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10. Dezember 2016
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Schlappe Berichterstattung zum Aufruf von Herzog, Schröder, Adorf, etc. gegen Krieg und zu Lafontaine beim Gedenken zu Liebknechts Nein zu den Kriegskrediten

Veröffentlicht in: Friedenspolitik, Gedenktage/Jahrestage, Medien und Medienanalyse

Medienschaffende beklagen sich darüber, dass sie in diesen Tagen oft hart kritisiert werden. Das gilt insbesondere für die Vertreter der Öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Das mag da und dort ungerecht sein. Aber: Die Medien machen es einem auch wirklich schwer. Sie posaunen hinaus, was ihnen gefällt und was in ihre Kampagnen passt, und verschweigen, was ihnen zuwider ist. Zwei Beispiele aus der vergangenen Woche belegen diesen Eindruck leider wieder einmal. Zum einen geht es um die Reaktion auf den Aufruf von mehr als 60 Prominenten „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“ vom 5. Dezember 2014. Zum anderen um die Missachtung einer Veranstaltung der Linkspartei anlässlich des 100. Jahrestages der Nein Stimme von Karl Liebknecht zu den Kriegskrediten des Jahres 1914. Kaum Berichterstattung, kaum Kommentierung. Damit unsere Leser beide Ereignisse nicht versäumen, weisen wir auf die einschlägigen Dokumente hin. Albrecht Müller.

Chronologisch der Reihe nach:

Erstens: Zum Gedenken an Karl Liebknechts Nein zu den Kriegskrediten

Am 2. Dezember gedachte die Linkspartei Karl Liebknechts Nein zu den Kriegskrediten vom 2. Dezember 1914. Das Video der gesamten Veranstaltung siehe hier. Oskar Lafontaine hielt eine bemerkenswerte Rede. 20 Minuten. Lohnt sich.

Reaktion in den Medien? Keine Meldung von dpa, keine Wahrnehmung in der Tagesschau oder in Heute vom ZDF. Im Heute Journal wurde am gleichen Abend berichtet, die NATO stelle sich wegen der Ukraine-Krise neu auf. Das ist das Kontrastprogramm der deutschen Medien. So gehen sie mit der deutschen Geschichte um. Wenn sie wenigstens berichten und kritisieren würde. Das wäre dann zumindest nicht ehrenrührig. So aber muss man wirklich alle seine Urteile über die Medien-Lage in Deutschland als bestätigt ansehen.

Zweitens der Aufruf „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!„. Er erschien am Freitag, den 5. Dezember bei „Zeit online“ (Immerhin!!). Auch davon wurde in anderen Medien kaum Notiz genommen, Obwohl schon die Kombination der Unterzeichner Aufmerksamkeit hätte erreichen müssen: Altbundespräsident Roman Herzog, Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder, Wim Wenders, Antje Vollmer, Walther Stützle, Mario Adorf, Diepgen, Stolpe, Hans-Jochen Vogel, sogar Horst Teltschik, früherer Mitarbeiter von Helmut Kohl und zeitweise verantwortlich für die Sicherheitskonferenz in München. Er soll den Aufruf initiiert haben.

Reaktion der Hauptmedien?

Nach meinen Recherchen nichts bei dpa. Und nichts bei heute und heute Journal. Und nichts in der Tagesschau. In der TAZ immerhin ein geharnischter negativer Kommentar So ist halt die Taz. Wer es noch nicht gemerkt hat, lese diesen Kommentar. Aber immerhin nimmt das Blatt Notiz von dem Vorgang.

Auch der Berliner Tagespiegel meldet sich und Deutschlandradio Kultur am 06.12.2014 mit einem Gespräch mit Walther Stützle. Immerhin.

Insgesamt ist das Echo extrem mager. Die Medien sollten sich wirklich nicht wundern darüber, dass sich so viele Menschen davon abwenden.

Den Aufruf hätte man positiv und negativ kommentieren können. Ich frage mich zum Beispiel, ob der frühere Leiter der Sicherheitskonferenz in München, Horst Teltschik (1999-2008) wirklich ein glaubwürdiger Vertreter für die friedliche Zusammenarbeit in Europa ist. Die Sicherheitskonferenz hat sich auch in Zeiten von Horst Teltschik nicht gegen den Ersatz der Politik durch militärische Interventionen wie etwa im Kosovo Krieg gemeldet.

Man könnte auch kritisch kommentieren, dass die Organisatoren dieses Aufrufes darauf verzichtet haben, die Brücke zu den Vertretern der Linkspartei wie Lafontaine und Sahra Wagenknecht und zu kritischen Geistern wie zum Beispiel Willy Wimmer zu schlagen. Eine verpasste Chance. Immerhin sind Georg Schramm dabei und Friedrich Schorlemmer.

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