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Albrecht Müller Wolfgang Lieb
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21. Dezember 2014
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Maschmeyer und Rürup gründen eine Beratungs-AG für Alters- und Gesundheitsvorsorge

Verantwortlich:

Sie „stürzen sich ins Abenteuer“ meldet das Handelsblatt. Und weiter: „Der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer und der Ex-Wirtschaftsweise Bert Rürup wollen es noch einmal wissen: Sie gründen eine Beratung für Alters- und Gesundheitsvorsorge. Beide wollen sich damit einen Traum erfüllen – und haben einen prominenten Politiker als weiteren Partner im Visier.“ Dieser heißt Walter Riester. Albrecht Müller

Das ist eine in mehrerer Hinsicht bemerkenswerte Meldung:

  • Sie zeigt, dass der Einstieg Rürups als Chefökonom bei AWD offensichtlich nicht gebracht hat, was er und/oder der Finanzdienstleister sich davon versprochen haben. Vermutlich hat der Ausstieg Rürups bei AWD etwas damit zu tun, dass dort die Geschäfte umso schlechter laufen, je mehr Menschen erkennen, welche schlechten Produkte sie im Zuge von Riester- und Rürup-Renten kaufen. Außerdem ist AWD mit Geschäften in Österreich in große juristische Schwierigkeiten geraten.
  • Walter Riester und Bert Rürup wollen jetzt auf eigene Faust nutzen, was sie vorher durch Beratung (in der so genannten Rürup-Kommission zum Beispiel) und politische Entscheidungen angerichtet haben. Das ist der Drehtüreffekt, bekannt auch von Kohl, Schwarzschilling, u.a. (Kommerzfernsehen) und Clement (Förderung der Leiharbeit) zum Beispiel: Man sorgt in der Amtszeit für politische Entscheidungen, die sich bei Privaten finanziell niederschlagen und kassiert dann durch Beratungsverträge und andere Tätigkeit wie im konkreten Fall die „Erfolge“. Der Kompagnon Maschmeyer hatte die Ergiebigkeit der politischen Entscheidungen pro Riester-Rente und Rürup-Rente mit einem einschlägigen Bild beschrieben:

    „Nach der Verlagerung von der staatlichen zur privaten Altersvorsorge stehe die Finanzdienstleistungsbranche «vor dem größten Boom, den sie je erlebt hat», sagte Maschmeyer. «Sie ist ein Wachstumsmarkt über Jahrzehnte.» Noch sei noch nicht überblickbar, wie sich der Anstieg der privaten Altersvorsorge im Detail ausgestalte. «Es ist jedoch so, als wenn wir auf einer Ölquelle sitzen», sagte Maschmeyer. «Sie ist angebohrt, sie ist riesig groß und sie wird sprudeln.»“

    Quelle: Netzeitung

  • Offenbar erwarten die drei Kompagnons auch von der weiteren Verschiebung der Gesundheitsversorgung zu Gunsten privater Kassen ein für sie einträgliches Geschäft.
  • Anzumerken bleibt noch: Das Geschäftsmodell der drei Privatvorsorge-Profiteure ist keineswegs neu. Die Drei treten in die Fußstapfen des früheren Arbeitsministers von Diktator Pinochet. José Piñera rühmt sich der Beratung europäischer und anderer Regierungen. Er veröffentlicht auch Texte in Deutsch und sagt darin die Unwahrheit über den angeblichen Erfolg der Privatvorsorge in Chile. Auch hierin liegt eine deutliche Parallele. Die drei neuen Berater vermitteln einen sehr falschen Eindruck vom Erfolg der Privatvorsorgesysteme.
  • Was wäre gegen eine solche Geschäftemacherei sachlich und politisch zu tun? Es gäbe bei der Altersvorsorge verschiedene Möglichkeiten:

    1. Die Beendigung der Förderung von Riester-Rente und Rürup-Renten über Zulagen und Steuerbefreiung.
      Dafür gäbe es viele gute Gründe. Es fehlt ohnehin an Geld. Die Förderung kommt wesentlich Besserverdienenden zu gute. Auch wer sich eine solche zusätzliche Privatvorsorge nicht leisten kann oder nicht leisten will, zahlt für andere die staatliche Zulagen- oder Steuer-Subvention. Die mit dieser Förderung verbundene Förderung des Sparens ist gesamtwirtschaftlich heute und auf absehbare Zeit genau das Falsche.
      Wenn die Streichung der Förderung verweigert wird, was zu erwarten ist, dann bleibt etwas anderes:
    2. Es sollte jeder Bürgerin und jedem Bürger selbst überlassen werden, wo sie oder er die Förderung anlegen wollen. Es müsste zum Beispiel möglich sein, die Förderung dem eigenen Konto bei der gesetzlichen Rente, also bei der Deutschen Rentenversicherung gutschreiben zu lassen.
      Im Kapitel 19 meines Buches „Meinungsmache“ habe ich diesen Vorschlag näher ausgeführt. Hier ist ein Auszug davon:

      „Solange die Entscheidung zur Wiederherstellung des Vertrauens in die gesetzliche Rente, solange also die alte Rentenformel und damit die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente nicht wiederhergestellt ist, sollte folgende Zwischenlösung installiert werden:

      Der Förderungsbetrag, der heute als Zulage und/oder Steuervergünstigung bei Riester- und Rürup-Verträgen gezahlt wird, sollte jenen, die das wollen, wahlweise auf ihrem Konto bei der Deutschen Rentenversicherung (= gesetzliche Rente) gutgeschrieben werden.

      Diese Zwischenlösung entspricht dem Gebot der freien Entscheidungsmöglichkeit.

      Es kostet den Fiskus keinen Euro mehr als die Subventionen zur Riester- beziehungsweise Rürup-Rente. Für die meisten Privatvorsorger wären diese Zwischenlösungen hochattraktiv, weil sie die 10 bis 25 Prozent an Kosten sparen könnten, die bei den privaten Versicherungssystemen auflaufen. Im Endeffekt könnten sie mehr Geld für sich arbeiten lassen als die Riester- und Rürup-Rentner. Aber diese einfache und vernünftige Zwischenlösung dürfte bei der Lobby der Finanzwirtschaft und den mit ihr verbundenen Politikerinnen und Politikern auf erbitterten Widerstand stoßen. Da sie sich der Hegemonie ihrer Meinungsmache-Macht so sicher sind, schweigen sie solche selbstverständlichen Vorschläge nach bewährtem Muster einfach tot.“

    Ansonsten bleibt uns auch hier nur die Aufklärung. Informieren Sie ihre Freunde und Bekannten bitte über die Machenschaften, die hinter einer solchen harmlosen Meldung wie jener über die Firmenneugründung von Rürup und Maschmeyer stecken.

    Weiteres Material zur Sache übrigens in unserer Rubrik Riester-Rürup-Täuschung.

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