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Wir sind von Ignoranten umstellt – oder eben von professionellen PR-Journalisten

Verantwortlich:

Heute um 11:57 Uhr werden wir von Spiegel Online mit der Meldung (Anlage 1) überrascht, wir hätten eine „Hohe Inflation“. 2,4 % Preissteigerung nennt der Spiegelautor Böll eine Inflation, und noch dazu eine „hohe“. Er tut dies, obwohl er gleichzeitig schreibt, dass diese 2,4 % vor allem wegen der „hohen Energiekosten“ erreicht werden. Wer in einem solchen Fall von Inflation spricht, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Oder er arbeitet im Interesse anderer Interessenten und nicht seiner Leser. Albrecht Müller.

2,4 % und noch dazu im Wesentlichen durch Energiepreissteigerungen bedingt – das kann man auch im dümmsten Falle nicht Inflation nennen. So schlecht ausgebildet kann man eigentlich nicht sein, eine solche Rate mit dem Alarmwort „Inflation“ zu bezeichnen. Also bleibt nur die Vermutung, dass hier PR- und Lobbyarbeit betrieben wird.

Im konkreten Fall kann man dem Autor und seiner Schreiberei gleich mehrere Interessenten zuordnen:

Erstens: Es könnte PR zu Gunsten der Europäischen Zentralbank sein, die die nächste Zinserhöhungsrunde vorbereiten will. Es ist nicht auszuschließen, dass die EZB für eine solche Stimmungsmache zu Gunsten ihrer geplanten Entscheidung direkt oder indirekt Geld bezahlt.

Zweitens wäre diese Zinserhöhung im Interesse aller, die über Geldvermögen verfügen.

Drittens ist diese Propaganda im Sinne der Arbeitgeber, weil mal wieder der Eindruck verbreitet wird, der Kampf um höhere Löhne lohne sich nicht. Und mit dem Hinweis auf die angebliche Inflation kann man jegliche Forderung für eine expansive Wirtschaftspolitik zurückweisen.

Viertens ist diese Inflationspropaganda im Interesse der Produzenten und Verkäufer von Edelmetallen.

Für die letztere Variante spricht die Dauerpropaganda, die wir bei Spiegel Online und anderen Organen zu Gunsten von Gold und Silber finden. Zufällig erschien ebenfalls am heutigen Tag und vom gleichen Autor um 8:58 Uhr ein Stück über das Rekordhoch des Silberpreises. „Silber so teuer wie nie“ heißt es dort und in einer Zwischenüberschrift und im Text wird von „Krisensicheren Anlagen“ geschrieben. Siehe Anlage 2.

Die Propaganda im Interesse der Händler und Produzenten von Edelmetallen läuft kontinuierlich. So auch zum Beispiel am 8. April dieses Jahres, als bei Spiegel online zu lesen stand: „Edelmetalle – Inflationsangst treibt Gold- und Silberpreise“ (Siehe Anlage 3).

Der Einfluss der Edelmetall-Lobbyisten ist nun keineswegs auf Spiegel und Spiegel online beschränkt. Achten Sie einfach einmal auf das Anzeigen- und Beratungsumfeld bei Medien und Verlagen. Sie werden oft entdecken, dass im Umfeld von Artikeln über Inflation und gegen den Euro Kaufempfehlungen für Edelmetalle zu lesen sind. Oder in speziell dafür vorgesehenen Unterrubriken. So zum Beispiel bei dem Rechtsausleger Kopp-Verlag. Das passt ganz gut zu dieser Literatur vom gleichen Verlag.

Anlage 1:

Hohe Inflation
Deutsche können sich weniger leisten

Deutschlands Arbeitnehmer profitieren kaum vom leichten Tarifplus des vergangenen Jahres. Im Gegenteil: Die Teuerungsrate ist höher als der Lohn-Aufschlag. Auch in der Euro-Zone wird die Inflation zum Problem.
Brüssel – Das Lohnplus für die Arbeitnehmer im vergangenen Jahr war bereits bescheiden – und das Wenige wurde auch noch von der Inflation aufgefressen. Zwar stiegen die tariflichen Monatsverdienste von Januar 2010 bis Januar 2011 um 0,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag berichtete. Der Zuwachs lag aber deutlich unter dem Anstieg der Verbraucherpreise von zwei Prozent im selben Zeitraum. Unter dem Strich waren die Tarifverdienste damit weniger wert als ein Jahr zuvor.
Die Statistiker begründeten die “vergleichsweise schwache Entwicklung der Tarifverdienste” mit den Folgen der Wirtschaftskrise, die die Tarifabschlüsse auch 2010 beeinflusst habe. Fraglich ist, ob die höheren Lohnabschlüsse in diesem Jahr den Arbeitnehmern mehr Kaufkraft bringen. Im April lag die Inflation in Deutschland nach vorläufigen Berechnungen bei 2,4 Prozent – vor allem wegen der hohen Energiekosten. So kletterten die Spritpreise am Donnerstag auf ein Rekordhoch.
(…)
Quelle: SPIEGEL Online

Anlage 2:

29. April 2011, 08:58 Uhr
Rekordhoch
Silber so teuer wie nie

Erst Gold, jetzt Silber: Die Preise für Edelmetalle erreichen immer neue Rekordhöhen. Silber kostet inzwischen mehr als beim Allzeithoch 1980.
(…)
Krisensichere Anlagen
Experten nennen viele Gründe für die anhaltende Hausse am Edelmetallmarkt. Ein wichtiger Faktor liegt im schwachen Dollar. Da Silber und Gold in der US-Währung gehandelt werden, sorgt ein schwacher Dollar für eine hohe Nachfrage aus Ländern außerhalb des Dollar-Raums.
(…)
Gold und Silber gelten traditionell als krisensichere Anlagen. Sie dienen aber auch als Inflationsschutz. Die Teuerungsraten liegen derzeit weltweit deutlich höher als den Notenbanken lieb sein kann. Ausschlaggebend sind vor allem die hohen Energie- und Rohstoffpreise.
böl/dpa-AFX
Quelle: SPIEGEL Online

Anlage 3:

08. April 2011, 12:39 Uhr
Edelmetalle
Inflationsangst treibt Gold- und Silberpreise

(…)
sdm/dpa-AFX
Quelle: SPIEGEL Online

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