Der Exportweltmeister übertrifft sich selbst

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Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, wurden im Jahr 2006 von Deutschland Waren im Wert von 893,6 Milliarden Euro ausgeführt und Waren im Wert von 731,7 Milliarden Euro eingeführt. Die deutschen Ausfuhren waren damit im Jahr 2006 um 13,7% und die Einfuhren um 16,5% höher als im Jahr 2005. Damit dürfte Deutschland im Jahr 2006 den Titel als Exportweltmeister verteidigt und in der Rangliste vor den USA und China gelegen haben. Wolfgang Lieb.

Die Außenhandelsbilanz – also der rechnerischen Gegenüberstellung der Einfuhr und Ausfuhr aller Waren einer Volkswirtschaft – schloss im Jahr 2006 mit einem Überschuss von 161,9 Milliarden Euro ab. Im Jahr 2005 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz + 158,2 Milliarden Euro betragen.

Also von wegen Basar-Ökonomie, wonach bei uns nur noch importierte Vorprodukte zusammengeschraubt werden und keine Wertschöpfung mehr stattfindet. Zwar steigen auch die Importe aber sie werden durch die höheren Exporte kompensiert.

Täglich lesen und hören wir, wenn es um Tarifverhandlungen, um Unternehmensteuersenkungen, um die Senkung der Lohnnebenkosten oder um die Kürzung von Sozialleistungen geht, dass wir unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern müssten, obwohl Deutschland schon Exportweltmeister ist und seine Ausfuhren nochmals zweistellig um 13,7% steigern konnte.

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland stieg 2006 gegenüber dem Vorjahr gerade mal um 2,5%. Das legt den Schluss nahe, dass die Expansion der Wirtschaft im Inland deutlich geringer gewesen sein dürfte als der Außenhandelsbeitrag zum Bruttosozialprodukt. Nach wie vor liegen unsere Defizite also eher in der Binnenwirtschaft und nicht bei der mangelnden internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

In den verbreiteten Nachrichten zur heutigen Meldung des Statistischen Bundesamtes hörte man meist den warnenden Zusatz, dass China angesichts seiner gegenwärtigen Ausfuhrdynamik Deutschland künftig den „Titel“ des Exportweltmeisters streitig machen könnte. Was wäre aber daran eigentlich so dramatisch, wenn ein Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern mehr exportieren würde, als ein Land wie Deutschland mit rund 80 Millionen Einwohnern? „Das bedeutete nur, dass ein unnormaler Zustand von einem etwas weniger unnormalen Zustand abgelöst wird”, meint dazu der Chefvolkswirt der Konferenz für Handel und Entwicklung der Vereinten Nationen (Unctad), Heiner Flassbeck. Zudem sei nicht so sehr der absolute Export kennzeichnend für eine Volkswirtschaft, sondern die Handelsbilanz. So würden auch die USA einen großen Teil des Weltexports bestreiten, unter dem Strich aber viel schlechter dastehen, da sie noch deutlich mehr Güter importieren und eine negative Handelsbilanz auswiesen.

Sollte die Weltwirtschaft – wie prognostiziert wird – im kommenden Jahr tatsächlich schwächer werden, so wäre es umso wichtiger, dass die Binnenwirtschaft gestärkt wird.

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