Myanmar, Daw Aung Suu Kyi und die Revolution – Teil 1/3: Die frühen Jahre
Myanmar, Daw Aung Suu Kyi und die Revolution – Teil 1/3: Die frühen Jahre

Myanmar, Daw Aung Suu Kyi und die Revolution – Teil 1/3: Die frühen Jahre

Marco Wenzel
Ein Artikel von Marco Wenzel

Am 19. Juli 1947, sechs Monate bevor Myanmar in die Unabhängigkeit entlassen wurde, leitete Aung San, der stellvertretende Vorsitzende des Exekutivrats des britischen Gouverneurs und damit De-facto-Regierungschef, gerade eine Sitzung in der damaligen burmesischen Hauptstadt Rangun. Aufständische Soldaten stürmten den Sitzungssaal und erschossen neun der Kabinettsmitglieder, darunter auch Aung San, den Ehemann von Khin Kyi. Er hinterließ drei Kinder, darunter die spätere Staatsrätin und Regierungschefin von Myanmar, die damals erst zweijährige Aung Suu Kyi. Der Sozialist U Nu übernahm den Posten von Aung San als Premierminister. Der Anführer des Todeskommandos wurde gefasst und gehängt. Von Marco Wenzel.

In den Kriegswirren hatte Aung San eine kleine Gruppe von Gegnern der britischen Kolonialmacht mit dem Ziel um sich geschart, die Briten aus Burma zu vertreiben und einen unabhängigen Staat zu gründen. Legendär wurde die Gruppe von Männern als die „Dreißig Kameraden“. Die Dreißig Kameraden wurden die Väter der burmesischen Unabhängigkeit und Gründer der Armee, die später zu den unseligen Tatmadaw verkommen und einen eigenen Staat im Staat bilden sollten. Dazu mehr weiter unten.

Zuerst wandten die Dreißig Kameraden sich an Japan, das unter der Parole „Asien den Asiaten“ dasselbe Ziel wie die burmesischen Patrioten, nämlich die Vertreibung der englischen Kolonialmacht aus Asien, zu verfolgen schien. Die Japaner erkannten ihre Chance, bildeten die Kameraden in Japan militärisch aus und unterstützten sie mit Waffen. Zusammen mit den Japanern rückten die Dreißig Kameraden unter Aung San mit einer kleinen Armee Anfang 1942 in Burma ein und vertrieben die Engländer aus Burma.

Als sich aber herausstellte, dass Japan in Burma ein faschistisches Marionettenregime errichten wollte und, nach der Vertreibung der Briten, keineswegs gewillt war, Burma den Burmesen zu überlassen, wandten Aung San und seine Kameraden sich an die Alliierten, erklärten Japan den Krieg und zusammen gelang es ihnen, Japan wieder aus Burma zu vertreiben.

Der Mord an Aung San sechs Monate vor der Unabhängigkeit Burmas war für Burma ein herber Rückschlag, weil Aung San die wichtigste Integrationsfigur war. Im Februar 1947, fünf Monate vor seinem Tod, hatte er in einer Konferenz in Panlong, im Shan-Staat des heutigen Myanmar, ein Abkommen mit den ethnischen Minderheiten der Shan, Kachin und Chin unterzeichnet, das ihnen ihre Rechte in einem zukünftigen föderalen Staat garantierte. Ein erster wichtiger Schritt für die Integration der etwa 135 verschiedenen ethnischen Gruppen in einem späteren föderalen burmesischen Staat. Aung San war einer der Wenigen, denen die Minderheiten vertrauten. Der föderale Staat wurde nie Wirklichkeit und die, oft bewaffneten, Auseinandersetzungen der ethnischen Gruppen mit der von den Bamar kontrollierten Zentralregierung, der größten Ethnie in Burma, begannen Ende 1949 und dauern bis heute an.

Am 4. Januar 1948 wurde Burma in die Unabhängigkeit entlassen und es schloss sich bis zum Militärputsch von 1962 eine demokratische Phase an, mit sozialistischen und buddhistischen Leitmotiven, allerdings stets unter der Vorherrschaft der Bamar, der auch Aung Suu Kyi angehört.

Wir wollen hier 40 Jahre überspringen. Wir möchten nur erwähnen, dass Aung San Suu Kyi, so ihr voller Name, in Indien aufwuchs, wo ihre Mutter als Botschafterin tätig war, und dass sie später in Oxford studierte. Von 1969 bis 1971 arbeitete sie im UN-Sekretariat in New York. 1972 heiratete sie den englischen Tibetforscher Michael Aris und zog mit ihm wieder nach Oxford. Die beiden haben zwei Söhne. 1985 bis 1986 studierte Aung Suu Kyi in Kyoto, Japan, und zog danach mit ihrem Mann nach Nordindien, wo Aris eine Anstellung an der Universität von Simla bekommen hatte. 1999 verstarb Michael Aris in England.

Burma in den 1980er Jahren

Die Kommunistische Partei Burmas, die zusammen mit Aung Sans „Partei gegen den Faschismus“ (AFPPL) erst gegen die Briten und dann gegen die Japaner für die Unabhängigkeit gekämpft hatte, wurde 1948 verboten. Sie ging in den Untergrund und führte seither den bewaffneten Kampf gegen die Regierung in Rangun. Aung San war einst eines der Gründungsmitglieder der CPB gewesen. Die CPB setzte sich vornehmlich im Nordosten Burmas fest, wo sie von der chinesischen KPCH unterstützt und mit Waffen versorgt wurde. Ziel war es, gemäß der maoistischen Strategie, erst einmal das Land zu gewinnen und dann die Städte zu erobern, irgendwann einmal von dort über Zentralburma nach Rangun vorzustoßen, Rangun einzunehmen und die Regierung zu stürzen. Erst 1989 zerfiel die CPB, nach einem Putsch gegen die Parteiführung, in einzelne Gruppen.

Auch die ethnischen Gruppen, deren Zusagen auf Autonomie nach dem Tod von Aung San nicht eingehalten wurden, griffen 1949 zu den Waffen. Ihre Forderungen waren, je nachdem, eine größere Autonomie oder die Unabhängigkeit. Je nach aktueller Lage bildeten sie Allianzen untereinander oder bekämpften sich auch gegenseitig, einige schlossen auch zeitweilige Abkommen mit dem Militär. Vor allem aber bauten sie zur Finanzierung ihrer Waffenkäufe und ihrer Guerillaaktionen den Opiumanbau und später die Herstellung von Heroin aus. Die Grenzen zwischen Freiheitskämpfern und Drogenbaronen, die nur für die eigene Tasche wirtschafteten und mit dem Freiheitskampf nichts am Hut hatten, wurden zunehmend fließend und auch die CPB verdiente mit am Drogenhandel.

Burma wurde seit den 1960er Jahren zum größten Exporteur von Heroin weltweit. Die Heroinfabriken an den Grenzen zu Thailand und China waren gut organisiert und wurden von eigenen Armeen geschützt. Der Drogenbaron Khun Sa z.B. verfügte in den 1980er Jahren über eine Armee von über zwanzigtausend Soldaten zum Schutz seines Territoriums und seiner Heroinfabriken. Khun Sa war nicht der einzige, wenn auch vielleicht der bekannteste Drogenbaron mit eigener Armee in der Region. Legendär wurde das „goldene Dreieck“, im Dreiländereck von Laos, Thailand und Burma gelegen, wo die Heroinfabriken sich auf burmesischem Boden befanden, die Exportrouten durch Thailand nach Bangkok gingen oder über Laos und China nach Saigon und Hong Kong und von dortaus die Drogen jeweils tonnenweise in alle Welt verschifft wurden. Bangkok, Hong Kong und Saigon, das heutige Ho Chi Minh City, wurden zu den größten Umschlagplätzen für Heroin weltweit, die Drogen wurden mit Konvois, geschützt durch bestechliche Beamte, tonnenweise über den Landweg zu den Häfen transportiert.

Im Vietnamkrieg war schätzungsweise ein Viertel aller amerikanischen Soldaten heroinsüchtig, das Heroin wurde von Händlern sogar direkt in die Kasernen geliefert. Zu Hause dann war der Kampf gegen die vietnamesischen Kommunisten zwar vorbei, die Heroinabhängigkeit aber blieb und das Heroin kam weiterhin aus dem goldenen Dreieck bis nach New York und Chicago. Heute hat die Drogenproduktion in Myanmar immer noch Hochkonjunktur, sie wurde aber auf Amphetaminpillen (Ya Ba) umgestellt und beliefert jetzt vornehmlich den asiatischen Markt. Und der Erlös dient nicht mehr nur allein dem Waffenkauf für die Unabhängigkeit, sondern der Finanzierung ganzer Unternehmen in Immobilien, Bergbau, Hoch- und Tiefbau usw. Gangstersyndikate haben längst den Markt übernommen. Und, wie könnte es auch anders sein, die Tatmadaw verdient mit. Ohne den Sturz der Tatmadaw und die Einbeziehung der ethnischen Gruppen in eine föderale Republik Myanmar wird das Drogenproblem im goldenen Dreieck und in den von den Aufständischen kontrollierten Gebieten niemals zu lösen sein. Alle Länder in der Region haben heute ein immenses Drogenproblem, es wäre auch in ihrem Interesse, wenn Myanmar geeinigt und eine zivile Regierung bekommen würde.

Im Jahre 1962 übernahm das Militär durch einen Putsch die Macht und bis 2016 hatte Burma keine Zivilregierung mehr. (Inwieweit man aber überhaupt von einer „Zivilregierung“ sprechen kann, dazu mehr in Teil 2 & 3). Das Militär herrscht seit 60 Jahren ununterbrochen in Myanmar, damals noch Burma. Das Militär gab vor, einen „sozialistischen Staat“ aufzubauen, in Wirklichkeit verfolgte es seine eigenen wirtschaftlichen Interessen und baute seine Macht aus. Es schottete das Land von der Außenwelt ab und machte aus dem einst reichsten Staat in Südostasien ein Armenhaus. Das Militär entwickelte sich zu einem Staat im Staat, gleich einer Besatzungsarmee im eigenen Land. Es sonderte sich von der Bevölkerung ab und lebt heute in einer eigenen Welt mit Privilegien, die nur für sie gelten. Eine Demokratie in Burma wäre das Ende der Tatmadaw und ihres Imperiums auf Kosten der Bevölkerung. Seit 1949 herrscht in Burma ununterbrochen Bürgerkrieg. Die Bevölkerung Burmas protestierte bei unzähligen Gelegenheiten gegen die Militärjunta und wurde immer wieder mit brutaler Gewalt geschlagen.

Rückkehr nach Burma

Die politische Karriere von Suu Kyi begann im Jahre 1988, als sie im April nach Burma zurückkehrte, um ihre Mutter nach einem Schlaganfall zu pflegen. Burma befand sich 1988 in einer turbulenten Phase. Der Unmut der Bevölkerung gegen die Tatmadaw war gerade am Hochkochen.

Im September 1987 hatte die Militärjunta über Nacht per Dekret die 25-, 35- und 75-Kyat-Geldscheine für ungültig erklärt und sie durch neue Geldscheine von 45 und 90 Kyat ersetzt. Ein Umtauschrecht bestand nicht. Damit waren über Nacht mehr als die Hälfte der sich im Umlauf befindlichen Geldscheine wertlos. Am meisten betroffen waren die armen Leute, darunter auch die Studenten, die gerade zu der Zeit ihre Studiengebühren zahlen mussten und nun wertloses Geld in der Tasche hatten.

Schon die ungewöhnlichen Geldscheine von 35 und 75 Kyat waren das Ergebnis des Aberglaubens von Ne Win, dem Putschisten von 1962, der noch immer Vorsitzender der Regierungspartei BSPP (Burmese Socialist Programme Party) war und der bereits die 100-Kyat-Scheine abgeschafft hatte. Die Einführung der ungewöhnlichen Noten von 45 und 90 Kyat geschah deshalb, man glaubt es kaum, weil sein Wahrsager und „Hofastrologe“ ihm gesagt hatte, die Neun sei seine persönliche Glückszahl und weil sowohl 45 als auch 90 durch neun teilbar sind.

Am 12. März 1988 gerieten Studenten aus nichtigem Anlass in einer Schlägerei in einer Teestube in Rangun mit betrunkenen Gästen aneinander. Es wurde Strafanzeige gestellt und die Polizei nahm die Schläger fest. Es stellte sich heraus, dass einer der Beschuldigten, die die Schlägerei provoziert hatten, der Sohn des von der Regierung ernannten Vorsitzenden des „Volksrates“ war. Die Studenten zogen daraufhin zum Amtssitz des Volksrates. Militär zog auf und schoss auf die Studenten. Mehrere Studenten wurden verwundet und mindestens ein Student getötet. Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Am 18. März protestierten Tausende in den Straßen von Rangun gegen die Junta.

Die Junta reagierte mit massiver Gewalt und knüppelte die Demonstration nieder. Mindestens 42 junge Leute starben. Aber die Protestaktionen gingen weiter. Am 23. Juli erklärte Ne Win seinen Rücktritt als Parteichef der BSPP. Am 1. August riefen die Studenten zum Generalstreik auf, der am 8. August 1988 um 8 Uhr und 8 Minuten begann. (8-8-88) Und wieder gingen tausende Menschen auf die Straße und forderten die Wiederherstellung der Demokratie von vor 1962. Die Demonstrationen breiteten sich im ganzen Land aus. Erneut schoss das Militär in die Menschenmenge und tötete unzählige Demonstranten. Erst am 13. August wurde das Morden beendet. Das Volk ließ sich nicht beeindrucken und rief einen neuen Generalstreik für den 25. August aus. Diesmal nahmen Millionen von Menschen an den Demonstrationen teil.

Die größte Kundgebung fand am 26. August statt und hier hielt Aung Suu Kyi ihre erste Rede. Sie musste sich zu Fuß den Weg durch die Menschenmenge bahnen. Auf der Rednertribüne hing ein großes Portrait ihres Vaters, des Nationalhelden Aung San, der alles verkörperte, was Burma hätte werden können ohne den Putsch von 1962. Niemand kannte Suu Kyi bisher, man wusste nur, wessen Tochter sie war. Suu Kyi begann zu sprechen und eroberte im Nu die Herzen der Anwesenden. Ab diesem Tag hatte die Demokratiebewegung in Burma ein gewaltiges Sprachrohr und eine neue Anführerin.

Die Streik- und Protestbewegung, die am 8. August begonnen hatte, endete am 18. September in einem erneuten Blutbad. Die Junta wechselte einige Personen aus, nannte sich fortan SLORC (State Law and Order Restoration Council) und regierte weiter unter Kriegsrecht. Das Ausland reagierte entsetzt, verurteilte das Massaker und viele Länder brachen ihre Beziehungen zu Burma ab. Aber außer Worthülsen kam keine konkrete Hilfe aus dem Ausland für die junge Protestbewegung. China und Russland blockierten eine Verurteilung Burmas im UN-Sicherheitsrat.

Sowohl die Kommunistische Partei als auch die ethnischen Gruppen hatten von den Unruhen in Rangun nur wenig mitbekommen und hatten auch nicht eingegriffen. Sie waren viel zu sehr mit ihren eigenen Kämpfen untereinander sowie mit ihren (Drogen-)Geschäften beschäftigt. Die Ereignisse im fernen Rangun interessierten sie kaum. Ausgerechnet in den Wochen der Demonstrationen in Rangun hatten sie ihre Gefechte mit der Junta eingestellt, dabei hätte ihr Eingreifen entscheidend zum Sturz der Junta beitragen können. 1988 stand das Regime vor der größten Herausforderung, seit es sich 1962 an die Macht geputscht hatte.

Kurz darauf, am 24. September 1988, wurde die NLD gegründet, Suu Kyi wurde Generalsekretärin. Sie bereiste zwischen Oktober 1988 und Juli 1989 ganz Burma und hielt in allen Städten und Dörfern unterwegs Reden vor begeisterten Menschenmengen. Das wiederum beunruhigte die Junta, sodass Suu Kyi am 20. Juli 1989 verhaftet und unter Hausarrest gestellt wurde. Zeitgleich wurden zahlreiche Führungskader der NLD verhaftet und ins Gefängnis gesteckt.

Nach der Niederschlagung der Proteste am 18. September hatte das Regime freie Wahlen angekündigt und versprochen, die Macht an die Partei abzugeben, die gewinnen würde. Jetzt, nachdem die NLD besiegt und ihre Anführerin unter Hausarrest stand, begann das SLORC mit der Vorbereitung der Wahlen, die es ohne nennenswerte Opposition zu gewinnen hoffte.

Die Junta beherrschte die Medien, die Zeitungen, das Radio und das Fernsehen. Die ersten freien Wahlen seit 1962 fanden im Mai 1990 statt. Das SLORC aber hatte den Hass gegen die Junta in der Bevölkerung unterschätzt und die Menschen wählten mit überwältigender Mehrheit die NLD und andere mit ihr verbündete Parteien in den ethnischen Gebieten. Die Wahl war ein Referendum gegen die Militärdiktatur.

Natürlich dachte das SLORC jetzt nicht im Traum daran, wie versprochen die Macht an eine Zivilregierung abzugeben. Stattdessen behauptete es, zuerst müsse eine Verfassung ausgearbeitet werden und bis dahin würde das SLORC die Regierung weiterführen. Die Kandidaten der NLD wurden inhaftiert und die Wahlergebnisse wurden ignoriert. Die Reaktion der NLD darauf war aufgrund ihrer Politik des gewaltlosen Protestes entsprechend schwach. Sie verabschiedete bloß eine Resolution, in der sie das SLORC aufforderte, zurückzutreten, in einen Dialog einzutreten und die Macht an eine Zivilregierung abzugeben. Das SLORC aber dachte nicht an einen Dialog und setzte seine Macht auf bewährte Art und Weise mit den Gewehrläufen durch.

Am 8. August, dem zweiten Jahrestag des Aufstandes von 1988, gingen die Mönche auf die Straße. Das Militär verprügelte sie, woraufhin die Mönche die Annahme von Almosen von den Angehörigen des Militärs verweigerten. Das kam in dem tief religiösen buddhistischen Burma einer Exkommunikation gleich. Denn nach buddhistischem Glauben wird nicht der Empfänger von Almosen beschenkt, sondern er gibt dem Spender Gelegenheit, Gutes zu tun, um damit sein Karma zu verbessern und irgendwann dem Zyklus der Wiedergeburten zu entrinnen und ins Nirwana zu kommen. Darum ziehen in buddhistischen Ländern die Mönche jeden Morgen in aller Frühe mit ihrer Bettelschale durch die Straßen. Die gläubigen Buddhisten legen etwas Essbares, meist ein paar Löffel Reis, in die Bettelschale und verbessern damit ihr Karma. Nicht der Empfänger, sondern der Gebende wird so beglückt. Ein Mönch kann niemanden schlimmer bestrafen als dadurch, dass er die Annahme des Almosens verweigert.

Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass das Militär gegen die Mönche vorgehen würde, aber das Militär stürmte im Oktober 1990 alle Klöster, die gegen das Militär waren, und verhaftete die Mönche. Viele wurden ins Gefängnis geworfen, andere ermordet. Auch Abgeordnete der NLD für das Parlament, das nie zusammentreten konnte, wurden verhaftet und eingesperrt. Ende Oktober 1990 war das Ende der Demokratiebewegung besiegelt. Es sollte bis 2007 dauern, bis sich wieder Massenproteste zeigten.

Am 18. Juni 1989 wurde Birma in Myanmar und die Hauptstadt Rangun in Yangon umbenannt. Suu Kyi verbrachte von den 21 Jahren zwischen Juli 1989 und November 2010 insgesamt 15 Jahre unter Hausarrest. Die internationale Gemeinschaft wollte ein Zeichen setzen und 1991 bekam Aung Suu Kyi den Friedensnobelpreis. Die Militärjunta näherte sich, geschmäht vom Westen, immer mehr an China an, das Land blieb weiterhin abgeschottet unter einer Militärdiktatur.

Titelbild: Kyaw Pyae Lwin/shutterstock.com