Steinbrück rät zum Sparen beim Urlaub:

Ein Artikel von:

“Wir müssen wieder stärker an unser Land und weniger an unsere Einzelinteressen denken.”
Alle denken voller Eigenverantwortung an sich, nur „Wir“ müssen wieder stärker an unser Land denken.

Die Manager verweisen zur Rechtfertigung ihrer ständig steigenden Millionengehälter darauf, dass amerikanische Manager noch viel mehr verdienen. Die Löhne und die Abgaben müssen gesenkt werden, weil die Globalisierung das erzwingt. Die Sozialleistungen müssen gesenkt werden, weil „unser Land“ sie nicht mehr finanzieren kann. Der Wettbewerb zwingt dazu, dass die Unternehmer höhere Gewinne machen müssen, sonst werden sie übernommen oder sie wandern ab. Es ist betriebswirtschaftlich zwingend, dass die Unternehmen Kosten senken und massenhaft Mitarbeiter entlassen. Der Standortwettbewerb erfordert unumgänglich eine weitere Senkung der Besteuerung der Gewinne. Die Investoren investieren eben dort, wo sie die beste Rendite erwirtschaften.

Das sind nicht etwa Einzelinteressen unserer Manager, unserer Unternehmen oder von Investoren, nein, das sind wettbewerbliche Zwänge. Und wie soll man angesichts solcher objektiven Notwendigkeiten noch an „unser Land“ denken können?

Allein „Wir“, die „Wir“ in freier „Eigenverantwortung“ entscheiden können, „Wir“ können noch an unser Land denken und nur „Wir“ können unsere Einzelinteressen zurückstellen. Also müssen „Wir“ dieses patriotische Opfer für „unser Land“ bringen, damit unser Land wieder „Spitze“ wird:
Spitze bei den Managergehältern, Spitze bei den Gewinnen, Spitze bei den Renditen.

Was sind gegen eine solche Spitzenreiterrolle schon unsere schnöden Einzelinteressen an einem Erholungsurlaub?
Der Einzelne ist nichts, unser Land an die Spitze zu bringen, ist alles.

Das einzige Problem ist: Wer ständig weiter zur Spitze strebt, entfernt sich vom Tal, wo die Menschen leben.

Frage an Steinbrück: Welches Opfer können die knapp 40 Prozent unserer Landsleute für „unser Land“ bringen, die gar nicht in Urlaub fahren?

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