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Manipulatives Zusammenspiel von SpiegelOnline und berlinpolis zur Ehre CDU/CSU-regierter Bundesländer

Verantwortlich:

SPIEGEL ONLINE meldete am 15.12.2006 unter der Überschrift:
“Deutschland-Ranking: So sozial sind die Bundesländer“ Baden-Württemberg sei das „sozialste Bundesland Deutschlands, Mecklenburg-Vorpommern das Unsozialste. So lautet das Ergebnis einer Studie, die die 16 Bundesländer miteinander verglich. Berlin landet auf dem drittletzten Platz.“. Den Artikel von Sonja Pohlmann über die so genannte Studie von berlinpolis finden Sie hier.
Studie und Artikel sind in mehrfacher Hinsicht interessant. Jedenfalls ein sicherer Aspirant für unsere Rubrik „Manipulation des Monats“.

Hier nun nacheinander die bemerkenswerten Eigenheiten dieses Vorgangs:

  1. In der Studie von berlinpolis, deren Titel lautet „Wie sozial sind die Länder? Studie zur Sozialen Lage in den deutschen Bundesländern“, werden nur teilweise Indikatoren gemessen, die die soziale Qualität eines Bundeslandes ausmachen. Gemessen werden weit gehend Indikatoren der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit beziehungsweise solche Faktoren, die direkt mit der wirtschaftlichen Lage des jeweiligen Bundeslandes verknüpft sind: Armut, Bildungs- und Ausbildungschancen, und so weiter. Wenn die Wirtschaftslage schlecht ist, dann gibt es hohe Arbeitslosigkeit allgemein und hohe Jugendarbeitslosigkeit. Wenn ich dann die Arbeitslosigkeit als Zeichen mangelnder sozialer Qualität werte, dann rücken jene Länder nach hinten, denen es wirtschaftlich schlecht geht. Wen wundert es. Wenn es hohe Arbeitslosigkeit gibt, dann sind auch die Ausbildungschancen schlecht. Und es ist die Armut hoch. Klar, dass dann ein Land wie Mecklenburg-Vorpommern nach hinten und ein Land wie Baden-Württemberg nach vorn gerät. Siehe dazu die Gesamtstudie [pdf - 853KB].
    Einschlägig im Kontext dieses Beitrags ist übrigens auch der Artikel von Wolfgang Lieb „Die Souffleure der Macht“ vom 6.12.2006. Die Bertelsmann Rankings haben eine vergleichbare „Qualität“. Immer kommt hinten raus, was man vorn eingibt, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen.
  2. Der weit gehend propagandistische und politische Charakter der Studie erklärt sich daraus, dass berlinpolis, anders als von SpiegelOnline behauptet, nicht zu aller erst ein Politikinstitut sondern eine Publicrelations Agentur und Spieler im neoliberalen Aktions-Zirkus ist. Siehe: www.berlinpolis.de Unter der Überschrift „Was macht berlinpolis?“ werden dort zwei Funktionen genannt: Think Tank und Agentur. Beides ist für die Auftraggeber und die neoliberale Bewegung wohltuend vermischt.
    Berlinpolis ist eng verbunden mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Berlinpolis gehört neben der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, der „Marke Deutschland“, dem BürgerKonvent von Meinhard Miegel u.a.m. zu jenen 10 Initiativen, die sich 2004 zur „Aktionsgemeinschaft Deutschland“ zusammengeschlossen haben.
    Das Aparte: Wenn Sie bei dieser dubiosen Aktionsgemeinschaft Deutschland auf Kontakt oder Impressum klicken, dann landen sie bei berlinpolis – sozusagen federführend für den konservativen Publicrelationsverein.
    Wer das Netzwerk und die Abhängigkeiten von berlinpolis erkunden will, sollte bei www.berlinpolis.de nachschauen. Unter Referenzen finden Sie Altana, BMW, DaimlerChrysler, Deutsche BP, Dresdner Bank, Siemens, SAP, Vattenfall, Robert Bosch Stiftung, Vodafone und eben auch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Auch eine Reihe von Ministerien und andere öffentlichen Einrichtungen zählen zu den Auftraggebern. Das ist typisch. Es wird überall abgesahnt. Geschäftsführer von berlinpolis ist Dr. Daniel Dettling. Auch Vater Dr. Wanfried Dettling, Fellow von Bertelsmanns CAP [pdf - 16KB], ist berlinpolis verbunden. Er ist Mitglied des Beirats.
  3. Spiegel Online kommentiert die Anlage und den Inhalt der Studie nicht kritisch und informiert auch nicht über den Charakter des Instituts. Beides hat einen deutlich manipulativen Beigeschmack. Es kommt ein Drittes hinzu: die Autorin Sonja Pohlmann des Artikels von SpiegelOnline ist mit berlinpolis verbunden. Sonja Pohlmann hat schon 2004 für berlinpolis und dessen vermutlichen Auftraggeber gearbeitet.
    Sie hat 2005 für berlinpolis und Vodafone eine Studie gemacht [pdf - 200KB].
    Man braucht nur ein bisschen zu googeln, um zu erfahren, was SpiegelOnline uns verschweigt. SpiegelOnline ist Teil der Publicrelations Arbeit solcher Agenturen wie berlinpolis und seiner Auftraggeber.
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