Der Politik des Krieges Lieder des Friedens entgegensetzen
Wenn die Leute da draußen schon nicht mit Argumenten und Analysen für die Gefahren des politischen Großprojekts „Kriegstüchtigkeit“ sensibilisiert werden können, wie sieht es dann mit der Musik aus? Vielleicht vermögen jene großartigen Antikriegs- und Friedenslieder, die Künstler in den vergangenen Jahrzehnten verfasst haben, die Herzen zu erreichen? Mit diesen Gedanken begann 2022 das Projekt Friedensnoten, das der Künstler Jens Fischer Rodrian und Marcus Klöckner aufgebaut haben. Aus dem Projekt ist nun ein Friedensbündnis geworden, an dem sich auch die NachDenkSeiten beteiligen. Wir stellen es hier vor. Von Marcus Klöckner.
Musik – sie kann Menschen auf einer anderen Ebene erreichen als analytische Texte. Musik vermag dort, wo das Rationale ins Leere greift, Türen zu öffnen. Die Musikgeschichte dieser Welt hat vieles hervorgebracht – darunter auch großartige Antikriegs– und Friedenslieder.
Wer sich mit diesen Musikstücken auseinandersetzt, merkt schnell: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Das Thema Krieg beschäftigt Musiker seit Langem. Die Bandbreite an Liedern ist so groß, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Von sanften Liedermachern wie Reinhard Mey, der mit seinem Lied „Nein, meine Söhne gebe ich nicht“ jenen Eltern eine Stimme gibt, die ihre Kinder nicht zum Spielball politischer Kriegsinteressen hergeben wollen; über eine Heavy-Metal-Band wie Metallica, die über die Hölle des Krieges gesungen hat; über Chansons wie von Marlene Dietrich „Sag mir, wo die Blumen sind“; über Nenas 99 Luftballons bis hin zu … : In Friedensliedern liegt ein geballtes Wissen. Mit tiefen Einsichten zum Krieg – mal unverblümt, roh, geradeaus, mal künstlerisch metaphorisch verpackt – zeugen die Texte von einem Wissen, das nicht verloren gehen darf.
So unterschiedlich, so vielseitig diese Lieder auch sind: Wie gut, dass es da draußen Künstler gab und gibt, die mit ihrer Musik an den Frieden appellieren und der Politik den Spiegel vorhalten, wie etwa in dem Lied „Fortunate Son“ von Creedence Clearwater Revival, das die Doppelmoral der Kriegsmacher anprangert.
Aktuell soll Deutschland „kriegstüchtig“ werden. Die Konfrontationspolitik zwischen der NATO und Russland bahnt sich immer weiter ihren Weg. Wie weit wird sie noch gehen? Wo ist eine Gesellschaft, die versteht, was passiert, die begreift, was Politiker anrichten? Diese Entwicklung ist gefährlich. Auf der Webseite der Friedensnoten heißt es:
In den Friedensnoten geht es darum, dass Persönlichkeiten ein Anti-Kriegs- oder ein Friedenslied, das ihnen am Herzen liegt, auswählen und besprechen. In freier Form schreiben die Autoren über die Liedtexte, über die Melodien, über Hintergründe oder ihre persönlichen Gefühle, die mit den Liedern verbunden sind.
Auf diese Weise sollen jene Lieder, die gerade in dieser Zeit Radiostationen hoch und runter spielen müssten, wieder in Erinnerung gerufen werden. Der kleinste gemeinsame Nenner bei diesem Projekt, das nun zu einem Friedensbündnis zwischen Manova, Radio München, NachDenkSeiten und Protestnoten geworden ist, ist der Frieden.
Parteipolitisches und Meinungsunterschiede bleiben außen vor. Den Stimmen des Friedens Gehör zu verschaffen: Das tut Not und darum geht es.
Mittlerweile haben gut 60 Autoren rund 80 Friedensnoten verfasst.
Die NachDenkSeiten werden von nun an neue und alte Friedensnoten veröffentlichen oder in ihren „Hinweisen des Tages“ auf sie aufmerksam machen.
Eine unter ehrenamtlichem Einsatz mit viel Liebe gestaltete neue Webseite soll den Friedensnoten bessere Sichtbarkeit verleihen.
Ein Projekt, ein Bündnis wie dieses, lebt davon, dass es Menschen da draußen zur Kenntnis nehmen. Jede Friedensnote, die geteilt wird, trägt zu seiner Aufmerksamkeit und Reichweite bei. Jede Friedensnote, über die jemand nachdenkt, hat die Möglichkeit, ihre Botschaft zu entfalten.
Gute Antikriegslieder sterben leider nie – sie warten auf den nächsten Krieg




