Große Mengen von Plastikmüll in den Meeren, die Artenvielfalt schrumpft – es läuft sehr schlecht mit unserer Umwelt.

Albrecht Müller
Ein Artikel von:

Auf den NachDenkSeiten wird das Thema Umwelt stiefmütterlich behandelt. Das folgt nicht aus Desinteresse unsererseits. Im Gegenteil. Aber wenn wir uns bei einem Thema nicht besonders gut auskennen, dann lassen wir die Finger davon. Manche NachDenkSeiten-Leserinnen und Leser kennen sich besser aus als wir. Dennoch will ich auf zwei dramatische Entwicklungen hinweisen. Als Anstoß gedacht. Albrecht Müller

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) machte gestern mit einer Titelstory über den Müll im Meer auf. Nebenbei und witzigerweise mit dem gleichen Titel wie „Profil“ aus Österreich schon am 22. Januar: „Der alte Müll und das Meer“. Es wird davon berichtet, dass vor allem in Asien riesige Mengen Plastikmüll in die Ozeane gespült werde, dass dieser Müll durch Wellen und Sonne so verkleinert werde, dass Muscheln und Fische dieses Zeug fressen und es dann auf unseren Tellern landet. Auf den Tellern der Menschen in Asien sowieso. Der Plastikmüll wird ins Meer gespült, weil die Städte in Asien und das Land sowieso nicht über ausreichende Deponien und Verarbeitungsanlagen verfügen und der Müll vom Wind in die Flüsse und von dort ins Meer transportiert wird.

Das ist eine dramatische Entwicklung. Sie würde massives Umsteuern der Verpackungsgewohnheiten weltweit und Anstrengungen für die Entsorgung des Mülls verlangen.

Dramatisch ist auch, wie sehr die Artenvielfalt schrumpft.

Ich erlebe das in meiner direkten Umwelt. Noch 1980 konnte man in den Feldern und Wiesen der Umgebung Hasen und den Wiedehopf, Rebhühner und Fasanen beobachten, hier in den Scheunen Schleiereulen und nachts konnte man das Käuzchen hören und die Nachtigall; zu den Futterstellen kamen im Winter Blaumeisen, Kohlmeisen, Schwanzmeisen, Sumpfmeisen, Grünfinken, Buchfinken, Gimpel, Spatzen, Rotkehlchen u.a.m. Und heute? Spatzen, Buchfinken, Kohlmeisen, Blaumeisen und dann war’s das. Im Sommer keine Schleiereule, kein Käuzchen, nicht einmal der Igel, und Blindschleichen auch nicht; keine Dohlen mehr im Kirchturm. Und die Kröten im Teich sind auch nicht mehr da. Alles weg.

Das hat hierzulande etwas zu tun mit der Chemisierung der Landwirtschaft, mit Monokulturen, mit Flurbereinigung und mit der Begradigung von Bächen.

Seit über zehn Jahren mache ich diese Beobachtung. Freunde aus den Städten berichteten zwischendurch zum Trost, dass ihre Stadtgärten und Parks voll von Vögeln seien. Das kann ich nicht mehr richtig glauben. Erhebungen in diesem Winter haben erwiesen, dass zumindest zu diesem Zeitpunkt und Zeitraum die Artenvielfalt zurückgegangen ist. Zwei Hinweise darauf:

  1. Südwest: Zwischenbilanz: Der Vogelbestand ist insgesamt …
  2. 10.01.2017 – Der Vogelbestand im Südwesten ist zurückgegangen: Das ergab die vom Naturschutzbund Nabu organisierte Zählung am Wochenende.
    Wintervogelzählung 2014: Deutlich weniger Vögel in Bayerns Gärten …

Das waren zwei Beispiele für aus meiner Sicht dramatische Entwicklungen. Wenn wir unseren Ur-Enkeln keine Wüste hinterlassen wollen und keine stinkende Brühe im Meer und auf ihren Tellern, dann ist massives Umsteuern angesagt: eine völlige Umstrukturierung der Landwirtschaft, andere Verpackungsgewohnheiten, Verkehrsvermeidung und das verlangt genau das Gegenteil von mehr Welthandel, Regionalisierung der wirtschaftlichen Tätigkeiten und des wirtschaftlichen Austauschs zum Beispiel sind notwendig.

Dass wir uns Monate lang mit Freihandel und noch mehr Freihandel und im Kern mit einem von „external diseconomies“ geprägten Welthandel beschäftigt haben und dass dafür die politisch Verantwortlichen mehrheitlich kämpfen, zeigt die ganze Absurdität der jetzigen Situation. Mit „external diseconomies“ meinen die Ökonomen Kosten und Schäden, die auf andere Menschen und Völker abgewälzt werden. Das kennzeichnet unsere heutige Weltwirtschaft.

P.S.: Vom Klimawandel und von Atomenergie und anderen dringlichen ökologischen Problemen war jetzt nicht die Rede. Das darf nicht als Zeichen der Missachtung dieser vielen anderen bedrohlichen Entwicklungen verstanden werden.

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