Leserbriefe zu „Wir sind Weltmeister im Maulheldentum“

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In diesem Beitrag hinterfragt Jens Berger die politisierte Berichterstattung vor allem der Öffentlich-Rechtlichen über die Fußball-WM in Katar. Die Botschaft sei, „Wir sind die Guten!“. Bekannt sei, dass „Katar Defizite bei der Gleichberechtigung und der Akzeptanz Homosexueller hat und die FIFA ein durch und durch korrupter Haufen ist“. Aber niemand stelle die Frage, „warum ARD und ZDF eben dieser korrupten und bösen FIFA stolze 214 Millionen Euro an Gebührengeldern überwiesen haben, um die WM übertragen zu dürfen“. Sicher sei bei denen noch niemand auf die Idee gekommen, das Auftaktspiel der deutschen Mannschaft gegen Japan einfach nicht auszustrahlen. Danke für die interessanten E-Mails. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe, die Christian Reimann für Sie zusammengestellt hat.


1. Leserbrief

Lieber Jens Berger,

wie wahr:

Gegen die Russen `ne dicke Lippe und jede Menge Waffen – zur Verteidigung der Freiheit.

Gegen die FIFA ein krachendes Einknicken – so verteidigt man westliche Werte.

Zum Maulheldentum gesellt sich das Hasenfüßige – eine wunderbare Melange.

Beste Grüße
Dietrich Brauer


2. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,
 
bereits nach dem Eklat um die Beleuchtung der Münchner Arena während der EM im letzten Jahr war klar, dass die Regenbogenfarben auch bei der WM keine Rolle spielen werden. Warum sie in den Medien trotzdem thematisiert wurden, wird in Ihrem Artikel recht gut deutlich. Schlitzohrig wurde dann kurzfristig eine one-love-Binde eingesetzt. Sie steht quasi für alles außer gegen Russlandfeindlichkeit und die Diskriminierung Ungeimpfter. Aber auch dieser wurde schnell der Garaus gemacht. Um dennoch in der ganzen Welt ein Statement zu verbreiten, schlage ich vor, dass die Spieler als Zeichen gegen die Diskriminierung Transsexueller und Frauen in Miniröcken auflaufen ( Pumps sind wegen der Verletzungsgefahr vermutlich verboten) und in Gedenken an die vielen Zwangsarbeiter in Katar einen Kopfverband tragen, wobei der künstlerischen blutroten Farbgestaltung keine Grenzen gesetzt werden sollten. Der zu erwartende Aufschrei des Wertewestens – auch Kritik darf sich in ihrer Darstellung nur innerhalb des durch die Meinungsmacher festgesteckten Rahmens bewegen – würde die Heuchelei in dieser Thematik noch einmal verdeutlichen.
 
Mit freundlichen Grüßen
Sabine Kurzidim


3. Leserbrief

geehrtes NDS- Team,

was bei dieser WM dem Publikum an fetttriefender moralischen Überheblichkeit von Journalisten und Politikern geboten wird ist widerwärtig.  Leider lässt sich der DFB und auch die deutsche Elf vor diesen Karren spannen. Fussball ist tatsächlich  absolute Nebensache geworden – nur  sog. Haltung zählt: aber es ist die Haltung des neuen Herrenmenschen,der jegliche andersartige Meinung  oder Kultur ausradieren will.Die predigen die ganze Zeit Diversität ,können aber andere Kulturelle Auffassungen nicht mehr ertragen- spielen sich als die Oberlehrer Europas auf.Da lob ich mir den französischen Mannschaftskapitän,der weniger auf Haltung aber mehr auf Respekt baut. Was für ein geistiges Armutszeugnis das hier für Deutschland abgegeben wird .

Ich habe den Japanern die Daumen gedrückt,dem  Doppelmoralweltmeister will ich nicht mehr zujubeln.

mit freundl. Grüßen : Bruno Kählig


4. Leserbrief

Lieber Herr Berger,

ich möchte Ihren Beitrag über die Fußball-WM einmal unter einem anderen Aspekt beleuchten. Haben Sie die beiden Staffeln der neuen Fernsehserie „Das Netz“ gesehen? Zugegebenermaßen bin ich mehrfach dabei eingeschlafen, aufgrund der Sendezeit und der gähnenden Leere, die sich zuweilen in den Handlungsabläufen ausbreitete. Eines war trotzdem auffällig: wann hat es das schon einmal gegeben, dass in solch massiver Form der hier fiktiv benannte internationale Fußballverband angegriffen wurde? Auch dürften die Produktionskosten für dieses Machwerk nicht gerade gering gewesen sein. Es mag sein, dass ich mich irre, aber für mich hat es den Anschein, dass hier der allmächtige (durchaus kritikwürdige) Fußballverband „abgeräumt“ werden soll. Er stellt ein mächtiges, kaum kontrollierbares Bollwerk mit eigenen Ansprüchen dar, welches m.E. bisher noch nicht von den neuen Eliten eingehegt werden konnte. Man wird sehen, wie das weiter geht. Herrn Infantino hat man ja schon einmal angekündigt, dass man seine weitere Präsidentschaft nicht unterstützen werde. Es würde mich nicht wundern, wenn an seiner Stelle demnächst ein Young Global Leader auf dem Posten sitzt.

Im übrigen gibt es noch andere Institutionen, die mit ihrem Wirken nicht mehr so richtig in das Bild der neuen Weltordnung passen. Ich denke da zum Beispiel an die Kirchen. Kreuze abzuhängen, wie im Münsteraner Friedenssaal und die Intention Claudia Roths, Bibelsprüche am Berliner Stadtschloss abzudecken, sind doch klare Botschaften. Allerdings sind die Kirchen mutmaßlich leichter zu handhaben, als die FIFA.

Mit freundlichen Grüßen
Björn Ehrlich


5. Leserbrief

Sehr geehrte Redaktion,

vielen Dank für immer wieder ganz wichtige Artikel. Es ist ein Glück, dass in dieser schweren Zeit noch eine Stimme aus dem Dunkel etwas Hoffnung ertönen lässt.

Zum Artikel: Wir sind Weltmeister im Maulheldentum

In Deutschland war Schwulsein bis 1969 strafbar mit Zuchthaus. $175 StGB wurde dann mal abgeschafft.. Jedoch ist jede/r, der nach diesem alten Paragrafen verurteilt wurde, nach heutiger Lesart vorbestraft, also ein Verbrecher! Die Urteile wurden nämlich nicht aufgehoben.

Es wäre schön, würden sich unsere Medien mehr um Dreck kümmern, den wir vor der eigenen Haustür haben, als immer auf Andere loszugehen.
Aber dort stuft man diese traurige Erkenntnis wohl nur als quer gedacht oder faktengefälscht ein. Deswegen prügelt man andere.

Jedoch, das ist eine vom Bund herausgegebene Ausarbeitung. Die sollte doch woke sein!
antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/Rechtsgutachten/rechtsgutachten_burgi_rehabilitierung_175.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Mit freundlichen Grüßen
Detlef Orlowski


6. Leserbrief

(Chapeau, Herr Berger, journalistisch wie immer allererste Sahne!
Danke für Ihre geistreiche …)

Die kleptokratisch verseuchte FIFA muss man ja nicht mehr kommentieren.

Aber wie aufschlussreich und entlarvend …geht’ s beim DFB noch erbärmlicher!

So wohlfeil sind sie:

Die “Westlichen Werte“ gegen eine “Gelbe Karte!“

F. Schulz


7. Leserbrief

Sehr geehrtes Nachdenkseiten-Team, sehr geehrter Herr Berger,

wieder einmal ein hervorragender Beitrag. Danke dafür.

Das Buch: “Glaube wenig, Hinterfrage alles, Denke selbst” kann ich jedem empfehlen, der noch an die „westlichen Werte“ und deren Medien glaubt.

Mir pers. ist “Ihr seit Weltmeister im Maulheldentum“ lieber.

Ich habe mich schon vor langer Zeit innerlich von dieser sog. Gesellschaft gelöst.

Dieses „wir“ fühle ich nicht mehr und möchte auch nicht Teil dessen sein, was noch übrig ist.

Die entsprechenden Medien konsumiere ich aus Überzeugung nicht, durch Artikel wie dem Ihren nehme ich dieses Heuchelei wahr.

Aus der Erinnerung viel mir ein Bericht über die Vergabe der WM von vor ein paar Jahren ein. An die Macher erinnere ich mich nicht mehr.

Hierin wurde die Korruption der FIFA und deren Funktionären beleuchtet, es ging um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 u. 2022.

Die enttäuschten Gesichter der Amerikaner wurden gezeigt.

Kein Wort über die Schmiergeldangebote von amerikanischer Seite, als wären die Machenschaften der FIFA völlig unbekannt und nur Russland und Katar seien willens und in der Lage sich eine WM zu kaufen.

Und um die Heuchelei perfekt zu machen, hat dann eine amerikanische Staatsanwaltschaft gegen die FIFA ermittelt.

Den Laden hätte man schon vor Jahrzehnten ordentlich auf den Kopf stellen müssen wie viele andere Institutionen ebenso.

Katar sollte wohl einfach weiter deutsche Waffen kaufen und Rohstoffe liefern, dann ist es ein 1A Partner.

Die deutsche Heuchelei haben Sie ja schon ganz häufig beschrieben daher gibt es wohl keinen Bereich in dem das anders sein sollte ob es nun um Kriege, Kriegswaffen, Sport, Lebensmittel, Gesundheit oder …………………………………… geht.

Trotzdem danke ich Ihnen für die wertvolle Arbeit und wünsche mir und Ihnen, dass sich täglich immer mehr Menschen auch bei den Nachdenkseiten sowie weiteren alternativen Medien informieren und beginnen selbst zu Denken.

Man sagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das Zitat geht aber nicht weiter: Aber sie stirbt.

Beste Grüße
Henning


8. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,
 
Für mich sind unsere Medien und Politiker bei Kontakten mit dem Ausland im wesentlichen seit langem aggressive Feiglinge. In der ganzen Welt nimmt das Gelächter der Medien über Deutschland inzwischen groteske Formen an. Freunde aus dem nahen und fernen Ausland fragen mich, was aus dem einst bewunderten Deutschland geworden ist.
 
Mit bestem Dank an Sie und die Nachdenkseiten bin ich ihr verbundener
von unserem Leser G.K.
 
PS. Ceterum censeo Lapidem Ram esse translocandam!


9. Leserbrief

Lieber Jens Berger,

danke für den treffenden Artikel zum Maulheldentum der europäischen Staaten bei der WM in Katar. Mir fällt zu dem ganzen Bohei eine Szene aus der Vorberichterstattung zum Eröffnungsspiel am Sonntagnachmittag im ZDF ein. Da sprach die Sportmoderatorin Müller-Hohenstein mit Wenzel Michalski, dem Deutschland-Direktor von Human Rights Watch, der lang und breit die Situation in Katar ausführte. Dann wurde Michalski von Müller-Hohenstein auf ein Zitat des FIFA-Chefs Gianni Infantino angesprochen. Infantino – gewiss kein Sympathieträger – hatte verlautbart, dass er sich für die Dauer des WM-Turniers eine Waffenruhe für den Krieg in der Ukraine wünsche. Müller-Hohenstein fragte Michalski, ob dies nur naiv oder selbstüberschätzend sei? Michalski antworte es sei beides und sagte sinngemäß, dass man doch eine Waffenruhe nicht fordern/wünschen könne, ohne dass die Ukraine das wolle. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: ein hoher Funktionär für Menschenrechte erteilt dem Wunsch, dass Waffen schweigen und ein Krieg durch Verhandlungen ersetzt wird eine Absage. Gleichzeitig lässt sich Michalski über die (tatsächlich ja schlimmen) Verhältnisse in Katar aus. Gewiss, Infantinos Äußerung ist instrumentell und er will ggf. einfach mehr medial Aufmerksamkeit für seine WM. Aber im Kern ist der Gedanke, dass die Waffen niedergelegt werden sollen doch total richtig. Am besten für lange und nicht nur während dieser blöden WM. Wer Menschenrechtler wie Michalski hat, sollte sich Sorgen um den Stand des Humanismus in einer Gesellschaft machen.

Beste Grüße,
C.B.


10. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

Nicht “wir”, weder Sie noch ich noch viele andere, sind “Weltmeister…” noch irgendetwas von dem, womit verlogene und kriminelle Politiker uns für dumm verkaufen wollen. Daher wehre ich mich gegen diese stillschweigende Einvernehmung – es ist erstaunlich, dass ausgerechnet Sie diese schändliche Wortwahl so ungeprüft übernehmen.

Mit freundlichen Grüßen
GN


11. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

als gestern in der Tagesschau dieses Thema zur Nr.1 gemacht wurde, habe ich es kaum glauben können. Das alberne “Zeichen-setzen”-Gehabe nun sozusagen im Quadrat, denn weil man nun kein “Zeichen setzen” konnte mit der bunten Armbinde, setzt man jetzt ein Zeichen, indem man sich minutenlang über die verweigerte Symbolhandlung echauffiert.

Und ich musste auch gleich an den Dokumentarfilm von 2014 “Das Mädchen – Was geschah mit Elisabeth K.?” denken. Damals hätten DFB und Außenamt vermutlich ganz konkret das Leben der jungen Frau Käsemann retten können, und es hätte vermutlich nur der Androhung der Absage des Freundschaftsspiels BRD-Argentinien bedurft.

Heute tut man so, als sei man um das Schicksal von Schwulen und Lesben bzw. Bauarbeitern in den Golfstaaten unheimlich besorgt –  und zetert herum, weil man dem Kapitän das bunte Stoff-Fetzchen nicht umtun konnte. Albern, verlogen, scheinheilig!
 
Rache für verweigertes LNG?

Mit freundlichen Grüssen
peter a. schulz


12. Leserbrief

Vielen Dank für den erhellenden Beitrag. 204 Millionen zahlen also ARD und ZDF für die Übertragungsrechte der WM an die FIFA.

Nur gut, dass hierfür die Rundfunk-Gebühren nicht erhöht werden mussten, sondern das ZDF die Fluglinie Emirates als Premium-Werbepartner gewinnen konnte. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ja auch als Premium-Menschenrechts-Organisation allseits bekannt. Vereinigt sind dann doch irgendwie alle (VAE, Qatar, FIFA, ARD/ZDF u.v. mehr): in ihrer Liebe zum Reichtum. OneLove is money.

Tim Wolf


13. Leserbrief

Guten Tag,

meist gehe ich mit den Beiträgen von Jens Berger d’accord. In diesem Fall aber würde ich mir eine Differenzierung zwischen dem Verhalten der Medien/Politik und der Sportler wünschen.

Der Wippschaukel-Effekt ist eine Sache, doch muss es noch andere Gründe geben, weshalb sich die Medien hier in einer Art und Weise verbeissen, dass einem die Lust zum Schauen vergeht. Rt.de hat heute erste Versuche unternommen dem nachzuspüren: de.rt.com/meinung/155085-kampagne-gegen-wm-gastgeber-warum/

Auch die Fußballspieler sind dem immensen Druck, den die Medien hier veranstalten, ausgesetzt und auch sie werden zum Großteil die Heuchelei durchschauen, die hier am Werk ist. Dass sie unter diesen Umständen nicht unbedingt bereit sind, die für sie enorm wichtige WM zu opfern, kann man irgendwo nachvollziehen. Nach einem Machtwort der FIFA haben sie wohl beschlossen, sich jetzt auf die sportliche Seite der Veranstaltung zu konzentrieren, die Herausforderung genug ist (schwere Gruppe, letzte WM verpatzt).

Nach meiner Meinung muss deshalb der Schwerpunkt der Kritik  sich in erster Linie auf die Medien, insbesondere die öffentlich-rechtlichen, konzentrieren. Das tut der Artikel mit dieser Überschrift aber leider nicht. Bei der notwendigen Kritik der Medien und auch der Politik könnte man auch einmal zurückschauen auf die WM 1978 in Argentinien (de.wikipedia.org/wiki/Das_M%C3%A4dchen_%E2%80%93_Was_geschah_mit_Elisabeth_K.%3F), wo politisch-medialer Druck so wichtig gewesen wäre, aber ausblieb, was doch zeigt, wie wenig das Ganze mit prinzipiellen Werten, sondern mit konkreten Interessen zu tun hat. Die aber wären im Falle Katar genauer herauszufinden…

Beste Grüße
Carmen Rother


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