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Über die selbst besorgte Gleichschaltung eines Mediums, hier des Bayerischen Rundfunks – Modellhaft

Verantwortlich:

Der folgende Mailwechsel bezieht sich auf unseren Beitrag zur Sendung „Rentenlüge“ auf Phoenix. Dazu entwickelte sich ein beispielhafter E-Mail-Austausch zwischen unserem Nutzer Udo Ehrich und dem Bayerischen Rundfunk. Wir dokumentieren:

U. Ehrich an NDS:
Bezüglich dieses Werbebeitrags im Gewand einer Dokumentation auf Phoenix schrieb ich eine Mail an den Sender. Dieser erklärte sich in der Antwort für unzuständig: Der Beitrag sei aus dem Bayerischen Rundfunk übernommen, und ich möge mich mit meiner Kritik doch bitte an den Bayerischen Rundfunk wenden, was ich dann auch tat. Die Mail, die ich schrieb und mehr noch die Antwort des Bayerischen Rundfunks möchte ich Ihnen gerne zur Kenntnis geben:

Mein Anschreiben lautete:
Am 8. und 9. Juni 2006 lief auf Phoenix eine sogenannte »Dokumentation« mit dem Titel »Die ewige Rentenlüge«. Auf meine Mail bezüglich dieses offensichtlich interessengeleiteten Beitrags hin an den Sender Phoenix verwies mich dieser auf Ihren Sender. Man habe den Beitrag vom Bayerischen Rundfunk übernommen, und Sie seien die Anlaufstelle für meine Kritik.

Der Beitrag »Die ewige Rentenlüge« stammt laut Abspann von Joachim Schröder. Im Verlauf dieses Beitrags kommt immer wieder der als »Experte« vorgestellte Prof. Meinhard Miegel zu Wort, auf dessen Expertise dieser Beitrag offensichtlich aufgebaut ist.

Was dem Betrachter dieses Beitrags nicht mitgeteilt wird ist, daß Prof. Miegel häufig im Dienst der privaten Versicherungswirtschaft steht, und daß er Sprecher des BürgerKonvents ist, der sich in erster Linie zugunsten von »Reformen« im Sinne der Arbeitgeberverbände äußert. Gründer des BürgerKonvent, das sollte ihnen bekannt sein, war Prof. Langguth, langjähriges CDU-Mitglied.

Neben seiner Tätigkeit für den BürgerKonvent kann man Prof. Miegel als Lobbyisten der privaten Versicherungswirtschaft bezeichnen. Insofern verwundert es wenig, daß der Beitrag kontinuierlich das gegenwärtige Umlagesystem der Rentenversicherung madig macht und den Menschen einzureden versucht, daß die Privatvorsorge sicherer sei.

Wenn Sie schon eine solche Werbesendung für die private Versicherungswirtschaft auf Ihrem Sender im Gewande der Dokumentation ausstrahlen, dann weisen Sie doch bitte künftig auf die Verflechtungen der Protagonisten mit bedeutenden Interessengruppen hin. In der gegenwärtigen Zeit wird der PR-Journalismus immer mehr zum Problem, bei dem der Zuschauer immer weniger unterscheiden kann, ob er tatsächlich eine objektive Dokumentation oder einen interessengeleiteten Beitrag vor sich hat. »Die ewige Rentenlüge« gehört jedenfalls in die letztere Kategorie, und es täte dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der ja aus Zwangsgebühren finanziert wird (wogegen ich ausdrücklich nichts habe!), gut, stärker darauf zu achten, daß ihm keine als Dokumentation verkleideten Werbesendungen bestimmter Interessengruppen untergejubelt werden.

Mit freundlichen Grüßen,
Udo Ehrich«

Die Antwort des Bayerischen Rundfunks erfolgte noch am selben Tag:
»Sehr geehrter Herr Ehrich,
vielen Dank für Ihre mail.

Es ist zwar zutreffend, daß Prof. Miegel auch für die private Versicherungswirtschaft tätig ist und sich im BürgerKonvent engagiert. Das ändert aber nichts daran, daß er zusammen mit Prof. Biedenkopf bereits vor 30 Jahren als erster auf die kommenden Probleme des umlagefinanzierten Rentenversicherungssymstems hingewiesen hat. Leider haben sich alle seine schon damals geäußerten Befürchtungen als zutreffend erwiesen. Kein ernstzunehmender Zeitgenosse streitet heute mehr die u.a. durch die demografische Entwicklung ausgelösten Probleme der Rentenversicherung ab. Es war deshalb nur konsequent, diesen renommierten Rentenexperten als “roten Faden” durch die Sendung zu ziehen.
Andere Experten wären sicher zu ähnlichen Schlußfolgerungen gekommen. Insofern hat hier niemand etwas einzureden versucht, den Vorwurf der “Werbesendung” – wofür auch immer – weisen wir zurück. Der Beitrag hat lediglich versucht, den Menschen die Folgen einer langfristig verfehlten Rentenpolitik darzustellen. …

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Ott, Bayerischer Rundfunk
Chefredaktion, Zentrale Dienste

Kommentar: Udo Ehrich
Der Reflex zu behaupten, daß kein »ernstzunehmender Zeitgenosse« Miegels Legenden abstreiten würde, ist geradezu typisch. Das impliziert, daß jeder, der etwas anderes sagen würde, nicht ernst zu nehmen sei. Mich hat dann allerdings doch überrascht, mit welcher Direktheit der Bayerische Rundfunk sich hinter diesen Lobbybeitrag stellt.

Mit freundlichen Grüßen,
Udo Ehrich

Kommentar AM:
Die Dokumentation zeigt gut, wie die Richtigkeit einer Sache nur durch gegenseitiges Zitieren belegt wird. Ich nannte das mal die Nachplappergesellschaft. Im konkreten Fall ist ein Netzwerk von Medien und Wissenschaft am Wirken, das wir in den NachDenkSeiten schon häufig beschrieben haben.
Dagegen kommen wir an, wenn wir immer mehr Zeitgenossinnen/en auf diese Methoden aufmerksam machen. Deshalb auch diese kleine Dokumentation.
Wenn Sie noch etwas mehr über die Zusammenhänge lesen wollen, finden Sie den einschlägigen Auszug aus „Machtwahn: VII. Die Netzwerke unserer Eliten“.

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