Zentrum für politische Verwahrlosung: „Hat jemand kompromittierende Infos?“

Zentrum für politische Verwahrlosung: „Hat jemand kompromittierende Infos?“

Zentrum für politische Verwahrlosung: „Hat jemand kompromittierende Infos?“

Tobias Riegel
Ein Artikel von: Tobias Riegel

Das „Zentrum für politische Schönheit“ hat dazu aufgerufen, „kompromittierende Infos“ über einen BSW-Politiker zu sammeln. Begründet wird dieser abstoßende Aufruf mit dem Gerede, das BSW würde „unser Land der AfD ausliefern“. Das ist Unsinn: Der Erfolg der AfD muss der „radikalen Mitte“ zugeschlagen werden – und ihrer sturen Weigerung, ihre bürgerfeindliche Politik zu ändern. Wer solche Aufrufe verfasst, will keine inhaltliche Debatte, sondern arbeitet an der Verwahrlosung der Gesellschaft. Ein Kommentar von Tobias Riegel.

Das „Zentrum für politische Schönheit“ (ZfpS) hat aktuell auf X geschrieben:

„Dafür, dass das BSW unser Land übermorgen an die AfD ausliefert, reden wir verdammt wenig über die Partei: Ihr wichtigste Akteur ist ein 22-jähriger John Lucas Dittrich. Der sitzt plötzlich am Hebel der Macht. Kennt ihn jemand? Hat jemand kompromittierende Infos? Bitte per Mail.“

Begründet wird der abstoßende Aufruf mit der aktuell von vielen Seiten wiederholten Losung, das BSW fungiere als „Steigbügelhalter“ für die Rechten. Was für ein Unsinn – die wahren Erfüllungsgehilfen für die AfD sind jene Kräfte, die die Partei seit Jahren absolut voraussehbar stark gemacht haben: unter anderem durch einen bizarren und nutzlosen „Kampf gegen Rechts“, durch eine selbstzerstörerische Russlandpolitik, durch die Stützung des Militarismus und der daraus indirekt folgenden Sozialkürzungen oder durch die Aufrechterhaltung der Illusion, man könne „falsch“ wählende Bürger durch Beleidigungen und Umerziehung auf den Pfad der Tugend zurückführen – und das, ohne die bürgerfeindliche Politik zu ändern.

Dazu kommt, dass hier vom „Zentrum“ ja nicht die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem BSW gesucht wird – im Gegenteil: Mutmaßlich sollte durch Rufschädigung eines Politikers auf der persönlichen Ebene die politische Debatte mit ihm vermieden werden, weil man keine guten Argument hat.

„Das ist politische Gosse, was ihr betreibt“

Die Aktion ist übrigens nach hinten losgegangen, unter dem Aufruf finden sich fast nur ablehnende Kommentare. Dieser hier gehört noch zu den freundlich formulierten:

„Ihr fragt nicht nach seinen politischen Positionen, weil die sind öffentlich. Ihr fragt nach Dreck und Schmutz und persönlichen Schwächen, mit denen ihr einen jungen Menschen dann öffentlich fertig machen könnt. Das ist politische Gosse, was ihr betreibt.“

Einerseits könnte man dieses schräge Projekt totschweigen, auch dieser Artikel hier ist viel zu viel der Ehre für das „Zentrum“ und seine Macher. Andererseits kann man einen solchen Aufruf aber nicht einfach durchgehen lassen, weil solche abstoßenden Taktiken normalisiert werden, wenn sie nicht skandalisiert werden. Solche Aufrufe wirken auch nicht nur für die konkrete Aktion – wenn man solche Tabubrüche duldet, kann es die politische Verwahrlosung der ganzen Gesellschaft fördern.

Titelbild: Giovanni Cancemi / Shutterstock

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