Leserbriefe zu „Plötzlich finden Journalisten und Politiker den Begriff „Stellvertreterkrieg““

Ein Artikel von:

Marcus Klöckner bemerkt seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA und Israels auf den Iran, dass in diesem Zusammenhang vermehrt der Begriff „Stellvertreterkrieg“ in Politik und Medien auftritt. Hier werden doppelte Standards angewendet, stellt unser Autor in seinem Kommentar fest, denn beim Ukrainekrieg wird nicht von einem Stellvertreterkrieg der USA / NATO gegen Russland gesprochen. Um den geopolitischen Feind des Westens, Russland, als den Bösen anzuprangern, benennen „sowohl Politik als auch – besonders verwerflich – Medien […] die Realität nicht so, wie sie ist, sondern so, wie sie zur Propaganda passt.“ Da jedoch der Ukrainekrieg nur mit Hilfe massiver westlicher, vor allem europäischer Unterstützung geführt wird, dies katastrophale wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Auswirkungen auf Europa hat, ist es seiner Meinung nach schon aus europäischem Eigeninteresse heraus dringend geboten, auch den Ukrainekrieg als Stellvertreterkrieg zu benennen. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Herzlichen Dank für Ihre Zuschriften, zusammengestellt von Ala Goldbrunner.


1. Leserbrief

Guten Tag Herr Klöckner,

Obacht! Die Iraner haben auch eigene Satelliten.

Vielleicht will man im günstigsten Falle nur nicht zugeben, dass der Iran, oder eher das „mittelalterliche Mullah-Regime“ – ich muss mich da zur Verdeutlichung ans Niveau anpassen – tatsächlich auch etwas kann. Denn man baut nicht zigtausend Raketen, wenn man sie nicht sinnvoll einsetzen kann, irgendwie logisch, oder?

Der Kanzler legt ohnehin aktuell eine Aussagen-Serie hin… Wenn man alles ernst nehmen würde, müsste man ihn absetzen. So ähnlich wie bei Trump, der im Westen offenbar inzwischen den Kommunikationsstandard setzt. Siehe z.B. auch Macron, sinngemäß: „Wir müssen gefürchtet werden, daher sage ich ab jetzt nichts mehr dazu…“.

Und gegen Trumpdeutung ist das Lesen von Taubeninnereien wahrlich eine exakte Wissenschaft.

Just heute hat er allein angeblich die Ölpreise gesenkt, denn der Krieg wird seiner Aussage zufolge nicht mehr lange andauern. Ich als Realist hätte eher gesagt, die Diskussion über das Anzapfen der strategischen Ölreserven hätte den Preis gesenkt. Aber wenn die Trumpdeuter daran glauben wollen…

Was soll man dazu sagen? Zum Beispiel: „Wenn alle Kriege kurz geblieben wären, in denen der Verantwortliche nach den ersten zehn Tagen sagte…“?

Es wäre also schön, wenn alles nur Propaganda wäre. Es kann leider auch viel groben Unfug enthalten. Wie zum Beispiel der letzte Strohhalm der „Völkerrechtsverteidiger“: „Trump möchte die Menschen im Iran befreien. Denn dann müsste dieser Überfall doch völkerrechtskonform sein.“

Nein, dann immer noch nicht!

Sowas wird stellenweise richtig gruselig. Dann sitzen Leute zusammen, die darüber diskutieren. Über das Wie, Wann und Warum. Sie spielen sich dabei Bälle gegenseitig zu, die nur durch ihre Köpfe rollen.

Im Iran will aber niemand befreit werden. O.K. sagen wir mal ein paar Menschen schon. Ob die auch wollen, dass dafür das Land in Schutt und Asche gelegt wird, dabei Landsleute zu tausenden ums Leben kommen und sie ihr Eigenes gezielt dafür riskieren sollen, steht auf einem anderen Blatt.

Sowas wird beim beschriebenen „Ballspiel“ im Westen praktisch nie angeschnitten. Wäre auch so, als würde jemand den imaginären Ball aus dem Station treten.

Nein, es geht selbstverständlich um Öl und Geldwerte, wie immer. Solche fantastischen Geschichten sind also reine Desinformation.

Um noch einmal kurz zum Thema zurückzukommen. Die Ukraine ist ein lupenreiner Stellvertreter, in Anbahnung, Vorbereitung und Durchführung. Dies ist sicher. Ebenso sicher ist, dass die Ukraine wie ein Stellvertreter enden wird.

Der Iran ist eher ein langjährig selbsterklärter/selbstgebastelter Feind. Ein der Opportunität geschuldeter Stellvertreterstatus ist möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich. Mehr aber auch nicht.

Mit freundlichen Grüßen
Kai P.


2. Leserbrief

Hallo geehrtes Team, geehrter Herr Klöckner!

Ja, ist den schon Ostern?

Da haben sich unsere „Systemkonformschreiberlinge“ aber beim Suchen mächtig angestrengt, bis man Begriffe wie: „Stellvertreterkrieg“ gefunden hat. Mit KI?

Stellvertreterkriege sind so selten, dass es fast an ein Wunder grenzt, den Begriff ausgerechnet jetzt „pünktlich“ zu finden (…),

Fasst  besser, sie hätten ihn nicht gefunden. Dann bräuchten die „Hofberichterstatter“ wenigstens in Sachen „Stellvertreterkrieg“ nicht so rumheucheln.

Mit freundlichen Grüßen
Stephan Grützmacher


3. Leserbrief

Sehr geehrtes Team der NachDenkSeiten,
sehr geehrter Marcus Klöckner,

es ist ja längst eine Binse, daß die Politiker die Bevölkerung für dumm verkaufen. Und in gleichem Fahrwasser bewegen sich die Mainstream-Medien hierzulande.
Wer sich nur über ARD/ZDF, WeLT, SPIEGEL, FOCUS usw. informiert, für den kann man nur noch Mitleid empfinden.

Der ein oder andere wird sich noch an das Rumgeeiere erinnern, als es in den 2000er Jahren darum ging, den BW-Einsatz in Afghanistan einzuordnen – von einem “robusten Auslandseinsatz” bis zu “kriegsähnlichen Zuständen” wurde alles geboten.

Die Bevölkerung ist dermaßen eingelullt und massenmedial verblödet, da ist es kein Wunder, daß nicht haufenweise Antikriegs-Demos zu verzeichnen sind.

Da fragt man sich, wo bleiben die Omas gegen rechts, um für das Leben ihrer Enkel zu demonstrieren ?

Mit freundlichen Grüßen
Patrick Meiser


4. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Klöckner, sehr geehrtes NachDenkSeiten-Team!

Genauso, wie Sie es beschreiben, ist das!!!

In der Ukraine tobt ein vom Westen provozierter Stellvertreterkrieg gegen Russland, wobei der Westen die Ukraine als Rammbock verwendet, um Russland zu ruinieren und sich dabei soweit zurück hält, dass Russland seine Atomwaffen nicht einsetzt. (ohne die westliche Unterstützung der Ukraine wäre der Krieg schon lange zu Ende).

Das wird ja von westlichen Politikern auch so ähnlich offen formuliert, allerdings in der Form, dass die Ukraine Europa verteidigen würde, aber faktisch geht es um die Integration der Ukraine in die NATO, also um einen grossen weiteren Schritt im Rahmen der NATO-Osterweiterung und darum Russland in einem Abnutzungskrieg zu ruinieren.

Um den Rückhalt in der eigenen Bevölkerung nicht zu verlieren, kann man diesen Krieg in Politik und Leitmedien natürlich nicht so einordnen. Dass das so einheitlich geschieht zeigt, dass da auch eine enge Gleichschaltung innerhalb der Politik und zwischen Politik und Leitmedien wirksam ist.

Dass der Westen ständig doppelte Standards verwendet ist auch nichts Neues und dass Politik und Medien hier an der gleichen Propaganda arbeiten auch nicht, aber man kann nicht oft genug darauf hinweisen, wenn man der Demokratie und der Wahrheit in diesem Land noch dienlich sein will. Es braucht aber inzwischen schon viel Zivilcourage, um dieser Demagogie etwas entgegen zu setzen.

Dass diese Falschinformationen strafrechtlich verfolgt werden müssten, steht auch außer Zweifel. Dafür wurden sogar eigens Gesetze geschafften, die Hassrede und Falschinformation unter Strafe stellen. Aber wo kein Kläger, da auch kein Richter, bzw. hier werden auch doppelte Standards angewendet. Was ins eigene Propagandakalkül passt, ist keine Falschrede und alles was dem widerspricht schon.

Fritz Gerhard


5. Leserbrief

Moin,

“Quod licet jovi, non licet bovi.” – Was dem Jupiter erlaubt ist, das ist dem Ochsen nicht erlaubt.

Der Jupiter ist in diesem Fall der Westen oder dessen selbsternannter Anführer, die USA. Die Ochsen, das sind vor allem Russland, aber auch der globale Süden sowie alle anderen weltweit, die sich der US-Außenpolitik nicht unterwerfen wollen.

Da Journalisten mit Politikern bestens vernetzt sind und sie von ihnen persönlich profitieren (zusammen kann man viel besser gegen die Interessen der Bevölkerung durchregieren und so viel mehr erreichen, nicht wahr?), beißen sie logischerweise die Hand nicht, die sie füttert. Deswegen üben sie sich in Vasallentreue und bedienen die Narrative, die es braucht, um “gute” und “böse” Staaten zu definieren. Wie weit der politische Krebs im ÖRR bereits gestreut hat, das kann man daran ablesen, wie die Gremien besetzt sind, die die Inhalte bestimmen: überall haben Politiker die absolute Mehrheit.

Man kann den Journalisten also gerade nicht unterstellen, unwissend oder einfach nur doof zu sein, ganz im Gegenteil ist das eine perfide Strategie, ganz im Sinne der Mächtigen.

Allerorten Doppelmoral: Die USA und mit ihr im Verbund Deutschland liefern der Ukraine militärische Aufklärungsdaten, um russische Ziele angreifen zu können, was nicht als verwerflich gilt, denn “wir” sind ja “die Guten”, und “die Demokratie” wird sowieso im Hindukusch, pardon: in der Ukraine verteidigt (dass dort, so nebenbei, ein Polizei- & Überwachungsstaat ganz nach feuchten WEF-Träumen aufgebaut wird, interessiert an dieser Stelle natürlich nicht). Hilft jedoch Russland (und übrigens auch China, vor allem mit seinen den USA mindestens ebenbürtigen, wenn nicht sogar überlegenen Satelliten) mit militärischen Aufklärungsdaten, dann ist das “böse”.

Um es salopp zu sagen: Jemand haut einem Anderen unprovoziert ins Gesicht, und wenn sich dieser zu wehren anfängt, dann stellt man ihn als den Schuldigen hin. Normalerweise würde man so etwas durchtriebenen Kindern zutrauen, aber leider ist es auch in der heutigen Außenpolitik gängige Praxis — solange sich die eigenen, niederen Motive damit verwirklichen lassen. Jedoch: es ist weit & breit kein Kindergärtner oder Elternteil in Sicht, um dem gefährlichen Treiben ein Ende zu setzen. Jetzt wird sogar darüber spekuliert, daß Israel oder die USA Atombomben gegen den Iran einsetzten, sollten sie die konventionelle Schlacht verlieren (auch die USA und Israel haben, wie Russland, ihre Atomwaffen-Doktrin entsprechend angepaßt). Das macht mir am meisten Sorgen.

Mit freundlichen Grüßen,
Michael Schauberger


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