Leserbriefe zu „Bei dem einen ist es „Staatsterrorismus“, bei dem anderen ein kleinerer Fauxpas“ und „Wer geht wie mit seinen Dissidenten um?“

Ein Artikel von:

Jens Berger nimmt in diesem Artikel Stellung zur medialen Berichterstattung über die Zwischenlandung eines Ryanair-Jets im weißrussischen Minsk. Er macht darauf aufmerksam, dass die Hintergründe „im Dunkeln“ blieben. Er weist außerdem auf ähnliche Vorfälle in der Vergangenheit hin, zu denen die Medien schwiegen. Winfried Wolf meint in diesem Gast-Beitrag, der Vorfall sei „ohne Wenn und Aber zu verurteilen“. Er vergleicht ihn u.a. mit der im Jahr 2013 erzwungenen Landung der Maschine des damaligen bolivianischen Präsidenten Evo Morales, der nicht die Unterstützung von Ursula von der Leyen und Angela Merkel gehabt hätte. Daher erhebt er den Vorwurf der „Doppelstandards bei den Reaktionen“. Danke für die interessanten E-Mails. Es folgt eine Auswahl der Leserbriefe. Zusammengestellt von Christian Reimann.

Zu: Bei dem einen ist es „Staatsterrorismus“, bei dem anderen ein kleinerer Fauxpas

1. Leserbrief

Liebe Redaktion,

erst einmal herzlichen Dank für den Artikel von Jens Berger!

Auf der unten angegebenen Website finden sich noch folgende, soweit ich das beurteilen kann gut belegte Informationen: Roman Protasewitsch hat an dem Umsturz in der Ukraine teilgenommen. Er ist mit rechtsextremen Gruppierungen assoziiert, darunter das Asow-Bataillon. Im Jahr 2018 nahm er eine Einladung in das State Department wahr. Er kam jetzt aus Griechenland, wo er als Fotograf der Oppositionsführerin im Exil bei einer Konferenz fungierte, an der auch die griechische Präsidentin sowie der Botschafter der USA in Griechenland, der aus der Ukraine wohlbekannte Geoffrey Pyatt, teilnahmen.

Kurz gesagt: Protasewitsch ist ein Regime-Change-Operative. Auf seinem Laptop könnten interessante Informationen zu finden sein…
foiaresearch.net/person/roman-protasevich

Ich würde mich freuen, wenn Sie da dran bleiben könnten.

Mit besten Grüßen
T. E.


2. Leserbrief

Moin Herr Berger,
 
nachdenkseiten.de/?p=72745
Sie schreiben, die Hintergründe von Protasewitsch “bleiben im Dunklen”. Für Grayzone hat Ben Norton das Dunkel ausführlich beleuchtet.
 
Demnach machte Protasewitsch Karriere bei Propagandasender und CIA-Gründung “Radio Free Europe”, hat im berüchtigten ukrainischen Azov-Battalion gedient, war dort für die Pressestelle tätig, hat ein Jahr im Donbass aktiv gegen russische Truppen gekämpft, und einiges mehr. Er ist somit als offener Neo-Nazi und US-Agent zu werten, aus Sicht von Weißrussland eindeutig ein feindlicher Agent und feindlicher Kämpfer, sicher kein schlichter politischer Oppositioneller.
 
Freundliche Grüße
Matthias Liesenhoff


3. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

als vor einigen Tagen die Meldung von der erzwungenen Landung eines Passagierflugzeuges in Belarus durch die Medien schwirrte, erinnerte mich das sofort an die in 2013 von den USA erzwungene Landung der ecuadorianischen Präsidentenmaschine in Wien mit Evo Morales an Bord, in der Hoffnung, den Whistleblower Edward Snowden darin zu finden. Darüber herrschte damals in den Medien, neben einigen kritischen Stimmen, viel Verständnis für den “Ausrutscher” der Supermacht.

Der von den weißrussischen Behörden festgenommene Blogger Protasewitsch muss, so verlautbart von unserer Kanzlerin, Außenminister Maas und anderen Wichtigtuern, umgehend freigelassen werden, ebenso, wie übrigens schon länger gefordert, der in Russland verurteilte rechte Agitator Nawalny.

Ich würde mir sehr wünschen, dass die gleichen Maßstäbe an den Fall des bereits seit mehr als zwei Jahren im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in London ohne Anklage festsitzenden Julian Assange angelegt würden.
Aber da herrscht eisiges Schweigen – das ist einfach beschämend und skandalös! Wenn das die “westlichen Werte” sind, die Frau Merkel nicht müde wird zu beschwören und die zu leben wir uns verpflichten sollen, dann Gute Nacht, Deutschland.

Mit freundlichen Grüßen
G. Fernekes 


4. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

vielen Dank  für Ihre Ausführungen zum Thema „Staatsterrorismus“. Der nächste Keiler also, der durchs transatlantische Dorf getrieben werden darf, nein muß. Eine veritable Sau, die doch gut als „roter Hering“ durchzugehen, zu dienen hat. Irgendwie scheinen die „Dorfältesten“ doch noch unter einem schlechten Gewissen zu leiden, denn sonst wären sie doch kaum so besorgt darum, vom vorigen kapitalen Hausschwein abzulenken, dass sie so vortrefflich geritten haben. Hat sich doch nicht nur die halbe sondern fast die ganze Welt zwischenzeitlich darüber echauffiert, wie sich der fortgeschrittener Korruption Angeklagte in Personalunion mit dem Ministerpräsidenten ohne Portefeuille mit allen Mitteln seiner Wahl am Stuhl festhalten will. Sogar aus dem ihm doch ach so wohlwollenden Imperium (u.a. 3,8 Milliarden $ verlorener Zuschuss per anno) waren mehr als besorgte Stimmen zu vernehmen, selbst die imperiale Hofpostille NYT sah sich genötigt, ein strenges „basta“ gen Heiligem Land verlauten zu lassen. Wer das nicht wahrhaben will, vermutlich u.a. auch unser oberster Großinquisitor i. S. Putin et al Norbert R., sollte mal nachlesen was ein Ralph Nader – ja, genau der – dazu zu sagen hat. Sehr empfehlenswert! Zu lesen hier.

Widerstand von überall auf der Erdscheibe? Fast, denn eine kleine Ansammlung von tatsächlich querdenkenden Empörten in Mittelerde, zwischen Rhein und Oder/Neisse, eigentlich nur von direkt an der Spree, fühlte sich dazu aufgerufen, jenen an der Levante seit Jahrzehnten doch ziemlich unmenschlich gebarenden Heerscharen – bestens ausgestattet mit Schnellfeuerwaffen, Düsenjets, Raketen und allem was sonst dazugehört, wenn es darum geht sagen zu können, seit X Uhr fünfundvierzig wird zurückgeschossen – nicht nur pekuniär sondern auch verbal beizuspringen. Klar, das schwere Päckchen ewiger Schuld lastet gehörig. Ob sich jedoch jemals einer von den Nachkommen derer mit den richtigen Sekundärtugenden ausgestatteten von dereinst hierzulande auch nur einen Gedanken darüber gemacht hat, was die sechs Millionen Vorfahren darüber denken dürften, was heutzutage in ihrem Namen und wegen ihres unstrittig erlittenen Leides alles so unternommen um nicht zu sagen verbrochen wurde und wird? Ja, wenn das kein bekennender und praktizierter „Staatsterrorismus“ sein sollte, was denn dann?

Und jetzt also stattdessen – um vom eigenen missratenen Zwergenaufstand abzulenken – wird der schändliche „Staatsterrorismus“ eines Tyrannen aus Weißrussland brühwarm aufbereitet und breitgetreten, dass die Soße spritzt. Letzteres ist natürlich bei einem Griff ins Klo nicht zu verhindern. Dass die Empörung über dieses  Verbrechen in den transatlantischen Medien grenzenlos verwurstet wird, ohne mal zu prüfen, ob es „Ähnliches“ vielleicht auch mal zur Befriedigung des transatlantischen Imperators gegeben hat, nix da, es verwundert einen nicht. 
Wäre auch gar nicht vergleichbar, hierzu noch ein Findling von der gleichen Quelle wie oben. 

„Aber so oder so gibt es kaum Zweifel daran, dass mehrere EU-Regime auf Anfrage (implizit oder explizit) des US-Regimes zusammenarbeiteten, um ein Flugzeug zur Landung zu zwingen – und zwar nicht irgendein altes normales Flugzeug, sondern ein diplomatisch geschütztes Flugzeug -, um bei der Entführung eines politischen Flüchtlings zu helfen….Aber wenn die “Führer der freien Welt” nicht genau wie Lukaschenko handeln würden, wann immer es ihnen passt oder ihren Interessen dient, wären sie in einer viel besseren Position, um globale Aktionen zu mobilisieren, um dieses Ergebnis zu erreichen.“

Da argumentiert mir der Verlautbarer – Thomas Knapp – doch etwas arg blauäugig.  „Diplomatisch geschütztes“ ist schon lange überflüssig, jedenfalls wenn es dem eigenen Zweck nicht zu dienen hat. Vor acht Jahren war es ein Präsident eines souveränen Staates, der „im Auftrag“ eines veritablen „Staatsterroristen“ verschleppt werden konnte. Nicht ganz so lange her ist es bei einem anderen gut bekannten, dass er aus einem ansonsten doch eigentlich sakrosankten Botschaftsgebäude mit körperlicher Gewalt in imperiale Folterhaft verfrachtet werden konnte. In einem Land, in das er vor fast einem Jahrzehnt geflohen war, weil ihm anderweitig eine „Untat“ unterschoben worden war, die niemals stattfand und an die sich niemand mehr zu erinnern braucht. Wenn das kein Terror ist! Von Imperators wegen! Wie spruch einer seiner Vorgänger von früher einst in ähnlicher Lage? „Ich wasche meine Hände in Unschuld!“  Na dann!

Soll kein Vorwurf gewesen sein, nur eine Feststellung, eine Ergänzung. 

Mit besten Grüßen
Michael Kohle


Zu: Wer geht wie mit seinen Dissidenten um?

5. Leserbrief

Liebes Team der NachDenkSeiten,

Dieser Artikel hat einen leichtsinnigen Umgang mit Fakten.

“Das, was Alexander Lukaschenko am 23. Mai mit der RyanAir-Maschine und mit dem Regime-Kritiker Roman Protassewitsch und dessen Freundin Sofia Sapega veranstaltete, ist ohne Wenn und Aber zu verurteilen.”

Wir wissen noch gar nicht genau was passiert ist, insofern wird es mir gar nicht einfallen, ohne Wenn und Aber zu verurteilen. (Genausowenig wie damals Schröders Solidarität ohne Wenn und Aber) Der Artikel von Jens Berger zum Thema verweist mit Recht nur auf die westlichen Vorbilder, an die auch ich mich sofort erinnerte. Hinweise zur internationalen Rechtslage habe ich übrigens noch nirgends gefunden, würden mich in diesem Zusammenhang sehr interessieren.

Noch leichtsinniger geht der Artikel mit den Fakten in Bezug auf Katalonien um. “Seither gab es (im Dezember 2017 und im Februar 2021) zwei weitere demokratische Wahlen, in denen jeweils die Parteien, die für eine katalanische Unabhängigkeit eintreten, eine Mehrheit errangen.”

Die Fakten sind anders.

Es gab drei, nicht zwei demokratische Wahlen. 2017 2017 Regionalwahlen, 2019 Nationalwahlen, die letzen (wieder Regionalwahlen) im Jahre 2021. 2017 konnten die Parteien, die für die Unabhängigkeit eintraten 47,49% gewinnen. 2019 fiel das auf 39,69%. 2021 fiel die Wahlbeteiligung wegen der Corona-Restriktionen von 79% auf 53,55% und die Parteien, die für die Unabhängigkeit eintraten, konnten dieses Mal einen Stimmenanteil von 50,9% erreichen.

Inwieweit man die Wahlen von 2021 mit einer derart gesunkenen Wahlbeteiligung als wirklich repräsentativ für die Verhältnisse in Katalonien betrachten kann, sei dahin gestellt. Tatsache bleibt: In 2019 hat der Anteil der Wähler für die Unanbhängigkeit gegenüber 2017 drastisch abgenommen. Es gab keine Mehrheit!

Was bezüglich Katalonien nicht direkt an falschen Fakten serviert wird, wird verschwiegen: “Im Oktober 2017 votierte in Katalonien in einem Referendum eine Mehrheit für die Unabhängigkeit Kataloniens” und “Die Regierung in Madrid reagierte auf das Referendum und auf die Unabhängigkeitsbestrebungen mit Polizeigewalt”

Dazu ist zu ergänzen. Das Referendum war so illegal wie es auch ein Referendum in Deutschland gewesen wäre. (vgl. Entscheidung Bundesverfassungericht zum bayrischen Referendum)

Madrid ist gegen dieses illegale Referendum mit Polizei vorgegangen, nicht gegen die Unabhängigkeit. Wer und wieviel sich an diesem Referendum beteiligt hat, bleibt unklar und dafür eine Mehrheit zu reklamieren, gehört zum Propagandageschäft der Separatisten und nicht zu den Fakten.

Diese Faktenverdrehungen zu Katalonien laufen unter dem Thema: “Die Opposition zum Schweigen bringen” Das ist schon frech. Niemand in Katalonien ist zum Schweigen gebracht worden. Die Urteile gegen die betroffenen Politiker beruhen auf der Durchführung des illegalen Referendums.

Um Mißverständnissen vorzubeugen, ich habe weder für Madrid noch für die Separatisten irgendwelche Sympathien. Für Tatsachen schon.

Mit freundlichem Gruß
Helmut Jutzi


6. Leserbrief

Es ist immer wieder ernüchternd, wenn linke Politiker und Publizisten, deren Beiträge und Kommentare ich zu vielen Themen schätze, sich in transatlantischen Framings verhaspeln und verheddern. Oder es ist mittlerweile für einige Linke ein Ritual geworden, dass man vor dem Formulieren einer eigenen Meinung eine öffentliche Selbstreinwaschung durch das Wiederkäuen von durch die Lautsprecher des Wertewestens formulierten Behauptungen. 

Winfried Wolf formuliert es ja so:»Das, was Alexander Lukaschenko am 23. Mai mit der RyanAir-Maschine und mit dem Regime-Kritiker Roman Protassewitsch und dessen Freundin Sofia Sapega veranstaltete, ist ohne Wenn und Aber zu verurteilen. Protassewitsch verdient die Unterstützung der demokratischen Öffentlichkeit; seine Freilassung und diejenige seiner Begleiterin muss durch eine breite Mobilisierung der demokratischen Öffentlichkeit erreicht werden.«

Es ist mittlerweise durch die Veröffentlichung des Funkverkehrs zwischen Maschine und Fluglotsen ersichtlich, dass die Landung in Minsk die freie Entscheidung des Piloten war:

Auch wenn die Gesamtausrichtung dieser Webseite kritisch ist, sind auf ihr zuweilen handwerklich korrekte Analysen und Schlussfolgerungen zu finden.

Die Übernahme der Plattitüde von den MSN durch Herrn Wolf ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten und könnte so auch als Meldung in der Tagesschau stehen: »Das, was A. Lukaschenko … mit der Ryan-Air-Maschine …« Das hat Herr Lukaschenko selbst wohl mitnichten getan!

Auch scheint Herr Protasewitsch wohl nicht so ganz der harmlose und sympathische Blogger und »Journalist« zu sein, dem die unbedingte Solidarität aller Linken gehören muss:
anti-spiegel.ru/2021/wer-ist-der-in-minsk-verhaftete-weissrussische-oppositionelle-roman-protasewitsch/

Kann ein Linker seine Meinung nicht mehr ohne Katzbuckelei und Rückversicherung äußern?

M. Leesch


7. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Wolf,

in Ihrem lesenswerten Artikel bezeichnen Sie in unwiderlegbarer Art und Weise die Doppelstandards des Wertewestens.

Ich teile allerdings nicht Ihre Einschätzung, dass das Procedere bei der Verhaftung von Protassewitsch ohne wenn und aber zu verurteilen sei.

Hier fehlt der Hinweis auf den von den USA mit orchestrierten missglückten Putsch in Weißrussland, bei dem Lukaschenko und seine Söhne ermordet werden sollten sowie den Umstand, dass gegen Protassewitsch ein Haftbefehl vorliegt, da er aus dem Ausland zu Aufruhr und Putsch in Weißrussland aufgestachelt hat und mit Sicherheit auch von westlichen Geldgebern finanziert wird. Nur so zum Spaß: Agieren Sie doch in der Manier von Protassewitsch gegen das Regime Merkel und lassen sich dabei vom FSB finanzieren.

Ich wette mit Ihnen, dass es in diesem Fall zwischen dem Verhalten der Weißrussen und dem deutschen Staatsschutz keine gravierenden Unterschiede geben wird oder glauben Sie etwa, ein System, das Demonstrationen gegen Grundrechtseinschränkungen verbietet, sog. Querdenker vom Verfassungsschutz beobachten lässt, bewusst Panik in der Bevölkerung verbreitet, Stichwort Corona, und außenpolitisch weder zu rationalem noch moralisch anständigem Verhalten in der Lage ist, schaut tatenlos zu, wenn Sie zu einem Umsturz aufrufen würden, was Sie als anständiger Mensch natürlich nie tun würden.

Im Übrigen: Wenn die im Anti- Spiegel veröffentlichten Protokolle des Funkverkehrs bei besagtem Vorfall stimmig sind, kann von gewaltsamem Verhalten der Weißrussen ebenfalls keine Rede sein. Da könnte gegebenenfalls über eine List spekuliert werden.

Mit freundlichen Grüßen
Joachim Drießler


8. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Wolf,
 
vielen Dank für die Aufarbeitung der verschiedenen Fälle der jüngeren Geschichte.
 
Leider stößt mir auf, daß auch Sie von einer “erzwungenen” Landung sprechen. Fakt ist, daß die Cockpit-Crew über die Bombendrohung informiert wurde, nach einer Empfehlung durch Air Traffic Control gefragt hat, Minsk empfohlen bekam aber mit dem Zusatz “at your discretion” – Ihre Entscheidung – durch die Lotsen. Diese freie Entscheidung umfaßte nicht nur die weitere Flugroute sondern auch den gewünschten Flughafen zur Landung. Nach kurzer Beratung hat der Kapitän der Maschine sich für Minsk entschieden. Er hätte auch weiterfliegen können nach Vilnius.
Bei einem solchen Notfall liegt die alleinige Entscheidung beim Kapitän, das hat auch der Fluglotse in Weißrussland nie in Frage gestellt. Dankenswerterweise hat T. Röper das Funkprotokoll übersetzt und zur Verfügung gestellt.
Von einer erzwungenen Landung kann also nicht die Rede sein.
Vielleicht sollte man auch in Erwägung ziehen, daß der Flughafen Minsk im angenommenen Unglücksfall weit außerhalb der Stadt liegt, in Vilnius allerdings direkt am Stadtrand. Obendrein wäre bei Landung in Minsk aufgrund der verlängerten Flugstrecke deutlich weniger Sprit an Bord als bei Landung in Vilnius.
 
Auch die Kontrolle, wer den Luftraum quert, ist nichts Neues: das haben die US-Amerikaner seit 2001 mit ihrem Secure-Flight-Program umgesetzt. Jeder, der per Flugzeug den US-amerikanischen Raum überfliegen oder tangieren will, muß die Passagierdaten bei Buchung, spätestens 72 h vor Flug an die US-Behörden übermitteln. Beim Check-in gibt es dann eine Freigabe oder auch nicht für den individuellen Passagier. Und das nicht nur bei Flügen von/nach USA, sondern auch auf Flügen nach Mexiko, Kanada, Karibik! Die Routen legen die US-Behörden fest, auf denen die Daten übermittelt werden müssen. Sonst keine Überflugsrechte.
 
Neben der Präsidentenmaschine Boliviens gab es noch weitere solcher Aktionen, siehe erneut bei T. Röper:

  • 23.02.2010, eine Maschine der Kyrgyz Airways auf dem Weg von Dubai nach Bishkek mit Stop im Iran und Verhaftung des iranischen Anführers der sunnitischen Terrormiliz Jundallah. Es gab keine folgenden diplomatischen Verwicklungen.
  • 21.10.2016, eine Maschine der Belavia auf dem Flug von Kiew-Zhulyany nach Minsk mußte in der Luft umkehren. Dann wurde der Journalist und Anti-Maidan-Aktivist Armen Martirosyan aus dem Flugzeug geholt und verhaftet. Ein armenischer Staatsbürger, der in Russland lebt. Poroschenko hat sich darauf hin bei Lukaschenko telefonisch für den Zwischenfall entschuldigt.

 
Die Doppelmoral und das Messen mit unterschiedlichem Maß ist einfach unerträglich. Bei Assange, Snowden und Manning schaut man weg, man meldet den US-Behörden Passagierdaten, damit diese Bewegungsprofile erstellen könnten und aufgrund von Reisehistorien ihre Algorithmen füttern können. Aber wenn andere Staaten genauso verfahren, und bei Prüfung der Passagiere dann vor Ort feststellen, daß sich ein gesuchter Volksverhetzer an Bord befindet, ist das Geschrei groß. Die Übermittlung der Passagiernamensliste zum Ausweichflughafen im Notfall ist sicher auch nicht ungewöhnlich.
 
Ob die Aktion von den Behörden eingefädelt war, um die Maschine zu einer möglichen Landung in Minsk zu bewegen oder nicht, mag dahin gestellt sein. Jedenfalls hätte der Kapitän auch die Entscheidungsfreiheit gehabt, seinen Flug wie geplant nach Vilnius oder zu einem anderen Ausweichflughafen fortzusetzen.
Insgesamt bleiben für mich zu viele Fragezeichen übrig, um von einem geplanten Coup oder einer “erzwungenen Landung” zu sprechen.
 
Mal sehen, welche Wutz der “Wertewesten” als nächstes durchs Dorf treibt um weiter gegen Lukaschenko und Putin zu stänkern.
 
Mit freundlichen Grüßen
A. G.


9. Leserbrief

Sehr geehrte Nachdenkseiten,

laut W.W. verdient Protassewitsch die Unterstützung der demokratischen Öffentlichkeit. Liebe freunde und lieber W.W. . Selten einen so naiven, recherchearmen Beitrag über einen üblen Faschisten und Antikommunisten gelesen. Schuster W.W., bleib bitte bei deinen Stuttgart 21-Leisten.

Damit disqualifiziert ihr euch selbst. Einfach nur antispiegel lesen oder russian perspective folgen, da ist man besser informiert.

Mit freundlichen grüßen
Jörg Uksa


10. Leserbrief

Liebe Redaktion,

bei aller Sympathie für Herrn Wolfs Rechtsstaat- und Demokratieverständnis, das Journalisten Schutz vor politischer Verfolgung zu gewähren hat, finde ich seine Nawalnysierung des politischen Aktivisten Roman Protassewitsch zum bloßen Blogger, der in seiner Heimat nichts weniger als einen Regime Change untersützte und beförderte unangemessen. Noch dazu angesichts dessen inzwischen wohl unstrittigem rechtsradikalen Hintergrund.

Viele Grüße von Elli Schmidt


11. Leserbrief

Sehr geehrtes Team der NachDenkSeiten,
 
anbei eine Anmerkung zu Herrn Winfried Wolfs “Wer geht wie mit seinen Dissidenten um?”
 
Anscheinend ist es die hohe Zeit der Heuchelei, nicht unbedingt allein wegen dem von Herrn Wolf und vielen anderen ansgesprochenen Ablenkthema, während global ein autoritäres Gesundheits- und demnächst Öko-Regime installiert wird.

Es ist nicht das einzige Thema das ablenken soll und nicht das einzige bei dem geheuchelt wird, gerade Herr Wolf weiß das genau wenn er ins Geheul des Rudels der Regierungs- und Konzernmedien einstimmt, wozu er eifrig mit Anderen die von ihm hauptsächlich verantwortete Zeitschrift Lunapark21 nutzt. Besonders gefällt ihm der Begriff Corona-Leugner und die Fabel von den Wellen.
 
lunapark21.net/alle-sind-ueberrascht-uups-der-winter-kommt/
 
Ebenso sensationell findet er ZeroCovid ein weiteres pseudolinkdes Feigenblatt.
 
winfriedwolf.de/?p=1416
 
Es erfordert eine ziemliche Chuzpe bei diesem offenkundigen Verhalten anderen Doppelstandards vorzuwerfen. Partikular-emanzipatorisch schwatzen, Gesamt-autoritär handeln.
 
Mit freundlichen Grüßen
Mike Holstein


12. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten Redaktion,
 
woher bezieht der traurige Herr Wolf seine Informationen zu der “erzwungene Landung einer Ryanair – Maschine in Minsk”?
“Das, was Alexander Lukaschenko am 23. Mai mit der RyanAir-Maschine und mit dem Regime-Kritiker Roman Protassewitsch und dessen Freundin Sofia Sapega veranstaltete, ist ohne Wenn und Aber zu verurteilen.”
Was hat Lukaschenko denn gemacht? Die e-mail mit der Bombendrohung höchstpersönlich getippt! Wir werden es nie erfahren!
Hat er den Ryanair – Piloten via seines Mig 29 Piloten mit Abschuß gedroht? Ryanair hat nichts dergleichen behauptet!
Es gäbe übrigens eine schnelle und eindeutige Möglichkeit diesen Funkverkehr, falls es denn einen gab zu verifizieren. Der traurige Herr Wolf sollte mal bei der NATO nachfragen, die sich mit ihren AWACS permanent in der Nähe der russischen Grenze tummeln und garantiert mitgehört haben.
 
Geradezu unverschämt wird der traurige Herr Wolf im Anschluß, “Protassewitsch verdient die Unterstützung der demokratischen Öffentlichkeit; seine Freilassung und diejenige seiner Begleiterin muss durch eine breite Mobilisierung der demokratischen Öffentlichkeit erreicht werden.”
Nein, Herr Wolf, Roman Protassewitsch ist mitnichten ein unterstützenswerter unabhängiger Journalist, er ist ein Nazi affiner Rechtsradikaler, finanziell ausgehalten vom Wertewesten und betraut mit vielfältigen Regime Change Aktivitäten in Richtung Belarus.
 
Übrigens wird das Kerlchen von den Strafverfolgungsbehörden Weißrusslands, mit nicht unerheblichen Anschuldigungen gesucht, die von Aufruf illegaler Demonstrationen bis hin zu Landesverrat reichen. Da könnte sich der traurige Herr Wolf ja mal mit den einschlägigen Paragraphen der Bananenrepublik Deutschland vertraut machen, was in so einem Fall ansteht.
Übrigens ist das Ganze eine interessante Völkerrechtliche Frage. Ist ein Staat, über dessen Staatsgebiet ein von diesem Staat gesuchter Straftäter hinwegfliegt berechtigt, etwas gegen das Transportmittel, in dem dieser beschuldigte Straftäter sich aufhält, zu unternehmen. Und wenn ja, wie weut dürften die Maßnahmen gehen.
 
Aber hey, liebe Nachdenkseiten Redaktion, ihr könnt ja mal bei der “Völkerrechtlerin der Herzen” anfragen. Die ausgewiesene Expertin hat zumindest die geistige Nähe zu der Person  Roman Protassewitsch. Und das Niveau passt dann sicherlich auch.
 
Beste Grüße
Stefan Michaelis


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