Leserbriefe zu „Wo sie auf diese Weise mit Worten schießen, schießen sie irgendwann auch mit Waffen“
Marcus Klöckner kommentiert in diesem Beitrag das Interview, das der Chef der deutschen Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, der britischen Zeitung The Telegraph gegeben hat. Darin habe er u.a. gesagt, Deutschland sei bereit, „heute Nacht zu kämpfen“. Der hochrangige Militär habe zudem von „verheerenden Luftschlägen“ gesprochen, die die deutsche Luftwaffe auf russischem Gebiet ausführen würde. Die Aussagen würden verdeutlichen, dass die Verklammerung von Politik und Militär längst vollzogen sei. Denn: „Ohne die Rückendeckung der Politik wären solche Aussagen kaum denkbar“. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir haben dazu interessante Leserbriefe bekommen. Dafür bedanken wir uns. Die hier nun folgende Auswahl hat Christian Reimann für Sie zusammengestelltt.
1. Leserbrief
Sehr geehrte Nachdenkseiten,
leider hat Marcus Klöckner recht!
Es wird laufen wie in der Ukraine: Russland eine Falle stellen, dann erst konventionelle Randale, schließlich atomare. Das real existierende neoliberale System ist am Ende, ist nicht reformierbar, und kann nur durch ewige Expansion überleben. Das Volk wird in Stimmung gebracht, und Nachdenkler machen vielleicht ein Promille desselben aus. Leider, und es wird nichts helfen, auf ein Wiedererwachen einer Friedensbewegung zu hoffen oder Änderungen irgendwo anzumahnen.
Freundliche Grüße, und weiter so, Wolfgang Blendinger
2. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Klöckner,
(…) Dass das ein atomarer wird, liegt angesichts des Kräfteverhältnisses NATO – Russland auf der Hand. Russland berdroht uns nicht, wir bedrohen Russland. Wann wird solchen Großmäulern wie Neumann selbiges gestopft? Dazu bedarf es verantwortungsvoller Politik im Sinne Deutschlands. Weder Merz noch Pistorius oder Wadephul können das liefern.
Mit freundlichen Grüßen
R. Binde
3. Leserbrief
Guten Tag,
“Wie der Herr, so, s Gescherr”, könnte man sagen.
Völlig Grundgesetz fern, im Windschatten von kriegstreibender Politik und Massenmedien, der scheinbar schon völlig auf Krieg gebürstete Luftwaffengeneral.
Ganz ohne Skrupel und auch verantwortungslos gibt er hier vor der britischen Presse seine Vorstellungen von einem deutschen, militärischen Eingreifen in einen herbeifantasierten (…) Krieg mit Russland preis. Vernichtende Luftschläge auf Russland möchte er dann befehlen und ausführen lassen.
Es stellt sich nun wirklich die Frage, an welchem Punkt der rhetorischen Eskalationsleiter die Befehlsträger der Bundeswehr schon angekommen sind. Geschichtsbewusstsein, Verantwortung der deutschen Bevölkerung gegenüber und Ethik scheint dieser Art von Mitbürgern abhanden gekommen zu sein. Scheinbar fast dem Glauben oder Wahnsinn verfallen, wir würden uns unter einer europäischen, unantastbaren Käseglocke befinden und Russland würde solche Aussagen nicht sehr sensibel registrieren und seine Schlüsse daraus ziehen, wird hier agiert. Um es auch dem letzten Kriegsbesessenen klar zu machen, sollte Deutschland und speziell Deutschland, Russland noch einmal angreifen, wird Deutschland bis in die Grundfesten vernichtet werden.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Stöbe
4. Leserbrief
Hallo NDS, sehr geehrter Herr Klöckner,
ich finde ihre Texte in letzter Zeit sehr stark und meine aber, daß in ihrem Satz – “Politik, Militär und Medien: Dieses Dreigespann ist maßgeblich bei der Militarisierung Deutschlands.” – eine entscheidende Größe nicht anwesend ist, nämlich die Börse. Der Finanzmarkt – ohne die Möglichkeit, auf ihm mit Hunger, Waffen, Krieg und Tod obszön reich zu werden, gäbe es Ihr militaristisches Dreigespann wahrscheinlich gar nicht.
Ihnen ist das natürlich auch klar. Ich finde aber, es wird nicht oft genug darauf hingewiesen, daß diese Art Großprojekt nur mit, nicht gegen eine Bevölkerung gemacht werden kann. Und die beste Art für Jedermann, sich daran – wissentlich oder unwissentlich – zu beteiligen, ist offensichtlich Investition und Spekulation.
Jeder, der Aktienpakete kauft, die derart verschnürt sind, daß ihr Inhalt kaum enthüllt werden kann (oder will), sollte zu diesen Themen am besten schweigen. Da steckt garantiert irgendwo ein kleines Rheinmetällchen oder Hecklerchen & Köchlein oder wenigstens ein Zulieferer mit drin.
Stoßen sie – ja, sie auf der ganzen Welt verteilten Aktionäre aller Größen! Stoßen sie doch den Scheiß ab, und gleich auch noch alles, was mit der schon begonnenen und noch geplanten Landnahme, der Bauindustrie und den Schürfrechten in der Ukraine – finanziert und kontrolliert durch Weltbank, Blackrock und Konsorten – in Zusammenhang steht, wenn sie wirklich möchten, daß das alles aufhört.
Ist das schon wieder zu viel Kapitalismuskritik für die NDS? Oder spüren wir in Wirklichkeit nur immerzu und immer stärker den Regen aus der Wolke fallen?
Mit freundlichen Grüßen
Johannes Bichler
5. Leserbrief
Guten Tag Herr Klöckner,
ich sagte bereits, wir gehen auf harte Zeiten zu. Ich finde es etwas seltsam, das ein Luftwaffenchef zwar korrekt feststellen kann, dass die Luftwaffen in der Ukraine nur eine untergeordnete Rolle spielen, selbst aber von eigenen „verheerenden Luftschlägen“ träumt. Kann man sich nicht ausdenken.
Wie wir nebenbei von Herrn Starmer mitgeteilt bekamen, Russland ODER die NATO werden angreifen. NATO ist übrigens ein großes Wort. „NATO greift an“, Also Offiziere aus dem Hauptquartier in Brüssel auf einer fingierten Dienstreise in Zivil, oder was? Wird es wieder ein Radiosender werden?
Auf so ein schmales Brett muss man irgendwie kommen, in einem sogenannten Verteidigungsbündnis. Was wohl bereits hinter verschlossenen Türen besprochen wurde? Im Zweifel bis hin zum dafür notwendigen Verteidigungsvorwand? Man kann nur hoffen, dass kein Deutscher anwesend war.
Materiell ist die NATO, auch der europäische Teil allein, statistisch besser ausgestattet als Russland. Allerdings, fast 50% des landgestützten Kriegsgeräts stehen in Griechenland und Türkei. In welchem Zustand sich die Masse davon befindet, ist die Frage und eigentlich keine schwere, angesichts der Budgets dort. Aber egal, denn all dies wird offensichtlich vor Ort benötigt. Wenn also Fast-in-der-EU-bzw-jetzt-nicht-mehr-Erdogan #Rechnungoffen nicht geneigt ist Waffen zu geben, wird Athen sich auch nicht bewegen. Sie könnten ersatzweise ein paar Helme schicken und ein paar Häfen/Stützpunkte bereitstellen.
Eine generelle Frage ist, wie die europäischen Staaten jenseits des Clubs der Willigen motiviert werden könnten, bei dieser Aktion mitzumachen. Denn die moralische Unterlegenheit ist neben und wegen der Granularität der Interessen signifikant.
Auch daran ist vermeindlich gedacht worden. Abgesehen vom u.A. deutschen Kontingent in Litauen, gibt es noch sieben weitere NATO-Einheiten in allen Ländern der „Ostflanke“, bis hinunter nach Bulgarien. Gemeinsam bilden sie die „Stolperdraht“-Einheiten (veraltete Bezeichnung, klang zu passiv). Wladimir und die acht Stolperdrähte – hört sich doch schon nach einem russischen Märchen an, nicht wahr?
Das Kalkül dahinter ist, Russland Truppen aus so vielen NATO-Staaten wie möglich beschießen zu lassen. Denn man weiß, Artikel 5 des NATO-Vertrags ist eher eine Absichtserklärung (die zudem einstimmig beschlossen werden müsste). Es wird also ohnehin eher das Bündnissystem der EU greifen, aber egal. Ein paar eigene tote/verletzte Kämpfer dienen also als Einstiegsgrund. Der Plan klingt wie gesagt, mehr nach einem Märchen, ersatzweise ziemlich verrückt oder naiv, doch was weiß ich schon.
Zweite Möglichkeit: „Gleiwitz II“. Also irgendein frei erfundener oder hochgejazzter Zwischenfall… Auch dieser Weg wird mittels der Sanktionspakete bereits provoziert, wenn nicht sogar aktiv vorbereitet. Allerdings liefern sich die Regierungschefs dieser „willigen“ Staaten, die der drei größten, welche die Sirene bedienen müssten, ein hartes Rennen um den ersten Platz in der Liste der unbeliebtesten Vertreter ihrer Zunft.
Die Einwohner dieser Staaten werden voraussichtlich nicht gerade vor Begeisterung und Opferbereitschaft aus den Latschen kippen, wenn DIE sagen das es jetzt aber mal los geht, gelinde gesagt. Werden sich die Staaten Europas politisch z.B. hinter einem Herrn Merz versammeln… ich gleite offensichtlich ins Abstrakte ab.
Wenn man dann also richtig „Glück“ hat, machen neben den USA auch alle anderen NATO/EU-Kollegen dabei nicht (so richtig) mit. Nebenbei: Ist die Lastenverteilung überhaupt geklärt worden und was sind die Messlatten, eingesetzte Soldaten, verlorenes Material, ausgegebenes Geld, Tote/Verwundete? Gehört zu einer fest eingeplanten „Verteidigungsoperation“ normalerweise dazu. Sonst gibt es intern doch nur Ärger.
Man ist dann vielleicht so richtig „willig“ unter sich und immer noch militärisch überlegen (zumindest gefühlt). Doch wie es uns die USA jüngst vorgeführt haben, diese Überlegenheit kann flott durch den Kamin sein.
Eine diplomatische Lösung wäre jedenfalls viel unkomplizierter als 32 Militärs zusammenzuwürfeln, um gegen Russland anzutreten. Ich glaube zwar, dass die theoretischen Lösungen militärisch halbwegs funktionieren. Doch stehen dahinter auch 32 demokratische Regierungen und 32 Gesellschaften. Ich weiß nicht, ob die alle, speziell die Wähler, so viel Spaß am Russlandfeldzug haben werden, wie ein paar Spezialisten.
Rechtlich gesehen, Wahlen werden im Bündnisfall sehr wohl weiter stattfinden (Ausnahme: Luftangriffe lösen den Verteidigungsfall aus). Wenn der Krieg sich lange hinzieht, wird sich keine einzige Regierungspartei(nkoalition) in „langweiligen“ NATO-Staaten halten können, die einen richtig heftigen Krieg in Far Far Away befürwortet und eigene Soldaten opfert. Portugal wäre dann nicht so wichtig, kann aber auch in Großbritannien oder Frankreich passieren. In Deutschland nicht, Deutschland hat wie immer einen Platz an der Sonne.
Was mich also wirklich interessieren würde, wäre wie die „Verantwortlichen“, speziell in Deutschland, sich das mittel- bis langfristig überhaupt gedacht haben. Denn wie Herr Starmer schon sagte, das mit der Verteidigung ist ein dehnbarer Begriff. Wenn die NATO dann etwas vorrückt und irgendwo in Russland steht, wird es recht schwer das jahrelang als Verteidigung zu verkaufen. Mal abgesehen davon, dass dann wirklich kein Wähler mehr vor diesem Thema weglaufen oder komplett vom Thema ferngehalten werden kann.
Mit freundlichen Grüßen
Kai P.
6. Leserbrief
Sehr geehrte Nachdenkseiten, Herr Klöckner und Leser der Nds,
erschreckend ist das allemal, wenn ein deutscher General und Luftwaffenchef solche Aussagen tätigt.
Das erinnert mich an eine Zeit in Deutschland, die ich selbst – zum Glück – nicht erlebt habe, nur aus Geschichtsbüchern, Filmen und Erzählungen kenne, und auch nicht erleben möchte.
Es gab nicht nur mal eine Zeit in Deutschland, in der solche Äußerungen zu einem Proteststurm der Medien und der Politik geführt hätten, nein, es gab auch eine, in der ein hoher Offizier der Bundeswehr danach sofort seines Amtes enthoben worden wäre.
Aber wir erinnern uns: noch vor ein paar Jahren musste ein hoher deutscher Offizier der Bundeswehr sein Amt verlassen, als er davon gesprochen hatte, dass man es werde akzeptieren müssen und würde, dass die Krim nun wieder russisch sei: wie sich die Zeiten doch ändern, und in Deutschland gibt es scheinbar immer nur die eine Entwicklungsrichtung.
6 Milionen tote Juden haben zu einer deutschen „Staatsräson“ geführt, die Israel nicht nur alles durchgehen lässt, sondern es dabei auch immer unterstützt: mit Worten, Taten, Geld und Waffen.
Aber 27 Millionen tote Sowjetbürger haben noch nie – zumindest soweit es mir bekannt ist – deutsche Politiker von einer solchen „Staatsräson“ gegenüber der Sowjetunion oder Russland sprechen lassen, auch gibt es gegenüber der Sowjetunion / Russland keinen Schuldkult, der immer wieder aufgewärmt wird, schon alleine hier sieht man, wie es mit den „Werten“ des heutigen Deutschlands steht.
Aber immerhin gibt es Deutsche, die Trauer über das Leid der sowjetischen Bevölkerung „damals“ empfinden.
Ich teile die Gedankens Herrn Klöckners über die Folgen völlig.
Trotzdem möchte ich auch etwas Entwarnung geben.
Eine solche Tirade eines deutschen Militärs mag Ausdruck von Hass, ideologischer Verblendung, Propaganda, vielleicht Revanchismus (für?) sein, aber sie drückt auch anderes aus:
- Ohnmacht,
- Frust und
- Überheblichkeit.
Der Traum des Westens war ja – von langer Hand geplant –: Russland über den vom Westen provozierten Ukrainekrieg eine „strategische Niederlage“ zuzufügen, und zwar über Wochen oder maximal Monate: Ziel: Russland sollte sich zurückziehen, die Bedingungen des Westens – Frau vdL die letzten Jahre: „Wir müssen gegenüber Russland aus einer Position der Stärke auftreten.“ – akzeptieren, und in seiner Ecke heulen und schmollen.
Aber es kam ganz anders:
Russland wehrt sich nachhaltig, hat in der Ukraine längst gewonnen, und damit dem Westen eine strategische Niederlage zugefügt, und ist keineswegs zusammengebrochen, und wir versenken 100e von Milliarden Euro in der Ukraine für unseren Imperialismus: und machen wir uns nichts vor: das Geld ist verloren.
D.h. es läuft gar nicht gut für unsere „wertebasierten“ Ambitionen gegenüber Russland.
Insofern muss man Herrn Neumanns Tirade – in Deutschland – ernst nehmen, weil sie vor allem – geschichtsvergessene – antirussische Propaganda ist, mit dem Ziel, hier erneut Russland zum Feindbild aufzubauen (wobei dieses Programm ja schon seit über 12 Jahren läuft).
Aber Russland und viele andere Staaten der Welt müssen sich derzeit keine grossen Sorgen machen, und tun das sicherlich auch nicht ….
Zitat:
„Wir werden mit allem reingehen, was wir in Deutschland haben, die Luftwaffe….“
Ein Witz: was haben wir denn – noch -, da wir der Ukraine nahezu alles gegeben haben, um unsere angeblichen Werte, also unseren Traum von russischen Rohstoffen und viele andere derartiger „Werte“, zu erreichen:
ein paar Flugzeuge der 3. oder 4. Generation, ein paar Flugabwehrwaffen…. und eine Bundeswehr mit derzeit 270.000 Soldaten, oder so….
Klar, die NATO hat mehr Waffen und Soldaten, und es wird hier auch zunehmend aufgerüstet, zudem würde es „für die gute Sache“, s.o., auch eine Mobilmachung geben – wie „damals“ – aber – wie Herr Klöckner schreibt – dieser Krieg würde sehr schnell in einen Atomkrieg münden, bei dem alle verlieren würden.
Aber was soll man schon von Herrn Neumann erwarten….., denn er wird, wenn es brenzlig wird, sicherlich wie die anderen deutschen Mediengeneräle auch – ganz schnell im Flugzeug nach USA sitzen…, denn mit „unser Land, unsere Werte, unsere Bevölkerung und unser Bündnis…. verteidigen“ meint er in erster Linie wahrscheinlich vor allem sich selbst: wunderbare Werte, nicht?
Gruß
D. H.
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