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Das versuchte Mobbing einer Art von Gesinnungspolizei. Und daran anschließend die Anregung, Russlands Sender RT Deutsch mit der Bild-Zeitung zu vergleichen

Veröffentlicht in: Aufbau Gegenöffentlichkeit, Erosion der Demokratie

Es häufen sich die Mails, in denen irgendwelche Menschen die NachDenkSeiten davor warnen, sich mit anderen Zeitgenossen sehen zu lassen. Intoleranz und Denunziantentum haben Hochkonjunktur. Zwischen 20. und 22. März kamen drei solcher Mails an, in den Wochen davor und danach immer wieder welche. Auch Leser der NachDenkSeiten werden von unbekannten Personen mit Mails bedacht. Die Argumentationsmuster sind ähnlich: Lob für die NachDenkSeiten, und dann ein „Aber, mit X und Y solltet Ihr bitte nicht reden. Das wirft ein schlechtes Licht auf euch.“ – Diese Ermahnungen sind typisch für Trolle. Denunzieren kann allerdings man auch aus eigenem Antrieb. – Es ist vermutlich gut, wenn die Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten diese Vorgänge kennen. Gegen Denunziation und Anschwärzung kann man sich – auch im privaten Leben – nur dadurch wehren, dass man diese Methoden öffentlich macht. Albrecht Müller

Im konkreten Fall geht es zweimal darum, dass die Redaktion der NachDenkSeiten darauf hingewiesen wird, dass ich, weil ich mit Willy Wimmer und Ken Jebsen spreche, den NachDenkSeiten schaden täte. Im dritten Mail wird Professor Birnbaum von einem US-amerikanischen Landsmann davor gewarnt, sich mit den NachDenkSeiten gemein zu machen. Diese Mail ist obendrein voller falscher Behauptungen. Das ergänzt und verstärkt den denunziatorischen Charakter.

Hier die erwähnten Mails und dann noch ein paar Anmerkungen zum Problem Kontaktsperre:


20.3.2015 an Redaktion NachDenkSeiten

Betr.: Ken Jebsen

Sehr geehrte Herren,

als regelmäßiger Leser Ihre website bezweifle ich, dass Sie sich einen Gefallen damit tun, Kontakt zu Leuten wie Ken Jebsen zu halten. Selbst wenn die schwerwiegenden Vorwürfe ihm gegenüber nur zum Teil stimmen sollten, sein Ruf ist desaströs und das dürfte Ihrer Seite eher schaden als nützen.

Mit freundlichen Grüßen
T. Sch.


20.3.2015 an Prof. Norman Birnbaum, Washington, mit Kopie an Redaktion NachDenkSeiten

Betr.: NachDenkSeiten

Hello Professor Birnbaum,

I follow the German media and have seen your articles on the Web site NachDenkSeiten. Are you a regular reader of this blog?

I’m asking this because over the past couple of years NachDenkSeiten has become a virulently anti-American. The contributors endorse many of the crude conspiracy theories that are unfortunately common on the German Left and the extreme Right. Some examples: that the CIA was somehow involved in the Charlie Hebdo terrorist attacks, that the US was somehow behind the shooting down of the airliner (MH17) in eastern Ukraine (after engineering a “fascist coup” in Kiev), 9/11 Truther conspiracies (a favorite on the German left), that mainstream German journalists are in the pocket of CIA-financed think tanks – just to name a few.

Albrecht Mueller, the editor of NachDenkSeiten, is shortly coming out with his next book – Der Tod kommt aus Amerika (“Death Comes from America”). The title reflects his conviction that the United States is the source of all misery in the world.

To be sure, there is plenty to criticize about the United States. But I think you’ll agree that the irrational conspiracy theories and reflexive anti-American hate on the German Left inhibits any understanding or dialogue.

In any event, I wasn’t sure you if were aware of the unfortunate direction of this site which is publishing your articles.

Best regards,
David Vickrey, PhD
Cape Elizabeth, ME 04107
USA


22.3.2015 an Redaktion NachDenkSeiten

Betrifft: Willy Wimmer bei rechtsnationalen Verein

Liebe nds-Redaktion,

ich wollte euch auf folgenden Artikel aufmerksam machen.
Auf seite 2 des Artikels wird u.a. Auch Willy Wimmer als Referent bei dieser fragwürdigen Veranstaltung genannt.
Da Ihr, insb. Albrecht Müller in letzter Zeit diesen des öfteren (durchaus lobend) erwähnt habt wollte ich Euch zumindest darauf hinweisen, dass dessen Aktivitäten womöglich auch ein schlechtes Licht auf die NDS zu werfen geeignet sind.
Und was die NDS sicher nicht gebrauchen können ist ein negatives Image

Sonnige grüße aus Potsdam
M. A.

PS: Danke das es euch gibt!

Auszug aus meiner Antwort an M.A.:

Sehr geehrter Herr M.A,

verstehe ich Sie richtig, dass wir, bzw. ich anderen Menschen vorschreiben sollen, wo sie Reden halten? Und dass dann, wenn sie sich an unsere Empfehlungen nicht halten, wir den Kontakt abbrechen sollen?

Ich schreibe Ihnen deshalb, weil sich inzwischen Mails wie die Ihren häufen. Offensichtlich ist in Deutschland eine Art von Gesinnungspolizei tätig.

So wie Sie monieren, dass Willy Wimmer nicht bei diesem Hamburger Verein auftritt, (wo ich persönlich nicht auftreten würde, weil mir die Leute dort unsympathisch sind,) so monieren andere, dass Willy Wimmer bei der Linken und bei der Rosa Luxemburg Stiftung aufgetreten ist. Wo soll das denn hinführen?

(…)

Ich werde jedenfalls meinen freundlichen Kontakt mit Willy Wimmer, der auch schon zu Gast beim Pleisweiler Gespräch war, nicht wegen seines Auftritts in Hamburg abbrechen. Und ich kann auch nicht sehen, dass dies bei einigermaßen vernünftigen Menschen ein schlechtes Licht auf die NachDenkSeiten wirft.

Albrecht Müller


Mit wem darf man noch reden? Oder anders ausgedrückt: Ist der russische Sender RTDeutsch z.B. schlimmer als die Bild-Zeitung? Manipuliert RTDeutsch mehr als „Die Zeit“?

Von der deutschen Gesinnungspolizei gibt es unterschwellige oder offen ausgesprochene Kontaktverbote. So weiß ich von einigen publizistisch tätigen Freunden, dass sie wie ich Bauchschmerzen bekommen, wenn eine Interview-Anfrage von RT Deutsch kommt. Wenn man mit einigermaßen etablierten Journalistinnen und Journalisten redet, kommt postwendend ein „Igittigitt‘.

Diese Intoleranz und Berührungsangst ist sehr eigenartig:

  • Es ist bekannt, dass der Sender von Russland finanziert ist. Daraus wird kein Geheimnis gemacht.
  • Wie der Sender für sich in Anspruch nimmt, will er den „fehlenden Part“ senden. Diesen fehlenden Part gibt es. Wir werden, wie auf den NachDenkSeiten schon oft gezeigt worden ist, über Ereignisse und Hintergründe des Geschehens in Russland und in der Ukraine und anderen Ortes nicht ausreichend und vollständig informiert, ausgewogen und fair sowieso nicht.
  • Wir lassen zu, dass bei uns Medien wie die Bild-Zeitung und andere Medien des Springerkonzerns tätig sind, die zum Beispiel darauf festgelegt sind, dass sie die Politik Israels in jedem Fall unterstützen. In jedem Fall heißt, auch dann, wenn diese Politik unerträgliche und unmenschliche Folgen hat. Das färbt auch auf die Berichterstattung zur Politik der USA ab. Auch diese ist in den Springer Medien wie auch bei anderen keinesfalls so vielfältig, dass man ein korrektes Bild bekommt.
  • Die Bild-Zeitung hat, wie eine ganze Reihe anderer Medien auch, in der Auseinandersetzung um die Wirtschafts- und Finanzpolitik Griechenlands und jetzt auch um die Außenpolitik Griechenlands in hetzerischer Weise Partei ergriffen. Die Skeptiker gegenüber RT Deutsch sollten mal einen Vergleich der Anzahl und der Qualität der Hetzartikel auf diesem Sender mit jenen in der Bild-Zeitung machen. Das Ergebnis dieses Vergleichs würde ich gerne einen nächsten Text zum Thema aufnehmen.
  • Die Grundlinie der Zeit, der FAZ, der Süddeutschen Zeitung, des ZDF, des Spiegel, Spiegel Online und der ARD und der privaten Sender sowieso ist in außen- und sicherheitspolitischen Fragen offensichtlich ähnlich inspiriert wie die Linie bei dem russischen Sender – mit dem kleinen Unterschied, dass bei RT Deutsch offen gesagt wird, wer dahintersteckt, und bei den anderen Medien dies ein Geheimnis bleibt und obendrein bestritten wird.

Zum Schluss eine Bitte an unsere Leserinnen und Leser: Machen Sie das Schnüffeln nicht mit. Wir brauchen Pluralität. Wir brauchen Toleranz.

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