Hinweise des Tages

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(KR/WL)

  1. Separater Ärzte-Tarif durchgesetzt
    Fatale Spaltung: Dass die Mitarbeiter der Krankenhäuser in Zukunft von zwei Organisationen vertreten werden – von ver.di und dem Marburger Bund – nützt nur wenigen von ihnen.
    Quelle: Junge Welt
  2. Privatisierung der Wasserversorgung: Traumhafte Renditen locken
    Nach unterschiedlichen Schätzungen wären mit Trinkwasser zwischen 400 Milliarden und drei Billionen US-Dollar jährlich umzusetzen – wenn das lebenswichtige Gut umfassend zur Handelsware degradiert werden könnte. Das weckt Begehrlichkeiten.
    Quelle: Junge Welt

    Anmerkung: Schade, dass der Autor Wolfgang Pomrehn es bei abstrakten Warnungen und Behauptungen belässt, anstatt konkrete Fälle zu nennen. In den NachDenkSeiten hätte er leicht einige Beispiele finden können:

    * Hinweis des Tages Nr. 15 vom 26.7.2006:
    Jetzt dämmert es auch dem SPIEGEL: Über den Ärger der Londoner über die Privatisierung der Wasserversorgung. RWE-Tochter lässt gigantische Mengen Wasser versickern
    * Noch drastischer sind die Folgen der Privatisierungspolitik in den ärmeren Ländern. In der südafrikanischen Stadt Durban tranken die Bewohner in ihrer Not das Wasser aus öffentlichen Toiletten, weil sie von der Wasserversorgung aus Kostengründen abgeschnitten wurden. Daraufhin stieg die Zahl der Erkrankungen an Cholera und Typhus. Ähnliche Geschichten ließen sich aus vielen Städten und Ländern der Welt erzählen, in denen Wasser zu einer Handelsware geworden ist: aus Ghana, Brasilien, Mexiko und Indien, aus Buenos Aires, Grenoble, Atlanta usw…

  3. Ein-Euro-Jobber als Straßenfeger
    Die Hemmschwellen liegen immer niedriger. Längst werden in Hamburg Ein-Euro-Jobber auch für die Reinigung von U-Bahn-Waggons eingesetzt, und in etlichen Städten wurden Erwerbslose für Straßenreinigungstätigkeiten während der Fußball-WM zwangsverpflichtet. Die Kriterien der »Zusätzlichkeit« und des »öffentlichen Interesses«, wie sie das Sozialgesetzbuch II (SGB II) vorschreibt, werden vielerorts einfach ignoriert.
    Quelle 1: Junge Welt
    Quelle 2: Wiesbadener Kurier

    Das Wiesbadener Grünflächenamt beschäftigt heute noch 58 Mitarbeiter. Zuvor waren es 84!
    Die örtliche Presse freut sich, dass die notwendigen Arbeiten des Grünflächenamtes für 1 € erledigt werden können. Und Wiesbadener Politiker ermuntern die Stadtteilverantwortlichen, doch noch stärker auf die 1 € Jobber zuzugreifen, die ihre „Arbeit“ gerne erledigen!
    Quelle: Main Rheiner

  4. Deutschland AG: Kein Ende in Sicht
    Die zehn mächtigsten Aufsichtsräte der deutschen Wirtschaft kontrollieren 22 der 30 größten deutschen Unternehmen. Ihr Altersdurchschnitt liegt bei 66 Jahren. Frauen bleiben genauso Ausnahme wie nichtdeutsche und junge Konzern-Kontrolleure.
    Quelle: TAZ
  5. Rhetorik der Verantwortung
    Frau Schavan hat einen schönen und gemütlichen Decknamen für sozialstaatliche Einschnitte und den Rückzug des Staates aus der öffentlichen Daseinsvorsorge ausfindig gemacht. Von Friedhelm Hengsbach.
    Quelle: FR – Nicht mehr erreichbar (06.09.2006)
  6. Kommentar zu Steinbrück
    Die Ferienwahrheit: Steinbrück stand mal wieder in der Zeitung.
    Quelle: FR – Nicht mehr erreichbar (06.09.2006)
  7. Der Staat zahlt
    Schweden verzichtet auf Studiengebühren und gewährt üppige Hilfen. Dennoch sind immer mehr Studenten gezwungen, nebenbei zu arbeiten. Das ist für Skandinavier ungewöhnlich. Denn sie sind eigentlich der Auffassung, dass jemand, der ein Vollzeitstudium absolviert, seine ganze Zeit in der Uni verbringen soll und nicht hinter dem Tresen einer Kneipe oder im Fahrersitz eines Taxis. In Schweden – ebenso wie in Dänemark oder Finnland – erwartet man, dass ein Student hauptsächlich studiert, schließlich bekommt er Geld dafür.
    Quelle: SZ
  8. Unionsländer schließen Pakt gegen Atom-Ausstieg
    Neun unionsregierte Bundesländer verlangen einem Magazin-Bericht zufolge den Ausstieg aus dem Atom-Ausstieg.
    Quelle: FTD
  9. Lafontaine möchte, dass Steinbrück lange Urlaub macht
    Quelle: Die Welt
  10. Joachim Jahnke: Verkehrte Welt: Die Medien übersehen den Kaufkraftabbau und sind optimistischer als die Regierung.
    Quelle: Global News

    Anmerkung (WL): Sie finden in diesem Beitrag auch eine Kritik an Robert von Heusingers These vom Ende des „Rheinischen Kapitalismus“ als Grund für den Aufschwung. Siehe Hinweise des Tages vom 19.8.06 Ziffer 2.
    Siehe dazu auch die typisch neoliberale Position des Bundesbank-Präsidenten Axel Weber: “Die Reformen und die mäßige Lohnpolitik müssen unbedingt fortgesetzt werden.” Er sieht das „deutsche Erfolgsrezept“ offenbar nur im Export. Jemand, der Deutschland in der Europäischen Zentralbank vertritt, will oder kann offenbar nicht erkennen, wie wir mit unserem Lohn-Dumping andere europäische Volkswirtschaften niederkonkurrieren. Auch er agitiert mit den angeblich eine Billion Euro Staatsausgaben und rechnet flugs die Rente, die gesetzliche Krankenversicherung oder die Arbeitslosenversicherung unter die „Staatsausgaben“. Man kann daraus auch ableiten, wo unser Währungshüter „mutig“ sparen will, nämlich bei den sozialen Sicherungssystemen.

  11. Ohne Gelder der Pharmaindustrie läuft nichts mehr in der medizinischen Forschung. Viele Forscher fürchten um ihre Karriere, wenn sie mit kritischen Studien den Zorn der Pharmalobby auf sich ziehen.
    Quelle: Stern

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