Der Autor eines Artikels in der heutigen Rheinpfalz, meiner Regionalzeitung, gehört zur Fraktion jener Zeitgenossen, die Dollar verspeisen. Sein Artikel ist überschrieben mit „Chinas schädliche Subventionen“. Im Vorspann ist von einer „Bedrohung speziell für Europa wegen der hohen staatlichen Industrieförderung“ Chinas die Rede. Darin steckt ein immer wiederkehrender Denkfehler, die Folge eines über Jahrzehnte hinweg üblichen monetären Denkens. Warum freuen wir uns nicht darüber, dass die chinesische Regierung die Exporte (auch für uns in Europa) subventioniert, uns also preiswert beliefert und damit tatsächlich den Wohlstand hierzulande mehrt? Albrecht Müller.
Vor nunmehr 57 Jahren war dieses Thema Kern einer Auseinandersetzung in der damaligen Großen Koalition aus CDU, CSU und SPD. Zum Verständnis dieses damaligen Konfliktes vorweg noch eine Anmerkung: Damals gab es feste Wechselkurse zwischen Dollar und D-Mark. Der Wechselkurs wurde, wenn es wirtschaftlich als sinnvoll erachtet wurde, staatlicherseits geändert. Das war damals fällig, jedenfalls virulent. Schon im Sommer 1968 war erkennbar, dass der Dollar überbewertet war. Bei einer internationalen Konferenz in Bonn versuchte Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller (SPD) im November 1968 einvernehmlich eine Aufwertung der D-Mark durchzusetzen. Sein Ministerkollege von der CSU, Bundesfinanzminister Franz Josef Strauß, war dagegen. Er vertrat erkennbar die Interessen der exportorientierten bayerischen Industrie, ohne Rücksicht auf die damit verbundene gesamtwirtschaftliche Fehlentwicklung.
Damals war ich Ghostwriter von Karl Schiller und von ihm im beginnenden Bundestagswahlkampf in ein Wahlkampf-Zuarbeitergremium abgeordnet. Dort waren die führenden Personen der SPD, also Willy Brandt, Herbert Wehner, Helmut Schmidt und der Bundesgeschäftsführer Wischnewski vertreten. Meine Kollegen auf dieser Arbeitsebene hatte ich davon überzeugt, dass eine Aufwertung der D-Mark sachlich sinnvoll ist und man diese Aufwertung auch „verkaufen“ könne. Dazu sei es allerdings notwendig, vom Denken in monetären Größen wegzukommen und in realen Größen zu denken und zu bewerten.
Damals waren Zeitungsanzeigen ein zentrales Wahlkampfmittel. Ich schlug vor, eine Zeitungsanzeige mit der Überschrift, „Wir verschenken jeden 13. VW“, zu schalten.
Auf die Zahl 13 war ich durch Berechnung der Unterbewertung gekommen. Es war eine gegriffene Zahl. Es hätte auch 7 oder 9 oder 15 etc. heißen können. Entscheidend war nur, dass die angesprochenen Zeitgenossen und konkret die Wählerinnen und Wähler des Bundestagswahljahres 1969 begreifen konnten, dass es die Unterbewertung der D-Mark gab und dass damit ein realer Verlust an Wohlstand gegeben war.
Basis dieser eigentlich nicht besonderen Erkenntnis war das Denken in realen Größen und eben nicht in monetären Größen. Das hatte ich bei Professor Hans Möller, dessen Student und Assistent ich von 1962 bis1968 in München war, gelernt.
Dass noch 57 Jahre später in den gleichen Unsinnskategorien gedacht wird, dass immer noch gedacht wird, wir lebten von Dollars und nicht von Bananen, ist bemerkenswert. Der Fortschritt ist eine Schnecke.
Titelbild: Rheinpfalz






