„Ahnungslos oder frech?“ – O-Töne zu „Tankrabatt“-Plänen der Bundesregierung

„Ahnungslos oder frech?“ – O-Töne zu „Tankrabatt“-Plänen der Bundesregierung

„Ahnungslos oder frech?“ – O-Töne zu „Tankrabatt“-Plänen der Bundesregierung

Valeri Schiller
Ein Artikel von Valeri Schiller

Mit ihren Vorschlägen, wie die Bürger angesichts der steigenden Spritpreise entlastet werden könnten, hat die Bundesregierung eine riesige Welle von Empörung ausgelöst. Kritik war dabei nicht nur von der Opposition, sondern auch aus den Reihen der Koalition zu vernehmen. Schlimmer noch: Kanzler Merz wurde schnell dabei ertappt, faktisch dieselbe „Tankrabatt“-Idee verkaufen zu wollen, für die er selbst, 2022 noch als Spitzenfigur der Opposition, die Regierung von Olaf Scholz angeprangert hatte. Eine neue Ausgabe der O-Töne. Zusammenfassung von Valeri Schiller.


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Sarna Röser, Unternehmerin, am 15. April 2026

„Da wacht man heute Morgen auf und ist immer noch am Kopfschütteln. Ich frage mich: Hat man in Berlin eigentlich nichts gehört? Wir reden gerade von einer Situation in Deutschland, in der alle 20 Minuten ein Unternehmen Insolvenz anmeldet. Und die Unternehmer wissen nicht mehr, ob sie ihre Mitarbeiter überhaupt noch halten können, ob sie in den nächsten sechs Monaten noch da sind. Und die Bundesregierung kommt gerade in so einer Situation mit der Idee um die Ecke, ‚Ihr dürft jetzt pro Mitarbeiter noch 1.000 Euro Krisenbonus drauflegen.‘ Freiwillig, ist klar. Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Das ist keine Entlastung, das ist eine Frechheit.“

(Quelle: WELT , ab Minute 0:23)


Bundeskanzler Friedrich Merz am 13. April 2026

„Wir werden die Energiesteuer, das ist die Mineralölsteuer, bei Diesel und Benzin um circa 17 Cent pro Liter für zwei Monate senken. Damit werden wir sehr schnell die Lage für die Autofahrer und für die Betriebe im Land verbessern und vor allem für diejenigen, die vor allem aus beruflichen Gründen sehr viel mit dem Auto unterwegs sind. Das gilt für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch für die Betriebe, die Mineralölsteuer betrifft alle.“

(Quelle: WELT, ab Minute 2:59)


Jörg Zajonc, RTL West Chef, am 15. April 2026

„Keine 24 Stunden hielt die Entlastung. 17 Cent weniger sollten es sein bei der Energiesteuer. Jetzt sind es plötzlich nur noch gut 14 Cent, denn man müsse ja noch die Umsatzsteuer draufrechnen. So aber rechnen nur Kaufleute, keine Privatmenschen. Ich weiß gar nicht, was das ist: ahnungslos oder frech. Beides ist schlimm und zeigt, wie es um unser Land steht: nicht gut, und das ist noch höflich ausgedrückt. Aber doppelt gemoppelt hält besser. Also kommt gleich Aufreger Nummer zwei hinterher: 1.000 Euro steuerfrei für Arbeitnehmer – zahlt aber nicht der Staat, zahlen sollen die Arbeitgeber, sagt die Regierung.“

(Quelle: RTL.de, ab Minute 0:03)


Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche am 11. März 2026

„Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, die Häufigkeit der Preisänderungen einzuschränken, und uns dabei am sogenannten österreichischen Modell orientiert. Tankstellen dürfen nur einmal am Tag ihre Preise für Kraftstoffe erhöhen. Dagegen sind Preissenkungen jederzeit zulässig.“

(Quelle: BR24, ab Minute 4:51)


Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Linke-Bundestagsfraktion, am 16. April 2026

„Vor gut einem Monat hatten Sie ja schon mal so eine richtig brillante Idee. Da haben Sie gesagt, dass die Spritpreise nur einmal am Tag erhöht werden dürfen. Das haben Sie sich damals von Österreich abgeschaut. Und Österreich hat, und das ist so toll, das kann ich mir überhaupt nicht ausdenken, just an dem Tag, an dem Sie uns mit diesem Vorschlag beglückt haben, verkündet: Naja, diese Maßnahme, die bringt so ziemlich gar nichts.“ (…)

„Aber von den gleichen HeldInnen, die diesen Hit gelandet haben, kommt jetzt ein bisschen Tankrabatt und 1.000 Euro Krisenbonus – also vielleicht, für manche. Haben Sie da auch so ein Déjà-vu wie ich? Das klingt so ein bisschen nach einem Aufguss der Ampelmaßnahmen von 2022. Sie, Herr Merz, damals waren Sie ja noch Möchtegern-Bundeskanzler, nannten das übrigens ‚Flickwerk‘. Ich muss sagen, das trifft es ziemlich genau. Und dass Sie das jetzt auch noch schlecht kopieren, das ist wirklich das Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit.“

(Quelle: Phoenix, ab Minute 0:23 und ab Minute 0:56)


CDU-Fraktionschef Friedrich Merz am 28. Juni 2022

„Ich befürchte, dass die Bundesregierung innenpolitisch das gleiche Flickwerk fortsetzt, das sie in den letzten Wochen gezeigt hat. Wir haben diesen 300-Euro-Tankrabatt oder Klima-Rabatt gehabt, oder Klima-Zahlung. Das scheint sich jetzt fortzusetzen mit dem nächsten Vorschlag, den der Bundeskanzler macht, indem er die Tarifvertragsparteien einlädt, sich da auf solche Einmalzahlungen einzulassen. Ich halte das Ganze nicht für wirklich ausgegoren, das ist kein Konzept, das ist wirklich Flickwerk.“

(Quelle: ZDF Heute, ab Minute 7:31)


Katharina Dröge, Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, am 16. April 2026

„Was ist das für eine Schnapsidee? Ausgerechnet die Neuauflage des Tankrabatts, die schon von Christian Lindner krachend vor die Wand gefahren wurde. Ausgerechnet diese wollen Sie jetzt wieder auflegen und fahren mit Vollgas noch einmal vor dieselbe Wand?“

(Quelle: Phoenix, ab Minute 1:31)


Titelbild: Screenshots WELT, RTL West, BR24, Phoenix, ZDF

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