Leserbriefe zu „Europa will von Frieden nichts wissen: „Land muss bereit sein, seine Kinder zu verlieren“ und Luftwaffe soll „Siegfähigkeit“ mitbringen“

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In diesem Kommentar diskutiert Marcus Klöckner anhand einiger aktueller Beispiele über den Umstand, dass man in Europa lieber auf Krieg fokussiere während hinter den Kulissen gerade über Frieden verhandelt werde. Die Überschrift eines Spiegel-Interviews mit dem neuen Luftwaffeninspekteur Holger Neumann lautet „Die Luftwaffe muss für den Verteidigungsfall auf Siegfähigkeit ausgerichtet werden“. Der französische Generalstabschef habe kürzlich gesagt: „Land muss bereit sein, seine Kinder zu verlieren“. Und der Spiegel echauffiere sich in einem Leitartikel darüber, dass US-Präsident Trump seinen 28 Punkte umfassenden Friedensplan „mit der Brechstange durchsetzen“ möchte. Wir danken für die interessanten Zuschriften dazu. Christian Reimann hat für Sie die nun folgende Auswahl der Leserbriefe zusammengestellt.

1. Leserbrief

Lieber Herr Klöckner,

so schnell geht die Entwicklung von der zweitkriegsgeilsten Bundesregierung zur kriegsgeilsten Bundesregierung der letzten 80 Jahre.

Vor anderthalb Jahren wurden die unprovozierten, mörderischen Luftangriffe der deutschen Luftwaffe auf Serbien noch als völkerrechtskonform verteidigt.

Bundesregierung zum 25. Jahrestag des NATO-Angriffs auf Jugoslawien: War alles völkerrechtskonform

Kurz zuvor hatten sich einige Luftwaffen-Asse noch bei der Planung von Terrorangriffen mithilfe von Taurus-Marschflugkörpern auf die Krimbrücke abhören lassen.

Inzwischen ist die neue Regierung mit dem alten Kriegsminister schon einige Schritte weiter, wie man aus den Worten des neuen Luftwaffeninspekteurs schon bei seiner Amtseinführung im Frühjahr entnehmen konnte.

“Führungswechsel in der Luftwaffe: Generalleutnant Holger Neumann ist neuer Inspekteur”

„Die Deutsche Luftwaffe ist zurück!“ Unter diesem Leitmotiv übernimmt Generalleutnant Holger Neumann das Kommando als neuer Inspekteur der Luftwaffe. In einer Zeit, in der sich die russische Aggression weiter ausdehnt, können seine Soldatinnen und Soldaten schon bald bis zum Äußersten gefordert werden.

Da bleibt nur noch eine Frage.

Zurück zu Serbien 1999 oder gleich zurück zur Legion Condor 1936 bzw. zu Unternehmen Barbarossa 1941?

Viele Grüße
Manfred Grzybek


2. Leserbrief

Guten Tag,

das größtenteils wirtschaftlich und gesellschaftlich kaputte Europa, will keinen Frieden.

Das sieht jeder halbwegs, friedensorientierte und informierte Mensch. 

Unter der scheinbar undurchdringlichen Giftwolke der Kriegstreiber, der Profiteure, der gesellschaftlichen Mitläufer und der medialen Propagandisten, wird das unbewiesene Szenario einer Bedrohung durch Russland weiter voran getrieben. Die Schlagwörter der politischen, medialen und militärischen Einpeitscher lauten, wie bekannt: Kriegstauglichkeit, Aufrüstung, Wehrdienst, Lupenpazifisten, Siegfähigkeit und ,, Land muss bereit sein seine Kinder zu verlieren “. Das ganze dann werbetauglich, wie in dem Beispiel Luftwaffenchef, Kampfjet und Natur verpackt, soll dem Betrachter Normalität vorgaukeln. Scheinbar, wie gelähmt nimmt der größte Teil, der Bevölkerungen dieses hin. Leider wieder einmal besonders ausgeprägt, scheint die Unterwürfigkeit in Deutschland. Die überwiegende Mehrheit der Menschen, geht den bequemen und vorgegebenen Weg, besonders erschreckend ist die kritiklose Übernahme des Feindbildes Russland.

Alte Vorurteile und Russophobie, finden sich geschichtsvergessen, in allen gesellschaftlichen Schichten wieder.

Dennoch gilt es, dem mit aller Courage und jeder nach seinen Möglichkeiten, friedlich entgegen zu treten.

Wir verpflichten uns dem Frieden, einem guten Miteinander der Völker und sonst gar nichts. 

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Stöbe


3. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Köckner,

Ihrem Artikel vom 24. November in den Nachdenkseiten kann ich nur zustimmen.

Ich möchte hier nur zwei Beispiele anführen, die das von Ihnen beschriebene Phänomen in gleicher oder sehr ähnlicher Weise zum Ausdruck bringen.

Die Ökozeitschrift schrot&korn, die in wohl beinahe allen Bioläden ausliegt, beschäftigt sich nicht nur mit gesunder Bio-Ernährung, sondern sie äußert sich regelmäßig über hochpolitische und brisante Themen, wie Klimawandel (was thematisch nachvollziehbar ist), Demokratiedefizite (natürlich nur bei den Rechten), russischer Angriffskrieg („… der Angriffskrieg Russlands rückt nicht nur gefühlt immer näher“ – im Editorial der Ausgabe Dezember 2025). Die Perspektive ist stets links-grün.

Die Deutsche Handwerks Zeitung (Ausgabe 22 vom 21. November 2025) schreibt auf der Titelseite: „Sensibilisieren, ohne Angst zu schüren. O-Plan Deutschland – Worauf sich Handwerksbetriebe im Verteidigungs- oder Katastrophenfall einstellen sollten.“

Ein baldiger ‚Russischer Angriff‘ wird mit aller Sicherheit angenommen. „Sensibilisieren, ohne Angst zu schüren‘ heißt es, und nichts anderes geschieht im Artikel, als die Angst zu schüren.

Politiker sind oft der Ausgangspunkt solcher falschen Behauptungen. Aber die Multiplikatoren in der Gesellschaft wie Journalisten oder Offizielle in Verbänden, Vereinen usw. sind die Verteiler dieser Botschaften. Und am Ende wir alle selbst.

Flüchtiges Lesen solcher Falschbehauptungen ist deshalb problematisch, weil man die Worte sieht oder hört, im Unterbewussten aufnimmt, aber gerade weil man sich KEINE Gedanken macht, werden sie ungefiltert Teil von einem selbst. Gedankenlosigkeit und Abwesenheit von Reflexion führen zu der unbemerkten Beeinflussung. So wie Nährstoffe über Osmose in die Zellen eindringen, so sickert die Propaganda in den Menschen ein, überall, unbemerkt, und trotzdem absolut wirkungsvoll.

Wo kein oder wenig Bewusstsein, keine Veranschaulichung oder inhaltliche Auseinandersetzung gepflegt wird, ist die Gefahr der Indoktrination immer sehr groß.

Anmerken möchte ich noch: Hätte ich Ihren Beitrag, Herr Klöckner, nicht gelesen, hätte ich also keine Wahrnehmung und Anschauung zu dem Thema dadurch gewonnen, wären mir die beiden beschriebenen Beispiele in schrot&korn und in der Deutschen Handwerks Zeitung womöglich überhaupt nicht aufgefallen.  

Franz Stettwieser


4. Leserbrief

„Europa will von Frieden nichts wissen“, kommentiert Marcus Klöckner vollkommen zutreffend das unsägliche Treiben in Politik, Militär und großen Teilen der Medien.

Wenn es heißt, ein „Land muss bereit sein, seine Kinder zu verlieren“ und die „Luftwaffe soll „Siegfähigkeit““ mitbringen, dann sind das zwei beredte Beispiele einer geradezu angriffslüsternen Kriegsrhetorik, die hierzulande ein kaum noch für möglich gehaltenes Ausmaß angenommen hat.

Von daher würde ich gern ein Beispiel ergänzen, dass mir am 24. November in der geradezu hysterisch gegen den aktuellen Friedensplan opponierenden „Berichterstattung“ auf ntv (online) ganz am Rande aufgestoßen ist. Unter einer diffusen Unterwasseraufnahme eines fischähnlichen Gebildes heißt dort: „In Deutschland entwickelt“ und: „Wie die Greyshark-Drohnen U-Booten auflauern“. 

Das ist sie gerade auch, die kriegslüstern verschwurbelte Sprache dieser Zeit. Eine Sprache die an vermeintlich erfreuliches anknüpft: Deutsches Ingenieurwesen entwickelt noch immer Neues – wie schön. Und „auflauern“ ist dann gleich mal das neue „verteidigen“ und gesellt sich auf diesem Weg quasi Eins a konform zum Grundgesetz. Wen kümmert es, wenn der Duden zum „auflauern“ ganz klar und eindeutig erläutert: „im Hinterhalt liegen“ (also hinterhältig sein) „oder in böser Absicht (auf jemanden) lauern…“.

Will sagen: wir können gar nicht hellhörig genug sein. Das ist das Bedeutsame an Beiträgen wie dem von Marcus Klöckner. Wir können gar nicht genug aufstehen, um der Sprache der Kriegstreiber entgegen zu treten. 

Michael Schütte


5. Leserbrief

Sie haben ja alle keine Ahnung, was Krieg ist, insbesondere die Generale, die die Schlacht von hinten oder von unten leiten …

Besondes leicht tun sich die Franzosen, die natürlich nicht zuerst ihre Kinder in den Kampf schicken, sondern die Fremdenlegion, s. Indochina 1950er Jahre.

Fritz Schmidt


6. Leserbrief

Lieber Herr Klöckner,

DANK für Ihren Beitrag! Wo es heißt, wir müssten „siegfähig“ sein, geschieht dies offenbar in Unkenntnis des Geistes des Grundgesetzes. Denn das Grundgesetz kennt nur einen Verteidigungsfall und eine Verpflichtung zum Frieden (Präambel). Vor dem Hintergrund deutscher Geschichte schweigt es wohlweislich über „Siegesfähigkeit“.

Zweck der Bundeswehr ist allein die Verteidigung. Nicht der Sieg.

„(1) Die Feststellung, daß das Bundesgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht (Verteidigungsfall), trifft der Bundestag mit Zustimmung des Bundesrates.“ (GG Artikel 115a)

„Der im Abschnitt Xa des Grundgesetzes geregelte Verteidigungsfall markiert den Extremfall staatlicher Existenzgefährdung von außen.“

(bundestag.de/parlament/grundgesetz/gg-serie-14-verteidigungsfall-634560)

Fantasien dahingehend, irgendwo zu „siegen“ sind dem Grundgesetz wesensfremd. Und sie sind befremdlich. Weil sich mit diesen Fantasien eine vorlaute Soldateska bzw. eine Offiziersklasse in den Vordergrund zu drängen versucht, die dort nichts verloren und deshalb nichts zu suchen hat. Die Bundeswehr hat Dienstherren und Dienstfrauen: das Parlament. Aufgabe von Parlamentarier/inne/n ist es nun, die aktuell auf Seiten der Bundeswehr frei flottierenden, ja: überschießenden!, militaristischen Energien in die Schranken zu weisen. Denn: „Die Bundeswehr – eine Parlamentsarmee“! So das Bundesministerium der Verteidigung (bmvg.de/de/themen/verteidigung/bundeswehr-parlamentsarmee). Den Verteidigungsfall beschließt das Parlament. Nicht die Bundeswehr, die vom Siegen schweigen muss, solange sie nicht akut mit der Verteidigung beauftragt wurde. Für die Bundeswehr-Wahnidee, irgendwo SIEGEN zu wollen gibt es schlicht keinen Platz in der demokratischen Grundordnung.

Zur „Siegfähigkeit“ sinnierte bereits im SPIEGEL vom 14. März 2025 der Leiter des Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw), Sven Weizenegger (zur Frage nach der Sinnhaftigkeit einer neuen militärischen Innovationsagentur): »Wenn wir aber bis 2029 siegfähig werden wollen, haben wir diese Zeit nicht.«

Die Rede von der „Siegfähigkeit“ ist eine Kriegserklärung an die Adresse der demokratischen Vernunft.

Mit Gruß
Karim Akerma


7. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Klöckner,

es ist einfach nur ekelhaft, was deutsche und europäische Militärs so von sich geben.

„Die Luftwaffe muss für den Verteidigungsfall auf Siegfähigkeit ausgerichtet werden“ – so lautet  die Überschrift eines Spiegel-Interviews mit dem neuen Luftwaffeninspekteur Holger Neumann.

Herr Neumann will anscheinend in die Fußstapfen eines Hermann Görings treten. Solche Leute sind dermaßen von einem Russlandhass zerfressen, dass ihnen der Verstand, auch der militärische, vollkommen abhanden gekommen ist. 

Weiter weisen Sie auf eine Äußerung des französische Generalstabschef im Hinblick auf einen möglichen Kriegsausbruch hin, dass ein “Land bereit sein, seine Kinder zu verlieren”. Die Aussage sorgte für Empörung. 

Richtig so!, schreiben Sie. Solche Empörung gibt es aber leider nicht in Deutschland.

In meinen Regionalnachrichten wurde über eine große Demonstrationen gegen “Gewalt gegen Frau”, oder gegen den geplanten Gründungskongress der AfD-Jugend berichtet. Auch wichtig, aber wo bleiben große Demonstrationen gegen Aufrüstung, Kriegstüchtigkeit oder Wehrpflicht? Die Menschen in unserem Land sind von diesen “Journalisten” im Auftrag der Politiker und der Rüstungsindustrie bereits weichgeklopft.

Viele, zu viele, glauben an das Märchen des russischen Überfalls auf Nato-Staaten. Es ist “Fünf vor Zwölf”, wie man so sagt.

Ich verstehe die Leute nicht, dass sie sich so leicht auf die Schlachtbank führen lassen.

Ulrich Kleinecke


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