Uns geht es gut!
Uns geht es gut!

Uns geht es gut!

Jens Berger
Ein Artikel von: Jens Berger

Inflation, steigende Energiepreise, Menschen, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Heiz- oder Mobilitätskosten bezahlen sollen … man könnte bei solchen Meldungen glatt auf die Idee kommen, dass die sagenhafte Erfolgsgeschichte unserer bunten Republik Deutschland erste Risse bekommt. Aber glauben Sie bitte nicht alles, was in den Zeitungen steht. Uns geht es gut! Besser denn je! Und das lässt sich auch durch Zahlen belegen, wenn man mal die linkspopulistische Rosinenpickerei beiseitelässt, mit der diese Neiddebatte geführt wird. Eine Glosse von Jens Berger.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Wenn es abseits ideologischer Scheuklappen einen wahrlich objektiven Gradmesser für Gerechtigkeit gibt, dann ist dies der Markt. Der Markt irrt nie. Es mag ja sein, dass Benzinpreise oberhalb der Zwei-Euro-Marke eine Kuriosität sind. Wenn Benzin aber wirklich (zu) teuer wäre, dann würden unsere lieben Mitbürger sich doch sparsamere Autos kaufen oder halt mit dem Taxi zum Golfplatz fahren. Doch das Gegenteil ist der Fall. Deutschlands beliebtestes Auto ist zurzeit die G-Klasse von Mercedes – ein vor allem in städtischen Ballungsräumen sehr beliebter Geländewagen mit der Windschnittigkeit einer Schrankwand; fast 600 PS und im Alltag kaum mit weniger als 30 Litern gutem Super zu fahren. Diese drei Tonnen puren Understatements sind so beliebt, dass Mercedes nun einen Verkaufsstopp für die komplette Serie verhängen musste – erst 2024 werden wieder Neubestellungen aufgenommen.

Und die G-Klasse ist mit ihrem großen Erfolg beim gemeinen Volk nicht alleine. Zahlreiche spritfressende Autos für das untere Management der Hersteller Mercedes, Porsche, Range Rover, Land Rover, BMW und Audi sind so beliebt, dass sie zurzeit Lieferzeiten von über einem Jahr haben. Für echte Luxuskarossen braucht man schon Beziehungen, die sind zurzeit wegen der hohen Nachfrage sonst gar nicht käuflich zu erwerben. Verbrauchsarme Kleinwagen von Honda, Fiat, Opel oder Toyota könnte der Verbraucher jedoch gleich mitnehmen und womöglich beim Händler für sie auch noch einen fetten Rabatt aushandeln. Aber da es uns ja so gut geht, will das niemand. Das ist verständlich.

Und was sollen diese Horrormeldungen über steigende Bierpreise? Wer trinkt schon Bier? Echte Erfolgsmeldungen können stattdessen die Champagner-Hersteller vermelden. Deren Absatz stieg im letzten Jahr um stolze 32 Prozent auf 322 Millionen Flaschen. So viel Schampus wurde noch nie gesoffen. Mit Champagner wurden im letzten Jahr 5,5 Milliarden Euro Umsatz erzielt – das ist schon fast so viel wie der Umsatz der kompletten deutschen Brauwirtschaft.

Uns geht es gut und daher kaufen wir den preiswerten Fusel – wenn überhaupt – nur, um ihn in Care-Paketen den armen Ukrainern zu schicken. Wir selbst greifen lieber zum Single Malt Whisky ausgesuchter schottischer Destillerien. Deren edle Tropfen sind so beliebt, dass die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt. Konnte man einen ordinären Macallan Classic Cut 2017 – ein Whisky, der noch nicht einmal eine Altersangabe hat – noch vor den Corona-Lockdowns für 130 Euro erwerben, so wird er heute bei rund 1.200 Euro gehandelt. Ein Spottpreis, der 18-jährige Macallan von 1975 geht nicht für weniger als 2.500 Euro über die Ladentheke. Da sehen Sie mal, wie gut es uns geht. Die durchschnittlichen Preise für Whisky haben sich in den letzten zehn Jahren im Schnitt verdreifacht und aktuelle Analysen des weltgrößten Whiskyhändlers „The Whisky Exchange“ sagen eine weitere Verdreifachung noch in diesem Jahr vorher. Als Grund wird vor allem die steigende Nachfrage nach edlen Tröpfchen genannt. Was geht es uns doch gut.

Uns geht es so gut, dass wir es auch nicht mehr nötig haben, billige Quarzuhren aus China oder Japan zu kaufen. Wer heute einen Chronometer der begehrten Marken Rolex, Audemars Piguet oder Patek Phillipe erwerben will, kann sich im Grunde den Weg zum Vertragshändler sparen. Diese Uhren sind auf ungewisse Zeit ausverkauft und die Wartelisten sind voll. Hier sieht man, dass wir heute in einer klassenlosen Gesellschaft leben, in der jedermann die gleiche Chance hat. Egal ob Sie Hedge-Fonds-Manager sind oder Zeitungen austragen – auf der Warteliste des Rolex-Händlers Ihrer Wahl haben Sie ohnehin keine Chance. Aber der Markt hat hierfür natürlich eine Lösung. Wer nicht endlos warten will, kann sich schließlich auch eine gebrauchte Uhr kaufen. Kostet die Standardvariante der beliebten Rolex Daytona neu 13.550 Euro, werden für ein gebrauchtes Modell zurzeit im Schnitt 48.616 Euro aufgerufen. Da können Sie mal sehen, wie gut es uns geht und welche Bedeutung das Einsparen von Ressourcen bei unserer Kaufentscheidung heute spielt.

Wo Sie auch hinschauen: Es sind nicht die Preise für alltägliche Güter, sondern die Preise für Luxusgüter, die in den letzten Jahren förmlich explodiert sind. Wen interessiert schon die Miete für eine 2-Zimmer-Wohnung in den Plattenbauten von Halle? Dort will ja niemand wohnen. Uns geht es so gut, dass wir alle auf dem Prenzlauer Berg in Berlin oder der Münchner Maxvorstadt leben wollen, wo man für einen Parkplatz in der Tiefgarage mehr bezahlt als für ein Mehrfamilienhaus in Sachsen-Anhalt.

Lassen Sie sich also bitte von der defätistischen linken Propaganda in den Medien nicht verrückt machen. Solange die Politik nicht auf die Idee kommt, unsere Einkommen oder – Gott bewahre – unsere Vermögen höher zu besteuern und uns Geld wegzunehmen, um es weniger fleißigen Menschen zu geben, wird es uns auch weiterhin gut gehen. Deutschland ist und bleibt ein Erfolgsmodell – zumindest dann, wenn man es aus dem Porsche heraus betrachtet.

Titelbild: View Apart/shutterstock.com

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