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Nachdenken über Deutschland. Das kritische Jahrbuch 2011/2012

Verantwortlich:

Albrecht Müller, Wolfgang Lieb
Warum die NachDenkSeiten wichtig sind. Von Peter Bofinger

Als ich vor 38 Jahren mit dem Studium der Nationalökonomie begann, war diese Wissenschaft noch einigermaßen vielfältig. Es gab verschiedene Meinungen und unterschiedliche Vorschläge zur Lösung von volkswirtschaftlichen Problemen. Es gab Wissenschaftler, die stark von den Lehren des britischen Ökonomen Keynes geprägt waren oder solche, die den Lehren der Chicagoer Schule zuneigten. Und es gab einiges dazwischen. Das hat sich inzwischen sehr geändert. Analyse und Therapie werden von einer Schule, der deutschen Variante der Chicagoer Schule, beherrscht. Steuern senken, Löhne runter, sparen, privatisieren, deregulieren, die Märkte werden es richten – das sind die gängigen Empfehlungen.

Diese dogmatische Einseitigkeit und Verkrustung meiner Wissenschaft spiegelt sich auch in den Kommentaren und in der Berichterstattung fast sämtlicher Medien wider. Auch dort beherrscht das geschlossene Weltbild vom allein selig machenden Wirken des Marktes die Szene. Dies hat weitreichende Folgen für die politischen Entscheidungen. Die geballte Meinungsmacht von Wissenschaft, sogenannten Experten, wirtschaftlich mächtigen Interessengruppen und Medien beeindruckt die politisch Verantwortlichen. Sie sind nicht mehr frei, sachbezogen und je nach Problemlage aus miteinander streitenden wirtschaftswissenschaftlichen Thesen die politisch vernünftigsten Vorschläge abzuwägen und zwischen den durchaus verschiedenen möglichen Therapien zu wählen. Immer mehr gilt deshalb das Glaubensbekenntnis aus Margaret Thatchers Zeiten: »There is no alternative!« – TINA. Die Wirtschaftswissenschaften sind aber keine Naturwissenschaft mit naturgesetzlichen Erklärungsmustern. Es gibt immer Alternativen und es gibt vor allem immer unterschiedliche Prioritäten oder Ziele, die man politisch verfolgen kann oder möchte. TINA, das ist nicht nur falsch, sondern wird auch zusehends teurer.

Quelle: Das Vorwort des Mitglieds des Sachverständigenrates Peter Bofinger zum neuen Buch „Nachdenken über Deutschland, Das kritische Jahrbuch 2011/2012 können Sie beim Westend Verlag abrufen

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