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14. Dezember 2017
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FAS: „Leise summt der Frühling“. Wir zerstören die Lebensgrundlage unserer Kinder und Enkel. Bitte aufwachen.

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Aufbau Gegenöffentlichkeit, Klimawandel, Umweltpolitik

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte gestern einen erstaunlichen Aufmacher. Es wurde dort beschrieben, was wir mit wachen Augen und Ohren tagaus tagein beobachten können: Es gibt immer weniger Insekten. Ihre Zahl ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Nicht in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten, sondern in den letzten Jahren! „Fachleute beziffern den Rückgang der Insekten-Biomasse seit Mitte der Neunzigerjahre auf bis zu 80 %“, so die FAS. Insekten sind aber unentbehrlich, für die Landwirtschaft, für die Artenvielfalt insgesamt, für uns. Deshalb machen wir zum zweiten Mal innerhalb von fünf Wochen auf den gravierenden Verlust in Natur und Umwelt aufmerksam. Albrecht Müller.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Am 27. Februar hatten wir auf den Verlust an Artenvielfalt bei Vögeln aufmerksam gemacht.

Erst das Fressen, dann die Moral

Dass viele Menschen, denen es rundum dreckig geht, keine Lust haben, sich darüber Gedanken zu machen, dass der Frühling jetzt „leise summt“, kann ich sehr gut verstehen. Wenn man krank ist, wenn man arbeitslos ist, wenn man nur befristete Arbeitsverträge erhält und einen geringen Lohn, dann ist es einem in der Regel piep-egal, was die Welt drumherum macht, und dass Insekten von Pestiziden und andern Chemikalien bedroht sind und deshalb die Vögel nichts mehr zu fressen haben und reihenweise aussterben, das ist einem vergleichsweise gleichgültig, es sei denn, man sei sehr naturverbunden und ethisch motiviert. „Erst das Fressen, dann die Moral“ – diese Feststellung von Bert Brecht war nicht gegen die Menschen gerichtet, sondern gegen die Bedingungen, die diesen Menschen das Leben so schwermachen.

Trotz dieses Verständnisses für die Lebenslage vieler Menschen und trotz unserer damit verbundenen Kritik der offiziellen Beteuerungen, wie gut es uns gehe, mache ich auf das rapide Sterben von Natur und Umwelt aufmerksam.

Weil der Text der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung anhand der obigen Abbildung nicht gut zu lesen ist und weil der Artikel im Netz nicht verlinkt ist, sind hier noch einige der wesentlichen Aussagen zusätzlich zitiert:

  • Nach Meinung des Agrarbiologen Setelle vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig gibt es viele Anhaltspunkte dafür, dass es das Insektensterben gibt.
  • Die Folgen sind zu sehen: Nutzpflanzen müssen teilweise schon künstlich bestäubt werden, um Früchte zu tragen. Es ist festzustellen, dass die Insekten eine große Wirtschaftsleistung erbringen.
  • Deshalb meint auch die Bundesumweltministerin, dass es im Interesse der Landwirtschaft läge, die biologische Vielfalt zu schützen. Diese Aussage müsste man wohl korrigierend ergänzen: Nicht zu schützen, wiederherzustellen – wäre die korrekte Aussage.
  • Es gibt mehrere Ursachen für den Verlust an Insekten und ihrer Vielfalt. So verändere auch der Klimawandel die Lebensräume, sodass Eindringlinge heimische Arten verdrängen.
  • Großflächige Landwirtschaft bringt Probleme.
  • Pestizide sowieso.

Im Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung werden einige Gegenmaßnahmen genannt: Lebensräume für Insekten schaffen, die Landschaft nicht so aufräumen, den Rasen nicht komplett mähen usw. Die konventionelle Landwirtschaft müsste mehr Naturschutz betreiben. – das klingt ja alles etwas bemüht und hilflos. Immerhin zitieren sie allerdings den Bundestagsabgeordneten Harald Ebner mit der Aussage: „Wir brauchen eine Strategie, wie wir langfristig vom chemischen Pflanzenschutz wegkommen.“ Langfristig? Das klingt nicht sehr mutig, wenn man bedenkt, dass der Verfall der Artenvielfalt innerhalb von Jahren bewirkt worden ist.

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