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Nochmals: Vernetzung von schulischer Bildung mit privaten Interessen

Verantwortlich:

“Oeconomix”, die “Wirtschaft fürs Klassenzimmer”, steht dem Schulprojekt von FOCUS-Money sicher in nichts nach. Zitat: “Oconomix ist ein Projekt der Citigroup. Die Lernsoftware ist vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln in Kooperation mit der Citibank entwickelt worden. Die Citigroup Foundation unterstützt dieses Programm unter dem Dach ihrer globalen Initiative zur Verbesserung des finanziellen und wirtschaftlichen Allgemeinwissens.” Und die INSM bewirbt es fleißig.

Einer unserer Leser schrieb uns zu unserem Beitrag vom 22.02.07 „Neoliberale Netzwerke: FOCUS-Money unterstützt durch die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ und ThyssenKrupp erklären in einem Schulprojekt die Wirtschaft“ folgenden Brief:

„Schade, dass Sie in dem Zusammenhang nicht auf den Kampagnen-Ableger “Wirtschaft und Schule” hingewiesen haben (Motto: “Reformen starten im Klassenzimmer”), der sich aktuell auf der didacta 2007 auf dem Stand des Instituts der deutschen Wirtschaft präsentiert.
Die Aktivitäten der INSM als Lieferant von “Unterrichtshilfen” sind nicht neu. Schon lange wird da Propagandamaterial verbreitet, dass eigentlich eine Schulaufsicht jedem Lehrer eine Disziplinarverfahren androhen müsste, der es im Unterricht verwendet. Siehe zum Beispiel die Unterrichtssequenz zum Thema: Soziale Sicherheit, in der, schamlos geschminkt, der Sozialstaat für die Massenarbeitslosigkeit verantwortlich gemacht wird (“Teufelskreis”) [doc – 728KB].

“Oeconomix”, die “Wirtschaft fürs Klassenzimmer”, steht dem Schulprojekt von FOCUS-Money sicher in nichts nach. Zitat:
“Oconomix ist ein Projekt der Citigroup. Die Lernsoftware ist vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln in Kooperation mit der Citibank entwickelt worden. Die Citigroup Foundation unterstützt dieses Programm unter dem Dach ihrer globalen Initiative zur Verbesserung des finanziellen und wirtschaftlichen Allgemeinwissens.” Und die INSM bewirbt es fleißig.

Aber vielleicht stellt ja das NRW-Schulministerium ein Warnschild vor dem didacta-Stand auf.
Die didacta findet vom 27.2 – 2.3.07 in Köln statt.

Ein anderer Leser schreibt uns:

Wie eine einfache Google Suche ergeben hat, gibt es das Projekt “Focus macht Schule” bereits seit 2002. Wie man hier erfährt, wurde es 2002 zunächst nur für Bayern konzipiert:

“2002: PROMEDIA konzipiert und betreut das Projekt „FOCUS macht Schule“ in Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium als Pilotprojekt zunächst für den Freistaat Bayern”

2003 wurde es auf alle Bundesländer ausgedehnt:

“2003: Das Projekt „FOCUS macht Schule“ wird nach erfolgreichem Abschluss des Pilotprojektes bundesweit ausgedehnt. 12.500 Schülerinnen und Schüler aller Bundesländer engagieren sich seither ganzjährig im zur Zeit aktuellsten Medienprojekt Deutschlands”

Das ist also alles nicht neu. Die Suche über google mit dem Stichwort “Focus macht Schule” ergibt auch viele Treffer, sehr viel Werbung für das Projekt, aber auch Links zu Organisationen bzw. Institutionen, die das Projekt unterstützen.

z.B.

Quelle 1: wissensschule.de
Quelle 2: medien.bildung.hessen.de
Quelle 3: schule-bw.de

Man findet auch Schulen, die sich an diesem Projekt beteiligen und davon online berichten.

Auf dieser Seite erkennt man auch die Strategie, mit der das Projekt ihre neoliberalen Botschaften anzubringen versucht, indem sie diese neben und unter unverfänglichen Themen mischt. Das erweckt den Eindruck sachlicher Unabhängigkeit.

Darüber wurde auch bereits unter dem Thema Schulsponsoring im WDR berichtet.

Ist es vielleicht an der Zeit, sich bei den Schulen zu melden und das zu thematisieren. Ich habe mir überlegt, die betroffenen Schulen anzuschreiben und über die versteckten Interessen in diesem Projekt aufzuklären. Vielleicht ist da eine konzertierte Aktion nötig? Meine Frau ist Elternvertreterin und würde das sicher thematisieren. Es müsste aber nach einem breiten Ansatz gesucht werden. Ich würde mich jedenfalls beteiligen, wenn Sie dazu Ideen haben.

Zu der ach so gemeinnützigen privaten Unterstützung der Schulen durch diese Interessensgruppen bei der Bereitstellung von Lernmittel passt folgende Meldung des Didacta Verbands und des Verbands der Bildungsverlage VdS Bildungsmedien. Im vergangenen Jahr hätten Länder und Kommunen für Schulbücher und Unterrichtssoftware rund 220 Millionen Euro investiert, das entspreche 20 Euro pro Schüler für das gesamte Jahr. 1991 waren es noch 31 Euro. Die Umsatzentwicklung von Lern- und Lehrmitteln stagniere seit Jahren.

Es geht halt überall um dasselbe Spiel: Erst den Staat aushungern und sich dann an dessen Stelle setzten. Das nennt man dann zivilgesellschaftliches Engagement.

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