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19. Dezember 2014
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IWF hält zwischen 875 bis 1.700 Milliarden Dollar für die Sanierung der Banken für erforderlich

Verantwortlich:

Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert weitere Anstrengungen, um die Zeichen der Markterholung zu stärken. Der IWF erwartet wachsende Kreditverluste bei den Banken und die Maßnahmen der Regierungen fingen erst allmählich an, wieder Vertrauen in die Märkte zu schaffen. Es seien jedoch noch weitere entschiedene politische Maßnahmen zur Sanierung und Rekapitalisierung der Banken nötig – allein für die USA und Europa zwischen 875 und 1.700 Milliarden Dollar
Das sind die wichtigsten Befunde des halbjährlichen globalen Finanzstabilitätsberichtes des Internationalen Währungsfondes (IWF) zur Finanzmarktkrise. Wolfgang Lieb

Der Bericht unterstellt zwei verschiedene Schätzungen des Sanierungsbedarfs für die Banken:

Nach einer optimistischen Annahme wird bis 2010 eine Kapitalzufuhr von 875 Milliarden US-Dollar für die Banken in den Vereinigten Staaten nötig sein, davon 275 Milliarden für die USA, 375 Milliarden für den kontinentaleuropäischen Raum, 125 Milliarden für Großbritannien und 100 Milliarden für europäische Staaten außerhalb des Euro Raums.
In einer zweiten Kalkulation wird ein Bedarf von 500 Milliarden für die US-Banken, um 725 Milliarden für die Banken der Euro-Region, um 250 Milliarden für die U.K.-Banken und 225 Milliarden für den Rest Europas. (Langfassung S. 34 [PDF – 1,7 MB] )

Es seien überall weitere entschiedene und effektive politische Maßnahmen nötig um das internationale Finanzsystem zu stabilisieren. Banken benötigten Kapitalzuflüsse, wenn nicht aus privaten Quellen, dann durch öffentliche Mittel. In einigen Fällen seien partielle oder sogar die völlige Staatsübernahme erforderlich, um eine ausreichend Kapitalisierung und eine wirkungsvolle Restrukturierung zu erreichen.

Die Finanzpolitik müsse konstruktiv mit anderen makroökonomischen Politikinstrumenten zusammenwirken. Ohne eine grundlegende Stabilisierung des Finanzsystem, sei eine nachhaltige ökonomische Erholung kaum zu erreichen.

Es muss es schon Ironie der Geschichte nennen, dass eine Institution wie der IWF, die über 30 Jahre Privatisierung und die freie Entfaltung der Marktkräfte gefordert und weltweit durchgesetzt hat, nun nach Verstaatlichung und exorbitante staatliche Zuschüssen ruft.

Der IWF beschreibt über 70 Seiten mit unendlich vielen Daten, Zahlen und Grafiken ein geradezu apokalyptisches Bild der Finanzwelt. Woher hat der IWF plötzlich alle diese furchterregenden Zahlen? Wo waren denn solche Daten vor einem oder vor zwei Jahren? Wo waren die Warnungen gegenüber der Politik und Finanzwelt, bevor die Banken alles gegen die Wand fuhren?

Muss man nicht angesichts solcher kolossaler Fehler den begründeten Verdacht haben, dass die heutigen Forderungen zur Bankenstabilisierung genauso fundamentale Fehleinschätzungen sind?

Warum hat sich der IWF nicht getraut, vor dem Ausbruch der Krise wenigstens auf die Risiken des Finanzkapitalismus hinzuweisen? Ist man vorher vor dem Finanzkapital in die Knie gegangen, dann liegt doch der Verdacht nahe, dass man jetzt auch nur der Handlanger der Banken ist, um von der Politik vierstellige Milliardenhilfen abzutrotzen.

Eine Institution, die bei ihren Finanzberichten derart schrecklich neben der Realität lag, soll nach dem Willen der G20 nun eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der Finanzkrise bekommen – und das einzige Mittel das dem IWF einfällt, das ist, irrsinnige Milliardenbeträge für de Banken von der Politik einzufordern.

Da kann dem Steuerzahler nur schwarz vor den Augen werden.

Siehe zu IWF-Report auch

Finanzwelt verliert viele Billionen
Quelle: FR

IWF ermutigt zu Banken-Verstaatlichung
Quelle: FTD

Über vier Billionen Dollar Verluste durch Krise möglich
Die weltweite Finanzwirtschaft muss sich auf Verluste von mehr als vier Billionen Dollar einstellen. Diese gewaltige Zahl – mehr als doppelt so viel wie bisher angenommen – nannte der Internationale Währungsfonds (IMF) am Dienstag in Washington. Zwei Drittel der erwarteten Abschreibungen entfielen dabei auf Banken, der Rest auf Versicherer und Pensionsfonds. Die Schätzungen umfassen laut IMF Vermögenswerte aus den USA, Europa und Japan. Die Verluste alleine durch Papiere und Kredite in den USA bezifferte der Weltwährungsfonds auf 2,7 Billionen Dollar, rund 500 Milliarden mehr als noch im Januar. Aus Europa stammende Ramschpapiere und Darlehen könnten Abschreibungen in Höhe von 1,2 Billionen Dollar nach sich ziehen
Quelle 1: NZZ
Quelle 2: IMF “Global Financial Stability Report”

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