eigenen Untergang? Zudem hat der Westen heute das Glück, im Präsidenten Russlands einen Menschen zu haben, der souverän genug ist, das westliche Bellen amüsant zu beobachten. Hoffen wir, dass es so bleibt.
 
Mit freundlichen Grüßen
Claudia Limlahi


4. Leserbrief

Hallo,

als Info auf den veröffentliche Leserbrief: „Angst vor dem 3. Weltkrieg. Dies mag albern klingen, aber …“ von Ihnen, Herr Patrick Kersting sende ich ein paar Gedanken, die ich mir schon 2015 anhand eines Artikels in der BNN gemacht habe.:

“Am 13.8.2015 fand sich folgende dpa – Meldung  (hier : Version der Badischen Neuesten Nachrichten / Bruchsaler Rundschau (recht klein auf Seite 4 oder so):

Entlarvend ist die Formulierung: „Nato-Manöver machen einen Krieg in Europa nicht wahrscheinlicher“. Ich werte das mal nicht als Verneinung einer Kriegsgefahr.  Wenige Tage später (8.9.2015) hörte man, dass Nato-Abfangjäger (ja, deutsche waren auch dabei, hurra!) russische Langstreckenbomber über internationalen Gewässern abgefangen haben, weil keine Zivilüberflug-Genehmigung (oder so) vorgelegen hat… Wir werden vorbereitet…”

Seit hier wortwörtlich und öffentlich von einer aktiven Kriegsvorbereitung geschrieben wurde (immerhin dpa), mache ich mir auch diese Gedanken und zwar zunehmend, auch wenn es seither nicht mehr so explizit niedergeschrieben wurde. Da ist nix albern.

Die Coronakrise ruiniert zunehmend unsere Rechtsstaatlichkeit (…egal wie man zum Virus steht, muss man das so feststellen), die derzeit stattfindende Klimakatastrophe unsere Lebensgrundlage, aber alles wird nebensächlich, weil die Gefahr eines drohenden humanen Holocaust (im altgriechischen Sinn) von unserem politischen Personal nicht nur nicht vermindert, sondern aktiv befeuert wird…

pessimistische aber freundliche Grüße
Arnold


5. Leserbrief

Ihr Lieben,

ich bin halbe Kroatin und als die Spaltung der Gesellschaft begann, habe ich zu meinem Mann gesagt: so eine Spaltung kenne ich nur aus dem Krieg. Damals habe ich aber nur die Parallele erkannt und nicht weiter gedacht.

Als aber Anfang 2021 China und Russland ein Militärbündis geschlossen haben, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Es wird jetzt ernst, Russland soll endgültig zur Beute gemacht werden und das Militärequipment wurde auch nicht einfach so in Afghanistan vergessen.

Meine Lehrer an einem bayrischen Gymnasium in den 90ern waren damals sehr deutlich: bevor der große Krieg kommt, wird erstmal die Meinungsfreiheit abgeschafft, weil niemand als Demokratie einen Krieg führen will.

Ich glaube das ist es was mit unserer Gesellschaft und allen westlichen Gesellschaften gerade passiert. Wir werden auf Krieg vorbereitet, unsere Gesellschaften entsprechend umgebaut. Das ist jetzt kein Zündeln mehr, die Maschinerie ist am Laufen und wird sich nicht aufhalten lassen.

Ihr könnt das gerne mit vollem Namen veröffentlichen.
Liebe Grüße, Viktoria Ley


6. Leserbrief

Hallo und guten Tag an die Mitarbeiter der sehr notwendigen Nachdenkseiten.
 
Ich habe den Brief, den Sie hier zu dem Thema veröffentlicht haben nur zu bemerken, dass die Einlassungen in dieser Korrespondenz des Lesers auch für mich gelten dürfen. Genau die Argumente bzgl. eines 3. Weltkrieges und seiner Entstehung sind es, die mir ebenso Angst machen. Auch ich habe Kinder und bin durch sie Großvater geworden. Und selbstverständlich mache ich mir gegenüber der Hatz auf Russland ernste Sorgen um den Fortbestand des „Friedens“, der ja unter dieser Prämisse eigentlich schon keiner mehr ist, und somit meine Familie davon unmittelbar betroffen sein wird.

Die ständige, jede Diplomatie vermissen lassende Meinungsgilde, der das Grundrauschen erzeugenden Fraktion der Mehrwisser oder aber auch Meinungsschwindler, tragen im immer fortwährenden Sprachverwirrungsspiel zu einer sich mehr und  mehr verselbstständigenden Kriegsbereitschaft bei, oder zumindest einer ideologisch untermauerten Rechtfertigung eines Waffengangs um die Welt vor den angeblichen Verderbern aus dem Osten zu retten. Zunächst ein edler Gedanke, wenn da nicht die Toten wären. Da der letzte große Waffengang am 8. Mai 1945 in Europa endete, haben jene, die ungeniert über weitergehende Ambitionen der Außenpolitik schwadronieren, schlicht keine Ahnung haben von was sie da nicht reden, sondern faseln.
 
Die Sorgen des Mitbürgers, die er in seinem Brief zum Ausdruck bringt sind real und kein Hirngespinst. Somit teile ich seine Argumentation und Sichtweise.

Um Frieden zu erhalten, gehört selbstverständlich, dass man im Umgang mit seinen Nachbarn und Mitmenschen jeden falschen Zungenschlag vermeidet und im Besonderen darauf achtet, dass auch bei der Geschichtsbetrachtung kein Umschreiben oder Verschweigen wichtiger Parameter der Historie geschieht. Dies betrifft ganz besonders die Rückführung der Krim durch Wahlen in das Staatsgebiet Russlands.. Im Programm des Fernsehsenders  „Phoenix“ , einem Informationsportal von ZDF/SFF/ÖRF/ erstes deutsches Fernsehen, wurde in diesem Wochenprogramm die Geschichte Russlands dargelegt, und oh Wunder, die Verantwortlichen haben sich doch tatsächlich durchgerungen auch die geschichtliche Entwicklung der Krim wahrheitsgetreu zu vermitteln, zumindest aber nicht deformiert. Ich weiß, das liest sich jetzt nicht gut, aber meine geschichtlichen Kenntnisse zur Russisch/Ukrainischen Historie wurden bestätigt.

Gerade hier ist Russland sehr empfindlich und verwahrt sich mit Recht gegen den Versuch westlicher Lesart die Krim sei ein Bestandteil der Ukraine. Das ist eben nicht wahr, denn die Krim wurde von Russland im Jahr 1784 endgültig von der Hohen Pforte Konstantinopel, dem Osmanischen Reich, erobert. Und es war eine deutsche Prinzessin auf dem Zarenthron, Katharina, die Große zusammen mit ihrem Partner Potjomkin, denen dieser Erfolg zu verdanken war.  Und wenn man heute diese Dinge außer Acht lässt im Umgang mit der Großmacht Russland, dann wird das bestimmt nicht besser dadurch, dass ständig die einfachsten Tatsachen in ein absolut inakzeptables Narrativ gehüllt werden, in der Hoffnung dadurch zu einer Position zu gelangen, die gewissermaßen die Rechtfertigung für die Angriffe auf ein Land zu erlangen, das uns niemals angegriffen hat, sondern nach einem Überfall unserer Wehrmacht zurückschlug, was sein originäres Recht ist, war und bleibt.

Deshalb, es muss ein Ende haben mit dieser unseligen Kriegsrhetorik im Wissen um das Elend, das noch heute vom 2. Weltkrieg her präsent ist. Sollte man bei uns glauben, man könne die Nadelstichpolitik immer weiter forcieren, wird man  erschrocken feststellen, dass Russlands Geduld endlich sein könnte.

Vielen Dank für eure Geduld und akribische journalistische Arbeit, die im Meer der Desinformierung als eine der wenigen Inseln aus einem aufgewühlten Ocean herausragen.

Mit herzlichen Grüßen,
W.Schuckmann


7. Leserbrief

Liebe Redaktion der Nachdenkseiten,

vielen Dank für die Veröffentlichung des Leserbriefs von Patrick Kersting. Die dort geäußerten Ängste und Befürchtungen sind mir nicht fremd. Ich sehe ebenfalls diese Gefahren, und auf den NDS gibt es Stimmen, die dies immer wieder thematisieren. Auch wenn es sich für Herrn Kersting so anfühlen mag, er ist nicht allein!

Ich bin mit diesem Thema immer wieder konfrontiert, weil ich an mir persönlich erlebe, wie nachhaltig und weitreichend die psychischen Folgen sind, die durch Kriege ausgelöst werden. Ich habe seit meiner Kindheit immer wieder mit beeinträchtigenden Depressionen zu tun, für die es keine herkömmlichen Erklärungen gibt. Erst in der Auseinandersetzung mit dem Thema Kriegskinder und Kriegsenkel wurde mir klarer, wie nicht verarbeitete Traumata durch die Generationen weitergegeben werden und letztlich als Schatten im Unterbewussten, im persönlichen wie im kollektiven, weiterleben und bei passenden Bedingungen wieder ähnliche Situationen und Strukturen hervorbringen.

Der menschliche Geist ist ja mitunter ein Meister des Vergessens, der Verdrängung und Projektion, immer auch auf der Suche nach dem „Angenehmen“ und dem Vermeiden von „Unangenehmen“. Das ist aus einer eher panoramischen Perspektive betrachtet leider eine recht kurzsichtige Strategie. Die Verdrängung führt dazu, dass man sich nicht mit dem Schatten bewusst auseinandersetzt. Es führt dazu, dass die Frage „Was habe ich damit zu tun?“ nicht mehr als Aufforderung zur persönlichen Auseinandersetzung verstanden wird, sondern Ausdruck einer distanzierenden Abwehr wird.
Und damit beginnt die Projektion auf ein „Außen“, das dann wieder bekämpft werden kann, und muss, weil es wieder mit einer Geschichte aufgeladen wird, die dem Ganzen eine entsprechende Dynamik verleiht.

Wir alle lieben doch die Mythen vom Kampf „Gut gegen Böse“ und die Heldenstorys, die daraus entstehen und die uns Identifikationspotential bieten. Was dabei als gut und böse definiert wird, bestimmt die eigene Motivation, die persönliche wie die kollektive. Auch erscheint es so verlockend, dass „unangenehme Andere“ einfach „wegzumachen“ und dann ist alles gut und in Frieden. Diese Haltung spiegelt sich ja in vielen Bereichen unseres Lebens wider; bspw. auch in der offiziellen Coronabewältigungsstrategie, die ja recht deutlich von Kriegsmetaphern und Hoffnung auf einfache, schnelle Lösungen geleitet ist.

Wenn wir die Frage „Was habe ich damit zu tun?“ jedoch als Aufforderung begreifen können, in den eigenen Geist mal ohne die angelernten reflexartigen Bewertungen zu schauen, die eigenen Gedanken- und Handlungsmuster zu betrachten und zu hinterfragen, kann dies uns tiefgreifende Erkenntnisse darüber vermitteln, wer wir sind und was unser Beitrag ist. Wir identifizieren gewissermaßen die Störungen und destruktiven Muster ohne Umwege direkt im eigenen Geist. Und wir können lernen, damit umzugehen und sie (und damit uns selbst) zu verändern. Wenn uns das individuell gelingt und wenn es vielen individuell gelingt, dann ist das echte Friedensarbeit. Wenn wir zutiefst begreifen und verinnerlichen, wie unsere eigene fragile und flüchtige Existenz von einem immensen Netz von Wechselwirkungen abhängt, dass diese Interdependenz die Grundlage allen Seins ist, dann werden wir als Menschheit in der Lage sein, kooperativere, sozialere, friedlichere Gemeinschaften aufzubauen und auch die derzeitigen Probleme lösen können.

Ohne die Arbeit mit dem eigenen Geist wird sich das allerdings nicht in diesem Sinne verändern, sondern wir manifestieren den nächsten Abgrund.

Es liegt an jedem und jeder einzelnen von uns.

Mit besten Grüßen,
M. Pohl


8. Leserbrief

Liebes Nachdenkseiten-Team,

… Der Beitrag von Patrick Kersting spricht mir so aus dem Herzen, dass es mich nun drängt, mich zu äußern.

Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Es erstaunt mich regelmäßig, wie schwer es ist, selbst in einem gut ausgebildeten, aufgeklärten, politisch sozialdemokratisch oder eher grün zu verortendem Umfeld, Erkenntnisse zu vermitteln, die vermeintlich unstreitig sein sollten. Sicherlich hat niemand „die Weisheit mit dem Löffel gefressen“ und man kann unterschiedlicher Meinung sein, wie wichtig etwa „soziale Gerechtigkeit“ ist oder wie man sie erlangen kann. Dass aber z.B. die Hartz-Gesetzte (abgesehen von viel Leid) auch einen enormen Lohndruck verursacht haben und so der große Niedriglohnsektor mit all seinen negativen Begleiterscheinungen befördert wurde, sollte auf der Hand liegen. Regelrecht besorgt bin ich über das geringe Risikobewusstsein bezüglich des Verhältnisses zu Russland und China und der steigenden Kriegsgefahr. Ich habe eine Diskussion über Außenpolitik sehr gut in Erinnerung. Ich vertrat die Ansicht, dass diese Gefahr real sei und verriet, meine Angst angesichts der Tatsache, nicht zu wissen, wie ich meine Familie schützen sollte. Ich wurde belächelt, die Gefahr wurde bestritten und wenn, dann sei Russland schuld. Zur Erinnerung, ich spreche von einem Personenkreis aus dem gut ausgebildeten eher progressiven Spektrum. Viel wird derzeit über „Fakten“ geschrieben und diskutiert. Auch die Nachdenkseiten bringen regelmäßig Artikel darüber. Ich frage mich oft, warum so viele eine andere Wirklichkeit wahrnehmen als ich (und zweifle nicht selten an mir). Trifft das alles gar nicht zu?

  • Außen- und Sicherheitspolitik ist interessengesteuert. „Menschenrechte“ etc. spielen eher eine untergeordnete Rolle.
  • Nicht nur wir haben Interessen, sondern beispielsweise auch Russland und China. Natürlich auch die USA, die sich allerdings scheinbar für unsere Interessen wenig bis gar nicht interessieren.
  • Die Nato rückt immer enger an Russland heran und beginnt mit der anvisierten erneuten Erweiterung (z.B. Ukraine) rote Linien zu überschreiten.
  • Rund 1.000 Militärbasen der USA stehen 20 Militärbasen Russlands gegenüber.
  • 2020 gaben alleine die USA 778 Mrd. $ für Rüstung aus Das ist 3 X mehr als China und mehr als 12 X höher als die russischen Ausgaben.
  • Regelmäßige Manöver der Nato (z.B. „Steadfast Defender“ oder “Defender-Europe”) – in diesem Jahr sogar u.a. zusammen mit der Ukraine – direkt vor der russischen Haustür bedeuten eine Provokation und erhöhen das Risiko von unbeabsichtigten Kampfhandlungen.
  • Ständige weitere gegenseitige Provokationen (Sanktionen, Abbruch von Gesprächen etc.).

Man könnte die Liste noch lange fortsetzen. Ich will nur noch einen Gedanken darlegen: Ich stamme aus einer nicht akademisch gebildeten Familie; trotzdem haben mich meine Eltern früh zu einem politisch denkenden Menschen erzogen. Ich kann mich deshalb noch gut an die politische Stimmung im kalten Krieg Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre erinnern (meine frühe Jugend). Natürlich gab es auch damals offene und gefährliche Konflikte (z.B. die Auseinandersetzung bezüglich der Mittelstreckenraketen). Nach meiner Wahrnehmung war man jedoch zu dieser Zeit in Ost und West tendenziell bemüht Provokationen möglichst zu vermeiden, Gespräche zu suchen, Konflikte aufzulösen, zu versuchen die jeweiligen Interessen auszugleichen. Das Gegenteil nehme ich heute wahr.

Ich wundere mich, dass dies alles nur so Wenigen auffällt.

Ich gebe zu, mittlerweile nicht selten zu versuchen u.a. die genannten Themen bei Diskussionen zu vermeiden. Man will nicht ständig als Mahner dastehen, der „alles negativ“ sieht. Erst recht will man nicht langjährige Freundschaften mit lieben Menschen gefährden. Es ist ein Dilemma.

Trotzdem hoffnungsvolle und herzliche Grüße aus Mainz
A. H.


9. Leserbrief

Liebes Team der Nachdenkseiten,
sehr geehrter Herr Kersting,

Sie sind nicht alleine mit Ihrer Angst.

Schon eine ganze Weile vor Corona stieß ich auf Texte von Kurt Tucholsky (“Bürgerliche Wohltätigkeit”, “Die freie Marktwirtschaft”, “Die Lösung”),  Erich Kästner (“Hymnus auf die Bankiers”) und Zitate von Antoine de Saint-Exupéry (z.B. „Eine auf dem Profit beruhende Industrie ist bestrebt, Menschen für den Kaugummi und nicht Kaugummi für die Menschen hervorzubringen“. – Man ersetze den Kaugummi durch Nahrungsmittel aus Tüte und Dose). Das sind Texte und Zitate, die kurz vor den Weltkriegen verfaßt wurden.

Es hat mich erschreckt, wie aktuell die Texte sind. Sie spiegeln exakt die heutigen Verhältnisse wider. Die Geschichte wiederholt sich, als ob wir nichts dazugelernt hätten.

Lange Zeit wurde uns das vereinte Europa ohne Grenzen als wunderbare Errungenschaft angepriesen. Auch TTIP war angeblich das Beste, was uns widerfahren konnte.

Als sich jedoch die Menschen weltweit über Grenzen hinweg zusammenschlossen, um Änderungen zu bewirken (z.B. “fridays for future”), wurden im Zuge von Corona wieder Kontrollen an den Grenzen eingeführt. Die Niederländer z.B. hatten andere Informationen und Regeln als die Deutschen. Unstimmigkeiten mit der niederländischen Verwandtschft war vorprogrammiert.  Was ist einfacher, als die Gefahr eines Virus zu beschreien, die Menschen damit von der Straße weg in den Hausarrest zu zwingen und letztendlich gegeneinander aufzuhetzen?

Unsere Demokratie liegt in Scherben. Wurden in früheren Zeiten die Bürger zu unruhig, brach die Obrigkeit einen Krieg vom Zaun. Agressivität wurde auf diese Weise in Bahnen gelenkt. Zurzeit ist es bekanntermaßen der Krieg gegen Corona. Trotzdem – oder gerade deswegen werden die Bürger immer agressiver. Wäre die Befürchtung so abwegig, daß demnächst ein echter Krieg ausbrechen könnte – mit allen Waffen, die dem Militär zur Verfügung stehen?

Seit Ausbruch von Corona gibt es in den öffentlich-rechtlichen Medien kaum noch aktuelle Reportagen zu Themen bzgl. Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Politik. Eine meiner ersten Fragen war: Was wird durch die Corona-Berichterstattung verschleiert? Der Sender Phönix hat 2020 eine Programmänderung vorgenommen und statt einer neuen Wirtschaftsreportage einen älteren Bericht mit apokalyptischen Bildern über tödliche Seuchen gebracht, während auf den anderen Sendern zeitgleich Sondersendungen über Corona liefen. U.a. zeigte man, wie sich die Särge in Italien stapelten.

Auch ich werde mit meiner Befürchtung hinsichtlich eines Krieges mitleidig belächelt. Aber meine Zweifel sind da und lassen sich nicht zerstreuen. Ich kann nur hoffen, daß wir irren.

Mit freundlichen Grüßen
I.St.


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