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Fracking – Ihr Hinweis. NachDenkSeiten selbst auf Meinungsmache hereingefallen?

Veröffentlicht in: Aufbau Gegenöffentlichkeit, Leserbriefe, Strategien der Meinungsmache, Umweltpolitik


Liebe Macher der Nachdenkseiten.

Ich bin schon lange Zeit treuer Leser der Nachdenkseiten und schätze ihre Arbeit auch, da Sie stets hinter die Kulissen der Berichterstattung zu leuchten wissen.
Jedoch, als ich ihren Hinweis Nr. 11 vom 5.9. sah, war ich schon ziemlich ungläubig/verwundert!
Solche Hinweise erwarte ich eigentlich nicht bei den NDS.

Der Hintergrund:

Ich habe selbst den genannten Panorama Beitrag gesehen. Ich bin wahrlich kein Geologe, Chemiker oder besitze sonstige Fachkompetenzen zum Fracking. Aber ich habe gesunden Menschenverstand.

Der Panorama Beitrag machte mit „brennenden Wasserhähnen“ auf. Als wäre das die größte Gefahr die durch Fracking drohte. Nein, das sei Quatsch. Dann die Erdbebengefahr. Scheinbar nimmt das Erdebenrisiko mit Fracking ab, sagten die im Beitrag. Ok., dachte ich, das kann ich nicht einschätzen. Klingt aber eher merkwürdig. Und woher wissen die das genau…? Naja.

Erst nachdem Fracking schon einige Zeit als ziemlich unproblematisch dargestellt wurde, kam die Sprache auf austretendes „Lagerstättenwasser“. Dieses Wasser ist hochgradig mit Schwermetallen belastet. Ja, das sei auch schon vorgekommen, dass das Wasser ausgetreten ist. Aber im Prinzip nur wegen undichter Rohre und dergleichen. Wenn man also aufpasst ist das alles nicht so wild. Und natürlich „beherrschbar“. Nur, was heißt „behrrschbar“ denn genau? Und ist „beherrschbar“ auch gleich empfehlenswert? Das wurde nicht thematisiert!

Die Chemikalien, die bei Fracking mit hohem Druck ins Erdreich geschossen werden…. zu 99% Wasser!
Ist gar nicht schlimm. Zum Beweis, trinken ein paar Jungs von Exxon Mobile sogar ein Schapsglas von dem Zeug.
Nur, weiß ich nicht, ob die vielleicht nur Quittenschnaps getrunken haben. Außerdem weiß ich nicht, wieviel davon wirklich ins Erdreich gelangt. Vermutlich mehr als ein Schnapsglas. Und ob es sich da, wo dieser Chemikaliencocktail eingesetzt wurde, auch noch einige Jahrzehnte später bedenkenlos der tägliche Kaffee mit unserem Trinkwasser kochen lässt…, bzw. sich das empfiehlt? Eine andere Frage, die nicht beantwortet wurde.

Insgesamt: Ein Bericht, dessen einzige Mission es war Fracking zu verharmlosen. Das war für mich offensichtlich. Die wirklichen Risiken wurden, wenn überhaupt, nur am Rande kurz thematisiert. Unter dem Tenor: beherrschbar und nicht schlimm! Stets unter dem Deckmäntelchen der „Versachlichung“ einer hysterischen Debatte.

Aber, das ist ja nur die inhaltliche Seite. Eingebettet war der Beitrag in einen Rahmen, der der eigentliche Hintergrund für diesen Beitrag sein dürfte.
Bei der Ansage des Beitrags und am Schluss nochmal wurde der Rahmen genannt:
Wir müssen unabhängiger von Putins Gas werden. Sonst dreht uns der Russe noch den Gashahn ab. Und wir haben doch so viele Ressourcen hier vor der Haustür. Entweder Fracking oder Putins Gas!
Ich nehme an, dieses erfrischend offene Statement von C. Rice kennen sie.
Ja, da sollten jetzt wirklich so nette Firmen wie Exxon Mobile ran.

Jetzt noch zum Leiter der „Studie“ Uwe Dannwolf. Ich habe mich beim Sehen des Beitrags schon gewundert, dass er nicht als renommierter Professor vorgestellt wurde, sonderm lediglich als wissenschaftlicher Leiter der Studie – und in irgendeinem Landhaus interviewt wurde.
Jedenfalls scheint er nicht unbedingt der renommierteste Forscher zu sein. Wie dem auch sei. Er arbeitet an keiner Uni o.ä. sondern ist Geschäftsführer von RiskCom und arbeitet seit längerer Zeit auch im Auftrag der US Armee.

Dort kann man solche Sätze über sein Unternehmen lesen:

Immer passen wir den Untersuchungsumfang und den Bewertungsansatz zielgerichtet an die spezielle Fragestellung an. (Meine Hervorhebung). Das Team zeigt, wie sich der Schutz natürlicher Ressourcen mit den ökonomischen Interessen der handelnden Wirtschaft in Einklang bringen lässt. (Hervorhebung im Orginal).

Zu ihm selbst, kann man noch lesen:

Uwe Dannwolf nimmt die Geschäftsführung von RiskCom wahr.(…)
Seit zehn Jahren fungiert er als Projektdirektor eines der größten Altlastenprojekte der US-Armee weltweit.(…)

Seit über 12 Jahren dominiert auch die Projektrisikoprüfung sein Leistungsspektrum. Der Gutachter bewertete die Finanz- und Haftungsrisiken zahlreicher gewerblicher und industrieller Liegenschaften natio­naler und internationaler Unternehmen und entwickelte und implementierte Bewertungs- und Managementsysteme für internationale Großprojekte wie Geothermieanlagen, Bergwerke, Pipelines, Tunnelbauwerke, CCS Technologie, Häfen, Kinderspielzeug, (Sondermüll-)Deponien, Müllheizkraftwerke, Kernkraftwerke, etc.

Zumindest Skepsis ist angebracht, wenn einem solche Beiträge verkauft werden.
Sie, als Fachmänner für Meinungsmache hätte ich „sensibler“ im Bezug darauf vermutet welche Hinweise sie veröffentlichen.

Nochmal zum Chemikaliencocktail, der ja scheinbar völlig harmlos ist, dass man ihn sogar trinken kann:

In einem Bericht an den US Kongress wurden die Namen von rund 750 Chemikalien genannt.
Einige von ihnen sollen giftig oder sogar krebserregend sein. Wie viele und welche genau es sind, das bleibt vorläufig ein Geheimnis der Gasunternehmen. Denn der Chemiecocktail, den sie in die Gesteinsschichten pressen, unterliegt keiner Veröffentlichungspflicht – auch nicht in Deutschland. So waren selbst die Gutachter des Umweltbundesamtes bei der Beurteilung der Giftigkeit der eingesetzten Stoffe auf freiwillige Auskünfte von Herstellern angewiesen.

ExxonMobil gibt nach eigenen Angaben als einziges deutsches Gas-Unternehmen freiwillig Auskunft über die verwendeten Substanzen. Demnach besteht die Frack-Flüssigkeit, je nach geologischer Beschaffenheit des Untergrundes, zu rund 95 bis über 99,8 Prozent aus Wasser und Stützmitteln, also Sand oder Keramikkügelchen. Hinzu kommen bis zu 30 Chemikalien. Die Frack-Flüssigkeit als solche sei weder giftig noch umweltgefährdend, schreibt das Unternehmen. Sie sei nach Chemikalienrecht nicht kennzeichnungspflichtig und kein Gefahrgut.

Giftig oder nicht giftig?

In einem Gutachten des Umweltbundesdamtes aus dem Jahr 2012 liest sich das so: „In der Bohrung Damme 3 wurden z. B. bei drei Fracks rund 12.000 Kubikmeter Wasser, 588 Tonnen Stützmittel und 20 Tonnen Additive (meine Hervorhebung) (davon 460 Kilogramm Biozide) verpresst. Die Auswertung der verfügbaren 80 Sicherheitsdatenblätter ergab, dass 6 Zubereitungen als giftig, 6 als umweltgefährlich, 25 als gesundheitsschädlich, 14 als reizend, 12 als ätzend eingestuft sind.“

So weit meine Anmerkung zu Ihren Hinweisen. Sorry, ist etwas länger geworden. Aber mir war das wichtig, sie darauf aufmerksam zu machen, wie ich den Hinweis, den sie veröffentlicvht haben, wahrgenommen habe.

Dennoch,
danke für ihre so unbeschreiblich wichtige und unvergleichbare aufklärerische Arbeit!

Viele Grüße!
L. L.

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