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Die NachDenkSeiten – Hort der Verschwörungstheoretiker?

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Medienkritik, Strategien der Meinungsmache

Unsere Kollegin Annette Brückner bloggt auf Cives und Police IT vornehmlich über Themen der Informationstechnik, Datenschutz und der inneren Sicherheit. Um sich weiterzubilden, besuchte sie ein Seminar von CORRECTIV, einem Online-Medium, das unter anderem als „Faktenchecker“ für Facebook für Schlagzeilen sorgt, aber durch seine oft sehr subjektive Arbeitsweise auch massiv in die Kritik geraten ist. Als Frau Brückner dem Seminarleiter erzählte, dass sie mit den NachDenkSeiten zusammenarbeitet, zeigte der Seminarleiter abermals, dass diese Kritik sehr berechtigt ist. Schönen Dank an Annette Brückner, die uns ihre Erlebnisse in einem vielsagenden Gastartikel schildert.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

“50 Werkzeuge für bessere Sätze”

Es war ein ganz eigener, persönlicher Marathon, zweimal acht Stunden am Wochenende des Berlin-Marathons. In denen ich teilnahm an einem “Praxis-Workshop für Redakteurinnen und Reporter, Werberinnen und Pressesprecher, Wissenschaftlerinnen und Blogger, Aktivistinnen und Studenten“.

„Dieses Seminar will deiner Sprache ihre Tiefe zurückgeben“, hatte es in der Ankündigung geheißen. „Ihre Schönheit. Hier soll es, ganz vermessen, darum gehen, interessanter zu schreiben. Rhetorischer. Rhythmischer. Ausdrucksvoller. Zunächst besprechen wir die Stärken und die Schwächen eurer Texte, schauen, was DU ändern kannst, damit du durchdringst. Gemeinsam redigieren wir ausgewählte Passagen live am Beamer, und glaub mir: Noch jeder ist bei dieser Kritik gewachsen. Und hat sich danach größer, nicht kleiner gefühlt.”

Veranstaltet wurde das Ganze von CORRECTIV. Es fand statt in deren Büroräumen nahe beim Alexanderplatz. Der Seminarleiter A.H. war ein früherer Mitarbeiter von CORRECTIV und arbeitet heute für REPUBLIK.CH, ein „digitales Magazin für Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur“. Es wird, so liest man auf der Webseite, „von seinen Leserinnen und Lesern finanziert“.

Texte mit Tiefe und Schönheit versehen …

Jeder von uns 16 Scholaren hatte zuvor einen eigenen Text eingereicht, den der Seminarleiter auf zwei DIN-A4-Seiten verkürzt hatte. Und der dann im Verlauf des Seminars besprochen und verbessert wurde. Über lange Strecken ging es allerdings nur um das Durchhecheln von 50 und weiteren Werkzeugen für bessere Sätze und weniger um mehr Tiefe und Schönheit in der Praxis. Sodass dann am zweiten Tag gar nicht mehr viel Zeit blieb, um die bis dahin noch nicht besprochene Mehrzahl der Textbeiträge der Teilnehmer unter die Lupe zu nehmen. Auch mein Artikel kam unter den Verbesserungs-Express: Sein Thema war ein Datenleck bei der Berliner Polizei, doch spielte der Inhalt weder bei der Suche nach Verbesserungen eine Rolle, noch ist er hier von Belang. 

Einleitend stellte ich  den Kontext vor, in dem wir auf unseren – werbefreien – Blogs (Cives, POLICE-IT) veröffentlichen: Es handele sich um einen Artikel auf dem Blog POLICE-IT.ORG, der sich vornehmlich an Leser aus Polizeibehörden und Innenministerien richtet. Dort bzw. uns sei sachliche und fachliche Genauigkeit besonders wichtig. Ich erwähnte auch, dass unsere Artikel (wenn sie von allgemeinem Interesse sind) bei den NachDenkSeiten eingereicht und dort nicht selten im Rahmen der ‘Hinweise …’ aufgegriffen werden.

Die NachDenkSeiten als Hort der Verschwörungstheoretiker

Der Seminarleiter holte, noch während ich sprach,  die Webseite der NachDenkSeiten auf den bühnengroßen Monitor. Ganz oben war (an diesem Tag) ein Beitrag zu sehen von/über Mathias Bröckers. Ein gefundenes Fressen für den Seminarleiter. Ha, dieser Bröckers, der ja in letzter Zeit vor allem mit Verschwörungstheorien aufgefallen sei. Und überhaupt diese NachDenkSeiten – Frage an die Teilnehmer: „Kennt die jemand?!“ Auch so eine Plattform, auf der viele Autoren ihre „Verschwörungstheorien“ verbreiteten. Selbst Beiträge von RT (Russia Today) werden da aufgegriffen!  Insofern – dies ein Rat an mich kleine Autorin – „muss man schon aufpassen, wo man veröffentlicht“. 

Wenn mehr Clicks produziert werden können, spielt sachliche Richtigkeit nur eine untergeordnete Rolle

Es folgten dann noch wenige Minuten Beschäftigung mit meinem Artikel – genauer gesagt, das Auseinanderpflücken von dessen erstem Absatz. Das Ergebnis war ein zerfleddertes Etwas, angeblich jetzt besser zu lesen, sozusagen “juicier”. Es hatte den Nachteil, dass die Aussagen nun schlicht nicht mehr stimmten. Das machte aber nichts, sagte der Seminarleiter auf meinen Einwand hin, denn „ich wollte Dir ja zeigen, wie Du mehr Leser bekommen kannst“. Aha! 

Das nächste, was ich bekommen musste, war allerdings meine Regionalbahn. Die – dank Berlin Marathon – nur ab und an mal fuhr. Daher habe ich auch das Ende dieses Seminars nicht mehr mit bekommen …

Mein Fazit:

Bereits auf solch kleiner Ebene wird Meinungsmache praktiziert. Und ganz so klein ist die Ebene gar nicht, wenn man berücksichtigt, dass die Teilnehmer – Journalisten, Sachbuchautoren, PR-Texter etc – Multiplikatoren sind.

Die Aversion gegen die NachDenkSeiten ist – so jedenfalls meine Theorie – durch geschäftliche Interessen motiviert. Sowohl CORRECTIV als auch REPUBLIK.CH versuchen, im Internet Geld zu verdienen mit einem „zahlende-Mitglieder-/Abonnenten-Modell“. Kostenlose und werbefreie Informationsangebote, wie die NachDenkSeiten (oder auch unsere Blogs CIVES und POLICE-IT) stören dieses Geschäftsmodell, weil sie demonstrieren, dass gute Information für den Leser auch ohne Mitgliedschaft, Abo-Gebühren und jährliche Erneuerung zu haben ist. 

Banale und unbewiesene Argumente, hier die angebliche ‘Verbreitung von Verschwörungstheorien’ werden pauschal eingesetzt zur Diffamierung des Wettbewerbers und aller (!) Autoren, die dort veröffentlichen.

Das Ziel der Textverbesserungen war darauf fokussiert, mehr Leser/mehr Clicks zu generieren. Sachliche und objektive Richtigkeit des Textes sowie Grundprinzipien des journalistischen Arbeitens spielten im Verlauf dieses Seminars kaum eine Rolle.
Der “Feind” für möglichst objektive Information steht nicht nur im Lager der so genannten Mainstream-Presse. Wenn’s ums (eigene) Geschäft geht, ist jedem Online-Publikations-Organ, das sich vordergründig progressiv und am hehren Ziel eines “guten Journalismus” orientiert gibt, das eigene Hemd das liebste. 

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