Deutschland ist bereit, „heute Nacht zu kämpfen“. Das sagte der Chef der deutschen Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, in einem Interview mit der britischen Zeitung The Telegraph. Des Weiteren hieß es vonseiten Neumanns: „Wir werden mit allem reingehen, was wir in Deutschland haben, die Luftwaffe, aber auch in der Nato, um unser Land, unsere Werte, unsere Bevölkerung und unser Bündnis zu verteidigen.“ Der hochrangige Militär spricht zudem von „verheerenden Luftschlägen“, die die deutsche Luftwaffe auf russischem Gebiet ausführen würde. Die Aussagen verdeutlichen: Die Verklammerung von Politik und Militär ist längst vollzogen. Was Neumann sagt, ist Politik – ins Militärische gegossen. Ohne die Rückendeckung der Politik wären solche Aussagen kaum denkbar. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
Politik, Militär und Medien: Dieses Dreigespann ist maßgeblich bei der Militarisierung Deutschlands. Während Politiker den Krieg nach Russland tragen wollen, Medien das publizistische Fundament für den Feindbildaufbau liefern, verstricken sich Militärs immer tiefer in herbeifantasierte Kampfszenarien. Diese Entwicklung hat den Weg bereitet, dass der Chef der deutschen Luftwaffe ohne große öffentliche Kritik gegenüber einer britischen Tageszeitung sagen kann, Deutschland werde bei einem Angriff auf einen NATO-Bündnispartner „vernichtende Luftschläge“ auf russischem Territorium ausführen.
Deutlich wird: In der Sprache zeigt sich längst die Eskalation. Und: Die Vorstellungen von einem Krieg zwischen der NATO und Russland werden so auch immer weiter normalisiert. Klar ist, dass ohne die Rückendeckung der Politik kein deutscher Militär auf diese Weise sprechen würde. Es gab eine Zeit, da wären weite Teile der Medien samt der Politik Sturm gelaufen, wenn Akteure da draußen von einem Krieg gegen Russland gesprochen hätten.
Immer deutlicher kommt zum Vorschein: Sowohl in der vorherrschenden Politik, in einem großen Teil der Medien, als offensichtlich auch bei der Bundeswehr scheint der Realitätssinn und das Verantwortungsbewusstsein nicht mehr vorhanden zu sein.
Bei einem heißen Krieg zwischen NATO und Russland wäre es nur eine Frage der Zeit, bis Atomwaffen eingesetzt würden. Deutschland würde, nach allem, was bisher bekannt ist, zum Hauptschlachtfeld. Von einer nuklearen Zerstörung und Verseuchung Europas wäre auszugehen.
Wer an dieser Stelle im Ton der Scheinintelligenz und mit Befriedigung sagt, „Russland wäre dann aber auch zerstört“, hat nicht im Ansatz erfasst, worum es geht.
Wir reden hier nicht von einem Spielplatz, auf dem sich Kinder gegenseitig ihre Sandburgen zerstören. Wir reden von Millionen von Toten, von einem schier unvorstellbaren Schrecken.
Wo sie auf diese Weise mit Worten schießen, schießen sie irgendwann auch mit Waffen. Die Verselbstständigung des Feindbilddenkens ist bereits zu beobachten. Falsche Annahmen führen zu falschen Schlüssen – und genau darauf bauen Politik, Medien und Militär.
Titelbild: © Bundeswehr/Germaine-Noelle Lavinia Nassal





