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22. Dezember 2014
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Putin liebstes Kind

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Mit den Olympischen Winterspielen in Sotschi will Putin der Welt zeigen, dass Russland moderner ist, als die Medien berichten. Die Vorbereitungen der Sport-Großveranstaltung offenbart aber, dass der Kreml-Chef persönlich auf die Baustellen muss, damit es dort vorangeht. Von Ulrich Heyden, Moskau.

Mit einer Rede im neuen Eisstadion von Sotschi gab der russische Präsident Wladimir Putin am Donnerstag letzter Woche den Startschuss für den Olympia-Countdown. In exakt einem Jahr sollen direkt am Schwarzen Meer, in der Imeretinski-Ebene und in den Bergen, beim Städtchen Krasnaja Polona, die 22. Olympischen Winterspiele stattfinden. Dass alles klappt, daran besteht kein Zweifel. Schon seit zwei Jahren finden auf den ersten fertigen Pisten in Krasnaja Polana Wettkämpfe in olympischen Einzel-Disziplinen statt. Doch damit alle Objekte rechtzeitig fertig sind, müssen zehntausende von Bauerarbeitern rund um die Uhr, schuften.

Problematisch lief der Bau der Sprungschanzen, die nur mit zweijähriger Zeitverzögerung fertig wurden. Die Tribünen an den Schanzen fehlen noch. Beim Bau der Tribünen gehe es jetzt „um Minuten“, zitierte die Nesawisimaja Gaseta den geschäftsführende Direktor der Olympischen Spiele, Gilbert Felli, der letzte Woche zusammen mit Wladimir Putin die Olympia-Baustellen am Schwarzen Meer besuchte. Es müsse nicht nur Boden abgetragen werden sondern auch noch sechs Kilometer Drainage-Rohre verlegt und zwei Kilometer lange Stützwände aufgestellt werden, erklärte der Olympia-Offizielle Felli.

Putin straft Investor wegen Zeitverzug

Für Russland sind die Olympischen Winterspiele eine Prestige-Angelegenheit, für welche der Kreml bereit ist, sehr viel Geld auszugeben. Die Nesawisimaja Gaseta rechnete vor, dass sich die Kosten für die Winterspiele in Sotschi verfünffacht haben. Damit werden die Olympischen Winterspiele am Schwarzen Meer mit 50 Milliarden Dollar die teuersten olympische Spiele sein, die es je gegeben hat. Zum Vergleich: Die Olympiade in Peking kostete 40 Milliarden Dollar, die olympischen Winterspiele in Vancouver aber „nur“ fünf Milliarden Dollar.

Nachdem die Moskauer Olympiade 1980 von den westlichen Staaten, wegen des Einmarsches sowjetischer Truppen in Afghanistan boykottiert wurde, hat Russland nun das erst Mal seit Jahrzehnten wieder die Möglichkeit mit positiven Nachrichten im internationalen Rampenlicht zu stehen. Mit den Winterspielen in Sotschi will Putin der Welt auch zeigen, dass man den zu Russland gehörenden Nordkaukasus, in dem seit Jahren islamistische Untergrundkämpfer mit Terror-Aktionen von sich reden machen unter Kontrolle hat.

Welche Bedeutung die Winterspiele für den Kreml haben, zeigt schon die Tatsache, dass Wladimir Putin persönlich alle paar Monate die Bauarbeiten an den Eissport-Hallen und Ski-Trassen in der Imeretinski-Ebene am Schwarzen Meer und in den Bergen bei Krasnaja Polana inspiziert. Mit seiner persönlichen Kontrolle versucht der Kreml-Chefs auch die Korruption in Grenzen zu halten, gegen die der Kreml in den letzten Monaten landesweit mit einer regelrechten Kampagne vorgeht.

Seinen letzten Besuch im Bergdorf Krasnaja Polana vergangenen Mittwoch nutzte Putin um vor laufenden Fernsehkameras nach Schuldigen für Zeitverzögerungen und immense Kostensteigerungen zu suchen. Auf Putins Fragen über die Probleme beim Bau der Sprungschanze antwortete der für die Vorbereitungen der Winterspiele verantwortliche Vizepremier Dmitri Kosak.

Kosak erklärte, Grund für die zweijährige Zeitverzögerung beim Bau der Sprungschanzen seien falsche Planungen des Investors Achmed Bilalow. Bauherr Bilalow, dem die Aktiengesellschaft „Krasnaja Polana“ gehörte, sei dafür verantwortlich, dass die Kosten für den Sprungschanzen-Komplex von 1,2 auf acht Milliarden Rubel (200 Million Euro) gestiegen sind. Außerdem hätte sich der Bau der Sprungschanzen um zwei Jahre verzögert. Als Putin dann noch hörte, dass Bilalow stellvertretender Vorsitzender des russischen Olympischen Komitees ist, platzte dem Kreml-Chef vor laufenden Fernsehkameras förmlich der Kragen. „Prachtkerle! Ihr arbeitet gut“, so der süffisante Kommentar des russischen Präsidenten, der sich demonstrativ zum Gehen wandte.

Einen Tag später verlor Bilalow auf Initiative von Putin zwei Posten. Der aus Dagestan stammende Investor verlor den stellvertretenden Vorsitz des russischen Olympischen Komitees und den Vorsitz des Staatlichen Unternehmens „Kurorte des Nordkaukausus“.

Staatliche Bank muss Fehlplanungen ausbügeln

Die Fehlplanungen von Bilalow muss nun die staatliche Sperbank ausbügeln, welche im Mai die Kontrolle über die für den Sprungschanzenbau zuständige Aktiengesellschaft „Krasnaja Polana“ übernommen hat. Nach Aussagen von Vizepremier Kosak mussten, „um den Boden vor dem Abrutschen zu schützen“ neue Pfähle eingerammt werden.

Dass Bilalow auch den Posten in dem 2010 gegründeten Unternehmen „Kurorte des Nordkaukasus“ verloren hat, ist wohl noch bedeutender als seine Entlassung aus dem Olympischen Komitee. Denn das staatliche Unternehmen „Kurorte des Nordkaukasus“ soll in den nächsten Jahren mit Investitionen in Höhe von 12,5 Milliarden Euro den Ski- und Bäder-Tourismus im Nordkaukasus entwickeln. Bei den Investitionen geht es um staatliche und private Gelder mit denen neue Skigebiete in den verarmten Krisen-Regionen Tschetschenien, Dagestan, Inguschetien und Kabardino-Balkarien gebaut werden sollen.

Eingeweihte Kreise in Moskau behaupten nun, hinter der Entlassung von Investor Achmed Bilalow stecke auch der schwelende Streit zwischen Wladimir Putin und Ministerpräsident Dmitri Medwedew, der den liberalen Flügel im russischen Establishment repräsentiert. Investor Bilalow werden gute Kontakte zu Premier Medwedew nachgesagt.

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