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Albrecht Müller Wolfgang Lieb
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18. Dezember 2014
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Die Förderung der privaten Altersvorsorge war schon immer eine von politischer Korruption bewirkte Fehlentscheidung. Jetzt alle Mittel auf gesetzliche Rente konzentrieren.

Verantwortlich:

„Betriebsrente in Gefahr“ meldete die FAZ am 21.7. hier und hier. Die versprochenen Renditen sind nicht zu halten, weder bei der betrieblichen Altersvorsorge noch bei den anderen Produkten der Privatvorsorge. Diese Meldung hat die Lobbyisten der Privatvorsorge in helle Aufregung versetzt und ihre PR-Maschinerie in Bewegung gesetzt. Die richtige Konsequenz aber, nämlich alle Mittel auf die Gesetzliche Rente zu konzentrieren, ziehen sie selbstverständlich nicht. Albrecht Müller.

Beispiele für die angelaufene PR-Rettungsaktion

Außer der FAZ meldete sich beispielsweise BILD, die Frankfurter Rundschau, die Südwest Presse und viele weitere Medien mit bisher 74 Artikeln, oft mit Berufung auf die FAZ und auf dpa. In vielen dieser Artikel kommt der so genannte Sozialexperte Raffelhüschen zu Wort und oft auch Finanztest und ihr Chefredakteur Tenhagen. Dass beide Lobbyisten der Privatvorsorge sind, wird den Lesern, Zuschauern und Hörern der Meldungen nicht gesagt. Dass diese Personen Millionen von Menschen falsch beraten haben und dass sie an dieser Fehlberatung verdienen, wird auch nicht mitgeteilt. Stattdessen wird so getan, als sei die niedrige Rendite die Folge der Finanzkrise und der sinkenden Zinsen. Die Bild-Zeitung macht dafür die Europäische Zentralbank mit-verantwortlich, weil sie Geld zu Minizinsen verleiht.

Um die Menschen in die Privatvorsorge zu treiben, wurden die möglichen Renditen weit übertrieben

Als die Privatvorsorge um die Jahrtausendwende propagiert wurde und dann auch noch mit öffentlichen Mitteln subventioniert wurde, schwärmte man von Renditen von 11,5 %. Damals hatte man das Feuerwerk der Aktienkurse und Renditen in der so genannten Dotcom-Blase in Erinnerung. Die war aber schon im März des Jahres 2000 geplatzt. Man hätte bei einigermaßen nüchterner Analyse damals schon wissen können, dass die Renditen der privaten Altersvorsorge mickrig sein werden. Umso erstaunlicher ist es, dass das Blatt eines der Hauptpropagandisten der Privatvorsorge, des Chefredakteurs von Finanztest Hermann-Josef Tenhagen im Finanztest-Novemberheft des Jahres 2007 (Quelle: finanztest 11/2007 ) für einen Riester Rentenfonds eine Rendite von 9 % versprochen hatte. „Riester-Fonds im Test. Gefördert, sicher, 9 Prozent“, hieß es dort. NachDenkSeiten berichteten darüber am 19. November 2007 und am 21. November. Siehe Anlage.

Lobbyist Tenhagen wird trotz der Fehlprognosen und Falschberatung seines Blattes immer wieder von deutschen Medien wie auch jetzt wieder von der Bild-Zeitung als „Experte“ befragt und zitiert. Jetzt darf er mit Unterstützung von BILD den Weg zu neuen Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge weisen: den Weg über eine Direktversicherung. Siehe Artikel in der Frankfurter Rundschau.

Was alle diese so genannten Experten verschweigen:

  1. Die gerade auch von Finanztest wieder gepriesene „Förderung“ der Privatvorsorge wird von der Gemeinschaft der Steuerzahler bezahlt. Sie zahlen die Zulagen und Steuervergünstigungen der Riester-Rente und der Rürup- Rente und sie zahlen für die betriebliche Altersvorsorge dadurch, dass mit dem Mittel der so genannten Entgeltumwandlung für die Aufwendungen zur betrieblichen Altersvorsorge weder Steuern noch Sozialabgaben bezahlt werden müssen. – Zu den Zahlern von Zulagen und Steuervergünstigungen gehören sowohl die Nutzer der Förderung als auch jene Menschen, die dazu gar nicht das notwendige Geld haben oder einfach keine Lust haben, die Finanzwirtschaft, die Banken und Versicherungen auch noch mit Privatvorsorge auszuhalten.
  2. Die Experten schweigen auch darüber, dass die staatlichen Fördermittel summa summarum für die Gebühren, Provisionen und Renditen der Versicherer „drauf gehen“. Wir als Gemeinschaft der Steuerzahler und der Altersvorsorgenden machen also ein ausgesprochen schlechtes Geschäft. Wenn man in realen wirtschaftlichen Größen denkt, dann versteht man sofort, dass die Privatvorsorge volkswirtschaftlich einer Verschwendung gleichkommt. Hier werden vermutlich 100 tausende beschäftigt, um uns mit Werbung und allerlei Tricks herum zu kriegen, bei ihnen einzuzahlen. Und dies angesichts eines sehr viel besser und effizienter arbeitenden Gegenmodells: der solidarischen Gesetzlichen Rentenversicherung.
  3. Es wird uns auch verschwiegen, dass wegen der Entgeltumwandlung Gelder für die Gesetzliche Rentenversicherung fehlen. Löhne und Gehälter, die in die betriebliche Altersvorsorge fließen, sind nicht sozialversicherungspflichtig. (An dieser Stelle muss fairerweise davon berichtet werden, dass die Frankfurter Rundschau gegen Ende des Artikels immerhin diesen Effekt erwähnt.)
  4. Natürlich wird uns auch verschwiegen, dass die private Altersvorsorge ein mit Korruption vermintes Aktionsfeld ist. Blitzlichtartig wurde dies sichtbar, als ruchbar und zum Fall eines Gerichtsverfahrens wurde, dass der Betriebsratsvorsitzende von Iveco zur Durchsetzung der betrieblichen Altersvorsorge geschmiert worden war. (Siehe hier) Über die Interessenverflechtung von Raffelhüschen, Rürup, Riester, Maschmeyer, Pohl und anderer haben wir vielfältig berichtet. Siehe die Rubrik „Riester-Rürup-Täuschung“.
  5. Verschwiegen wird uns auch, dass zur propagandistischen Förderung der Privatvorsorge die Leistungsfähigkeit der Gesetzlichen Rente systematisch zerstört worden ist – und dies zu Gunsten einer ziemlich unrentablen privaten Altersvorsorge, wie jetzt immerhin ein paar mehr Leute merken.

Konsequenz

Wenn bei uns noch sachlich gedacht, geplant und entschieden würde, dann wäre der Fall klar: Konzentration aller Mittel auf die gesetzliche Rente. Auslaufen lassen der Förderung von Riester-Rente, Rürup-Rente und Entgeltumwandlung.

Solange diese Entscheidungen noch nicht getroffen sind muss es jeder und jedem freigestellt sein, die Förderung auch auf seinem Konto bei der Gesetzlichen Rentenversicherung zu lassen.

Diesen schon mehrmals in den NachDenkSeiten und in Kapitel 19 von „Meinungsmache“ („Die Zerstörung des Vertrauens in die sichere Altersvorsorge – ein Musterbeispiel gelungener Gehirnprägung“) unterbreiteten Vorschlag greifen weder Medien noch die Politik noch die Wissenschaft auf. Der Grund ist klar: bei den Maschmeyers dieser Welt und ihren Spezies in Politik, Wissenschaft und Medien würden die staatlich besorgten „Ölquellen“ versiegen.

Weitere Informationen zum Thema

In der erwähnten Rubrik der NachDenkSeiten wie auch im erwähnten Kapitel 19 von „Meinungsmache“ finden Sie sehr viele weitere Informationen. Das gilt auch für die einschlägigen drei Kapitel der „Reformlüge“ zu den Denkfehlern zum Thema Demographie und Altersvorsorge. Die einschlägigen Texte zu den Denkfehlern 5, 6 und 7 sind auch in den NachDenkSeiten wiedergegeben. Hier der Denkfehler Nummer 7 mit dem Titel „Jetzt hilft nur noch private Vorsorge“. Die Texte stammen zwar von 2004. Sie sind aber offensichtlich, mit Ausnahme der Zahlen, immer noch aktuell.

Anlage:

19. November 2007 um 9:04 Uhr

Wer sich bei der Privatvorsorge auf FINANZtest verlässt, spielt mit einem hohen Risiko.

Es ist erstaunlich, wie offen und zugleich unredlich Einrichtungen, von denen wir das nicht erwartet hätten, Reklame für Privatvorsorge machen. So zum Beispiel die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender; insbesondere das ZDF (siehe Hinweise vom 15. 11., Nr. 4) Auch Volkshochschulen und selbst die Deutsche Rentenversicherung lassen sich einspannen. Und sogar FINANZtest, der Ableger der Stiftung Warentest. FINANZtest empfiehlt den Privatvorsorgern Riester-Fondssparpläne mit einer voraussichtlichen Rendite von 9% bis zum Jahr 2035. Nicht zu glauben. Unseriös. Lesen Sie selbst. Albrecht Müller.

und

21. November 2007 um 17:03 Uhr

Nachtrag zur Fragwürdigkeit der Empfehlungen von FINANZtest

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